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Full text of "Flais Sei Stark 1 1"

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Sei Stark! 

Einführung in das produktive Krafttraining mit und ohne Geräte 
Tipps und Tricks um stärker, schneller und ausdauernder zu werden 
sowie zum Zunehmen, Abnehmen und Definieren 



Written by Flais - edited by Flex 




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Copyright und Disclaimer: 



Dieses Buch ist gratis auf www.scribd.com abrufbar. Die Weiterverbreitung in elektronischer 
Form oder gedruckter Form darf frei erfolgen, sofern dies unverändert und ungekürzt 
geschieht. Zitate dürfen bei entsprechendem Verweis ebenfalls ohne Nachfrage erfolgen. 

Alle hier dargestellten Ansichten sind die persönliche Meinung der Autoren, die auf ihrer 
eigenen Erfahrung beruhen und NICHT als ärztlicher Rat zu verstehen sind. Vor jeglicher 
intensiver physischer Belastung sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden (sorry, wir müssen 
das schreiben, auch wenns langweilig ist); die Autoren sind in keinster Weise für eventuell 
entstandene Schäden physischer, psychischer oder materieller Natur haftbar. 

Verstöße gegen die persönlichen trainingstechnischen, politischen oder moralischen 
Ansichten der Leser sind möglich, erfolgen aber ausnahmslos nicht in böswilliger Absicht. 
Sollte der verehrte Leser sich dennoch gekränkt fühlen, steht es ihm jederzeit frei, mit dem 
Lesen aufzuhören. Er bekommt dann auch den vollen Kaufpreis von 0,00 Euro erstattet, 
garantiert. 

Wir haben des Weiteren darauf verzichtet zu gendern, was bitte nicht als Affront verstanden 
werden soll; Grund dafür ist einerseits die Bequemlichkeit, zweitens wissen wir aus 
zuverlässiger Quelle, dass auch Hardcore-Feministinnen heute auf die ständige Anfügung der 
andersgeschlechtlichen Endsilbe verzichten, also dürfen wir das auch. 

Wir möchten betonen, dass wir mit keiner der genannten Firmen oder Autoren in einem 
geschäftlichen oder sonstwie gearteten Verhältnis stehen. 

Edit: Dieser Bericht wurde auf einem Computer ohne funktionierende Rechtschreibprüfung 
getippt (ja, sowas gibt es noch!). Fehler passieren, wir berichtigen sie nach Möglichkeit auch 
gerne. Allerdings bitten wir um Nachsicht, weil wir uns verständlicherweise für einen nicht- 
kommerziellen Gratis-Report auch keinen professionellen Lektor leisten konnten oder wollten. 



2 



Widmung: 

Für meine Schwester (f 24.07.2014) 
RIP, Iii sis... 



Besten Dank an Oskar, Harald und meinen Bruder J. fürs Mitwirken bei den Fotografien sowie 
an Oskar, Harald und KKB-User Horrido fürs Rezensieren... 



... Und vielen Dank an unser unfreiwilliges Covermodel und Ringer-Schutzheiligen 

Alexander Karelin! 



Der volle Reinerlös vom Verkauf dieses Gratis-Buches geht übrigens an die Stiftung 
„Rettet den haarigen osteuropäischen Kampfzwerg!" 
(© nach KKB-Moderator Klaus) 



3 



Table of Contents 

Über die Autoren 5 

Ziele dieses Buches 8 

Mythbus ters 9 

"Gewichtstraining macht langsam!" Oder: wie funktionell ist funktionelles Training? 11 

"Ist nicht schädlich?" 14 

Training - Wissenschaft, Kunst oder Handwerk? 15 

Sportphysiologie für Dummies 19 

Hypertrophie 26 

Veranlagung 28 

Looks like Tarzan, plays like Jane 32 

Progressivität: die Seele des erfolgreichen Trainings 35 

Ziele: ja oder nein? 38 

Schon die Eiscreme-Diät probiert? Sinn und Unsinn von Ernährungstipps 40 

Supplemente 50 

Kraftraum-Etikette und -Garderobe 55 

Die Grundübungen 57 

Kraftstandards 86 

Wie mache ich Kniebeugen ohne Rack? Wie man Übungen und Gewichte improvisiert 90 

Sonderbericht: Kettlebells - Geschichte, Vorteile, Übungen 99 

Expander, Federn, Isometrics und Ähnliches 112 

Ich will meine Bauchmuskeln sehen! 124 

Fit durch Körpergewicht 129 

Cardio ohne Geräte 153 

Trainingsplanung 101: (un)bekannte Trainingspläne 170 

Das Intervallprinzip 181 

Der Zirkelschluss 189 

Splitting vs. Füll Body 204 

Periodisierung 205 

Programmerstellung Beispiele 210 

Einschub: andere Trainingsprogramme 219 

Besonderheiten im Training für Kampfsport 223 

Ich bin sauer! 229 

FAQ 232 

Schlussbemerkung und Geleit 243 

Literaturliste 244 



4 



Über die Autoren 



It's you and me against the world. Let's attack! 
[Marc "Animal" MacYoung] 

Wir wollen ehrlich zu euch sein, keiner von uns hat Sport studiert. Aber wir haben zusammen 
über dreißig Jahre Erfahrung im Leistungs- und Wettkampfsport (Flex: Fußball, Hochsprung, 
Hürdenlauf, Staffellauf, Crosslauf, Klettern, Unterwasserball, Aikido, Kickboxen, MMA, Krav 
Maga, zudem Einsätze im Katastrophenschutz und als Sicherheitskraft; Flais: Mittel- und 
Langstreckenlauf, Schießen, Bouldern, Boxen, Thaiboxen, MMA, Judo, Ringen, Sambo) - bei 
zusammen gerade mal 52 Lebensjahren -, davon auch jeweils mehrere als Trainer (Flex: 
Unterwasserball; Flais: Ringen; Standkampf Grappling / MMA); zudem umfasst unsere 
Trainingsbibliothek einige hundert Titel und einer von uns hat sogar schon mal drei Jahre lang 
in einem Kraftraum gewohnt ;-) 1 . Unterwegs haben wir ein paar Dinge aufgeschnappt, die 
euch vielleicht weiterhelfen können. 

Wie dieses Buch zustande kam: 

Flais: Flex und ich kennen uns seit unserer gemeinsamen Schulzeit, also mittlerweile seit fast 
fünfzehn Jahren, und waren in grauer Vorzeit auch mal fünf Jahre lang Mitglieder des 
gleichen Leichtathletik-Teams. Das Projekt dieses Buches entstand irgendwann im Herbst 
2012, als Flex die Aufsicht für den internenen Kraftraum eines Studentenheimes übertragen 
wurde, er sich die Sache mal ansah und dann zum Ergebnis kam, dass man da noch 
ordentlich was aufpeppen könnte. In diesem Zuge kamen wir auf die Idee, sowas wie eine 
kleine interne „Bibliothek" anzulegen, nur war das Budget dafür etwas knapp. Also entstand 
die Idee, einfach selber eine Zusammenfassung zu schreiben. Gesagt, getan, auch wenn es 
dann in der Praxis so aussah, dass ich grad deutlich mehr freie Zeit hatte - und diese Zeit 
generell zudem zum allergrößten Teil Training und entsprechende Recherchen stecke - als 

1 Flais: Die Mitbewohner in meinem 12 m 2 -Zimmer waren damals zwei Langhanteln, zwei Kurzhanteln, zwei Kettlebells, 
zwei Klimmzugstangen, ein Boxsack (Ausführung Lowkickstange) samt Deckenhalterung, ein 100kg schwerer 
Sandsack, zwei Pratzen, zwei Paar Boxhandschuhe, zehn Expander, unzählige Hand-Gripper, etwa 200 kg 
Gewichtsscheiben und knapp 100 kg Trainingsbücher. Es waren vorbildliche Mitbewohner: still, sauber, hilfreich, für 
jeden Blödsinn zu haben, und nie hat sich einer davon beschwert, dass die Musik zu laut wäre oder wenn ich nach 
Mitternacht noch den Mixer angeworfen habe, um Eistee zu machen. Auf euch, Prost! 

5 



er, sodass sich das Ganze im Wesentlichen darauf rausgelaufen ist, dass ich geschrieben 
habe und er das Editing übernommen hat. Was ursprünglich eine kleine Broschüre geplant 
war, ist zudem in eine Art Manifest ausgeufert - nicht unbedingt das, was angedacht war, 
aber zumindest steht jetzt der Großteil von dem drin, was ich für mehr oder weniger 
elementar wichtig halte. 

Von der Ausrichtung her hat es sich so ergeben, dass wir einen ziemlich großen Teil dieses 
Buches auf den Schwerpunkt Kampfsport ausgelegt haben, da wir eben aus diesem Bereich 
kommen. Allerdings soll dies keinesfalls bedeuten, dass alle anderen außen vorgelassen 
werden. Im Gegenteil hoffen wir, dass zumindest wer in Sachen Kraft- und Fitnesstraining 
Anfänger bis mäßig Fortgeschrittener ist (= nach unser schlichten Definition jeder, der nicht 
wenigstens sein doppeltes Körpergewicht im Kreuzheben und in der Beuge bewegt, sein 
Körpergewicht über den Kopf stemmen kann, >20 saubere Klimmzüge schafft und beim 
Cooper-Test nicht mindestens 3000 Meter in den vorgegebenen 12 Minuten läuft 2 ) hier den 
einen oder anderen Denkanstoß finden kann. Und wer weiß, vielleicht interessieren ein paar 
der Themen in unserem Kompendium ja auch diejenigen, die über dieses Stadium schon 
hinaus sind. 

Unsere Trainingserfahrungen decken sich auch nicht immer zu 100%, deswegen werden wir 
euch gelegentlich auch getrennt - entsprechend gekennzeichnet - unsere jeweilige Sicht der 
Dinge darlegen. Dies sollte auch schon darauf hinweisen, dass es immer verschiedene Wege 
gibt, eine Problematik anzugehen, vor allem in der Trainings- und Ernährungswissenschaft, 
wo die einzelnen Veranlagungen unter Umständen 180° auseinandergehen können. Wir 
versuchen hier, euch eine Sammlung von Wissen zu bieten, eine Zusammenstellung aus 
Erfahrungen und von uns für gut befundener Fachliteratur, aus der ihr euch das für euch 
Nützliche raussuchen könnt. Keiner ist unfehlbar, vor allem wir nicht, und auch dieses Werk 
kann in keinster Weise Anspruch auf Vollständigkeit erheben. 

PS: Dieses Buch entstand im Wesentlichen in der Zeit, als wir beide unsere respektiven 

2 Für Jungs; Mädels jeweils - ca. 30%. Wem das viel vorkommt: sorry Leute, dann seid ihr in Punkto Kraft-zu- 
Körpergewichts-Verhältnis eben nicht ganz so fortgeschritten, wie ihr gern glauben würdet. Diese Standards sind 
zugegebenermaßen nicht ganz einfach erreichbar - schon gar nicht ohne mehrjähriges Training - aber sie sind noch weit, 
weit weg von Weltklasse. 



6 



Masterarbeiten geschrieben haben und was zur Ablenkung brauchten... Also erwartet bitte 
nicht, dass wir immer und überall bierernst bleiben ;-) Für politische Korrektheit werden wir 
nicht bezahlt (hmm, für diese Publikation auch nicht... komisch.). 

PPS: Nochmal, ihr seid selber für alle Schäden verantwortlich, die ihr euch eventuell beim 
Training oder sonstwie zufügt. Auch wenn wir uns beide in all den Jahren Krafttraining noch 
nie was zugegzogen haben, was uns länger als eine Woche vom Training abgehalten hätte - 
Shit happens. Fragt einen Arzt, bevor ihr anfangt, und meinetwegen auch eure Mama. Da, wir 
habens euch hiermit zweimal gesagt. 

PPPS: Wenn ihr uns dennoch verklagen wollt, wir haben unter der großen Eiche im Wald 
einen toten Beschwerde-Briefkasten eingerichtet, der in mehr oder weniger unregelmäßigen 
Abständen geleert wird (wenn auch nicht zwangsläufig durch uns). Für Lob, Anerkennung, 
Diskussionen, verrückte Experimente oder schwarzen Kaffee sind wir dagegen in der Regel 
persönlich zu den allermeisten Tages- und Nachtzeiten zu haben. 

Man erreicht uns für gewöhnlich unter johnflais@gmail.com sowie Flais auf 
www.kampfkunstboard.info unter dem Nickname Period - außer, wir sind vom Internet 
abgeschnitten, oder eure Anfrage war hirnrissig, oder wir hatten gerade keine Lust zu 
antworten. In all diesen Fällen raten wir, geduldig abzuwarten - anderenfalls bleibt uns nur zu 
sagen, Go fuck yourselves. 



7 



Ziele dieses Buches 



Aut viam inveniam aut faciam. 
[irgendein alter Römer] 

Was dieses Buch NICHT will: 

- 150 verschiedene Varianten einer Übung aufzeigen. Für sowas gibts Enzyklopädien 
und das Internet. Um ehrlich zu sein raten wir, zu jeder Übung verschiedene seriöse 
Quellen durchzugehen, um bei der Suche nach der geeignetsten zu helfen. 
Insgesamt hat es sich so ergeben, dass wir deutlich mehr über Übungsauswahl, 
Progression und Programmerstellung geschrieben haben als über Übungsausführung, 
sodass es sich an dieser Stelle doppelt empfiehlt, verschiedene Quellen zu bemühen. 

- X verschiedene Produkte bewerben. Dieses Buch ist wie erwähnt kostenlos, und die 
Autoren haben kein Interesse daran, irgendwelche weiterführenden Bücher oder 
Trainingsgeräte zu verkaufen. 

Vielmehr wollen wir euch in folgenden Bereichen unterstützen, euch selbst zu entscheiden, 
was ihr anstrebt und versuchen, die Prinzipien näher zu beleuchten, die euch dabei helfen 
können: 

- Klarheit verschaffen: was sind meine Ziele? 

- Wie trainiere ich, um diese zu erreichen? 

- Was funktioniert wofür? 

- Was funktioniert nicht oder nicht so wie allgemein angenommen? 

- Wie spare ich Zeit und erreiche meine Ziele schneller? 

- Wie vermeide ich übliche Probleme? 

- Wie teuer muss Training sein? Wie trainiere ich ohne ? 

- Und, weil uns sehr wohl bewusst ist, dass wir mit diesem Werk grade mal an der 
Oberfläche kratzen: Worüber man wo noch genaueres nachlesen kann. 



8 



Mythbusters 



lf it works, it works, no matter what anybody says. 
[Franco Columbu] 

Don't believe anything until it has officially been denied. 
[Mark Mirabello] 

"Ich trainiere nur an Cardiogeräten, ich will ja nicht Oberarme (....oder beliebiges anders 

Körperteil...) haben wie (Name eines aus Filmen bekannten Bodybuilders 

einfügen)/" 

Diesen Satz (oder leichte Abänderungen davon) haben viele von uns schon mindestens 
einmal zu oft gehört - und das keineswegs nur von weiblichen Trainierenden. Problematisch 
ist, dass vielen Lesern und Innen ein falsches Bild vom Training mit und ohne Gewichten 
vermittelt worden ist - namentlich eins, das nicht unmaßgeblich von Fotos professioneller, 
durch Medikamentenkonsum in mehreren Aspekten ihrer Anatomie veränderter und 
hochgradig mit Öl und Sprühfarbe angepinselter Bodybuilder und Innen geprägt worden ist 
(Flais: Wer sich dafür interessiert, kann das gerne googeln, wir verzichten hier allerdings aus 
naheliegenden Gründen auf nähere Erläuterungen). 

In der Praxis ist es allerdings so, dass viele von dieser Einstellung im Erreichen ihrer eigenen, 
selbst gesteckten Ziele im Kraftraum behindert werden. Nüchtern gesagt: Bei allen 
Trainingsgeräten handelt es sich lediglich um Werkzeuge, die zu unterschiedlichen Dingen 
eingesetzt werden können. Mit einem Hammer kann man eine Statue meißeln, einen Nagel 
einschlagen 3 , eine Betonmauer einreißen oder sich und anderen auf die Finger hauen, je 
nachdem, wer ihn einsetzt und wie er dies tut. Ach, und mit einem Hammer kann man auch 
trainieren, wo wir schon beim Thema sind. 

Damit wollen wir sagen: Es ist möglich, mit den allermeisten Geräten verschiedene Ziele 
anzustreben, je nachdem, wie man sie einsetzt. So kann man mit Hanteln ebenso Ausdauer 

3 If 'all you have is a giant hammer, everything Starts looking like a nail... 



9 



trainieren wie mit einem Crosstrainer Maximalkraft (Flais: wenn man ihn samt dem aktuellen 
Benutzer über den Kopf stemmt zum Beispiel). Oft genug kann man sich darauf verlassen, 
dass die Fitnessmodels (übrigens ein eigener Berufsstand sowie im Wettkampf eine 
Unterkategorie des Bodybuildings), die in der Werbung mit oder auf den diversen Geräten, 
Energieriegeln etc posieren, einen Gutteil ihres Aussehens mit Hanteln erzielt haben 4 . Dies 
sollte auch schon einen wichtigen Hinweis geben, worauf es im Kraftraum ankommt: zwar 
führen manche Wege einfacher zum gewünschten Erfolg als andere, aber die magische Pille 
gibt es nicht - ebenso wenig die magische Übung, den perfekten Trainingsplan oder das 
beste Gerät. Fast alles funktioniert irgendwie - kaum etwas funktioniert für immer 5 . Neben 
einer gewissen Denkarbeit - zumindest wenn man seine Programme selbst zusammenstellt - 
sind vor allem Einsatz und Durchhaltevermögen gefragt. Auch wenn die ersten Resultate 
schon nach ein paar Wochen sichtbar oder spürbar sein können - gut Ding hat gut Weile, und 
Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Natürlich hoffen wir, dass ihr genug Spaß am 
Training findet, um die Sache dauerhaft durchzuziehen ;-) 

Nun stellt sich natürlich die Frage, warum der Einzelne trainiert. Manche möchten Gewicht 
verlieren, andere zunehmen, manche definierter werden, manche Maximalkraft aufbauen, 
explosiver oder ausdauernder werden, "was für den Kreislauf tun" oder in ihrem Sport besser 
werden (genauere Erläuterungen siehe "Sportphysiologie für Dummies" und 
"Trainingsplanung 101"). Wie auch immer, jedes dieser Ziele kann durch einen gezielten 
Trainings- und Ernährungsplan erreicht werden - hier werden Sie geholfen. 

Wenn die geneigten Leser und Innen uns in unseren Ausführungen durch diese 
Zusammenstellung folgen wollen, dann werden wir unser Bestes tun zu erklären, wie man 
welches Ziel und welche Physis leichter erreichen kann. 

Auf den Vorwurf des "versehentlich zu viele Muskeln aufbauen" werden wir später noch 

4 Und in vielen Fällen auch mithilfe von illegalen Präparaten (vgl. den Steroid-Dokumentarfilm „Bigger, Stronger, Faster" 
von Chris Bell [Magnolia Pictures 2008]; der Film ist auch als Aufklärung darüber, wer schon alles gedopt hat, recht 
aufschlussreich: so hat etwa der Ex-lOOm-Weltrekordler Carl Lewis, dem nach dem positiven Doping-Test von Ben 
Johnson in Seoul 1988 nachträglich die olympische Goldmedaille zuerkannt wurde, einige Monate vorher eine positive 
A-Probe abgeliefert, was allerdings vom amerikanischen Verband vertuscht wurde. Und natürlich regte sich niemand 
mehr über Ben Johnson's Dopingaffäre auf als Carl Lewis...). 

5 Frei nach Dan John. 



10 



eingehen (siehe "Sportphysiologie für Anfänger" im Unterpunkt "Hypertrophie" sowie Kapitel 
"Looks like Tarzan, plays like Jane"). 



"Gewichtstraining macht langsam!" Oder: wie funktionell ist 
funktionelles Training? 

- I've seen the strongest guys topple over in the ring like drunken elephants. Because they 
were relying on their muscles and nothing eise. 

+ If my muscles aren't important, why do we spend so much time training them? 

- So that you don't look like a total pussy in the ring. That was 30, keep going. 

[Joe & Ben, The Boxer] 




Auch Usain Bolt trainiert mit Gewichten, aber langsam geworden ist er davon noch nicht. 



Zu Beginn der Popularität des Hanteltrainings im frühen 20. Jahrhundert wurde bald der 
Vorwurf seitens einiger Athleten laut, dieses blase die Leute nur auf und bringe dem 
ernsthaften Sportler keine Vorteile; im Gegenteil, es mache ihn langsam und unbeweglich 6 . 
Diesem Vorwurf begegnet man auch heute noch oft genug, obwohl die meisten Profisportler 



6 Siehe z.B. Higgins 1915, 24. 



11 



inzwischen in der einen oder anderen Form dem Krafttraining frönen. In jüngster Zeit führte 
dies aber auch mit zur Entwicklung des sogenannten Functional Training (jup, das sind in der 
extremen Ausprägung die komischen Keulchen, Schlaufen, Fitnessbälle und weiß der Geier 
was noch alles für Spielzeug, denen man heutzutage auf Schritt und Tritt in Werbung und 
populären Fitnessmagazinen begegnet 7 ). 

Flais: Dummerweise steckt in vielen Vorurteilen auch ein bisschen Wahrheit. Wenn ich für 
jeden muskelfixierten, schwerfälligen Kraftprotz, dem ich in meinem Leben begegnet bin, 
einen Euro kriegen würde, dann würde ich inzwischen in Hawaii wohnen (unter der Brücke 
vielleicht, aber trotzdem Hawaii!). 

Meiner Erfahrung nach ist die Sache so: das Problem sind nicht die Gewichte, sondern was 
man damit anstellt. Leider hat das Eisen auch Suchtpotential, das bedeutet, der jeweilige 
Anwender scheint zu glauben, durch das Bewegen von mehr Gewicht seinen sämtlichen 
Problemen und Unsicherheiten - seien sie sportlicher oder privater Natur (die Wirkung auf 
das jeweils attraktive Geschlecht war und ist ja immer mit ein Anreiz zum Training gewesen, 
machen wir uns nichts vor) - entkommen zu können. 

Nun ist es allerdings so, dass für einen Sportler immer der jeweilige Sport an erster Stelle 
stehen sollte, zumindest im Training. Folgern wir nun richtig, so können wir folgendes 
mutmaßen: wenn jemand Gewichte heben trainiert, dann wird sich sein Körper in erster Linie 
an das Heben von Gewichten anpassen und er wird vereinfacht gesagt in eben dieser 
Tätigkeit besser (Edit: das Gleiche tritt dummerweise auch auf das Sitzen vor dem Fernseher 
zu, nur ist das tendentiell ein wenig ästhetischer ansprechender Prozess, außer man hat sehr 
hmmm, ausgefallene Vorlieben). Zu diesen Modifikationen gehört, sofern exzessiv betrieben, 
neben einer Erhöhung der Muskelmasse und die Anpassung an das trainierte Tempo auch 
die Straffung mancher Sehnen und Bänder, was gerade bei den klassischen Bodybuilding- 
Übungen nicht selten auch zu einer gewissen Verringerung der Beweglichkeit z.B. im 

7 Der Begriff ist in den letzten Jahren schlicht zu Tode geschrieben worden. In der schlichten Ausprägung ist functional 
training nichts Negatives, man versucht sich dabei nur möglichst nahe am Bewegungsablauf der Ziel-Sportart zu 
bewegen und diesen zu überladen. Beispiel: mein Sport wäre Seilklettern (ein Seil, 8m Länge, Sitzstart, kein 
Beineinsatz). Natürlich könnte ich Klimmzüge machen oder Kreuzheben für Rücken und Griffkraft - aber ich werde für 
optimale Performance nicht umhin kommen, viel, sehr viel Seil zu klettern (der ehemalige Wettkampf-Seilkletterer und 
Bouldering-Pionier John Gill schrieb von einem Pensum von einer Meile Seil pro Woche), mal mehrere Seillängen am 
Stück für Ausdauer, sehr oft mit Stoppuhr, einen Teil davon sicher auch mit Zusatzgewichten für mehr Kraft. 
Funktioneller geht's nicht, der Übertrag ist sofort da. Nur ist das Training und dessen Niederschlag in Sekunden, Metern 
und Punkten in den meisten Sportarten etwas komplexer, weil die Anforderungen vielfältiger sind. 

12 



Schulterbereich oder den Hüften führen kann 8 - sofern die Arbeit mit schweren Gewichten 
und langsamen Tempos den Großteil des Gesamt-Trainingspensums ausmachen und wenig 
Dehnungsübungen bzw Übungen mit großen Bewegungsradien ausgeführt werden (deutlich 
anders würde die Sache hingegen ausschauen, wenn jemand z.B. olympisches 
Gewichtheben betreibt - maximal-explosive Bewegungen an schweren Gewichten über einen 
nahezu maximalen Bewegungsumfang. Viel Glück dabei, einen langsamen und unterdehnten 
Gewichtheber zu finden). 

Richtig betrieben kräftigt ein gezieltes Krafttraining jedoch nicht nur die in der „Hauptsportart" 
vorwiegend gebrauchten Muskeln, Sehnen und Bänder, sondern auch jene, die in dieser 
Disziplin oft vernachlässigt werden und beugt somit Verletzungen und Langzeitschäden vor. 
Die Nebenwirkungen können deutlich erhöhte (Schnell-) Kraft, Ausdauer und verstärktes 
Selbstvertrauen sein. 

Was bedeutet das für uns? Training mit Gewichten ist weder schlecht noch böse, sondern ein 
Mittel, das wir nutzen können (wenn auch nicht unbedingt müssen). Ein Gewichtstraining 2-3x 
pro Woche kann für die allermeisten Sportler Vorteile bringen - im Rahmen eines 
ausgewogenen Trainings, bei sorgfältiger Übungsauswahl und in Abstimmung auf das 
Gesamttrainingspensum. So können die Kraft und Explosivität, aber auch die Kraftausdauer 
und Ausdauer effektiv erhöht und die Verletzungsgefahr durch Dysbalancen verringert 
werden. Trotzdem sollte der einzelne Sportler seine bereits vorhandenen Stärken im Sport - 
ob das nun ein schneller Antritt beim Sprint ist oder die Fähigkeit, im einarmigen Handstand 
mit zehn laufenden Kettensägen zu jonglieren - weiter hegen und pflegen. Wie Boxtrainer 
Ross Enamait die Sache mal ausdrückte: Skills pay the bills. 

Eine Ausnahme würde ich zum Beispiel den Athleten empfehlen, die mit einem breiten 
Hintergrund an Krafttraining in eine bewegungs- und koordinationsorientierte Sportart 
einsteigen wollen (das sind nicht nur Tanzen, sondern auch zum Beispiel alle Ball- und 
Kampfsportarten mit der möglichen Ausnahme von Sumo-Ringen). Ihr habt genug Kraft und 
Masse, Jungs und Mädels, und ihr lernt die Bewegungsabläufe schneller, wenn ihr euch mal 
ein, zwei Jahre nur da drauf konzentriert. Es hilft, ehrlich :) 

8 Siehe auch Steve Maxwell (ehemaliger BJJ - Weltmeister) über die Chancen von Powerliftern im BJJ: 
http://maxwellsc.com/blog. cfm?blogID=60 . 

13 



Ist 



nicht schädlich?" 



Ich bin schreiend, strampelnd und blutverschmiert auf diese Welt gekommen, und ich hab 

kein Problem damit, auch so wieder zu gehen. 
[Brandon Beckett] 

Antwort: ja, wenn man es falsch macht! Es stimmt, gewisse Übungen haben von populären 
Fitnessmagazinen und Co einen etwas schlechten Ruf verpasst bekommen. Dies sind 
allerdings in der Regel auch die Erfolg bringendsten Übungen. Stichworte: Kniebeugen, 
Kreuzheben, Schulterdrücken im Stehen (Military Press), Klimmzüge. Natürlich KANN man 
sich dabei verletzen, aber das kann man auch im Straßenverkehr oder, wo wir schon dabei 
sind, daheim im Bett (fragt Dieter Bohlen). Also lassen wir das. Garantien gibt es unterm 
Strich nie (sorry! Nein halt: kommt damit klar.), aber man kann das Risiko deutlich reduzieren, 
indem man sich über korrekte Übungsform informiert (die Basics versuchen wir euch hier 
mitzugeben, aber weiteres Einlesen sowie ein qualifizierter Trainer und / oder Spotter 
schaden selten), deutlich schwächere Muskelgruppen kräftigt, sich anständig warm macht 
und langsam an sein Leistungspotential herantastet, im Training konzentriert bleibt und die 
Sicherheitsrichtlinien einhält. 

Flais: und wem das immer noch zu gefährlich ist, für den gibt es da so schöne, bunte 
Legosteine, mit denen er spielen kann... 



14 



Training - Wissenschaft, Kunst oder Handwerk? 



Human beings, who are almost unique in having the ability to learn from the experience of 
others, are also remarkable for their apparent disinclination to do so. 

[Douglas Adams] 

America is a country ofinventors, and the greatest ofinventors are the newspaper men. 

[Alexander Graham Bell] 

Flais: Krafttraining ist ein Thema, das viel diskutiert wird, und manchmal kann einem dabei 
ganz schön schlecht werden. Jeder mag dabei sein eigenes Lieblingsthema haben, das ihn 
auf die Palme bringt. Bei mir sind das vor allem sogenannte wissenschaftliche Studien oder, 
um genau zu sein, nicht die Tatsache, dass diese betrieben werden, sondern vielmehr, was 
die Leute damit machen. Aber dazu später noch etwas mehr. 

Sehen wir uns zunächst an, wie man Training betreiben kann. An den Universitäten wird es 
als Studienfach gelehrt und auch als solches betrieben. Dies hat durchaus seine 
Berechtigung und kann auch hilfreich sein, wenn man sich seine Quellen selektiv aussucht 
(aber auch das ist ja dann schon fast wieder trial and error, oder?). Das erste Problem dabei 
ist, dass jede Wissenschaft immer bei 0 anfangen und sich erst hocharbeiten muss - und 
gelegentlich mit Antworten aufwartet, die zwar vielleicht nicht per se falsch, aber doch für die 
Praxis wenig geeignet sind, weil sie nur unter ganz bestimmten Prämissen zutreffen. Und in 
der Regel kommt grad, wenn ein neues Dogma akzeptiert ist, ein neuer Ausnahme-Athlet 
daher, der nach irgendwelchen „veralteten" oder „verrückten" Prinzipien trainiert hat und 
einfach alles ganz anders macht. Bis sich die Herren in weiß aus ihren selbstgebauten 
Irrgärten wieder freigekämpft haben, und sagen können, warum denn alt auf einmal neu und 
verrückt vernünftig ist, gehen schon mal gut und gerne zehn Jahre ins Land, und wer die Zeit 
damit verbracht hat, der Debatte zu folgen, der ist am Ende vielleicht klüger, aber auch zehn 
Jahre älter - und immer noch gleich weit von seinen Trainingszielen entfernt. 
Bei möglichen sinnvollen Neuerungen ist es ähnlich - auch wenn ein Konzept prinzipiell 
sinnvoll und schlüssig ist, braucht es seine Zeit, bis es das Teststadium durchlaufen hat und 

15 



sozusagen auf Herz, Nieren sowie Risiken und Nebenwirkungen 9 getestet worden ist. Ist der 
Erfinder ein Arzt, wird er eine willkürliche Kontrollgruppe zusammenstellen und anfangen zu 
testen, alle möglichen Resultate aufschreiben, dann vermutlich ungeachtet der Resultate 
modifizieren und wieder testen, bis er bereit ist, einen Teil seiner Forschungen zu publizieren. 
Ist er dagegen ein Athlet, wird vermutlich naherzu umgehend selbst mit dem Testen 
anfangen, bei anhaltenden Misserfolgen schleunigst modifizieren und bei anhaltenden 
Erfolgen sein Umfeld inspirieren. Das mag weniger wissenschaftlich sein, klingt für mich aber 
durchaus sinnvoll. 

Die Art, wie diese beiden Disziplinen Resultate definieren, ist auch eine andere: Mediziner 
neigen dazu, nach metrisch messbaren Resultaten zu suchen (Steigerung des 
Lungenvolumens, des Faserdurchmessers, Kontraktionsstärke), während Sportler den 
empirischen Daten den Vorzug geben (wie: ich werde langsamer müde, habe „mehr Luft", 
fühle mich schneller / stärker etc) 10 . 

Als Beispiel kann das isometrische Training dienen, von dem die Wissenschaft behauptet, es 
erfunden zu haben 11 und von dem sie zum Schluss kam, dass es ein erhöhtes 
Muskelwachstum hervorrufe. In China dagegen war isometrisches Training in Form des 
Übens von Kampfstellungen (vor allem Varianten der Reiterstellung Ma Bu) schon seit 
Jahrhunderten (wenn nicht gar Jahrtausenden) bekannt und weit verbreitet, mit der 
Bemerkung, es kräftige die Beine, mache den Stand sicherer und ermögliche ein leichteres 
aus-dem-Gleichgewicht-bringen des Gegners. So, welches der beiden Ergebnisse ist nun für 
einen Sportler eher direkt anwendbar? Zu wissen, dass er mehr Muskelmasse bekommen 
könnte, oder die Angabe, für was diese Muskelmasse jetzt gut ist? 



9 Eine der wirklich großen Neuerungen, die durch die Medizin in die Trainingswissenschaft gekommen sind, waren 
diverse Dopingmittel, unter anderem Steroide. Darüber kann man nun geteilter Meinung sein, aber auch die 
hartgesottensten Steroidbefürworter würden wohl zögern, als erste den brandneuen Stoff an sich ausprobieren zu lassen, 
oder? 

10 Das mag nach „Bro-Science" klingen, und bis zu einem bestimmten Grad ist es das auch; allerdings hat diese Art der 
Informationsvermittlung durchaus auch ihre Vorteile, mehr dazu siehe hier: http :// www. t-nation.com/ trainin g/case-for- 
broscience (Stand 03.07.2014). 

11 Die Story dahinter ist die, dass jemand in den 1950ern einem Frosch in nicht gerade tierfreundlicher Art und Weise ein 
Hinterbein gefesselt (durch Zusammenbinden von Unter- und Oberschenkel) hat und dann sehr erstaunt war, dass es 
stärker wuchs als das freie, woraus er auf ein erhöhtes Muskelwachstum schloss, wobei nicht sicher ist, ob er die 
Schwellung durch Abbinden etc korrekt miteinberechnet hat. http://www.ehow.com/about_5443765_history-isometrics- 
training.html (Stand 12.02.2014). 



16 



Dies sind einige der Gründe, warum ich der Meinung bin, dass die aktuellen Entwicklungen 
der Sportwissenschaft nicht der einzige Aufhänger für das Training sein sollten. Außerdem 
sollte man sich mal vor Augen führen, wie viel man wirklich von diesen Forschungen 
mitbekommt - zehn Zeilen Pressemitteilung einer Studie sind schwerlich eine umfassende 
Information. Wenn schon wissenschaftliches Training, dann bitte im Rahmen einer 
persönlichen Betreuung durch einen seriösen Wissenschaftler, nicht irgendwas 
Hausgemachtes frei nach der letzten Folge Galileo-Lifestyle-irgendwas. 

Training als Kunstform zu betrachten ist eine interessante Sichtweise. Meines Erachtens ist 
dies aber vor allem dann zielführend, wenn man es von einem ästhetischen Standpunkt aus 
betreibt - vom Breiten-Fitnessportler bis hin zum Bodybuilder. Das wichtigste Trainingsgerät 
des Ästheten ist der Spiegel, deswegen sind die kommerziellen Studios meist voll davon. Am 
zweitwichtigsten sind Hochglanz-Magazine, aus denen an die mehr oder weniger 
realistischen Vergleiche zu den mehr oder weniger natürlich entstandenen Vorbildern ziehen 
kann. Was hätte ich noch gerne? Hier noch ein bisschen Muskel, da ein bisschen weniger 
Fett, da noch ein bisschen Mascara zum kaschieren... fertig ist der Beach-Body. In zweiter 
Linie geht es dann darum, herauszufinden, wie man auf diese Ziele hinarbeiten kann - das 
macht die Kunst eigentlich zum Kunsthandwerk (eine Zugabe von Steroiden o.ä. dagegen zur 
Kunstwissenschaft ;-)), aber lassen wir das 12 . 

Bleibt noch das Handwerk als gangbarer Weg übrig. Wichtig dabei ist das alte Bauhaus- 
Motto: form follows function. Physiker oder Architekten mögen recht haben, wenn sie sagen, 
dass das Dreieck der verwindungssteifste aller Körper ist, aber dreieckige Regale haben was 
sehr unpraktisches, und ein Regal aus Dreiecken zu bauen ist zwar als Denkaufgabe ganz 
lustig, aber der Zeitaufwand wird sich für das Endresultat vermutlich nicht lohnen; auch mag 
ein Künstler ein unglaublich formschönes Regal entwerfen und bauen, was sich aber zum 
einen in den Kosten niederschlagen wird und zweitens zu unliebsamen Überraschungen 
führen könnte, wenn der Nachwuchs daran herumturnt. All das hindert den Handwerker nicht, 
einfach fünf kräftige Bretter zu nehmen und sie mit klassischen Verbindungen zu einem 

12 Wenns nicht schon rübergekommen sein sollte - ich verurteile Ästhetik- Training zwar nicht, kann aber für mich rein gar 
nichts damit anfangen. Not my cup of tea. Ich muss noch anfügen, dass Ästheten zwar die eine oder andere nützliche 
Information in diesem Buch finden mögen, aber es wurde nicht primär für diesen Aspekt geschrieben. 



17 



schlichten, aber zweckdienlichen und stabilen Regal zu verbauen, das ein ganzes Leben lang 
hält, selbst wenn man darin seine Kettlebells lagert. Schließlich klappt sowas schon seit 
mindestens 2500 Jahren, und wir reden hier über Regale, nicht über Raketenwissenschaft. 

Mit dem Training ist es meiner Meinung nach ähnlich: wir wissen nach so-und-so-vielen 
Generationen, dass wenn jemand im Sport A lange und oft genug X macht, in aller Regel Y 
herauskommt. Das ist Erfahrung, nicht Wissenschaft, und sollte uns als Basis dienen können. 
Die Wissenschaft kann uns helfen, Überflüssiges zu streichen und Dogmafehler zu erkennen; 
sie kann und soll uns aber nicht die Arbeit abnehmen - und wenn der wissenschaftliche Weg 
wirklich so viel einfacher sein sollte, warum gibt es dann nicht viel mehr ultra-sportliche 
Sportmediziner? 

Um meinen Zank mit der Amateur-Sportwissenschaft noch etwas weiter auszuführen: Hin und 
wieder kommt ein Wissenschaftler in die Medien mit einer Studie, die besagt, mit einer 
Gruppe von zwanzig zufällig ausgewählten Leuten hätte man es geschafft, in acht Wochen 
etwas Y-artiges zu erzielen, wenn sie Z statt X gemacht hätten. Das ist schön und gut und 
mag stimmen, nur: wer waren die? Gehören sie vielleicht alle einer bestimmten Gruppe an 
(Alter, Geschlecht, Trainingsstand, Ethnie...?). Vielleicht steht das ja in der Original-Studie 
drin, aber wenn jemand nur die Tageszeitung aufschlägt, etwas liest und versucht, nur nach 
dieser absolut verknappten Version zu handeln, dann ist das bestenfalls 
Westentaschenwissenschaft. Es gibt sehr viele Einflüsse, die dabei bedacht werden müssen, 
und aller Wahrscheinlichkeit nach hat der gute Wissenschaftler selber welche weggelassen - 
entweder weil er schlicht nicht dran gedacht hat, oder weils sonst zu kompliziert wäre, oder 
weil jemand etwas bestimmtes hören wollte 13 . 

Wesentlich umfangreicher und eloquenter als wir hat Coach Mark Rippetoe das Problem mit 
der Sportwissenschaft angeschnitten 14 . Wir wollen hier aber stattdessen abschließend Gustl 
Bayrhammer zu zitieren: "Am schlimmstn sind die Leit, die glabn sie kenntn denken und 
kennens lai holbat. Mitn holbatn Denkn fongt jede Lumperei an. Merk dir des!" 



13 Wenig überraschend, aber wahr: die meisten Studein werden von großen Konzernen in Auftrag gegeben, und es ist 
schwer, die kritisch zu betrachten, wenn man nicht weiß, woher das Geld kam. 

14 http://www.t-nation.com/powerful-words/problem-with-exercise-science (Stand 06.05.2014). 



18 



Sportphysiologie für Dummies 

Die drei Dinge, die den Meister machen, sind Wissen, Können und Wollen. 

[Unbekannt] 




Der klassische Ringer-Dummy, übrigens ein Artgenosse meines alten Dummys und 
Zimmergenossen Bill, dem ich im Training beide Beine abgerissen habe - Friede seinen 

Fetzen. (Flais) 

Flais: Ok, ok, es gibt ganze Enzyklopädien zum Thema, aber was da drin steht, betrifft uns in 
der Praxis eher periphär, und jetzt in die Bib zu gehn und die auf Zitate durchzuwälzen hab 
ich grad weder Zeit noch Bock. Ich machs also wie gewohnt kurz und schmerzhaft und lass 
mir dabei von Wikipedia helfen - ist es nicht schön, das zur Abwechslung mal zu dürfen? 



19 



Maximalkraft: 

Strength in sufficient quantities conquers everything. 
[Bud Jeffries] 




Andy Bolton - Kraft ohne Ende. 



Das Maximum an Kraft, das ein Mensch für eine Wiederholung in einer Übung produzieren 
kann. Es gibt da noch ein paar Unterkategorien, zum Beispiel Theoretische Maximalkraft - 
die Kraft, die die Muskeln rein rechnerisch produzieren könnten und die unter speziellen 
Bedingungen wie äußerste Erregung durch Lebensgefahr o.a. freigesetzt werden könnte; nur 
meistens sind die Sehnen in der Praxis schwächer als die Muskeln, und das begrenzt die 
Sache dann. 

Einige Sportarten haben sich das Messen der Maximalkraft zum Ziel gesetzt, zum Beispiel 
Powerlifting oder Strongman-Competitions. Technik ist natürlich trotzdem noch dabei (zum 



20 



Beispiel ist der Weltrekordhalter in der Beinpresse - nur Kraft, keine Technik, da lineare, 
geführte Bewegung - als Powerlifter in seinerm Bundesstaat [!] angeblich nicht mal unter den 
Top 20). 

Maximalkraft trainiert man am direktesten mit niedrigen Wiederholungszahlen pro Satz (1-3). 
Kraftausdauer 



Die Fähigkeit, eine relativ hohe Belastung (meist oberhalb der anaeroben Schwelle, sprich, 
die Muskeln können während der Aufgabe nicht mehr vollständig mit Sauerstoff versorgt 
werden, der Körper geht also eine Sauerstoffschuld ein, die später gedeckt werden muss; der 
unter Bodybuildern bekannte sogenannte "Pump" ist ein Symptom davon) über einige Zeit - 
klassisch 1-5 Minuten - aufrecht zu erhalten. 

Klassische Kraftausdauersportarten sind zum Beispiel Mittelstreckenlauf, Rudern, Ski Fahren 
Eisschnellauf, Bahnrad fahren, Grappling oder Ringen. 

Kraftausdauer trainiert man meist mit mittleren bis hohen Wiederholungszahlen (20-30, 





Dan Gable in Aktion. 



21 



vereinzelt auch bis zu 100 und mehr am Stück) oder auf Zeit in Intervallen (siehe Kapitel „Das 
Intervallprinzip"). 

Es sollte angefügt werde, dass intensives Kraftausdauertraining generell das ist, was am 
meisten „brennt", d.h. schmerzt. Manche drücken sich daher drum, andere sind irrigerweise 
der Annahme, dass das Einzige wäre, was sie trainieren müssten. 



Schnellkraft 

The tiger is fast, because the tiger is strong. 
[Mas Oyama, Karate-Legende] 




Herschel Walker, einer der schnellsten Footballspieler der Geschichte. 
Die Fähigkeit, Kraft sofort und explosiv umzusetzen. Sie wird beeinflusst durch die 



22 



Maxi mal kraft und den Prozentsatz schnell zuckernder Fasern im Muskeln (zum Teil 
genetische Veranlagung). Wichtig ist aber auch die Bewegungseffizienz und die 
Reaktionszeit. 

Sportarten, bei denen Schnellkraft vorherrscht, sind Kurzstreckenläufe, Sprung- und 
Wurfdisziplinen sowie Olympisches Gewichtheben. Jedoch spielt Schnellkraft auch in vielen 
anderen Sportarten wie sämtlichen Ball-Mannschaftssportarten und im Boxen (auch 
Kickboxen, MMAetc) eine große Rolle. 

Schnellkraft ist nach allgemeiner Lehrmeinung schwierig zu trainieren. Empfohlen werden 
explosive Gewichtsübungen mit moderater (ca. 60% 1 RM) bis hoher (90-95 % 1 RM) 
Belastung und explosiver Durchführung bei niedrigen Wiederholungszahlen (3-5) sowie das 
Training mit Gummibändern. Andere Trainer empfehlen lediglich ein grundlegendes 
Maximalkrafttraining kombiniert mit Sprungübungen und viel Sportpraxis für optimale 
Bewegungseffizienz. 

Ausdauer: 

The first virtue in a soldier is endurance of fatigue; courage is only the second virtue. 

[Napoleon Bonaparte] 



Fatigue makes cowards out of us all. 
[Vince Lombardi, Footballtrainer] 




Pholo: ..ustn Bastisn 



Scott Jurek, Ultramarathon-Legende. Macht auch Krafttraining. 



23 



Die Fähigkeit, eine Belastung lange durchzuhalten, allerdings meist unterhalb der anaeroben 
Schwelle (die Muskeln werden während der Belastung ausreichend mit Sauerstoff versorgt). 
Wichtig ist dabei die Effizienz des Herz-Kreislauf-Systems. Dauer der Belastung: 10 Minuten 
aufwärts bis unendlich oder Exitus. 

Sportarten, wo Ausdauer eine große Rolle spielt, sind all jene, die im Wettkampf länger als 
zehn Minuten andauern: Langstreckenläufe (mehr als 3000 Meter), Rennrad und 
Mountainbike, Langstreckenschwimmen, Skilanglauf, Tourenski. Nicht zu vergessen auch, 
dass Ausdauer für die Erhaltung der motorischen Fähigkeiten wichtig ist (Mannschafts- und 
Kampfsportler aufgepasst!). Grund dafür ist, dass eben diese Fähigkeiten stark beeinträchtigt 
sind, wenn der Körper auf in hohem Maße auf seine anaeroben Kraftreserven zurückgreifen 
musste. 

„Reine" Ausdauer trainiert man meistens im Sport selbst sowie durch Laufen, Radfahren, 
Schwimmen, Rudern, Seilspringen oder an Cardiogeräten. 

Es gibt durchaus einen Übertrag zwischen den einzelnen Kategorien von Kraft. Wird man 
zum Beispiel im Verhältnis zum eigenen Körpergewicht stärker und vernachlässigt dabei die 
Qualitäten Ausdauer und Schnellkraft nicht vollkommen, dann kann man in der Regel durch 
dieses Training sowohl ausdauernder als auch schneller werden. Warum? Die Muskeln sind 
nun zu höheren Kraftleistungen fähig und können die für sie nun geringere Belastung sowohl 
schneller als auch öfter durchführen. 

Wers nicht glaubt: könnt ihr einen 50 Gramm schweren Stein schneller, öfter und weiter 
werfen oder eine 7,25kg schwere Kugel? 

Nicht vergessen sollte man, dass sich die einzelnen Kategorien sowohl im Positiven als auch 
im Negativen beeinflussen. Zum Beispiel kann eine erhöhte Ausdauerfähigkeit die 
Regenerationsleistung vergrößern, und umgekehrt kann ein höheres Level an Kraft dazu 
führen, dass man bei Ausdauerleistungen effektiver wird (zum Beispiel, wenn der Rumpf beim 
Laufen durch Rumpftraining stabiler wird und folglich keine Energie mehr in Herumgewackel 
verschwendet wird). Und man wird länger Freude am Ausdauertraining haben können, wenn 
einen ein gesundes Maß an sinnvollem Krafttraining von Verletzungen aufgrund von 



24 



Einseitigkeit bewahrt. Außerdem ist zu bemerken, dass ein erhöhtes Level an Kraft auch die 
Kraftausdauer und sogar die reine Ausdauer 15 bis zu einem bestimmten Punkt steigern wird, 
so schreibt zum Beispiel Leichtatletik-Trainer Barry Ross von einem Footballspieler, der zur 
schnellen Steigerung seiner Bankdrückleistung auf Wiederholungen (maximale Anzahl mit 
100kg) ein Maximalkraftprogramm (5x2 WH mit 95% 1Rm) verordnet bekam, sein 1Rm in drei 
Wochen um 60lbs steigern konnte und dadurch seine Wiederholungszahl ohne spezifisches 
Kraftausdauertraining verdoppelte (von 9 auf 18) 16 ! 

Eine negative Beeinflussung wäre dagegen, wenn das eigentliche Trainingsziel aufgrund des 
ergänzenden Trainings nicht erreicht werden kann, sei es durch simple Erschöpfung oder 
andere Nebenerscheinungen. So wird ein Langstreckenläufer von einem ausgeprägten 
Hypertrophietraining nicht profitieren, weil er a) alles tragen muss und b) die „neuen" Muskeln 
weder so ausdauernd noch so gut durchblutet sind wie die alten. Auch ein Sprinter muss sich 
gut überlegen, wie viel Masse er durch sein Krafttraining aufbauen darf, und im umgekehrten 
Fall wird ein Bodybuilder zwar den fettverbrennenden Effekt von etwas Cardiotraining zu 
schätzen wissen, aber ganz und gar nicht begeistert sein von dem, was mit seinen Muskeln 
während einer Ultramarathon-Trainingsphase passiert. Noch bescheuerter ist es natürlich, 
wenn man sich bei dem ergänzenden Training schwer verletzt und mit seiner primären 
Tätigkeit für längere Zeit oder völlig aufhören muss 17 , darum ist bei der Auswahl und Intensität 
der „Ausgleichssportarten" immer Vorsicht geboten. 



15 Wie Pavel Tsatsouline einmal richtig bemerkt hat, jede Tätigkeit erfordert ein gewisses Maß an Kraft, ein wirklich guter 
Laufstil sogar überraschend viel davon. Wenn keine Kraft da ist, auf was für einer Leistung soll dann die Ausdauer 
aufgebaut werden? http://www.strongfirst.com/strength-fixes-everything/ (Stand 13.02.2014). 

16 B. Ross, Underground Secrets to Faster Running. (Ohne Erscheinungsort 2005) 44-47. 

17 Flais: Ein blöder Sturz beim Bouldern mit resultierendem Außenbandriss war für mich zum Beispiel der Grund, warum 
ich zuerst mit dem Klettern und ein knappes Jahr später mit dem wettkampfmäßigen Laufen aufgehört habe. 



25 



Hypertrophie 



Yes, I think l'm definitely too big for you. 
[Royce Gracie (85kg) zu Akebono (~200kg)] 




Arnold - who eise? 



Hypertrophie = Muskelwachstum, somit das Lieblingsthema aller Bodybuilder und von der 
breiten Öffentlichkeit häufig negativ belegt (siehe Einführung). Nun ist Hypertrophie etwas, 
vor dem man keine Angst haben sollte, auch die Damenwelt nicht. Die oben angesprochenen 
Bodybuilderinnen sind im wesentlichen Produkte von Medikamentenge- und -Missbrauch, 
zudem haben sie alle eben dieses Aussehen aktiv angestrebt! Muskelaufbau ist sogar für die 
genetisch Begnadeteren harte Arbeit, und gerade bei Frauen ist die Massezunahme durch 
den Hormonspiegel vorbestimmt, und damit vergleichsweise gering; die allermeisten Mädels 
werden sich schwer tun, mehr Muskeln aufzubauen als Jessica Biehl (und der Look ist doch 
nicht so schlimm, oder? ;) 18 ) Zu den beliebtesten Medikamenten im Bodybuilding-Bereich 

1 8 Es scheint aber zumindest Hinweise zu geben, dass die Beinmuskeln mancher Frauen in ähnlicher Geschwindigkeit wie 
bei Männern hypertrophieren, der Oberkörper aber entschieden langsamer (Quelle: http://www.t- 
nation.com/free_online_article/sports_body_training_performance/sexy_female_training&cr =). Macht Sinn, wenn man 



26 



gehört daher HGH, also Human Growth Hormone (Wachstumshormone), das die natürlichen 
Grenzen aufhebt, sowie das männliche Sexualhormon Testosteron, was verschiedene 
unterhaltsame (für den Laien allerdings oft abstoßende) Nebenwirkungen hat (Edit: HGH wird 
übrigens nicht nur von Bodybuildern verwendet - so ging beispielsweise vor ein paar Jahren 
der Todesfall einer nach einer deutschen C-Prominenten durch die Medien, die sich ihr Geld 
in einer gewissen Reality-Soap und als ääh, Schauspielerin verdient hatte. Sie war an der 
Narkose während ihrer Brustvergrößerung gestorben, weil sich das Mittel mit ihren 
vorangehenden Wachstums-Hormonkuren nicht vertrug... Also, Jungs und Mädels, zum 
Mitschreiben: HGH und Narkotika sind unter Umständen nicht die optimale Kombination für 
einen Freitagabend.). 

Also, um es nochmal klarer auszudrücken: wir sind in unserer gesamten Trainingszeit noch 
nie jemandem begegnet, weder männlich noch weiblich, der oder die ohne verbotene 
Chemikalien versehentlich zu viel Muskelmasse aufgebaut hätte! Muskelmasse aufbauen ist 
harte Arbeit, und die Leute, die sehr viel davon wollen, gehen ohne Ausnahme dafür mit voller 
Absicht an die Grenzen ihrer physischen Möglichkeiten! Wirklich Gedanken machen müssen 
sich höchstens Sportler mit Gewichtskategorien, wo schon ein bis zwei Kilo mehr den 
Unterschied zwischen einem möglichen und einem unmöglichen „Cut" darstellen können 
sowie Sportler, die auf extreme Relativkraft (Turner, Kletterer....) oder hohe 
Ausdauerleistungen (Bergsteiger, Läufer, Triathleten, Radfahrer...) angewiesen sind. 
Unterm Strich lautet das Fazit aber - Wie Mike Mahler mal gesagt hat: "Worrying about 
building too much muscle is like worrying about making too much money!" 

Übrigens, was viele nicht beachten: ein gewisses Maß an Muskelaufbau hilft auch beim 
Abnehmen, genauer gesagt der Fettreduktion! Mehr Muskeln verbrennen sogar im untätigen 
Zustand mehr Energie (man spricht hier von "Grundumsatz"), und beim Sport sogar noch 
mehr (das ist dann der sogenannte "afterburn" [komisches Wort, ich weiß]) was wiederum 
den Gesamtverbrauch erhöht und die Pfunde bei Bedarf schneller schmelzen lässt. 
Paradoxerweise können also Trainierte leichter Gewicht verlieren als Couch-Potatoes, und 
die praktische Folge davon ist, dass auch Leute, die abnehmen wollen, etwas Krafttraining in 

sich die meisten sportlichen Frauen anschaut - der Körperschwerpunkt liegt immer eindeutig tiefer als bei vergleichbar 
trainierten Männern, selbst innerhalb der gleichen Sportart. 

27 



ihr Programm einbauen sollten. 

Zu bemerken ist schließlich auch, dass es gerade im Reha-Bereich üblich ist, die Muskeln um 
ein verletztes Gelenk herum in Maßen zu hypertrophieren, um das Gelenk zu stabilisieren, 
das durch Verletzung und Ruhigstellung normalerweise an Stabilität eingebüßt hat; 
anschließend können die Fasern noch weiter gezielt gekräftigt werden. 



Veranlagung 

We are told that talent creates its own opportunities. But it sometimes seems that intense 
desire creates not only its own opportunities, but its own talents. 

[Eric Hoffer] 



Auch, wenn wir dagegen sind, Genetik zur neuen Gottheit zu erheben: Veranlagung spielt 
eine Rolle im Training. Sich über die eigene Veranlagung klar zu werden kann helfen, sich 




E 




Nochmal Arnie. 



28 



realistischere Ziele auszusuchen, als Beispiel: jemand, der von Haus aus mit einem großen, 
breiten Knochengerüst und dicken Muskelpaketen zusammen mit einer weitgehenden 
Unempfindlichkeit gesegnet ist, wird sich vermutlich als Football-Linebacker leichter tun als 
beim Versuch, Starballerina [kein Druckfehler] in der New York Ballet Company zu werden. 
Wie gesagt, LEICHTER. Natürlich sind viele Dinge möglich, auch wenn die Voraussetzungen 
nicht optimal dafür sind, und manche mögen es einfach auf die harte Tour. Um nicht zu 
sagen: Kids, remember this: nothing is impossible. It's just not very likely. 

Was uns an dieser Stelle allerdings noch mehr interessiert ist, dass die Veranlagung auch 
diktiert, wer auf welches Training wie reagiert. Zum Beispiel liest man in letzter Zeit oft, wie 
toll doch sehr niedrige Wiederholungszahlen mit viel Widerstand wären, um Kraft und Masse 
aufzubauen. Dies trifft für diejenigen, die einen hohen Prozentsatz an Schnellkraft-Fasern in 
ihrer Muskulatur haben auch ohne größere Einschränkung zu 19 ; wer jedoch eher Ackergaul 
als Rennpferd ist (um unseren gemeinsamen Ex-Trainer zu zitieren), also mehr langsame 
Fasern besitzt, der wird häufig mit höheren Wiederholungen tendentiell besser fahren. Mehr 
als das, solche Leute neigen recht schnell zum „Ausbrennen", wenn sie mit Quasi-maximalen 
Gewichten trainiert werden, werden jedoch Stück für Stück stärker, wenn sie mit moderaten 
Gewichten und mehr Wiederholungen arbeiten. Die „Ackergäule" haben auch den Vorteil, 
dass sie mit dem gleichen Prozentsatz ihrer Maximalleistung wesentlich länger durchhalten 
können als die „Rennpferde". HINWEIS: Das bedeutet nicht, dass sie immer mit hunderten 
oder tausenden Wiederholungen trainieren müssen. Nur ist es halt für den einen besser, 
Maximalkraft mit 10x1 zu trainieren, während mancher „Langsame" mit 5x5 oder 1x20 (siehe 
Kapitel Trainingsplanung 101: (un)bekannte Trainingsprogramme) schon sein Potential 
weitestgehend erreichen kann. 

Auch bei ästhetischen Zielen spielt so etwas eine Rolle. Zu sagen: ich möchte Bauchmuskeln 

wie ist zwar schön und gut, zeugt aber von Ignoranz. Der / die Einzige, 

der genau „diese" Bauchmuskeln haben kann, ist eben besagte/r . Und 

vielleicht sein eineiiger Zwilling. Und seine bösen Doppelgänger. Aber das wars dann auch 

19 Außerdem entwickeln sich die Dogmen in der Fitnessindustrie meistens dialektisch. Auf das aus den 70ern bekannte 
3x10 und die teilse ultra-hohen Wiederholungszahlen von Bodybuildern wie Tom Platz musste ja zwangsläufig wieder 
was ganz tiefes folgen. Und wer jahrelang ohne große Veränderungen mit einem System trainiert hat, der wird fast 
immer anfangs Verbesserungen feststellen, wenn er das Dogma mal ändert. 



29 



schon. Das Aussehen einer Physis wird nämlich von vielen verschiedenen Faktoren 
bestimmt, neben Muskelquerschnitt und Fettgehalt spielen auch das Knochengerüst und die 
Stellen der Sehnenansätze etc. eine Rolle 20 . Wir würden diesbezüglich plädieren: viele Wege 
führen nach Rom. Zwei optisch gegensätzliche Typen können beide „schön" sein 21 , ganz zu 
schweigen davon, dass sie gleich stark / ausdauernd / schnell / erfolgreich sein können, wenn 
auch nicht zwangsläufig aus den gleichen Gründen (sprich, mit dem gleichen Training). 

Die logische Folge davon wäre, dass man sich im Training auf die eigene Person 
konzentrieren sollte. Das Trainingsprogramm von Schauspieler/in X oder Athlet Y„ das im 
Internet steht, ist vermutlich ohnehin getürkt, und selbst wenn nicht, es bezeichnet 
allerhöchstens den aktuellen Stand einer langen Entwicklung, deren Verlauf dort nicht 
aufgeführt ist. Um einen bildlichen Vergleich zu ziehen, man kann zuerst die Sahne in die 
Schwarzwälder Kirschtorte tun oder die Kirschen, aber am Ende sollten Sahne UND Kirschen 
drinnen sein, nicht zweimal Sahne oder zweimal Kirschen, oder es ist ein anderer Kuchen 
geworden. Capisce? 

Auch ist gerade im Kampfsport davor zu warnen, den Fitness-Leistungen anderer Athleten zu 
große Bedeutung beizumessen. Kampfsport ist ein sehr vielschichtiges Puzzle, in dem neben 
Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Masse, Statur, Mobilität, Nehmerqualitäten, Taktik und 
Technikniveau auch Psychologie und der persönliche Stil eine wichtige Rolle spielen; das 
Zusammenspiel dieser Faktoren ergibt, wieviel „Fitness"-Training ein Athlet braucht, um 
erfolgreich zu sein - ein von Haus aus schneller Top-Techniker braucht z.B. wesentlich 
weniger Kraft und Ausdauer als ein sogenannter „Grinder", also jemand, der die Opposition 
zuerstmal physisch zermürbt, bevor er sein etwas reduzierteres Technikrepertoire zum 
Einsatz bringt 22 . Mit anderen Worten: Nur weil jemand mehr Liegestützen in einer Minute 

20 http://www.t-nation.com/free_online_article/most_recent/4_g 

21 Apropos: " Kämpfe nie gegen einen hässlichen Krieger, denn der hat nix zu verlieren" [KKB- User Clawfinger]. 

22 Trotzdem sind Techniker und Grinder (vergleichbar mit dem „boxer" und dem „slugger" im Boxsport) nicht per se mehr 
oder weniger erfolgreich; Athleten beider Gruppen sowie Mischformen heimsen regelmäßig ihre Siege ein. Das 
vermutlich beste Beispiel für eine Techniker -Dynastie im Grappling sind die Gracies, während das erfolgreichste 
Grinder-Powerhouse im US-Ringen fraglos die University of Iowa unter Dan Gable darstellt. Im Boxen wäre etwa 
Henry Maske ein Parade-"boxer", während Mike Tyson und Rocky Marciano zwei der erfolgreichsten „slugger" waren. 



30 



(oder beliebigen anderen Fitness-Test einfügen) schafft als Mike Tyson zu Topzeiten, heißt 
das noch lange nicht, dass er auch nur eine ebenso lange Zeit gegen diesen im Ring 
bestehen könnte, genausowenig wie einen die reine Sprungkraft im Basketball zu einem 
zweiten Michael Jordan macht 23 . 

Flais: ursprünglich hatte ich geplant, auch das eine oder andere meiner eigenen Programme 
oder einen typischen Wochen-Trainingsablauf von mir in das Kapitel „Programmerstellung 
Beispiele" einzufügen. Ich habe das letzten Endes unterlassen, mit aus den oben genannten 
Gründen. Meine „Trainingsgeschichte" ist inzwischen ziemlich lang, entschieden länger als 
die der gewählten fiktiven Personen, wenn ich die hier aufgeschrieben hätte, wäre das hier 
zur Autobiographie ausgeartet, und dafür fühle ich mich entschieden noch nicht alt genug ;) 
Euch dagegen einfach kommentarlos ein Programm hinzustellen ohne Begründung wäre in 
meinen Augen sinnfrei bis fahrlässig gewesen, von da her... 

Ich habe aber so gut wie alle Programme in diesem Buch in der einen oder anderen Form im 
Laufe meiner „Karriere" getestet und habe meine diesbezüglichen Erfahrungen denen meiner 
Vorgänger hinzugefügt, ich „verkaufe" euch also nichts einfach so aus dem blauen heraus. 



23 Frei nach CA. Carter / N. Adams, Olympic Judo - Preparation Training. (London 1988) 17, 23. 



31 



Looks like Tarzan, plays like Jane 

Oder: Warum Muskelmasse nicht gleich Funktion ist 



These big, slow guys are meat for me. 
[Jack „Malassa Mauler" Dempsey, Boxweltmeister] 




Tsss... 



Die Meinung der Öffentlichkeit scheint zu sein, dass Bodybuilder mit ihren riesigen 
Muskelpaketen auch unglaublich stark sein müssen. Nun gibt es zwar einige Bodybuilder, die 
beileibe nicht schwach sind - etwa Arnies Trainingspartner Franco Columbu, der im 
Kreuzheben über 300 kg schaffte - aber im Verhältnis zu ihrem Gewicht sind sie deutlich 
schwächer als häufig deutlich weniger trainiert aussehende Kraftsportler der entsprechenden 
Klasse; einerseits, weil Muskelkraft für die meisten nur ein Nebenprodukt ist und zweitens, 
weil ihnen die Bewegungseffizienz fehlt. Man findet deshalb kaum jemals einen Bodybuilder, 
der in irgendeinem anderen Sport vorne mit dabei ist, daher auch der Titel. Erfolgreiche 
Athleten, die dann auch den Sprung ins Bodybuilding schaffen, trifft man deutlich häufiger 25 . 

Über Hypertrophie und Maximalkraft haben wir ja bereits oben gesprochen. Es sei nochmal 
darauf hingewiesen, dass Maximalkraft nur über die Sehnen übertragen werden kann, um 

24 Den Titel für diesen Absatz haben wir von Kraftsport-Autor Dan John geklaut, und wir schämen uns kein bisschen 
dafür! 

25 So sind zum Beispiel viele der weiblichen „Fitness"- Wettkämpferinnen ehemalige Leistungsturnerinnen. 

32 



umgesetzt zu werden. Die klassischen Masseprogramme wie 3x10 etc (siehe 
Trainingsplanung 101) trainieren diese NICHT optimal mit! Ganz zu schweigen davon, dass 
kaum ein Bodybuilder auch genug Ausdauertraining macht, dass seine Muskeln optimal 
durchblutet (kapillarisiert) wären. Sprich, ein Bodybuilder hat zwar Muskeln, die theoretisch 
viel leisten könnten (nach wissenschaftlicher Lehrmeinung gibt es eine Obergrenze für 
theoretische Leistung pro cm Muskelquerschnitt), aber er würde in aller Regel mehrere Jahre 
spezifisches Training für seine Sehnen und das zentrale Nervensystem brauchen, um dieses 
Potential umsetzen zu können! UND er würde aller Wahrscheinlichkeit nach in diesem 
Prozess wieder an Muskelmasse verlieren. 

Ein weiteres Problem, das vor allem den (großteils männlichen) Amateur-Bodybuilding- und 
Studiogeher-Bereich betrifft, sind die sogenannten Mirror Muscles. Dies bedeutet, dass das 
aufstrebende Muskelpaket sich auf die Muskelgruppen konzentriert, die es im Spiegel sieht - 
also vor allem Brust und Bizeps, vielleicht noch die Bauchmuskeln und die 
Oberschenkelvorderseite - während die anderen sträflichst vernachlässigt werden. Dies führt 
in der Praxis häufig zu Dysbalancen, außerdem rächt sich das in Sachen Kraft - eine Kette ist 
nur so stark wie das schwächste Glied, und die untertrainierten Muskeln stellen dabei die 
limitierenden (und extrem verletzungsgefährdeten) Faktoren dar. 

All das läuft darauf hinaus, dass man im Sport immer wieder Muskelprotze sieht, die sich nur 
suboptimal bewegen können und nicht einsehen wollen, dass Eisen fressen nicht alle 
Probleme lösen kann. Oder Typen, deren Adoniskörper mit der Vorderseite ihres Oberkörpers 
auch schon aufhört. 

Wenn ihr zu der einen oder anderen Kategorie gehören solltet, macht euch mal keinen Kopf, 
das kommt in den besten Familien vor. Wichtiger ist, ob ihr etwas dagegen unternehmen wollt 
- und bereit seid, den Plan dann auch in die Tat umzusetzen . Der Muskelprotz wird gut daran 
tun, mehr koordinationsorientiertes Training zu betreiben (etwa Reißen, Stoßen oder besser 
noch turnerische Übungen) und dem eigentlichen Sport in Sachen Konzentration und 
Anstrengung den Vorrang einzuräumen. 



33 



Schauen wir uns zum Beispiel eine der seltenen ziemlich vernünftigen Forum-Antworten auf 
die Frage an, wie ein Boxer trainieren kann, härter zuzuschlagen: 

Look to what works for shot putter and discus throwers. Olympic lifts, Med Ball work, Plyos. 
Hitting your target is most important though. You don't hear a lot of commentators say - 
"Flash knockout... he got him right on the Shoulder'. 
'Nuff said. 

Der „halbe starke Mann" muss sich dagegen klar werden, dass er eben nur das ist und mit 
einem den ganzen Körper umfassenden Trainingsprogramm sichtbar und spürbar besser 
fahren wird - es sei denn, er übt eine sehr einseitige Sportart aus, z.B. Armdrücken in einer 
niedrigen Gewichtsklasse. 



34 



Progressivität: die Seele des erfolgreichen Trainings 



/ am by no means perfect, I am by no means good. 
But I am better than yesterday and III be better tomorrow, too. 

[Brandon Lilly] 




Brandon Lilly - der coolste Bart im Powerlifting! 



Vielleicht seid ihr inzwischen ja schon selber draufgekommen, ansonsten erklären wirs euch 
nochmal: Training führt, wie viele andere Reize auch, zu bestimmten Adaptionen des Körpers. 
Nur, wenn die Reize gleich bleiben, besteht kein Grund, über ein bestimmtes Niveau der 
Anpassung hinauszugehen. Ein Beispiel: Ihr fangt im Juni an, jeden Tag ein halbstündiges 
Sonnenbad in der prallen Sonne zu nehmen. Das zieht ihr dann den ganzen Sommer lang 
durch. Wie braun seid ihr dann im September? Antwort: genauso braun wie am Ende der 
ersten oder zweiten Woche (Flais: ok, der Vergleich hinkt ein bisschen, weil der Juni ja 
komplett verregnet sein kann, ihr zu verschiedenen Zeiten in die Sonne gehen oder den 
Schutzfaktor der Sonnencreme wechseln könntet... aber nehmen wir ein Solarium mit fest 
eingestellter Strahlung, dann stimmts wieder). Fazit: Reize müssen sukzessive progressiv 
gesteigert werden, sonst ist das Training vielleicht unterhaltsam und auch nicht ungesund, 
aber eben auch eher sinnfrei für alles, außer ein bestimmtes Niveau zu halten und als 
Beschäftigungstherapie 26 . 

26 Frei nach Rippetoe / Kilgore 2007, 284. 

35 



Gut, wie steigert man Trainingsreize? Da gibts verschiedene Ansätze, hier ein paar der 
wichtigsten: 

- mehr Gewicht / Widerstand für die selbe Wiederholungsanzahl 

- mehr Wiederholungen mit dem selben Gewicht / Widerstand (pro Satz) 

- mehr Sätze mit dem selben Gewicht / Widerstand (= mehr Wiederholungen insgesamt) 

- selbes Gewicht über einen längeren Belastungsweg bewegen (z.B. halbe Kniebeuge 
=> volle Kniebeuge) 

- schnellere Durchführung der selben Anzahl Wiederholungen mit dem selben Gewicht 
(Arbeit = Leistung : Zeit) 

- Betont langsames Ausführen (Zeitlupe) und Verzichten auf jede Form von Schwung 27 

- Widerstand im Laufe einer Wiederholung verändern / erhöhen (mithilfe von Expandern 
oder Ketten, die nur gegen Ende der Wiederholung hin den Widerstand wachsen 
lassen, da sie sich spannen bzw. Stück für Stück vom Boden angehoben werden) 

- kürzere Pausen zwischen den einzelnen Sätzen 

- Gleiche Last mit weniger vorteilhaftem Hebel / Winkel bewegen (z.B. enger statt breiter 
Griff beim Bankdrücken; Schräg- statt Flachbankdrücken; Liegestützen mit Händen auf 
dem Tisch => Liegestützen mit Händen auf dem Stuhl => normale Liegestütze => 
Liegestütze mit Füßen auf dem Tisch => Handstandliegestütze) 

Das sollte euch fürs Erste eigentlich genug zum Herumexperimentieren geben. Nur, wie weiß 
man, ob man die Reize zu viel oder zu wenig steigert? Nun, das ist die große Kunst. 
Anfänger machen normal prozentuell schneller Fortschritte als Profis, weil sie den 
Bewegungsablauf noch nicht so gut draufhaben, der als Erster verbessert wird und so schnell 
zu ziemlich großen Steigerungen führen kann, ohne dass die Muskeln de facto viel stärker 
werden. Allerdings muss man auch hier aufpassen, es nicht zu übertreiben, weil man sich 
gegebenenfalls durch zu schnell erhöhte Gewichte verletzen kann - vom Muskelkater ganz 
zu schweigen. Auch ist die Anpassung individuell - man kann also schlecht universelle 

27 Der Judo-Olympionike Matt Aquino schreibt beispielsweise, dass „minute pushups" und „minute chin-ups" zu den 
schlimmsten Übungen gehörten, die er im Laufe seiner Karriere machen musste. Dabei dauert eine einzige Wieder- 
holung eine ganze Minute - 30 Sekunden runter, dreißig Sekunden rauf. Ausprobieren! :-) Quelle: 
http://beyondgrappling.com/5-hated-bodyweight-movements/ (Stand 03.07.2014). Verwiesen sei auch sie Parallele zum 
Soderman-Zirkel (im Kapitel „Der Zirkelschluss"). 

36 



Ratschläge geben. 

Unterm Strich bleibt also nur: Trainiert so, dass ihr laufend besser werdet! 

Einige trainieren nie zweimal mit der selben Last für die selben Wiederholungszahlen, aber 

das erfordert ziemlich gute Anpassungs- und Erholungsfähigkeiten. Wenigstens einmal pro 

Woche sollte man aber versuchen, ein wenig mehr zu schaffen (je nach Übung 1-5 kg) und 

dieses Niveau dann in Folge zu festigen, um es eine Woche später dann erneut zu 

verbessern. 

Natürlich gehen solche Fortschirtte nicht ewig, sondern bestenfalls ein paar Monate lang - die 
Dauer einer Trainingsphase eben (siehe Kapitel „Periodisierung"). 

Flais: Wenn man öfters mal in kommerzielle Studios reinschaut, scheint es sich inzwischen 
bei einer größeren Anzahl von Trainierenden herumgesprochen zu haben, dass Übungen mit 
freien Gewichten produktiver und vielseitiger sind als ihre Konterparts an Maschinen. So 
weit, so gut. Das Problem ist nur, dass die meisten es in Punkto Progressivität aus meiner 
Sicht verbocken. Sorry, aber wenn jemand, der mehr als drei Jahre ins Studio geht, seine 
Curls immer noch mit zehn Kilos pro Hand und seine Kniebeugen mit dreißig Kilo macht (und 
noch dazu beides im Wiederholungsschema 3x10), dann sollte man sich als denkender 
Mensch doch mal am Kopf kratzen. Beides sind für eine zwölfjährige, 30 Kilo schwere 
Turnerin vielleicht beachtliche Leistungen, aber nicht für einen gesunden 
siebenundzwanzigjährigen Mann mit 85 kg Körpergewicht. Hugh, ich habe gesprochen. 



37 



Ziele: ja oder nein? 



Ifyou don't design your own life plan, chances are you'll fall into someone eise's plan. And 
guess what they have planned foryou? Not much. 

[Jim Röhn] 



Dieser Abschnitt hängt eng mit dem obigen über Progressivität zusammen. Es geht darum: 
viele Leute fangen mit einem bestimmten Ziel mit dem Training an - sie wollen vielleicht ihre 
Bauchmuskeln sehen oder Oberarme wie Oberschenkel entwickeln, am Baggersee 
erfolgreicher das jeweils interessante Geschlecht abschleppen können, ihre Zellulitis in den 
Griff kriegen oder ein halbes Haus heben. Whatever. 

Soll man sich nun Ziele setzen oder oder nicht? Die Frage sollte weniger das „ob" sondern 
vielmehr das „wie" betreffen. 

Nun, zuerst mal die positive Seite von Zielen: man arbeitet motivierter, folglich häufig 



Nobody got anywhere in the world by simply being content. 
[Louis L'Amour, Western-Autor und Boxer] 



9 



Jess Willard war für Jack Dempsey nur ein ziemlich großes Ziel... 




38 



schneller, effizienter und auch öfter. Nachteil: man neigt dazu, sich zu übernehmen und ist 
dann enttäuscht - ganz abgesehen davon, dass viele Ziele nicht realistisch sind, schon allein 
deswegen, weil nur wenige Ahnung davon haben, wie viel Arbeit hinter einem bestimmten 
Aspekt stehen kann bzw wie viele Lebensbereiche Einfluss darauf haben (Flais: Ab einem 
bestimmten Punkt sind das nicht mehr nur Training - man rechne über Jahre hinweg mit 
einem Aufwand von mindestens drei bis vier Stunden pro Tag, an sechs Tagen pro Woche -, 
Ernährung und Erholung, sondern einfach alles. Ich kenne genug Spitzensportler, die ihre 
Arbeit gekündigt oder mit ihrem Partner Schluss gemacht haben, weil diese sie ihrer Meinung 
nach von der optimalen Leistung abgehalten haben, ganz zu schweigen davon, dass manche 
jahrelang in unmöblierten Zimmern oder ihrem Auto gelebt haben, um sich Training und 
Ernährung leisten zu können 28 . Und das sind die Athleten, die euch von Zeitschriften als das 
Optimum hingestellt werden... es ist doch etwas vermessen zu glauben, dass man gleich viel 
erreichen kann wie sie, wenn man nur ein halbes Jahr mit verhältnismäßig geringen Opfern 
trainiert, oder?). 

Nun gibt es zwei Möglichkeiten im Fall unrealistisch gesetzter Ziele: 

a) du erreichst sie und hörst auf oder (wesentlich wahrscheinlicher) 

b) du erreichst sie nicht und gibst auf. 

Wie umgehen wir diese Crux am besten? Ein Teil der Antwort steht schon im obigen Kapitel: 
Trainiere, um besser zu werden. Und trainiere für dich, du bist niemandem Rechenschaft 
schuldig 29 . Wo du dann landen wirst, stellt sich noch früh genug raus, ganz abgesehen davon, 
dass sich viele Ziele ändern können, wenn man neue Erfahrungen macht. 

Besser ist es, sich kurzfristigere Ziele zu setzen und von da weiterzuarbeiten. Zum Beispiel: 
Ich esse jetzt ein Monat lang täglich vier Portionen Obst und Gemüse und keine Süßigkeiten 
und kein Junk Food mehr! Oder: Ich verbessere mich heute / bis um x 

28 Die Liste ist noch viel länger als das - da wäre zum Beispiel mein Trainer, der jahrelang nicht mehr als vier Stunden pro 
Nacht geschlafen hat, um Arbeit und Training - 20 Einheiten pro Woche - unter einen Hut zu bringen, der sich siebzehn 
Kilo abgehungert hat, um an die deutsche Spitze zu kommen und der seinem Arzt lächelnd erklärte, dass die Diagnose 
einer Meniskusverletzung nicht stimmen konnte, weil er so etwas wie Knorpelgewebe im Knie zu dem Zeitpunkt schon 
seit fünf Jahren nicht mehr hatte. Oder mein ehemaliger Trainingspartner, ein zweifacher deutscher Meister, der trotz 40° 
Fieber lachend auf die Matte gegangen ist. Wenn einen das, was einen nicht umbringt, wirklich härter macht, dann haben 
sich diese beiden Jungs meiner Meinung nach einen Platz jenseits von kristallinem Kohlenstoff verdient. 

29 Für Teamsportler nicht immer einfach, ich weiß. Trotzdem ist unser Rat: Trainiere für dich und kämpfe für das Team! 



39 



Wiederholungen / Kilo in der Übung y. Oder: ich lasse bis kein geplantes 

Training mehr aus. 

Wenn man sich im Vorfeld zumindest ein bisschen informiert, stehen die Chancen sehr gut, 
dass, selbst wenn man solche Ziele nicht gänzlich schafft, sich bei konsequenter Einhaltung 
des Plans doch sehr gute Effekte bemerkbar machen, die einen animieren, weiterzumachen - 
und das realistisch Mögliche früher oder später zu erreichen. 

Flais: Ob der Weg allerdings das Ziel ist, müsst ihr selbst entscheiden - meiner Logik nach 
kann der Weg nur dann gleichzeitig das Ziel sein, wen man nicht wirklich irgendwo 
hinkommen will... 

Schon die Eiscreme-Diät probiert? Sinn und Unsinn von 
Ernährungstipps 




Gegessen habe ich vorgestern erst! Regelmäßiges Essen ist was für Schwächlinge! 

[Dagobert Duck] 

Bevor wir zum Eingemachten, nämlich den eigentlichen Übungen und der Erstellung von 
Trainingsplänen kommen, zuerst noch ein paar Hinweise. Es dürfte selbst den 
scharfsinnigsten Strategen nicht entgangen sein, dass ein gewisser Zusammenhang 
zwischen Energieversorgung und Training besteht - anders gesagt, wer nie neue Nährstoffe 
zuführt, ist zu beschäftigt damit, zu verhungern als dass er Trainingserfolge erzielen würde. 



40 



Paradoxerweise ist es aber genau das, was viele Trainierende in der einen oder anderen 
Form machen: sie enthalten ihrem Körper die Dinge vor, die er braucht, um optimal zu 
funktionieren und in Alltag und Sport seine Leistungen zu bringen. 

Es gibt nun eine Fülle von ernährungstechnischen Richtlinien, Vorschriften und Diäten, von 
denen manche noch hirnrissiger sind als andere und nicht wenige von eigenen Lobbys oder 
Firmen gepusht werden (etwa die "Velocity Dief des amerikanischen Ernährungs- 
Ergänzungsmittelherstellers Biotest, die auf dem nahezu alleinigen Konsum verschiedener 
Produkte besagten Betriebes fußt; außerdem, wem sind noch die Ernährungsrichtlinien auf 
der Kellogs-Packung - und angeblich inzwischen sogar bei MacDonalds - aufgefallen?). Kurz 
gesagt haben diese Diäten zwar nicht alle Unrecht, aber dennoch erzählen die meisten von 
ihnen praktische Halbwahrheiten, die nur zum Teil zutreffen, aber ungeheuer marktwirksam 
sind. 

Nehmen wir beispielsweise die bekannte Atkins-Diät: durch den nahezu ausschließlichen 
Konsum von Eiweißen und Fetten in verschiedenen Formen soll der Körper schneller an 
Gewicht verlieren als bei gleicher Kalorienzufuhr in Form verschiedener Nährstoffe (also 
zusammen mit Kohlehydraten). Was Mr. Atkins NICHT erwähnt: zu einem guten Teil basiert 
der Gewichtsverlust auch auf dem Verlust von Wasser, das durch Kohlehydrate, vor allem 
durch langkettige Stärke, im Körper gebunden wird, und nicht auf Fettverlusten (Flais: In 
dieser Hinsicht kann man mit einer Sauna sogar wesentlich schneller Gewicht verlieren - ein 
Teamkollege hat oft genug an einem Samstag Vormittag 5 kg so abgenommen... trotzdem 
kann ich exzessives Saunagehen nicht aus Gesundheitsgründen empfehlen). Außerdem 
werden nur wenige Leute auf lange Sicht das Bedürfnis empfinden, Unmengen an Eisbein 
ohne die Beilage von Fritten, Kroketten, Brot oder auch nur Ketchup runterzu würgen, sodass 
sie in Summe auch weniger Kalorien zuführen werden. Das Problem dabei ist, dass gerade 
Sportler im Training Glucose, also Kohlehydrate verbrennen, und diese Speicher nachher 
wieder auffüllen müssen, wenn es nicht zu Leistungsabfällen kommen soll. Über eine nahezu 
kohlehydratfreie Ernährung funktioniert das nur bei wenigen Metabolismen, die sich an solche 
Verhältnisse angepasst haben (zum Beispiel bei den Inuit; allerdings ernähren sich auch die 
nicht großteils von Eiweiß, wie in der Regel von Atkins und Konsorten propagiert, sondern zu 



41 



etwa 75% von tierischem Fett - die Eiweißdiät ist also ein rein modernes Fantasieprodukt) 30 . 

Zu unterscheiden gilt auch, ob ein kurzfristiger Gewichtsverlust oder eine langfristige 
Gewichtsreduktion angestrebt wird. 

Flais: Ich habe zugegebenermaßen mit einer ziemlichen Vielfalt an Diäten 
herumexperimentiert. Dass das Ziel bei mir kein ästhetisches war, sondern immer die 
Erhöhung meiner körperlichen Leistungsfähigkeit spielt diesbezüglich hier nur eine 
untergeordnete Rolle. Neben den klassischen Diäten wie Atkins, Trennkost oder 40:30:30 
waren das auch schon öfters auch sehr skurile Gewohnheiten, von denen das rohe-Eier- 
essen eher noch eine von den harmloseren ist 31 . Ich sollte anfügen, dass in meinem Sport 
(Ringen) Gewichtsklassen eine große Rolle spielen: nicht nur will nahezu jeder möglichst 
knapp unter dem höchsten zugelassenen Gewichtslimit seiner Klasse antreten, sondern bei 
Mannschaftskämpfen muss auch jede Klasse besetzt werden, weswegen manche Sportler - 
darunter auch ich - gelegentlich exzessiv "Gewicht machen" oder "Abkochen" müssen. Um 
einen Rahmen zu geben, ich habe selbst schon 10 kg innerhalb einer Woche abtrainiert, und 
12kg in deren fünf - und dabei habe ich mich nahezu gänzlich von ernährungstechnischen 
Todsünden ernährt: Schokolade und Kaffee 32 . Unter Balletttänzerinnen war in den 1980ern 
eine Zeit lang eine ähnliche Crash-Diät verbreitet: Die Eiscreme-Diät 33 . Allerdings liegt der 
Teufel meist in den Details: das Programm genehmigt nur zwei 100gr-Tafeln Schoko als 
Nahrung für den ganzen Tag und umfasste obendrein drei tägliche (!) schweißtreibende 
Trainingseinheiten (drei bis fünf Stunden pro Tag), meist im Schwitzanzug, zudem 
Saunagänge und stark reduzierte Flüssigkeitsaufnahme. Sowas funktioniert, weil durch 
dieses Vorgehen der Körper sehr viel Wasser ausscheidet, das weder durch Salze noch 
durch komplexe Stärke aus der Nahrung wieder gebunden werden kann; auch betragen die 

30 Siehe L. R. Binford, Die Vorzeit war ganz anders (München 1984). Binford hat den Stamm der Nunamiut jahrelang 
studiert und ethnologisch orientierte Fallstudien in der Archäologie salonfähig gemacht. 

Zu einer guten kritischen Beleuchtung der muskelbildenden Qualitäten verschiedener "Diäten" siehe auch http://www.t- 
nation.com/free_online_article/most_recent/your_diet_isnt_building_any_muscle . 

3 1 Ich kann mir nicht helfen, ich mag das Zeug - hingegen muss ich gekochte Eier runterwürgen, also machts wenig Sinn. 
Wers eklig findet: evolutionstechnisch haben Menschen über Jahrmillionen ihre Eier roh gegessen. Außerdem, wisst ihr 
zufällig, was in Tiramisu und Eiscrem drin ist? Und schließlich und endlich ist der Konsum von rohen Eiern Faulheit in 
Reinkultur: kein Kochen, kein Warten, kein Kauen. Sogar das Abspülen kann man sich sparen. Und Prost! 

32 Dies beruht übrigens zum Teil auf historischen Traditionen: so sollen sich die atztekischen Soldaten auf Kriegszügen zu 
einem großen Teil von Kakao ernährt haben. Für die kommende Saison arbeite ich noch an einem update dieser „Diät" 
die ohne raffinierten Zucker (= starke Insulinreaktion) und Kakaobutter (nicht grad das beste Fett) auskommen soll. 

33 Kent 1984. 



42 



Tageskalorien maximal etwa 1000 (sagt jetzt vielen nichts, aber bei meinem Trainingsumfang, 
Gewicht und Metabolismus lag der Tagesverbrauch zwischen 3000 und 5000, sodass neben 
dem Wasser zumindest auch etwas an Körpermasse flöten ging). 

Gesund ist das ganz sicher nicht (um nicht zu sagen medizinisch hochgradig bedenklich in 
mehrerlei Hinsicht [Edit: die Schulmedizin geht davon aus, dass Wasserverluste von 12 bis 
20% des Körpergewichtes bereits tödlich sein können 34 ; zu vergleichen auch der Todesfall bei 
den Sauna-Weltmeisterschaften 201 0 35 ]) - zum Beispiel gelangt der Körper neben der 
Dehydrierung in ein Riesenminus an Eiweißen und Vitaminen, sodass etwa die Muskeln, 
Sehnen und Bänder angegriffen werden können, was zu erhöhter Verletzungsgefahr beiträgt. 
Auch ist der Jojo-Effekt beachtlich: am Abend nach dem 10-Kilo-weg-in-einer-Woche-Ding 
und dem zugehörigen Wettkampf war ich (mit vollster Absicht) wieder fünf Kilo schwerer - 
weil ich etwa sechs Liter getrunken habe, nur in zweiter Linie, weil ich wieder anfing, zu essen 
- der Magen zieht sich bei solchen Aktionen extrem zusammen, sodass man immer Hunger 
hat, aber die ersten Tage kaum was essen kann. Und nach drei Tagen hatte ich die vollen 
zehn Kilo wieder drauf - plus einen Kilo als Bonus, weil mein Körper sich vermutlich für 
künftige Notzeiten schützen wollte oder einfach sauer auf mich war. Jedenfalls sollte das 
Beispiel klar machen, dass man so ganz sicher nicht langfristig Gewicht verliert, zum 
Zunehmen wärs aber sicher mal eine lustige Option... 

Generell gilt: auf lange Sicht braucht der Körper eine Vielfalt an Nährstoffen, die ihm eine 
einseitige Ernährung nicht geben kann. Abnehmen kann man prinzipiell bei jeder Ernährung - 
wenn man wenig genug davon isst. Manche Ernährungsprogramme mögen den Vorteil 
haben, dass man mehr Kalorien zu sich nehmen kann, aber wir finden, dass eintöniges 
Essen auf Dauer kein Ziel sein sollte. Lieber vernünftig und in Maßen essen und dafür 
regelmäßig, langfristig und hart trainieren. Oder wie US-Ringer und Ringtrainer Michael 
Bonora die Sache ausgedrückt hat: „It's better to eat sugarand burn it off running then it is to 
drink diet coke and sit in front of the TV." 

Ernährung ist ein sehr kompliziertes Gebiet, das in diesem Rahmen nicht erschöpfend 
abgehandelt werden kann. Generell würden wir empfehlen, ein bisschen Hausverstand 

34 W. Klug, Der freie Ringkampf. Ein Handbuch für Trainer und Übungsleiter. (Frankfurt am Main 1967) 68. 

35 http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/37567 . 

43 



walten zu lassen, zumal sich die Vorschriften der Ernährungswissenschaft fast stündlich 
ändern 36 . 

Esst von allem ein bisschen was, wobei einigermaßen naturbelassenen Lebensmitteln der 
Vorzug gegeben werden sollte, wenn Gesundheit das Ziel Nr. 1 ist. Obst und Gemüse haben 
noch keinem geschadet und sollten auch in jedem vernünftigen Ernährungsplan auftreten, 
auch auf eine ausreichende Eiweißzufuhr ist in jedem Fall zu achten - übertreiben muss mans 
hier allerdings nicht, die Wahl der Eiweißquellen sei euch überlassen, allerdings ist es 
empfehlenswert, auch hier zu variieren, weil wie erwähnt die Aminosäurenprofile der 
einzelnen Nahrungsmittel unterschiedlich sind und Einseitigkeit zu Mängeln und 
Unverträglichkeiten führen kann. Als Faustregel kann man gelten lassen, dass jede größere 
Mahlzeit auch eine Handvoll eines eiweißreichen Nahrungsmittels beinhalten sollte (wie 
Quark, Eier, Käse, Fleisch, Nüsse, Soja, Bohnen, Erbsen etc). Fette braucht der Körper 
ebenfalls, besonders die essentiellen Omega 3 Fettsäuren (z.B. in fettem Fisch, Bio-Eiern 
und Leinsamen enthalten); man braucht sich vor den Fetten keineswegs zu verstecken, wie 
die Werbung glauben machen will: sie dürfen durchaus 25-30% des Tages-Energiebedarfs 
ausmachen. Wird viel auf Kraft / Schnellkraft trainiert, sollte der Eiweißanteil der Nahrung 
etwas erhöht werden (bis auf 2.5 g Eiweiß pro kg Körpergewicht / Tag). Energetisch tragen 
Eiweiße nicht viel zur Verbrennung bei: wenn man 12 - 18% der täglichen Energiemenge in 
Form von Eiweiß zu sich nimmt, halten diese den Blutzuckerspiegel stabil, fördern die 
Konzentrationsfähigkeit und können ihre vorgesehene Aufgabe als Baumaterial erfüllen 37 . 
Die Kohlehydratzufuhr (also Getreide, Zucker und Co) sollte auf die individuelle 
Verträglichkeit (dünne Leute können in der Regel auch mehr Kohlehydrate essen, ohne sie 
als Fettpolster anzusetzen. Das Leben ist nicht fair, ich weiß) und den Kalorienumsatz (viel 
Ausdauersport = mehr Kohlehydrate ok; bei sportlich sehr aktiven Menschen in Mitteleuropa 
wird gern ein Kohlehydratanteil von 55-60% der Gesamtenergieaufnahme empfohlen 38 ) 

36 Im Ernst, heute ist mir in der Bibliothek ein Stapel „Runners World" in die Hände gefallen. In jeder Ausgabe wurde 
darauf hingewiesen, dass Läufer „mehr" von irgendwas bräuchten - mehr Fett, mehr Eiweiß... und das, nachdem sie 
jahrzehntelang auf Kohlehydrate getrimmt worden sind. In der aktuellen Ausgabe stand noch dazu irgendwas von einer 
Studie, dass man statt Energieriegeln lieber Rosinen essen sollte. Da fragt man sich doch echt, was passiert wäre, wenn 
jemand mit dem Wissensstand der 60er oder sogar der 1890er einfach munter gleich so weitergefuttert hätte, wie er das 
bis dahin gemacht hat. Merke: Wissenschaft sollte allenfalls eine Ergänzung zum gesunden Menschenverstand sein, nie 
ein Ersatz dafür. 

37 Wie erwähnt sind diese Angaben bestenfalls Näherungswerte; bestimmte Metabolismen sind an ganz andere Verhältnisse 
gewöhnt (verwiesen sei dabei nochmals auf die nahezu kohlehydratfreie Diät der Inuit mit 25:75 Energieprozent an 
Eiweiß und Fetten). 

38 Prozent- und Mengenangaben nach L. Ruch, Ringen. In: Rahmenkonzeptionen für Kinder und Jugendliche im 

44 



abgestimmt werden. 

Und schließlich gilt: wer zunehmen will, isst von allem grundsätzlich mehr, wer abnehmen will, 
von allem weniger (so viel zur FDH - Friss-die-Hälfte - Diät), mit der möglichen Ausnahme 
von Gemüse, insbesondere dem blättrigen grünen Zeug. Wie viel mehr / weniger? Wenn man 
sein Gewicht und das Verhältnis von Magermasse zu Fett verändern will, besorge man sich 
eine genaue Körperwaage und ein Maßband und kontrolliere wenigstens alle paar Tage zur 
gleichen Uhrzeit sein Gewicht und seine Maße. Wenn sich die Anzeigen in die gewünschte 
Richtung bewegt, ist man diesbezüglich auf dem richtigen Weg - auf die Gesundheit ist 
natürlich zudem zu achten. 

Wer mehr Kalorien verbrennt, als er zuführt, nimmt ab und umgekehrt, so einfach ist das. 
Erneut sei vor einer zu hohen Nahrungsreduktion zu Abnehmzwecken gewarnt, da hier die 
Versorgung mit Nährstoffen zu gering sein kann. 

Als Abschluss seien hier noch einige Beispieltage für verschiedene Ziele aufgeführt (die 
Mengen variieren je nach Körpergewicht etc; auf Supplement-Empfehlungen haben wir 
bewusst verzichtet): 

Fall a) Max Mustermann, 1,82m groß, 70 kg schwer, will mindestens 15kg zunehmen und 
40cm Oberarmumfang erreichen: 

Frühstück: 

- Rührei aus 3-4 Eiern, dazu 75-1 OOgr gebratener Schinken. 

- Toastbrot: so viel Max Lust hat, Belag nach Wahl 

- Orangensaft: ein halber Liter sollte es schon sein. 

Snack: 

- ein Liter Vollmilch (nach Geschmack auch mit Ovomaltine oder Trinkkakao, über den 
Vormittag verteilt) 

- Obst, Nüsse und Müsliriegel 

Leistungssport. (Wiebelsheim 2002) 123. 



45 



Mittagessen: 

- 1 Becher Magerquark mit Nutella als Brotaufstrich für so viele Vollkornbrötchen wie 
Max essen möchte / kann. Alternativ: 3 Fleischkäsesemmeln, ebensoviele Schinken- 
Käsebrote oder ein paar Riesenstücke Thunfisch-Pizza. 

Snack: 

- 1 Liter Vollmilch (nach Geschmack auch mit Ovomaltine oder Trinkkakao, über den 
Nachmittag verteilt) 

- Obst, Nüsse und Müsliriegel 

Abendessen (3 alternative Menüs): 

a) 2x Kebap Dürüm mit Fleisch und Schafskäse 

b) zwei Portionen Spaghetti Bolognese mit extra viel Fleisch und mindestens 100gr 
Parmesan-Käse 

c) mindestens 300gr Steak mit Bratkartoffeln. 

Snack vorm Zubettgehen (optional): 

- Joghurt, Quark und Müsliriegel. 

Begründung: euch kommt das jetzt vielleicht extrem vor, aber die Erfahrung hat gezeigt, dass 
gerade die von Haus aus dürren Typen beim Zunehmen schwere Geschütze auffahren 
müssen, wenn sie wirklich (Muskel-) Masse aufbauen wollen. Nachdem das Ganze ja kein 
Dauerzustand sein soll, braucht Max sich auch über Cholesterin o.ä. keinen allzugroßen Kopf 
zu machen, und das bisschen Fett, das er in zwei Monaten Massediät aufbaut, ist er mit 
genug Disziplin recht schnell wieder los. Allerdings wird er, das geben wir zu, in seiner 
Masseaufbauphase ziemlich hohe Nahrungsmittelrechnungen haben. 

Zugegeben, manche Leute bauen schon mit halb so vielen Kalorien Masse auf. Daher 
empfehlen wir die regelmäßige Kontrolle mit einer soliden Körperwaage: wenn sich der Zeiger 
zu schnell bewegt, etwas weniger essen, bewegt er sich nicht oder zu langsam in die 
gewünschte Richtung, mehr essen! Wird Max mit diesem Ernährungsplan zunehmen? Hell 



46 



yeah! 

Edit: es mag dem einen oder anderen schon krass erscheinen, was wir hier vorschlagen. 
Können wir verstehen. Es ist allerdings so, dass eine tiefgehende Veränderung (und da 
zählen wir 15-20kg Muskelmasse aufzubauen durchaus dazu) herbeizuführen nie ganz 
einfach ist, weil der Körper normalerweise versuchen wird, in dem gegenwärtigen, sozusagen 
liebgewonnenenen Zustand zu verbleiben 39 . Es ist auch nicht so, dass Max sich während der 
Massephase einfach gehen lassen kann - glaubts oder glaubts nicht, so viel eiweißreiches 
Zeug in sich reinzustopfen verlangt durchaus einiges an Disziplin, und es ist nicht gesagt, 
dass sein Magen sich das so ohne weiteres gefallen lassen wird. Deswegen wäre unsere 
erste Empfehlung in Sachen Nahrungsergänzungsmittel auch eine unerwartete, nämlich 
Enzyme (helfen bei der Verdauung). 

Fall b): Maria Mustermann, 1.60m, 63kg schwer, will auf 57kg abnehmen: 
Frühstück: 

- 1 Ei (sollte mindestens 2-3x die Woche drin sein, täglich schadet auch nicht) 

- ca. 50gr Haferflocken (kein Müsli, das ist bei so ziemlich allen handelsüblichen Sorten 
eher eine Entschuldigung, Junk und Zucker zu essen!) mit etwa 125 ml Milch oder 
Joghurt 

- Kaffee ohne Zucker (kalorienfreier Süßstoff optional) 
Mittagessen: 

- 1 /4 Becher Magerquark, 1-2 Stück Obst, gehackte Nüsse 
Abendessen: 

- ein GROSSER grüner Salat ohne handelsübliches Dressing (Essig, 1TL Öl und je nach 
Geschmack Knoblauch und / oder Senf sind ok), dazu bis zu 100gr Tofu, Veggie 
Burger, Putenfleisch oder Fisch, fettarm gebraten und 2 Karotten oder alternatives 

39 Dieser Zustand ist in der Regel die Anpassung an die gegenwärtige Lebensführung. Siehe dazu auch hier: http://www.t- 
nation.com/powerful-words/phoenix-theory . 

47 



Knabbergemüse (roh) 

- Alternativ (wenns mal schnell gehen muss) ein Sandwich aus grobem Vollkornbrot mit 
Salat, Putenschinken und etwas Frischkäse 

Hinweis: Auf Snacks wurde hier bewusst verzichtet, da diese vor allem Zusatzkalorien 
bringen; viele kleine Mahlzeiten haben unserer Erfahrung nach auch den Nachteil, dass die 
Leute andauernd nur ans Essen denken. 

Wenn das Hungergefühl zu stark sein sollte, einfach die Mengen geringfügig (!) erhöhen und 
zwischen den Mahlzeiten grünen Tee (ohne Zucker) trinken. Auch sonst sollten die Getränke 
kalorienfrei sein, wobei von Cola Zero und Co abzuraten ist. 

Wir raten, die Gewichtsabnahme zu kontrollieren und bei etwa 1-2 kg pro Monat zu halten; 
sollte sie schneller vonstatten gehen, ist die Gefahr des Jojo-Effektes größer. 

Fall c): Anna Anders, 1.67m, 53kg; erfahrene Langstreckenläuferin, will sich in ihrem Sport 
verbessern. 

Hier kommt die Überraschung: Für Anna haben wir - tada! KEINEN Ernährungsplan 
anzubieten. Warum? Nun, die Erfahrung hat uns gezeigt, dass Sportler zum Teil mit sehr 
ausgefallenen Ernährungsschemata funktionieren können (Michael Phelps zum Beispiel) - 
und wie heißt es so schön, if it's not broke, don't fix it. Anna strebt keine großartigen 
Veränderungen in ihrer Erscheinung an 40 , es geht mehr ums interne Feintuning. In diesem 
Fall wäre es vermutlich verkehrt, alles umwerfen zu wollen, was sie bisher gemacht hat und 
womit sie gut zurechtgekommen ist. 

Vielmehr würden wir dazu raten, einzelne Aspekte Schritt für Schritt zu verbessern. Zum 
Beispiel neigen gerade Ausdauersportler dazu, recht wenig Eiweiß zu sich zu nehmen, weil 
die 80er Jahre-Doktrine über König Kohlehydrat noch immer nachwirkt 41 . Natürlich, KH 

40 Möglicherweise hätte sie nichts dagegen, 2 - 3 kg leichter zu sein. Ob wir zu der Gewichtsreduktion raten würden, hängt 
allerdings vom Einzelfall ab, d.h. wir müssten Anna zumindest laufen sehen. Ein Arzt hätte sicher auch eine Meinung 
zum Thema. 

41 Flais: Auch hier liegt ein Teil des Problems mal wieder darin begraben, dass die Leute ihre Studien nicht gründlich 
genug lesen. Sie bleiben bei der Angabe "15% Protein" stehen und lesen nicht weiter, dass die empfohlene Kalorienzahl 
4000 pro Tag ist, sie selber aber gerade mal 2000 zu sich nehmen. Letzteres bedeutet gerade mal 75 Gramm Protein und 
möglicherweise Unterversorgung, ersteres 150 Gramm Protein, was in den allermeisten Fällen vollkommen ausreicht. 



48 



braucht es auch, aber ohne ausreichend Protein funktioniert die Muskelreparatur nicht, und 
auch Fette (insbesondere Omega 3) sind wichtig, unter anderem für die Gelenke und den 
Hormonhaushalt. Daher sollte im Bedarfsfall die Eiweißzufuhr etwas erhöht werden. Ein Ei 
jeden zweiten Tag und ein Stück Fleisch oder Fisch mindestens 3x pro Woche und zudem 
eiweißreiche Milchprodukte (oder alternativ mehr Nüsse, Hülsenfrüchte und Soja) können da 
durchaus hilfreich sein, wobei Anna natürlich ihr Gewicht beobachten wird, da große 
Zunahmen für sie eine direkte Mehrbelastung im Sport darstellen. Das morgendliche 
Schokomüsli durch Haferflocken, Joghurt und frisches Obst zu ersetzen, kann auch ein Plus 
an langanhaltender Energie bringen. Wenn das Wettkampfgewicht wichtig ist, sollten sehr 
salzreiche Speisen (v.a. Käse) und solche, die zur Einlagerung großer Mengen Wasser 
führen (v.a. Pasta) etwas reduziert und zum Beispiel nur mehr einmal wöchentlich genossen 
werden 42 . Schließlich kann gerade für Leistungssportler ein Allergietest hilfreich sein, weil 
niemand sich mit Zeug vollstopfen will, mit dem der Körper nicht optimal fertig wird. 
Wichtig ist nur, dass solche Änderungen langsam und kontinuierlich eingeführt und stetig 
kontrolliert werden. Auch sollte man als Sportler nicht allzu viel zusätzlich machen, was bei 
einem selbst Widerwillen hervorruft (das diesbezügliche Überwindungspensum ist durch die 
übliche Doppelbelastung von Arbeit / Studium und meist mehreren Trainings pro Tag oft 
schon voll) - wenn Anna Haferflocken auf den Tod nicht ausstehen kann, sich aber den 
ganzen morgendlichen Lauf hindurch auf ihre Schale Kell*gs-Crunchy-Irgendwas freut, dann 
sollte das in Gottes Namen auch so bleiben dürfen. 



42 Aber auch bei der Auswahl dieser „cheat meals" ist ein gewisses Maß an Selbstkontrolle gefragt: nach was fühle ich 
mich gut, nach was (nur) schuldig? Was füllt meine Energiespeicher gefühlt wieder auf, was ist nur Ballast und 
verursacht am Ende noch Magenkrämpfe? 



49 



Supplemente 



In the factory we make cosmetics; in the drugstore we seil hope. 

[Charles Revson] 




Runter damit oder raus aus dem Fenster? 



Anfügen sollte man vielleicht noch ein paar mehr oder weniger kurze Hinweise zu 
Nahrungsergänzüngsmitteln (Supplements). Diese haben sich mittlerweile zum 
Millionengeschäft entwickelt - was es für die Hersteller einigermaßen kontraproduktiv 
machen würde, wenn sie wirklich dauerhaft wirkenden Stoff günstig offen verkaufen würden, 
oder? Und der Grund, dass für den keine Werbung gemacht werden muss ist, und alle Insider 
wissen, wie man ihn kriegt und wie er funktioniert (außerdem würde die Packungsbeilage 
über Risiken und Nebenwirkungen Romanform annehmen). Soviel nur mal zum Nachdenken. 
Außerdem heißen die Dinger aus gutem Grund NahrungsERGÄNZUNGSmittel (und nicht 
etwa „Nahrungsersatzmittel"). Sie sollten einen ohnehin schon guten Ernährungsansatz 
weiter verbessern und nicht etwa alleine alles rausreißen müssen. Und wenn ein Hersteller 
solcher Mittel es so klingen lässt, als ob alle Nahrungsmittel, mit denen man sich heute 
versorgen kann, nichts wert wären, und nur sein Erzeugnis könnte alles noch zum Guten 



50 



wenden, dann schwindelt er ganz gewaltig. 

Wir gehen in Folge nur kurz auf eine Handvoll Produkte ein, die unserer Meinung nach zwar 
nicht notwendig sind, aber noch zu den Sinnvolleren am Markt gehören. Wenig überraschend 
handelt es sich dabei nicht um die "neuesten und tollsten" Sachen, sondern um Dinge, die 
sich schon seit Jahrzehnten am Markt halten und deren Wirkung daher auch gut dokumentiert 
ist. 

- Proteinpulver: Danach wird immer zuerst gefragt. Leider scheinen die Leute zu 
glauben, dass dieses Zeug für ihre Muskeln wirkt wie Sprengstoff und sie am nächsten 
Tag mit zehn Kilo mehr Muskeln und deutlich vergrößerten Geschlechtsorganen 
aufwachen werden. Dem ist nicht so (wir haben nachgewogen und gemessen ;-)). 
Proteinpulverprodukte enthalten, auch wenn das auf den Packungen und in der 
Werbung skurilerweise oft anders klingt, nur die Eiweißbestandteile, die auch in 
normalen Nahrungsmitteln wie Milch, Eiern oder Soja enthalten sind; etwas seltener 
findet man auch Pulver aus Erbsen, Reis oder Fleisch (z.B. Gelatine oder "hydrolized 
beef plasma", was immer das sein soll). Im Wesentlichen hat man den einzelnen 
Rohstoffen nur das Protein entzogen, es appetitlich abgeschmeckt und hübsch bunt 
verpackt. Geschaffen wurde dieses Zeugs allerdings mit drei Hintergedanken: erstens 
GELEGENTLICH das Kochen von kompletten Mahlzeiten zu ersparen und zweitens 
(für das Muskelwachstum viel wichtiger) die GESAMTKALORIENZUFUHR ZU 
ERHÖHEN, weil man erfahrungsgemäß auch nach völliger Sättigung beim Essen (!) 
so gut wie immer noch was trinken kann. Sprich, es war nie so gedacht, dass jemand 
den halben Eimer von dem Zeug auf ex kippt - anfangs wurden immer selbstgemixte 
"Mass Gainer" empfohlen, die neben dem Eiweiß auch Bananen, Honig, Erdnussbutter 
etc enthielten, alleine locker 1000 Kalorien liefern konnten 43 UND nach einer 
ausgiebigen Mahlzeit eingenommen wurden - und drittens um richtig dick abzucashen. 
Zu empfehlen ist Eiweißpulver auch nur im Rahmen dieser Parameter: je nach 
Kalorien- und Nährstoffbedarf gemixt mit Früchten und / oder gesunden Fetten als 
Mahlzeitenergänzung (beim Zunehmen) oder Mahlzeitenersatz (bei hochgradigem 
Stress oder beim Abnehmen, wenn man die konsumierten Mengen genau überprüfen 

43 Ein Rezept findet man zum Beispiel hier: http://worldsstrongestlibrarian.com/6650/best-way-to-build-muscle/ . 



51 



will) zu sich nehmen. 

Den Quatsch mit "Mikrofiltration" oder "Biologischer Wertigkeit", den man in dem 
Zusammenhang oft liest, könnt ihr eigentlich gleich wieder vergessen, weil es sich 
dabei vor allem um Werbebegriffe handelt. Filtration hat keinen nachgewiesenen 
Einfluss auf die Verwertbarkeit von Eiweiß, und auch die biologische Wertigkeit ist eine 
theoretische Sache: irgendein Schlaumeier ist auf die Idee gekommen, bestimmte 
Eiweißquellen wären besser als andere, weil sie die verschiedenen Aminosäuren 
(Eiweißbausteine) in gleichmäßigeren Verhältnissen enthalten. Das bedeutet aber 
nicht, dass diese Eiweißquellen mehr Muskeln pro Gramm aufbauen, denn im 
menschlichen Muskel sind die einzelnen AS ebenfalls nicht gleichmäßig vorhanden, 
noch dazu schwanken diese selbst bei einem einzelnen Individuum immer wieder! Also 
werden die AS in verschienden Konzentrationen benötigt, sodass es mehr Sinn macht, 
die Eiweißquellen abzuwechseln als 20€ mehr für "Ultra-mikro-filtriertes Whey-Protein" 
auszugeben. Ein mutiger amerikanischer Powerlifter hat jüngst in seinem Blog 
geäußert, was sich alle schon längst heimlich gedacht haben (gut, vielleicht bin auch 
nur ich so krank): streng logisch gesehen müsste die Proteinquelle die günstigste sein, 
die am nächsten an der Zusammensetzung menschlicher Muskeln liegt. Und das ist - 
na? 44 

- Vitamine: sind in der Natur immer in Produkt-typischen Verhältnissen kombiniert und 
so zumeist wirkungsvoller (in der Nahrungsmittelergänzungsbranche würde man hier 
von einem "Stack" sprechen, also einer Gruppe von Einzelkomponenten, die sich 
gegenseitig optimal ergänzen). In bestimmten Situationen - wie einem medizinisch 
verordenten oder anderweitig bedingtem Abnehm-Programm unter Umständen 
allerdings trotzdem sinnvoll. Allerdings gibt es nach wie vor keinen wirklichen Beweis, 
dass man das teuerste Produkt nehmen müsste. 

- Mineralstoffe, z.B. Magnesium: unter gewissen Umständen braucht der Körper mehr 
Mineralien bestimmter Art. Am bekanntesten ist hier wohl Magnesium, von Salz-Papst 
Glauber auch als "das Salz der Muskeln" betitelt. Glauben oder nicht glauben, unserer 
Erfahrung nach ist Magnesiummangel die Ursache Nr. 1 für Krämpfe. Und 

44 Weiters würde eben dieser Ansatz laut Artikel die Probleme des Übergewichtes UND der Überbevölkerung mit einem 
Schlag lösen können. Hannibal lässt grüßen. (Quelle: http://www.chaosandpain.blogspot.co.at/2013/07/why-go- 
cannibal.html - Achtung. NSFW!). 



52 



Magnesiumverlust erfolgt auch über den Schweiß (bei Hitze und im Training!), sodass 
hier eine gelegentliche Mehrzufuhr in Spitzenzeiten durchaus empfehlenswert ist. 
Es gibt verschiedene Magnesiumverbindungen auf dem Markt (und verschiedene 
Formen, diese einzunehmen - der neueste Schrei scheint sogenanntes „Magnesiumöl" 
zu sein, also hohe Konzentrationen von in Wasser gelöstem Magnesiumchlorid, das 
zum Einreiben verwendet wird), von denen die teureren laut Hersteller natürlich viel 
besser sind als die günstigen. Dazu wollen wir nichts sagen, wir haben allerdings auch 
mit 1€- Aldi-Magnesium sehr gute Ergebnisse erzielt. 
- Kreatin: Wenn man den Leuten im Fitnessstudio so zuhört, scheinen manche zu 
glauben, dass Kreatin nur einen Schritt vor Anabolika steht. Wie das für sie ist, wissen 
wir nicht, allerdings ist Kreatin in der Praxis in erster Linie eine (auch vom Körper 
produzierte und natürlich in Fleisch enthaltene) Substanz aus mehreren Aminosäuren, 
die eine wichtige Rolle bei der ATP-Gewinnung im Zitronensäurezyklus spielt. UND 
Kreatin ist für Sportler international legal (Edit: Frankreich scheint eine Ausnahme zu 
bilden, vermutlich auch wegen der Tour de France; allerdings stand bis vor ein paar 
Jahren auch Koffein auf der Dopingliste, von da her...). 

Bodybuilder mögen Kreatin aus zwei Gründen: a) es bringt mehr Energiereseven und 
Durchhaltevermögen => mehr Training möglich => mehr Kraft und mehr Muskeln und 
b) es führt, in hohen Dosen (teilweise Empfehlungen bis zu 30 Gramm am Tag) 
eingenommen, zu erhöhter Wassereinlagerung im Muskel => sieht aus wie mehr Kraft 
und mehr Muskeln. 

Gerade für Leistungssportler bergen so hohe Dosen in der Praxis allerdings ein 
deutlich erhöhtes Krampfrisiko, das durch mehr Flüssigkeits- und Magnesiumkonsum 
nur bedingt kompensiert werden kann; auch führt es so zu einer Gewichtszunahme 
und folgender Verringerung der relativen Kraft, was in der Regel wenig wünschenswert 
ist. Die Nachteile können allerdings in den meisten Fällen durch geringere Dosen von 
bis zu 6 Gramm pro Tag (verteilt auf drei Mahlzeiten) weitgehend kompensiert 
werden 45 . 

PS: Kreatin kommt auch in der Natur vor, nämlich hauptsächlich in rotem Fleisch (gr. 
kreos). Allerdings müsste man mehrere Kilo davon täglich essen, um die heute als 

45 Flais: zu verstehen als anecdotical evidence, nicht als medizinischer Ratschlag! Zum Vergleich liegen die im 
Bodybuilding empfohlenen Dosen üblicherweise bei mindestens 10 Gramm an Trainingstagen. 

53 



optimal angesehene Füllung der Kreatinspeicher zu erreichen - die Gegenargumente 
liegen für die meisten wohl auf der Hand und sind nicht nur gesundheitlicher und 
ethischer, sondern auch finanzieller Natur. Inzwischen wird Kreatin aber in der Regel 
synthetisch hergestellt, was es auch für strikte Vegetarier interessant machen kann. 

Edit Flais: Ich hätte zum Abschluss des Kapitels noch einen generellen Tipp für 
Leistungssportler anzubieten. Und zwar hat es in der Vergangenheit häufiger Fälle von 
Supplementen (speziell aus den USA) gegeben, die mit Spuren von Steroiden o.ä. 
verunreinigt waren, da die gleichen Firmen auch diese produzieren - was auch einigen 
Athleten die Starterlaubnis gekostet hat. Folglich empfiehlt es sich, ganz besonders in der 
Wettkampfzeit nur im eigenen Land produzierte Nahrungsergänzungsmittel zu konsumieren 
(ich würde ja gern sagen: das ganze Jahr über, nur sind etwa in Österreich oder Deutschland 
produzierte Proteinpulver im internationalen Vergleich sündhaft teuer, sodass sich das für 
viele rein finanziell verbieten wird), um auf der sicheren Seite zu stehen - nicht zwangsläufig, 
weil die hiesigen Firmen über jeden Verdacht erhaben sind, sondern weil es entschieden 
einfacher sein dürfte, in dem Fall gegen eine Sperre Berufung einzulegen oder eine 
Neuaufrollung des Verfahrens zu erwirken. 

Darüber hinaus ist mit diversen Medikamenten Vorsicht geboten: besonders Arzneien gegen 
Erkältungen und Asthma beinhalten oft schon Substanzen, die auf der Dopingliste stehen 46 . 
Im Zweifelsfall sollten diese mindestens eine Woche vor Wettkampfbeginn abgesetzt werden. 



46 Da Asthmasprays beispielsweise Cortison beinhalten können, ist ungefähr jeder zweite Teinehmer der Tour de France 
ein von seinem Hausarzt zertifizierter Asthmatiker. 



54 



Kraftraum -Etikette und -Garderobe 



Unsurprisingly, this tribe is starving, but it is hard to have sympathy for them because any 
culture that tries to hunt mammoths with a net gets what it deserves. 
[Archeology Magazine über den Film 10,000 BC] 

Demokratie: alle tun was. Niemand tut das, was er soll, aber alle machen mit. 

[Flex] 

Flais: Wer in einen kommerziellen Kraftraum geht, wird oft den Eindruck haben, direkt auf in 
ein Bagger-Gebiet für Yuppies geraten zu sein. Die Kleidung - natürlich enganliegend und 
von Designermarken - kostet mehr als ein Jahresbeitrag, dazu kommen noch die farblich 
passenden Cross-Trainings-Schuhe, Make-Up und Parfüm müssen stimmen, die Frisur ist 
zurechtgegelt, vor den Spiegeln stehen die Leute Schlange, und das eher, um sich selbst zu 
bewundern (wenn sie nicht grad neidische oder lüsterne Seitenblicke auf den / die Nachbar/in 
werfen, versuchen zu flirten oder möglichst dramatisch zu stöhnen) als um ihre Form zu 
kontrollieren. Außerdem schleppen sie riesige Badetücher mit sich rum, als ob sie auf dem 
Weg zum Strand wären - und getrunken wird auch, als ob man im Liegestuhl wäre. Da 
unterhält man sich über das andere Geschlecht, die aktuelle Wirtschaftslage, die 
Beziehungstipps in der neuesten Cosmopolitan oder was auch immer grad in einem der 
Breitbildfernseher läuft. Nicht zu vergessen irgendwelche klapprigen Form-Polizisten, die dir 
während deinem Kniebeugen-Training ungefragt erklären, dass man sich damit den Rücken 
und die Knie kaputtmachen würde. Im Hintergrund dudelt irgendein Pop-Song. Und dann 
wundern sie sich, warum sie nach ein, zwei Monaten Eingewöhnung so gut wie keine 
Fortschritte mehr machen. 

Ich bin beileibe kein Puritaner, aber: Verdammt nochmal, seid ihr zum Training da oder auf 
dem Fleischmarkt? 

Ich persönlich trainiere ehrlich gesagt im Kraftraum am liebsten allein, also idealerweise ohne 
Zuschauer. Wenn ich einen Trainingspartner habe, dann reden wir höchstens über Training - 
alles andere kann man danach beim Essen besser besprechen. Der Fernseher bleibt aus, in 

55 



meinen Pausen gehe ich still auf und ab oder springe Seil, getrunken wird erst nach dem 
Training wieder. Was die Musik angeht, entweder laut und schnell oder gar nichts. Prinzipiell 
ist der Kraftraum auch nicht der Platz zum Flirten oder Witze reißen - wer dafür Zeit und Luft 
hat, ist entschieden zu wenig bei der Sache oder trainiert nicht hart genug. Und wennschon 
Emotionen, dann allerhöchstens kontrollierte Aggression 47 . 

Meistens trage ich dabei lange Trainingshosen und ein ausgebleichtes T-Shirt (beide über 
fünf Jahre alt), in der kälteren Jahreshälfte auch eine Trainingsjacke, manchmal sogar zwei 
übereinander. Das hat den Vorteil, dass man sich über Schweiß und Co auf Bänken, Matten 
etc keine Gedanken machen muss, außerdem kommt man auch ohne übermäßig viel Cardio 
schnell ins Schwitzen (= kürzeres Aufwärmen). An Schuhen irgendwas billiges ohne 
Dämpfung (die ist nämlich für normale Körpergewichte ausgelegt; belastet man sie dagegen 
mal mit ca. 300+kg, wie das bei mir im Kreuzheben durchaus der Fall sein kann, wackelt sie 
gesundheitsgefährdend rum). 

Insgesamt habe ich so weder den Bedarf, irgendwen zu beeindrucken, noch muss ich mich 
beherrschen, jemanden nicht Kopf voraus durch den Spiegel zu werfen oder ihm eine 90kg 
Kurzhantel auf den Fuß fallen zu lassen. Und was noch viel wichtiger ist: ich hatte in all den 
Jahren noch nie eine Trainingsphase, in der ich keine Fortschritte gemacht hätte. 



47 Dies mag für manche vielleicht seltsam klingen, aber es ist dies eine durchaus produktive Geisteshaltung im Kraftraum. 
Während man auf der (Ringer-) Matte ohne Emotionen meist besser fährt, ist das Krafttraining ein Zeitpunkt, zu dem 
man aufgestaute Frustrationen gewinnbringend in der Anstrengung ablassen kann. Unter Powerliftern ist zum Beispiel 
das „Psyching" ziemlich verbreitet: man schlägt sich selbst oder gegenseitig ins Gesicht, rüttelt an der Stange oder 
hämmert auch schon mal mit der Stirn dagegen. Kurz gesagt: Man führt sich auf wie ein Beserker oder ein Gorilla auf 
Crystal Meth. Während dies sicher nicht etwas für alle ist - und grad bei jemandem, der keine hundert Kilo bewegen 
kann, einfach nur lächerlich wirkt - ist es trotzdem ein Konzept, das in manchen Trainingsphasen für manchen Sportler 
von Vorteil sein kann - es kann adrenalininduziuert zu höheren Kraftleistungen führen und das Schmerzempfinden 
ausbremsen. Wer dies aber in einem durchschnittlichen öffentlichen Kraftraum macht, der braucht sich über schockierte 
Blicke bis hin zum Hausverbot nicht zu wundern. 



56 



Die Grundübungen 



Hard work Spotlights the character of people: some turn up their sleeves, some turn up their 

noses, and some don't turn up at all. 
[Sam Ewing] 

Alle denkbar möglichen Übungen zu erklären würde mehrere tausend Seiten (über so 
manche Einzelübung sind schon Monographien mit mehreren hundert Seiten verfasst 
worden) füllen, wir beschränken uns also hier auf eine Handvoll produktiver Varianten. Alles 
weitere kann gegoogelt oder der Fachliteratur (siehe auch Literaturverzeichnis) entnommen 
werden, und auch auf Youtube gibt's inzwischen auch mehr als genug Videos zum Thema. 

Weiters haben wirs uns dafür entschieden, nur Übungen mit freien Gewichten (siehe auch 
das Kapitel zu Kettlebells) und Körpergewicht (siehe: Fit durch Körpergewicht) zu 
beschreiben, die unserer Meinung nach vorteilhafter sind als ihre Konterparts an Maschinen, 
da die Muskeln die Stabilisierungsarbeit zusätzlich machen müssen. Außerdem weisen die 
allermeisten Maschinen inzwischen Plaketten mit Übungsvorschlägen auf. 
Eine Ausnahme haben wir nur für die Lat-Zugmaschine gemacht, und da auch nur für Leute, 
die noch keine Klimmzüge schaffen (siehe Kapitel: Fit durch Körpergewicht). 

Kniebeugen: 

Lots ofguys hate doing squats, and avoid them like a psycho ex-girlfriend. Lots ofguys 
complain about not making progress. How much crossover do you think there is between 

those two groups? Pretty close to 100 percent? 

[Mike Mahler] 

Kniebeugen - die wohl verhassteste Übung von allen, überhäuft mit Beschuldigungen, wie 
viele Knie und Wirbelsäulen sie doch auf dem Gewissen hätte. Ganz ehrlich, wir mögen sie 
auch nicht. Allerdings nicht deswegen, weil sie unglaublich gefährlich wären, sondern weil sie 



57 



sich einfach zum Kotzen anfühlen, manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. 

Warum sie hier dennoch an erster Stelle genannt werden? Weil sie nach Ansicht Vieler die 
vielleicht wichtigste Übung überhaupt sind. Kniebeugen trainieren nicht nur die Bein- und 
Rumpfmuskulatur so gründlich wie kaum eine andere Übung (außer vielleicht manche 
Kreuzhebe-Varianten), sondern sie setzen auch potentielle Wachstums-Reize für nahezu alle 
anderen Muskeln im Körper. Bei fast allen Sportarten kommt der größte Teil der Kraft aus den 
Beinen, auch die Schlagkraft eines Boxers bezieht sich in erster Linie aus der Beinstreckung 
und Hüftdrehung, erst in zweiter Linie spielen die Rücken- und Schultermuskeln eine Rolle, 
an dritter Stelle kommen die Arme (Trizeps, nicht Bizeps) und Schultern, ganz am Schluss 
vielleicht noch die Brustmuskeln und die Unterarme. Außerdem ist das Beintraining gerade 
Frauen oft ein großes Anliegen, und auch viele Männer täten besser daran, sich in Hinblick 
auf ihren optischen Eindruck auf dieselben mehr mit Kniebeugen zu befassen: fragt mal 
herum, aber der "Knackarsch" und auch der Rest vom Bein sind tatsächlich etwas, das die 
Damenwelt oft deutlich eher bemerkt als die häufig von Männern fetischisierten Oberarme 48 . 
Der mehrfache Weltrekordler Michael Peterson (bekannt geworden unter dem Pseudonym 
Charles Bronson) beschrieb einen ähnlichen Sachverhalt in gewohnt humorvoller Weise: er 
wies darauf hin, dass gut trainierte Wadenmuskeln - etwa bei Radrennfahrern - die Form 
eines "Diamanten" aufweisen, "and diamonds are a girl's best friends!" 49 . 
Und auch, wenn dem nicht so wäre, wer möchte schon ein "halbstarker" Sportler sein? 

Das Problem ist, dass Kniebeugen sehr oft falsch gemacht werden. Schaut man den Leuten 
im Kraftraum dabei zu, gewinnt man oft den Eindruck, dass sie versuchen, ihre Beine 
irgendwie unter ihrem Körper zu falten und sich dabei mehr oder weniger auf die Fersen zu 
setzen - dabei verschieben sich die Knie und oft auch der Oberkörper extrem nach vorne, 
was natürlich zu erheblichen Gelenksbelastungen führt und uns ehrlich gesagt schon beim 
Zuschauen weh tut. Das ist keine Kniebeuge, sondern eine ziemlich durchgeknallte Mischung 
aus einem Good Morning (Rumpfvorbeuge) und einer Ziehharmonika! 

48 http://www.t-nation.com/fi'ee_online_article/most_recent/4_weeks_to_bigger_legs und 
http://wwwi-nationxom/fixe_online_article/most_recent/awaken_the_glute_monster . Pseudowissenschaftlich erklärt 
wird dies durch den dadurch instinktiv entstehenden Eindruck der "Kolbenkraft". 

49 C. Bronson / S. Richards, Solitary Fitness. 'You don't need a fancy gym or expensive gear to be as fit as me!' (London 
2007) 103. 



58 



Bei der korrekten Ausführung sollte man sich in der klassischen Beuge den Körper 
ZWISCHEN den Beinen nach unten bewegen, wobei das Gewicht auf den Fersen liegt. Der 
obere Teil der Bewegung sieht darüber hinaus im Wesentlichen so aus, als ob man sich zur 
Erledigung eines Geschäfts auf die Schüssel setzt 50 . 

Das ist wesentlich leichter mit einem mindestens schulterbreiten Stand zu bewerkstelligen 
(einige stehen noch wesentlich breiter im sog. Sumo Squat), mit ausreichend Übung klappts 
aber auch mit den Füßen direkt nebeneinander, nur müssen dann die Knie halt weiter nach 
außen. Nur in seltenen Fällen kommen dabei die Knie über die Zehen nach vorne, bei der 
vollen Kniebeuge (Gesäß berührt die Fersen; auch bekannt als ATG-squat [Ass To Grass]) 
kommt es allerdings manchmal zu Flexibilitätsproblemen in der Achillessehne, der 
Ausführende verspürt also das Bedürfnis, die Fersen abzuheben. Dies sollte nach Möglichkeit 
unterbunden werden, in einigen Fällen ist es jedoch ratsam, einen stabilen Keil (2.5-5 cm 
Dicke) unter die Fersen zu legen. Oder man trägt Schuhe mit etwas (!) erhöhtem Absatz, 
etwa Arbeitsstiefel oder Gewichtheberschuhe. High Heels dagegen sind, so leid es uns tut, im 
Kraftraum fehl am Platze. Es sollte angemerkt werden, dass eine Reduktion des Keils im 
Laufe der Zeit erstrebenswert ist, da man hierbei die Flexibilität ganz ohne langweiliges 
Dehnen gleich mittrainieren kann. 

Sehen wir uns nun die klassische Variante an. Man tritt vor die Langhantel, die im Rack auf 
etwas unter Schulterhöhe aufliegt, ergreift sie in etwa doppelt schulterbreit und mittig (!). 
Dann tritt man vor und unter die Stange, um sie aufzuladen, und zwar so, dass das Gewicht 
nicht auf dem Hals aufliegt, sondern auf den Schultern ganz knapp unterhalb des Trapezius - 
hebt sie ab und tritt mit EINEM Rückwärtsschritt von der Halterung des Power-Racks zurück. 
Nun sollte man den Kniebeugenstand einnehmen: Füße mindestens schulterbreit 
auseinander und leicht nach außen gedreht - dadurch bewegen sich die Knie während der 
Bewegung automatisch in die gleiche Richtung - Brust raus, Bauch rein und Gesäß nach 
hinten, Blick nach vorne (oder wahlweise auf einen Punkt am Boden gerichtet, der 

50 In der Tat wird im Powerlifting das Hinsetzen auf eine etwa 30-35 cm hohe Bank (aka box squats) inzwischen häufig als 
eine der wichtigsten Übungen verwendet, weil sie einerseits zur richtigen Ausführungsform führt und man sich so genau 
die im Powerlifting erforderliche Beugentiefe - knapp unter parallel, aber nicht zu tief (man will ja mit so viel Gewicht 
wie möglich wieder hoch, und wir erinnern daran, was wir im Kapitel „Federn, Expander, Isometrics und Ähnliches" 
über die Federwirkung von Muskeln gesagt haben. 



59 



MINDESTENS zwei Meter vor einem liegt). Diese "Stellung" wurde von verschiedenen 
Trainern schon als "beach-position" (für die Männer: man stelle sich vor, am Strand ganz 
klischeehaft ein Mädchen beeindrucken zu wollen) oder zugegebenermaßen etwas wertend 
als "slut stand" (man erstelle die Karikatur einer Frau, die auf ihre primären Reize hinweisen 
will) bezeichnet. 

Von da aus setzt man sich dann zwischen den zwei Standpunkten nach hinten-unten, bis die 
gewünschte Tiefe (wir empfehlen in den allermeisten Fällen, zumindest so weit 
runterzugehen, dass die Oberschenkel parallel zum Boden sind; jedoch hat die ganz tiefe 
Kniebeuge auch einige Argumente für sich, nämlich dass bestimmte Muskelgruppen in den 
Beinen wie etwa der Vastus Medialis damit stärker gefordert werden als mit der „Parallel"- 
Variante) erreicht ist; von da aus geht's wieder steil nach oben. 




60 



Klassische Form der Kniebeuge unter parallel (Model: Oskar). 



Am oberen Punkt der Bewegung hat man nur mehrere Möglichkeiten: man kann entweder die 
Knie durchdrücken und im Stehen eine Pause von einigen Atemzügen einlegen (aka 
breathing squats), man kann auf eine vollständige Streckung verzichten und sofort wieder 
runtergehen, um einen stärkeren „burn" zu erzeugen, oder man kann natürlich das Gewicht 
absetzen und komplett Pause machen. 

Generell tun sich bei Kniebeugen die kleineren, stämmigen Typen leichter, hohe Gewichte zu 
bewegen. Vertreter des „Marphan's Syndrome" (extrem lange Gliedmaßen) haben hier die 
größten Nachteile. In manchen Fällen kann eine Variante der Kniebeuge mit sehr breitem 
Stand (und je nach persönlichen Vorlieben auch sehr breitem Griff) hier hilfreich sein. 



61 




Low-bar-Kniebeuge mit breitem Stand und sehr breitem, daumenlosem Griff für eine 
möglichst schwerpunktnahe Auflage der Stange. Zu bemerken ist hier das betonte 
Zurücksetzen und der vertikalere Schienbeinwinkel, der aber durch weiteres Vorlehnen des 

Oberkörpers kompensiert wird. 



62 



Zu einer Diskussion der individuellen Kniebeugenform siehe auch http://www.t- 
nation.com/free_online_article/most_recent/the_virtual_squat_seminar . Dies betrifft allerdings 
vor allem die wettkampfmäßige Version (also Powerlifiting), mit produktiven Varianten für 
Freizeit- und Leistungssportler befasst sich dagegen http://nicktumminello.com/2012/05/the- 
best-type-of-squat-for-your-height/ . Zu weiteren Alternativen siehe auch das Kapitel "Wie 
mache ich Kniebeugen ohne Rack?". 

Edit Flais: Meines Erachtens ist die Essenz der ganzen Kniebeugen ja / nein / Alternativen / 
was-auch-immer-Debatte vor allem darum, dass auch die Beine trainiert werden sollten, und 
zwar von jedem und vorzugsweise in gleichem Umfang wie der Oberkörper. Die Logik hinter 
"ich brauche meine Beine nicht zu trainieren, schließlich fahre ich mit dem Fahrrad zur Uni" ist 
ja nicht wirklich schlüssig, wenn man grade mal zwei Kilometer über eine flache Strecke zu 
fahren hat, oder? Und selbst wenn das Fahrradpensum dreißig bis vierzig Kilometer am Tag 
betragen sollte, wie es bei mir häufig der Fall ist, ist ein zusätzliches Krafttraining für die 
Beine empfehlenswert (sogar Radrennfahrer machen das so). Um die Belastung eines 
Gewichtstrainings mit niedrigen Wiederholungszahlen und hoher Last für den Oberkörper 
auszugleichen, sollten auch die Beine in gleicher Art trainiert werden. Wir haben im Kapitel 
„Wie mache ich Kniebeugen ohne Rack?" versucht, einige Arten und ihre Vorteile 
aufzuzählen, welche ihr wählt oder ob ihr euch für eine Alternative entscheidet ist uns 
prizipiell egal. Außerdem sollte man in erster Linie die Übungen auswählen, die man braucht 
und nicht die, die man gerne macht! Kein Programm ist meines Erachtens nach komplett 
ohne zumindest eine Variante der Beuge. 



63 



Kreuzheben: 

Nothing is more satisfying than a big deadlift at the end of the meet, where you are standing 

holding a bending bar. 
I imagine myself holding a slain enemie's body displaying him to my opponents... 

[Brandon Lilly] 




Flais beim „raw" Kreuzheben mit 210kg bei einem Wettkampfgewicht von 74kg. 



Kreuzheben bezeichnet das Heben eines Gewichts - üblicherweise einer Langhantel - mit 
durchgehend gestreckten Armen vom Boden bis zur Hüfte. Auch wenn das einfach klingt, es 
gibt inzwischen ganze Bücher dazu 51 . 

Schauen wir uns zunächst an, was man mit der Übung trainiert: die primäre Belastung liegt 
auf der Rückenmuskulatur und den Oberschenkelrückseiten, mittrainiert werden aber auch: 

5 1 Z.B. Bolton / Tsatsouline, Deadlift Dynamite (2013). 

64 



die Schultern (Trapezius), die Unterarme (die ja die Stange festhalten müssen, an der häufig 
ein Vielfaches des Körpergewichtes hängt), die Bauchmuskeln (stabilisierend), Bizeps, 
Trizeps, Deltoid (alle statisch angespannt), Quadrizeps und in geringerem Maße so ziemlich 
alle anderen Muskeln vom Scheitel bis zur Sohle. Klingt nach einer sinnvollen Übung, wenn 
ihr mich fragt. 




Klassisches Kreuzheben. 



Bei der klassischen Variante stellt man sich mit etwa schulterbreitem Stand mittig vor eine 
Langhantel - und zwar so, dass die Schienbeine die Stange (fast) berühren - und greift sie 
ebenfalls schulterbreit, sodass eine Hand zum Ausführenden zeigt und die andere von ihm 
weg. Dies erlaubt es, sich die Stange gewissermaßen „selbst in die Hand zu drücken" - was 
spätestens dann notwendig wird, wenn man wie Andrew Bolton eine halbe Tonne hebt. Beim 
Abbeugen zur Stange sollte der Rücken gestreckt sein - allerdings keinesfalls aufrecht. Das 
Ausmaß des nach-vorne-Beugens hängt von den Präferenzen hab, je gestreckter die Beine 
sind, desto mehr müssen die Oberschenkelrückseite und die Rückenstrecker dafür 
kompensieren (allerdings ist der Stress für die Wirbelsäule dann auch um ein vielfaches 
größer). Das Gesäß steht weit nach hinten raus und bildet sozusagen das „Gegengewicht" für 
die Last, die vorne hängt. 



65 



Wichtig ist in jedem Fall, die Schienbeine möglichst senkrecht zu halten, da man sonst durch 
den ungünstigen Winkel Kraft verliert. 

Ein guter Tipp kommt von Richard Hawthorne, einem 60kg-Mann, der schon über 280kg 
gehoben hat: von großer Wichtigkeit für ein sicheres Kreuzheben ist es, schon vor dem 
Heben Spannung aufzubauen. Hawthornes Anweisungen haben mir persönlich auf dem Weg 
zum Kreuzheben von meinem dreifachen Körpergewicht sehr geholfen: als erstes greift die 
Hand, die im Untergriff fasst; sobald die Hand an der Stange ist, versucht man, diese so weit 
wie möglich nach oben durchzubiegen und stellt sich vor, man würde den gleichseitigen Fuß 
durch die Plattform rammen. Sobald die zweite Hand umgekehrt die Stange auf der anderen 
Seite fasst, macht man das auch dort. So zieht man die Stange in eine vorgespannte 
Position, aus der man optimal heben kann 52 (zumindest meinen Vorlieben nach). 

Nun wird der Hebevorgang eingeleitet: das Gewicht wird körpernah angehoben, viele ziehen 
es regelrecht in Kontakt mit der Beinvorderseite hoch (ich finde allerdings, dies sollte erst 
oberhalb der Knie der Fall sein, sonst verliert man wichtige Geschwindigkeit). Am Beginn der 
Bewegung kommt die Beinstreckung ins Spiel, kurz darauf wird der Oberkörper bis zur 
Senkrechten aufgerichtet. Grimassen schneiden optional! 

Anschließend sollte man das Gewicht vorsichtig wieder absetzen (einige lassen es fallen, 
davon raten wir aber tendentiell ab, außer ihr habt eine wettkampfkonforme Plattform und 
eine ebensolche Eleiko-Hantel samt Bumper Plates zur Verfügung). 

Übrigens, eine weitere gute Beschreibung der Standard-Kreuzhebe-Varianten von Matt Kroc 
findet sich im untenstehenden Link 53 . 

Zwei weitere Varianten sollen nicht unerwähnt bleiben. 

Beim sogenannten Snatch Grip Deadlift (Kreuzheben im Reißgriff) wird die Langhantel sehr 
breit im sogenannten Reißgriff erfasst - bei großen Sportlern sind die Hände dabei locker 
1,30m und mehr auseinander -, beide Handflächen zeigen dabei zum Ausführenden. 
Logischerweise zwingt einen das dazu, weiter in die Knie zu gehen; steht man auch noch 
etwas erhöht auf einem ca. 20cm hohen Kasten (zur Not tuns auch Ziegelsteine oder oder 

52 https://www.youtube.com/watch?v=iQ5rY_beDLY (Stand 04.03.2014). 

53 http://www.t-nation.com/training/heavy-deadlifting- 10 l-tips-from-an-810-pound-deadrifter (Stand 06.05.2014). 

66 



eine „bumper plate" aus Hartgummi), erreicht die Beinbeugung dabei häufig mehr als 90°, 
sodass die Übung auch als Kniebeugenalternative dienen kann. Zu bemerken ist aber, dass 
durch den großen Winkel der Arme die Griffkraft sehr eingeschränkt ist (Physik und Anatomie: 
der Ringfinger und der kleine Finger werden Schwierigkeiten haben, sich überhaupt zu 
schließen); mit anderen Worten, man kann so weniger Gewicht bewegen. Daher ist dies eine 
Variante, bei denen der Einsatz von sogenannten Lifting Straps - eine aus dem 
Gewichtheben kommende (und von vielen Bodybuildern begeistert aufgenommene und 
weiterentwickelte) Vorrichtung, bei der die Enden einer um das Handgelenk gelegten 
Schlaufe aus Gurtband um die Hantelstange gewickelt und anschließend umfasst werden - 
auch von puristischen Trainern normalerweise gestattet wird. 

Bei Trap Bar Deadlift wird dagegen eine spezielle Langhantel verwendet, die in der Mitte eine 
große, sechseckige Aussparung hat, in der der Sportler stehen kann. Somit ist das Gewicht 
gleichmäßiger auf die Körpervorder- und Rückseite verteilt. Dadurch können in der Regel 
höhere Gewichte bewältigt werden. Stellt man sich auch hier auf einen Kasten oder eine 
Bumper Plate, dann kann auch diese Variante als effiziente Kniebeugenalternative dienen. 

Edit: Allgemein ist zu Varianten noch zu sagen, dass es oft eine gute Idee ist, Varianten ein 
und derselben Grundübung über das Trainingsjahr zu rotieren (z.B. Wechsel alle 6-8 
Wochen). Dadurch kann Imbalancen vorgebeugt werden, das Training bleibt unterhaltsamer 
(auch, weil man öfter Verbesserungen sieht) und man wird trotzdem Schritt für Schritt in der 
Grundübung stärker 54 . 

Umsetzen / Power Cleans 

EXPLODIERE! 
[Flais' ehemaliger Trainingspartner Martin] 

Durch Umsetzen wird die Langhantelstange vom Hang bei gestreckten Armen zur Schulter 
angehoben. Wir beschreiben hier nur eine Variante dieser technisch ziemlich anspruchsvollen 
Übung: 

54 Siehe dazu auch hier den Artikel von Charles Staley http://www.t-nation.com/training/specificity-variability-paradox . 



67 



Umsetzen mit der Langhantel (Zug vom Boden zur Hüfte nicht abgebildet). 

Nachdem die Hantel vom Boden aufgehoben wurde (praktisch wie beim Deadlift; einzig ist ein 
relativ schmaler Stand und doppelter Obergriff hier durchwegs empfehlenswert, aus Gründen, 
die wir hier gleich erläutern werden) soll sie möglichst körpernah nach oben geführt werden. 



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Warum körpernah? Nun, es ist weder effizient noch aus medizinischen Gründen ratsam, ein 
schweres Gewicht mit vom Körper weggestreckten Armen heben zu wollen 55 . Dies wird 
folgendermaßen bewerkstelligt: zuerst geht man etwas in die Knie (wie bei einer % 
Kniebeuge, allerdings mit dem Gesäß wie beim Kreuzheben weit als Gegengewicht nach 
hinten gestreckt), dann werden die Beine explosiv gestreckt (man geht hoch auf die 
Zehenspitzen) und die Hüfte nach vorne gebracht - gebt der Stange mit den Oberschenkeln 
einen Schubs nach vorne oben! Die Aufwärtsbewegung der Stange wird durch ein 
Hochziehen der der Schultern (versucht ruhig, die Ohren mit den Deltoidmuskeln zu 
berühren! 56 ) und der Ellenbogen bestärkt. Dieser Bewegungsablauf nennt sich High Pull und 
sollte als Vorübung für das Umsetzen zumindest ein paarmal geübt werden. 
Dann, wenn die Hantelstange ihren höchsten Punkt erreicht hat, muss man darunter 
gelangen. Dies geschieht, indem man mit beiden Füßen etwas nach außen springt und die 
Knie soweit beugt, dass man die Ellenbogen unter der Stange durch und fast waagrecht nach 
vorn führen kann, um die Stange auf der Schulter aufzufangen. Beim sogenannten Power 
Clean geht man nicht weiter als etwa ein Viertelbeuge nach unten; beim „Squat Clean", den 
man bei den olympischen Spielen sieht, dagegen bis in die volle Beuge, wodurch von einem 
Trainierten deutlich schwere Gewichte bewältigt werden können. Doch ist der 
Bewegungsablauf noch wesentlich schwieriger zu lernen als der ohnehin nicht einfache 
Power Clean und daher für Anfänger ohne persönliche Aufsicht sicher nicht zu empfehlen 57 . 

Power Cleans trainieren die Explosivkraft des ganzen Körpers. Weiters sind sie wohl eine der 
besten Übungen, um den Trapezius zu trainieren. Und: je besser man im Umsetzen ist, desto 
besser wird man auch im Schulterdrücken (s.u.) werden! 



55 Swings sind eine Ausnahme; sie beruhen aber auch auf gänzlich anderen Prinzipien. Auch ist die Definition von 
„schwer" sehr individuell - ja, es gibt Bodybuilder, die zum Beispiel Frontheben mit 25-30 kb Kurzhanteln ausführen 
können, für sie sind diese Gewichte aber nicht übermäßig schwer, da sie z.B. im Schulterdrücken in etwa doppelt so 
hohe Gewichte bewegen können. 

56 Flais: Allerdings werden nur die extrem Blumenkohl-ohrigen unter euch eine Chance haben, das tatsächlich auch zu 
bewerkstelligen (Ja, ich mein dich, Gündä!). 

57 Ein sehr gutes und umfassendes Power-clean Tutorial (in englischer Sprache) findet sich hier: 
http://forum.bodybuilding.com/showthread.php?t=140007603 (Stand 28.03.2014). 



69 



Power Cleans: Variante mit Kurzhanteln 




Für diese Übung verwendet man zwei Kurzhanteln, wobei das Gewicht nur geringfügig unter 
dem Gewicht liegen sollte, das man an der Langhantel auflegen würde. 

Zur Übungsausführung stellt man sich in relativ engem Stand vor die ungefähr schulterbreit 
daliegenden Kurzhanteln, sodass diese etwas vor und nach außen versetzt von den 
Zehenspitzen liegen (Griffe nach vorne weisend). Beide Hanteln werden erfasst, indem man 
sich bei gestrecktem - nicht aufrechtem - Rücken und gebeugten Beinen nach vorne beugt; 
nun hebt man die Hanteln an, wobei sie etwas nach hinten schwingen dürfen (sodass sie die 
Knie seitlich halb passieren). Erreichen die Hanteln besagte Kniehöhe, wird die 
Körperstreckung ebenso wie beim Umsetzen mit der Langhantel eingeleitet. Die eigentliche 
Umsetzbewegung ähnelt dem aus dem Bodybuilding bekannten Hammer-Curl - jedoch einer 
extremen Schwungversion davon: neben der Bein- und Hüftstreckung werden die Schultern 
nach oben und die Ellenbogen seitlich des Oberkörpers nach hinten gezogen, um das 
Gewicht unter Ausnutzung möglichst vieler Muskelgruppen (der ganze Rücken spielt mit) 



70 



körpernah nach oben führen und über der Schulter „fangen" zu können. Letzteres klappt 
leichter und vor allem für die Handgelenke auch entspannter als bei der Langhantelversion. 
Insgesamt ist die Lernkurve mit Kurzhanteln deutlich kürzer, und wir würden diese 
Übungsvariante als mindestens ebenso produktiv einschätzen. 

Edit Flais: An dieser Stelle sollte einmal eine Lanze für das Training mit Kurzhanteln 
gebrochen werden, die zwischen den aktuellen Trends des olympischen Gewichthebens und 
des Powerliftings (mit Langhanteln) und des „sport-spezifischen Trainings" (mit allen 
möglichen teuren Spielzeugen) häufig untergeht. Leider, wie wir aus den folgenden Gründen 
finden: 

Der Umgang mit Kurzhanteln ist einfach zu erlernen - leichter und problemloser als der mit 
Kettlebells, und wesentlich leichter als das olympische Reißen und Stoßen; außerdem kann 
man damit vielseitiger und gezielter in Hinblick auf Schwachstellen trainieren als mit den drei 
Powerlifts. 

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass die Kosten für ein Paar Kurzhanteln fast schon zu 
vernachlässigen sind im Vergleich zu dem, was die anderen oben angeführten Trainingsmittel 
kosten 58 , ganz zu schweigen davon, dass mittlerweile praktisch jedes ernst zu nehmende 
Studio eine Vielzahl an Kurzhanteln vorrätig hat: in einigen Fällen sogar fixe Hanteln mit 
Gewichten bis 60 kg pro Stück (und die sind dann garantiert nicht mehr pink!)! Das sollte 
auch klar werden lassen, dass man mit Kurzhanteln nicht nur ein bisschen herumhampeln, 
sondern auch Ausdauer, Kraft und Explosivität trainieren kann; zudem müssen die Muskeln 
dabei mehr stabilisierende Arbeit leisten als beim Langhanteltraining. 

Zu beklagen ist lediglich, dass viele der kommerziell erhältlichen Kurzhanteln mit zu kurzen 
Ladebereichen ausgestattet sind (insofern problematisch, als dass die Hanteln mit 
zunehmendem Scheibendurchmesser immer unhand(t)licher werden; mehr als 10kg- 
Scheiben sind für die meisten Übungen bei einer Durchschnittsgröße des Ausführenden 
kaum noch zielführend, in der Regel werden die kleineren 5kg-Scheiben bevorzugt 59 ). 
Weiterhin neigen die üblichen Schraubverschlüsse zum unbeabsichtigten Öffnen; ein 

58 Ein professionelles Gewichthebe-Set der des Marktführers Eleiko kostet locker 2000 Euro; Kurzhantelsets gibt es 
dagegen schon ab 20€, und zwei verstellbare Kurzhanteln mit Standardscheiben, hochwertigen Verschlüssen und je 50 
kg Scheiben lassen sich bereits für unter 200 € zusammenstellen - was etwa dem Preis für eine einzelne, nicht 
verstellbare 48 kg Kettlebell entspricht. 

59 Von denen benötigt man dann allerdings ziemliche Massen - für ein Paar je 42 kg schwerer Hanteln wären das schon 
mal 16 Stück (im Gegensatz zu 8 lOkg-Scheiben). 



71 



Umwickeln des Gewindes mit Isolierband kann zwischenzeitlich Abhilfe schaffen, macht 
allerdings auch das Wechseln der Gewichte langwieriger und kraftaufwendiger. 

Ideal, kostengünstig und sicher sind allerdings Hanteln mit einer einfachen, ca. 40-60 cm 
langen Mittelstange (Kostenpunkt: einstelliger Eurobereich) aus kaltgerolltem (Bau-) Stahl 
und schraubstockartig festschraubbaren Verschlüssen, sogennanten collars (Kostenpunkt pro 
Paar: ca. 15-30€). 

Insgesamt bleiben Kurzhanteln als seriöses Trainingsmittel fast so etwas wie ein Geheimtipp. 
Mit einem Minimum an Lernkurve und finanziellem Aufwand können also alle relevanten 
Muskelqualitäten effizient trainiert werden. 

Anzumerken ist noch, dass wir mit dieser Meinung keineswegs allein auf weiter Flur stehen: 
verschiedene namhafte Experten, darunter die Altvorderen D. F. Draeger und T. Ishikawa 
(beide Experten im Judo, letzterer sogar einer der leichtesten Inhaber des japanweiten 
Meitertitels in der offenen Klasse [zu dem Zeitpunkt noch praktisch äquivalent mit dem 
Weltmeistertitel]), I. Javorek (der „Erfinder" des Komplex-Trainings 60 ) und R. Enamait (Profi- 
Boxtrainer) haben schon den enormen Wert des Kurzhanteltrainings für Athleten 
hervorgehoben; sie alle betonen, dass die mit Kurzhanteln erzielten Fortschritte in der Regel 
auch sehr gut in verschiedenen Sportarten umgesetzt werden können. Einige von diesen 
Autoritäten räumen dem KH-Training sogar die dominante Rolle für die Entwicklung von Kraft 
und Explosivität in der Vorbereitungsphase ein! 

Unserer Meinung nach definitv etwas, was man sich anschauen sollte. 



60 Wobei dieser Anspruch durchaus anzuzweifeln ist - Javorek will den Komplex etwa 1969 erfunden haben 
( http://www.istvanjavorek.com/page2.html . Stand 03.07.2014) , bereits vor den olympischen Spielen 1972 hat der 
Judoka und damalige Silbermedaillengewinner Dave Starbrook allerdings einen selbst zusammengestellten Komplex 
durchaus vergleichbarer Art durchgeführt. Starbrook betont dies auch nicht besonders, sodass man annehmen darf, dass 
Zirkel dieser Art auch in England um diese Zeit nichts Neues mehr waren. Siehe dazu D. Starbrook, Judo - Starbrook 
Style. (London 1978) 107-111. 



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Schulterdrücken aka Military/ Overhead Press 



Guess what: they DO overhead press in prison. 
[Rieh „The human crane" Sadiv in einem Spoof über „outlawed exercises"] 



Das Schulterdrücken war bis in die 1960er DIE reine Kraftübung, an denen sich Kraftsportler 
bevorzugt maßen, und in einer Abart (Olympic Press) auch Teil der Olympischen Spiele, bis 
sie aus relativ fadenscheinigen Gründen gestrichen wurde. Wir bevorzugen das 
Schulterdrücken tendentiell gegenüber dem inzwischen häufiger vertretenen 
Flachbankdrücken. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen kennen wir kaum einen Sport, 
bei dem disproportional große Brustmuskeln benötigt werden, wie sie beim Bankdrücken 
(insbesondere der Bodybuilding-Version) üblicherweise erzeugt werden 61 . Beim 
Schulterdrücken bewältigt man zwar weniger Gewicht, aber dafür müssen die Trizeps und die 
stabilisierenden Muskelgruppen viel intensiver arbeiten. UND, wer seine Leistung im 
Schulterdrücken verbessert, wird dadurch in der Regel auch im Bankdrücken stärker. 



Schaun wir uns also an, wie man das Ganze richtig macht: 




61 Wettkampfmäßiges Bankdrücken und Kraftdreikampf ausgenommen fallen uns höchstens noch Rugby und American 
Football ein. 



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Military Press mit Langhantel. 



Nachdem das Gewicht (klassischerweise eine Langhantel oder zwei Kurzhanteln; wir 
beschreiben hier die LH-Version, die KH-Version weiter unten) via Clean (Umsetzen) auf 
Schulterhöhe gebracht wurde 62 , wird kurz pausiert, um zu vermeiden, dass 
Bewegungsmoment mitgenommen wird. Dabei ist die Position wichtig: meistens wird ein 
minimal über schulterbreiter Griff empfohlen, sodass die Hände ganz knapp außerhalb der 
Schultern zu liegen kommen. Auch sollten die Ellenbogen in der Rast-Position nicht gerade 
nach unten zeigen, sondern einige Grad nach vorne. Die Unterarme sollten aber dennoch 
praktisch vertikal stehen (die Differenz ergibt sich dadurch, dass man die Handgelenke etwas 
beugt, die Hantelstange also etwas versetzt in Richtung des Ausführenden aufliegt). 

Dann wird die Drück-Aktion eingeleitet, während der gesamte Körper gerade bleibt und unter 
Spannung steht. Das mentale Bild, das man dabei vor sich haben sollte ist, sich selbst vom 
Gewicht wegzudrücken, nicht umgekehrt. Wenn man versucht, sich selbst so stark nach 
unten zu drücken, dass man Fußabdrücke im Boden hinterlässt, arbeiten die Muskeln in viel 

62 Hier wird gelegentlich empfohlen, den Clean ohne „Dip" auszuführen, also die Beine nicht zu beugen um das Gewicht 
aufzufangen, weil dies die Spannung im Rumpfbereich verringere; wir halten das für eine persönliche Vorliebe, probiert 
also einfach selber ein bisschen rum. 



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höherem Maße zusammen als wenn man nur das Gewicht hochschubsen will 63 . 
Je nach Form des Gewichts kann es sich empfehlen, das Kinn etwas anzuheben. Wenn man 
mit einer Langhantelstange drückt, müsste diese ansonsten einen deutlich ineffizienteren, S- 
förmigen Weg zurücklegen, da ja das Kinn im Weg ist. 

Während man drückt, können die Ellenbogen etwas nach außen wandern, die Unterarme 
sollten aber dennoch vertikal sein. 

Passiert die Stange den Kopf, führt man sie geringfügig nach hinten, sodass sie ihren Weg 
direkt über dem Cranium fortsetzen kann. Natürlich ist zu empfehlen, die Übung durchgehend 
kontrolliert auszuführen, nur wenige Leute mögen es, von fallenden Gewichten getroffen zu 
werden. 

Nun wird das Gewicht weiter angehoben bis zur vollständigen Streckung der Arme (lockout). 
Natürlich sollte der Körper die ganze Zeit unter Spannung bleiben, dann ist das 
Schulterdrücken auch in keinster Weise schädlich für die Wirbelsäule 64 . 
Edit Flais: Auch wenn wir die Übung Schulterdrücken mögen, kann sie in manchen Fällen 
doch ein Luxus sein. Für mich ist das eine klassische Hass-Liebe: ich bin von allen Übungen 
im Schulterdrücken relativ gesehen am schwächsten und es ist für mich folglich eine Ego- 
Frage, mich da zu verbessern. Allerdings ist der Übertrag zu meinem Sport deutlich geringer 
(oder zumindest weniger direkt) als zum Beispiel bei Liegestützvarianten mit Zusatzgewicht, 
die ich recht direkt umsetzen kann, und ich empfinde die meisten Varianten der Military Press 
als stärker verschleißend für meine Schultern. Folglich reduziere ich das Schulterdrücken in 
der Regel auf die 2-3 Monate Off-Season im Jahr, fern aller Wettkämpfe, wenn ich in der Zeit 
Zugang zu einem Kraftraum habe. 



63 Tsatsouline 2006, 106. 

64 Flais: Die Wirbelsäule hält übrigens viel mehr aus, als man glauben würde, sofern man sie anständig trainiert. Ich bin in 
meinen Studio-Zeiten häufig darauf angesprochen worden, ob ich denn nicht Angst hätte, meine Bandscheiben zu 
ruinieren oder was auch immer, weil ich regelmäßig Gewichte im Bereich von 200-250kg im Kreuzeheben und von 
mehr als Körpergewicht über den Kopf gehoben habe. Irgendwann hat mir die Erklärerei dann gereicht und ich habe 
mich zum etwas schnippischen Kommentar hinreißen lassen, dass mir meine Wirbelsäule nur soviel wert ist, wie sie 
heben kann. Das brachte die Frager dann irgendwie zum Schweigen - oder vielleicht lag es auch an der Tatsache, dass 
ich gerade 240kg auf der Langhantel hatte. 



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Variante: Schulterdrücken mit Kurzhanteln 





Nachdem man die zwei Kurzhanteln zur Schulter umgesetzt hat, drückt man sie zur 
Hochstrecke. Dabei können die Handflächen durchgehend zueinander weisen, oder aber 
man dreht die Hände während der Ausführung: bei der sogenannten „Arnold Press" (jup, 
benannt nach dem Arnold) werden die Hände nach dem Umsetzen erstmal so gedreht, dass 
beide Handflächen zur Brust des Ausführenden zeigen. Im Laufe der Drückbewegung nach 
oben werden die Hände dann so gedreht, dass die Handflächen in der Hochstrecke nach 
vorne zeigen. Diese Version eignet sich besonders für die betont langsame und kontrollierte 
Ausführung. 

Wie weit man sich beim Drücken nach hinten beugt, ist Geschmacksache und 
Gewissensfrage. Wer seinem Kreuz traut (insbesonders die Brückentrainings-Fanatiker), 
kann sich durchaus etwas in Hohlkreuz legen, jedoch müssen wir darauf hinweisen, dass 
viele Physiotherapeuten in der Regel bereits bei der Andeutung einer solchen Aktion gelb im 



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Gesicht werden. 

Auch diese Variante ist deutlich einfacher zu lernen als die Langhantelversion, die Wirkung ist 
jeodch die gleiche, wobei der Kurzhantelversion erneut ihr dreidimensionaler 
Instabilitätscharakter zugute gehalten werden muss. 

Variante: Wechselseitiges Schulterdrücken (See-Saw Press) mit zwei Kurzhanteln 




Die See-Saw-Press ist eine spezielle Variante des Schulterdrückens mit Kurzhanteln, 
sozusagen ein Version mit abwechselndem Drücken. Nachdem man die Hanteln umgesetzt 
hat, drückt man zuerst eine bis zur Hochstrecke, wobei man sich ruhig etwas zur anderen 
Seite neigen kann (soweit dies möglich ist, wenn man eine schwere Kurzhantel auf eben 
dieser Seite an der Schulter fixieren muss); anschließend senkt man die Hantel wieder, 
jedoch wird sie nicht einfach herabgelassen, sondern vielmehr von einem klaren Zug in 
Richtung Schulter begleitet. Eben diese Bewegung wird wiederum ausgenutzt, um den 



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Schultergürtel zur anderen Seite zu kippen und die zweite Hantel so mit leichter Starthilfe 
nach oben zu drücken, sodass die beiden Gewichte einander auf etwa halbem Weg 
passieren. Nun wird der Bewegungsablauf beliebig oft wiederholt. 

Edit Flais: Ich finde diese Variante genial! In den allermeisten Sportarten ist es meiner 
Erfahrung nach so, dass einseitig geschoben und eben dieser Schub durch einen Zug in die 
Gegenrichtung unterstützt wird. Genau das lässt sich mit der See-Saw-Press trainieren. 
Durch das Zusammenspiel der Muskeln schafft man nach der Eingewöhnungsphase in der 
Regel höhere Gewichte und / oder Wiederholungszahlen als beim gewöhnlichen 
Schulterdrücken mit zwei Kurzhanteln. Eben das macht die Übungen zu idealen „plateau- 
busters" füreinander - sprich, wenn man sich in einer der Übungen länger nicht verbessern 
kann, steigt man auf die andere um. Hat man dort eine neue Bestleistung aufgestellt und 
kehrt zu Übung N. 1 zurück, wird man in aller Regel feststellen, dass man mit etwas Training 
nun auch dort mehr schaffen kann. 

Einarmiges Bankdrücken 

Du brauchst keine großen T****n im Thaiboxen. 
[S. S., österreichischer Thaiboxer und Freefighter] 

Das klassische Bankdrücken ist nicht unsere Lieblingsübung, wie ihr vermutlich gemerkt habt: 
wir finden die Übung etwas eindimensional, man braucht dafür einen Spotter (jemanden, der 
das Gewicht sichert und abhebt, falls man sich übernommen hat) und sind der Meinung, dass 
ihr Übertrag auf die meisten Sportarten überschätzt wird. Jedoch bedeutet dies nicht, dass sie 
sinnlos ist 65 und es nicht auch ziemlich produktive Varianten davon gäbe. 
Einarmiges Bankdrücken rangiert dabei ganz oben. Dadurch, dass man einseitig drückt, 
muss die Rumpfmuskulatur - insbesondere die schrägen Bauchmuskeln - stabilisierend 
arbeiten, um das Gleichgewicht auf der Band zu halten. Auch wer Bankdrücken mit zwei 
Kurzhanteln gewohnt ist, wird überrascht sein, wie stark dieses Kippmoment wirkt, wenn man 
in einer Hand 45 kg hält und in der anderen gar nichts. Vom Hochdrücken ganz zu 

65 Wir fühlen uns allerdings nicht qualifiziert, diesbezüglich große Technik-Ratschläge zu geben; diese sollte man besser 
dem Powerlifting-Teil unserer Literaturliste entnehmen. 

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schweigen... Subjektiv gefühlt muss dabei derTrizeps deutlich mehr arbeiten, weil die Hantel 
zwangsläufig näher an der mittigen Körperachse geführt wird, um ein Kippen zu vermeiden. 
Ein klarer Vorteil des einarmigen Bankdrückens ist auch, dass man keinen Helfer braucht. Die 
freie Hand kann jederzeit zur Hilfe genommen werden, um ein außer Kontrolle geratenes 
Gewicht zumindest auf eine sichere Flugbahn zu werfen. 




Einarmiges Bankdrücken mit Kurzhantel. Man beachte die aus Betonziegeln und Brettern improvisierte Bank. 



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Edit Flais: ich würde einarmiges Bankdrücken ähnlich betrachten wie die See-Saw-Press. 
Auch hier können etwas (in einigen Fällen auch deutlich, da die großen Brustmuskeln 
mitmischen) höhere Gewichte als im Schulterdrücken bewegt werden, sodass man die Übung 
als Plateau-Buster verwenden kann - sowohl für die klassische Variante mit einer Lang- oder 
zwei Kurzhanteln als auch für die See-Saw-Press. 

Ähnlich gilt dies auch, wenn man seiner zweiarmigen Bankdrück-Leistung stagniert ist, 
allerdings würde ich in diesem Fall dazu raten, mit der freien Hand einen Pfosten (etwa die 
Hantelstangen-Ablage) zu greifen und daran statisch nach unten zu ziehen: so tritt der 
erwähnte See-Saw-Effekt auf und man kann mehr Gewicht bewegen - eine interessante 
Variante! 

Alternativ kann einarmiges Bankdrücken aber auch als durchaus vergleichbarer Ersatz für 
schwere Liegestütz-Varianten verwendet werden, wenn man einarmige Liegestütze zu 
technisch findet oder gerade keinen passenden Partner als Zusatzgewicht zur Verfügung hat. 
Für mich war das einarmige Bankdrücken zudem ein großer Teil beim Training für den 
„Human Get-Up" (siehe Kapitel über Kettlebells und Titelbild). 

Schrägbankdrücken 

Eine weitere Übung, mit der Bank, die phasenweise produktiv sein kann, ist das 
Schrägbankdrücken (incline bench press). Dabei verwendet man eine Bank, bei der die 
Auflagefläche für den Rücken nach oben zeigt, der Kopf liegt also deutlich höher als das 
Gesäß. Das Schrägbankdrücken erzeugt einen Winkel, in dem im (Kampf-) Sport häufiger 
Belastungen auftreten als in dem, der beim Bankdrücken trainiert wird, und wenn wir ehrlich 
sind, auch als im Schulterdrücken. Außerdem hat das Schrägbankdrücken den Vorteil, dass 
zumindest teilweise auch die großen Brustmuskeln angesprochen werden, sodass man darin 
spürbar mehr Gewicht als im Schulterdrücken bewegen und sich auch schneller steigern 
kann. Folglich war Schrägbankdrücken schon früh eine der Lieblingsübungen unter 



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Judokas 66 , und Ringern 67 , auch Kugelstoß-Olympiasieger Adam Nelson (nebenbei der, äh, 
garantiert cleane Ehemann der des Dopings überführten US-Sprinterin Marion Jones) soll auf 
die Übung schwören. 

In der von uns bevorzugten Variante werden Kurzhanteln oder Kettlebells verwendet, ferner 
eine winkelverstellbare Bank. So kann man zum Beispiel auch mit einem Gewicht, das man 
noch nicht sauber schulterdrücken kann, in der Schräge beginnen und sich Schritt für Schritt 
den Winkel zum vollen Schulterdrücken hocharbeiten. Wenn man eine solche Phase 
absolviert, dann können unserer Meinung nach auch andere Schulterdrück-Varianten 
zeitweise aus dem Programm gestrichen werden. 

Um einen maximalen Übertrag zum Schulterdrücken zu erzielen, empfehlen wir, die 
Ellenbogen bei der Ausführung relativ nah am Körper zu halten. 

Einarmiges Rudern 

The most bad-ass upper back exercise in existance. 
[Matt Kroczaleski] 

Die produktive low-tech-Variante des Klassischen Ruderns mit der Langhantel (im Stehen mit 
vorgebeugtem Oberkörper, oder im Liegen auf einer Bank) oder dem Ruder-Kabelzug. 
Traditionellerweise werden der Rücken und die Armbeuger in erster Linie mit Klimmzügen 
und deren Varianten trainiert (einer Praxis, der wir zustimmen), jedoch wird von vielen 
Coaches eine Rudervariante als Zusatz empfohlen. Einarmiges Rudern hat den Vorteil, dass 
man dafür recht wenig an Equipment braucht: eine Kurzhantel und ausreichend Scheiben - 
im Rudern können recht hohe Lasten bewegt werden, und bei der beidarmigen Variante 
braucht man annähernd doppelt so viel Gewicht, was beispielsweise in einem kleinen 
Eigenheim-Kraftraum nicht immer einfach ist - eine Bank ist bereits optional. 



66 T. Ishikawa / D.F. Draeger, Judo Training Methods: A Sourcebook. (Tokyo 1962) 202, 229. 

67 W.A. Martell, Greco-Roman Wrestling (Champaign 1993) 139. 



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Kroc Rows mit Aufwärmgewicht. 



Man beginnt, indem man sich in Ausfallstellung und mit vorgebeugtem Oberkörper so über 
die Kurzhantel stellt, dass diese vor dem hinteren Bein liegt und mit dem gleichseitigen Arm 
ergriffen werden kann, meist indem der Oberkörper absichtlich etwas seitlich in diese 
Richtung geneigt wird. Besonders im Bodybuilding-Bereich ist es es eine beliebte Praxis, sich 
mit dem vorderen Knie auf eine Bank zu knien, um das Kreuz zu entlasten, jedoch können 
ähnliche Effekte auch erzielt werden, indem man die freie Hand auf das Knie des vorderen 
Beines aufstützt. Flais bevorzugt diese Variante, da er findet, die Bauchmuskeln arbeiten so 
mehr mit, außerdem tritt der bereits von der See-Saw-Press bekannte Zug -Schub- Effekt ein, 
sodass höhere Gewichte pro Arm bewältigt werden können als im beidarmigen Rudern. 
Nun zieht man das Gewicht nach oben, bis es zumindest die unteren Bauchmuskeln berührt, 
indem der Ellenbogen die Bewegung führt und der Oberkörper eine leichte Drehung entlang 
der Vertiakalachse ausführt, sodass sich die Brust am höchsten Punkt der Bewegung parallel 
zum Boden befindet. Jedoch kann der Kontaktpunkt auch variiert werden, indem man 
beispielsweise nach vorne-oben zur Brust zieht. Auch kann man die Übung absichlich etwas 



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ballistisch ausführen und gelegentlich zwecks Bewältigung eines höheren Gewichtes Utting 
Straps 68 verwenden - diese Variante wurde in den letzten Jahren bekannt als „Kroc-Rows", 
nach dem erfolgreichen Powerlifter Matt Kroczaleski, der so eine 100kg-Kurzhantel für nicht 
weniger als 25 Wiederholungen am Stück ruderte und sich später sogar auf Gewichte im 
Bereich von 135 kg für hohe Wiederholungszahlen steigerte. Aus diesen Zahlen kann man 
ermessen, dass mit dem Rudern ein gewisser „Overload" herbeigeführt werden kann, der in 
dieser Form mit Klimmzügen nur schwer zu erreichen ist 69 . Natürlich können auch Gewicht 
und Wiederholungszahlen wesentlich freier gewählt werden. 

Anschließend Hantel wieder ablassen und ggf wiederholen. Dann Seite wechseln. 

Wie bei den meisten einarmigen Übungsvarianten müssen auch beim einarmigen Rudern die 
diagonalen Bauchmuskeln ganz schöne Arbeit leisten - wenn das Gewicht schwer genug ist, 
heißt das. 



Pullovers 




68 Am Handgelenk befestigte und um den Griff der Hantel geschwungene Gurtbänder, die den Griff verbessern und die 
Ermüdung der Fingermuskeln vor den Rückenmuskeln als limitierenden Faktor ausschalten sollen. 

69 Matt Kroc wiegt geschätzte 120-130 Kilo und ist ein absolutes Kraftschwein, aber wir trauen ihm bei allem Respekt 
keine 20 einarmigen Klimmzüge pro Hand zu! 

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Pullover (Variante mit gestreckten Armen). 



Bei der Übung Pullover liegt man flach auf dem Rücken, klassischerweise am Boden (im 
Gegensatz zum Kleidungsstück Pullover, das man nach unseren Tests in fast allen 
Körperhaltungen tragen kann). Das Übungsgewicht (meistens eine Kurzhantel, allerdings 
auch mit Kettlebells, Sandsäcken oder Langhanteln durchführbar) liegt oberhalb des Kopfes, 
sodass es mit ausgestreckten bis mäßig gebeugten Armen erreicht werden kann. Mit beiden 
Händen packen und bei durchgehend gestreckten (oder aber annähernd gleichbleibend 
gebeugten) Armen hochziehen, bis es über der Brust ist; dann wieder zurückführen und bei 



84 



Bedarf wiederholen. 

Pullovers sind eine traditionelle und effiziente Übung für die Brustmuskeln 70 . Darüber hinaus 
sind sie eine beliebte spezifische Kräftigungsübung bei Fans des Schulterwurfes (aka Seoi 
Nage). 

Im klassischen Bodybuilding spricht man ihnen - am besten durchgeführt ohne Pause direkt 
nach einem harten Satz schwerer Kniebeugen - auch die Fähigkeit zu, den Brustkorb zu 
erweitern und zu kräftigen. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch, dass der Pullover eine der 
wenigen Übungen ist, die den Serratusmuskel effektiv ansprechen. 

Edit: Wenn die Gewichte ziemlich hoch werden, kann es erforderlich sein, die Füße unter 
einen festen Gegenstand (z.B. Sprossenwand) einzuhaken oder sie vom Trainingspartner 
fixieren zu lassen. 



70 Heute kaum noch zu glauben, aber noch vor 80 Jahren war es Standard, dass Gewichte, mit denen man „Bankdrücken" 
wollte, erst per Pullover in Position gebracht werden mussten! 



85 



Kraftstandards 



There is no better way to fight weakness than with strength. 

[Henry Rollins] 

DISCLAIMER: Wir reden hier von Leistungssport, und der ist von Haus aus ungesund. 
Breiten-, Fitness- und Gesundheitssportler mögen dies bitte im Hinterkopf behalten. Trotzdem 
kann der eine oder andere in diesem Kapitel vielleicht nützliche Hinweise finden. 

Wann ist jemand stark? Nun, die Powerlifter, Gewichtheber und Strongmen unter uns sind da 
fein raus, sie können sich an den nationalen und internationalen Wettkam pfresultaten und 
Rekorden messen. Schwieriger ist das Ganze für andere Sportler, wobei die Diskussion 
besonders im Kampfsport sehr rege ist. 

Vorneweg: Kraftstandards sind immer mit Vorsicht zu behandeln, da Kraft nur einer von vielen 
wichtigen Faktoren ist, die den Wettkampferfolg ausmachen. Trotzdem hat die Erfahrung 
gezeigt, dass es sich kaum ein erfolgreicher Wettkämpfer leisten kann, in irgendeinem Gebiet 
der Vorbereitung sehr weit hinter der Konkurrenz zurückzufallen - die Luft ist auch so schon 
dünn genug da oben. 

Relativ häufig findet man Angaben, ab X x BW (soundsoviel mal Körpergewicht) wäre jemand 
„stark" 71 ; einige Quellen mit Erfahrungen im Gewichtheben oder Kraftdreikampf geben 
wenigstens differenzierte Werte für die einzelnen Gewichtsklassen an 72 . Kann man solche 
Werte wirklich auf Kampfsportler übertragen? 



71 Z.B. hier: http://www.t-nation.com/readArticle.do?id=l 563264 . hier: http://www.t-nation.com/free_online_article/ 
sports_body_training_performance/hammer_down_strength oder hier: http ://breakingmuscle. com/ strength- 
conditioning/how-to-train-strength-and-conditioning-for-mma (Stand 04.03.2014). 

72 Etwa hier: startingstrength.com/files/standards.pdf (Stand 04.03.2014V 



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Ich muss zugeben, ich habe bisher nur eine Handvoll gelungener Versuche gefunden, die 
sich mit dem Thema befasst haben. Einer davon stammt von den Ossis (nach Gain / 
Hartmann / Tünnemann, Ringen. [Ost-Berlin 1980] 102-105.) und ist für die Ringer der 
Nationalmannschaft gedacht. Zunächst die Maximalkrafttabelle: 

Gewichtsklasse 

Übung 52kg 57kg 62kg 68kg 74kg 82kg 90kg 100k +100k 

Bankdrucken 90 95 100 105 110 115 120 125 130 



Klimmzug 50 55 60 65 70 72.5 72.5 72.5 72.5 

(Zusatz gewicht) 

Squat 160 170 ISO 185 190 195 200 205 205 



Rudern (liegend) 90 95 100 105 110 115 120 125 130 

Umsetzen 95 100 105 110 115 120 125 130 135 

Was fällt auf? Die ziehenden Übungen sind sehr stark vertreten - was eine gewisse Logik 
aufweist, wenn man mal gerungen hat. Ringer bis 74kg müssten nach der Tabelle im Idealfall 
in der Lage sein, einarmige Klimmzüge durchzuführen (diese gelten in der Regel als leichter 
als ein Klimmzug mit Zusatzgewicht in der Höhe des Körpergewichtes). Die 
Bankdrückleistung ist eher Durchschnitt, wenn man sich so in den kommerziellen 
Krafträumen umsieht, die Kniebeugenleistung dagegen ist nicht ohne: ein 74kg-Mann mit 
einer wettkampfkonformen Beuge von 190kg wäre nur 5kg vom offiziellen deutschen Rekord 
in dieser Disziplin im Kraftdreikampf (raw) entfernt 73 ! 



73 http://www.purepowerlifting.de/rekorde.php (Stand 04.03.2014). 



87 



Außerdem flacht die Kurve in den oberen Gewichtsklassen sichtlich stark ab: den 190kg in 
der Kniebeuge bei 74kg stehen „nur" 205kg bei den Superschwergewichten gegenüber. Nun 
könnte man natürlich argumentieren, dass der Superschwergewichtler ja auch sein eigenes 
Gewicht mitbeugen muss und generell relativkraftmäßig gesehen schwächer sein wird, 
allerdings hält dieses Argument so keinem Vergleich zum Kraftdreikampf statt, wo die 
Superschwergewichte auch raw eher 280-300kg beugen. Warum ist das so? Nun, unseren 
Erfahrungen nach ändert sich das Ringen spätestens ab 100kg gewaltig - eine extrem hohe 
Maximalkraftleistung ist hier zum einen unüblich und zum anderen meist auch nicht 
erforderlich 74 , Bewegungsgefühl und Ausdauer sind von deutlich höherer Bedeutung: ein 
Superschwergewicht, das sich gut bewegen kann, ist bei einem korrekt durchgeführten Angriff 
allein durch Kraft nur dann aufzuhalten, wenn die Disparität in Sachen Kraft extrem hoch ist. 
Folglich geht die Entwicklung in dieser Gewichtsklasse noch stärker in Richtung 
Spezialisierung auf einige wenige, auf den Athleten individuell abgestimmte Techniken. 
Dagegen werden die leichten Gewichtsklassen oft von sehr schnellen und technischen 
Ringern dominiert, während sich in den mittleren Klassen die meisten „Konditionstiere" finden. 

Zur Bewertung ist noch zu sagen, dass sich seit den 1980ern einige Dinge getan haben. Zum 
einen waren viele der Ostblock-Athleten auf verbotenen Substanzen (was nicht bedeuten 
muss, dass heute alle sauber wären; dennoch sollte darauf hingewiesen sein), was sich 
natürlich auch in den Kraftleistungen widerspiegelt - beziehungsweise dem Ausmaß an 
Training, das dafür erforderlich ist. 

Zum anderen sind heute andere Techniken dominant als andere, insbesondere im 
Bodenkampf dominieren in allen Klassen und beiden Stilarten bei weitem die Wälzer (aka 
Durchdreher, Bauchrolle oder gut wrench sowie die Beinschraube aka leg lace). Zu deren 
erfolgreichen Abwehr ist neben viel Praxis und einer weitgehenden Schmerzunempfindlichkeit 
im Rippenbereich ein gutes Maß mehr an Kraft in Schultern und Brust erforderlich, was mit 
zur Folge hat, dass die Spitzenleute inzwischen oft deutlich höhere Werte im Bankdrücken 
schaffen, Kaderringer etwa 130-140 kg in 74kg oder bis zu 180kg in 84kg aufwärts 75 . 

74 Ausnahmen bestätigen die Regel - siehe Alexander Karelin. 

75 Dies sind Erfahrungswerte aus Flais' Umfeld, die ihr so glauben könnt oder auch nicht. Es gibt aber genügend 
anekdotische Hinweise auf entsprechende Leistungen von Spitzenringem - so soll der 69kg griechisch-römisch 
Olympiasieger von 2000, der nigerianisch-stämmige Daniel Igali bei diesem Gewicht Bestmarken von 135kg im 
Bankdrücken und 185 kg in der Beuge gehabt haben ( http://forums.sherdog.com/forums/fl2/strength-levels-greco- 
roman-wrestlers-36428 1/ Stand 06.05.2014). 



88 



Zu bemerken ist auch, dass die oben genannten Leistungen in einem Fitness-Test 100% der 
Punkte ergeben haben; Mehrleistungen wurden nicht belohnt! So wollte man wohl verhindern, 
dass einseitig für Schwächen kompensiert werden konnte. 

Andererseits handelt es sich auch hier nur um einen Versuch, die Anforderungen des 
Wettkampfsports in Sachen Kraft auf eine einigermaßen „wissenschaftliche" empirische Basis 
zu stellen - frei nach dem Motto „spätestens ab hier verliert er nicht mehr, nur weil er zu 
wenig Kraft hat". Ganz sicher wäre niemand aus dem Team gesegelt, wenn er nur die Hälfte 
der Anforderungen geschafft, aber alle seine Wettkämpfe gewonnen hätte! 

Der Vollständigkeit halber seien auch die Kraftausdauer-Standards aus dem gleichen Werk 
aufgeführt: Für die folgenden Übungen wird ein Zeitlimit gesetzt (45 sek), in denen so viele 
korrekte Wiederholungen wie möglich auszuführen sind. Im Bankdrücken, der Beuge und im 
Rudern wird eine Langhantel mit 75% der Gewichtsklasse verwendet (ausgenommen 
Superschwergewicht: dort einheitlich 80kg). Im Klimmzug wird eine saubere Ausführung 
(vollständige Armstreckung, kein Kippen) verlangt. 



Gewichtsklasse 


Übung 


52kg 


57kg 


62kg 


68kg 


74kg 


82kg 


90kg 


100k 


+100k 


Bankdrücken 


38 


36 


34 


32 


30 


28 


26 


24 


22 


Kniebeuge 


64 


62 


60 


58 


56 


54 


52 


48 


44 


Rudern (liegend) 


38 


36 


34 


32 


30 


28 


26 


24 


22 


Sit-up 


45 


44 


43 


42 


41 


40 


38 


36 


32 


Klimmzug 


34 


33 


32 


31 


30 


28 


26 


22 


18 



Was schließen wir daraus: Kraft und Kraftausdauer sind eine sehr spezifische Sache und das 
erforderliche Maß hängt sehr stark von Umständen, Regeln, Trends, Stil und Vorlieben 76 und 

76 Flais: Ich persönlich war und bin Zeit meiner aktiven Sportkarriere immer ein Fan von Fitnesstraining, wie ihr vielleicht 
inzwischen gemerkt habt. Ich mag das Gefühl des Ausgepowert-Seins, das Wissen, heute stärker, schneller und 
ausdauernder zu sein als noch vor einer Woche (oder einem Monat / Jahr / Jahrzehnt), und es gefällt mir, große Ziele in 
kleine Teile zu schneiden. Folglich trainiere ich mehr in dem Bereich als die meisten meiner Teamkollegen und bin 
daher diesbezüglich in der Regel auch weiter; dass mein Ringstil das reflektiert, dürfte außer Frage stehen (was nicht 
heißen soll, dass ich mich nicht bemühe, auch in anderen Bereichen immer besser zu werden und z.B. nicht laufend an 
meiner Technik und Taktik feile, schließlich mag ich fliegende Gegner immer noch lieber als fliegende Gewichte). 
Umgekehrt wird jemand, der nur sehr widerwillig oder ineffizient Krafttraining betreibt, in Sachen Kraft auch nie so gut 
sein, wie er könnte; dieser Athlet wird folglich eher dazu neigen, sein Heil in noch mehr Technik, Schnelligkeit und 



89 



dem Trainingszustand der Konkurrenz ab. Dennoch sollte man eine ungefähre Ahnung 
haben, wo die Spitze umgeht, denn wie erwähnt kann es sich niemand, der seine Chancen 
auf den Sieg wahren will leisten, in irgendeinem Bereich zu stark zurückzufallen, da ein 
Kompensieren in der Praxis erfahrungsgemäß nur begrenzt möglich ist. 

Umgekehrt mag es aber für jemanden, der in Sachen Kraft in seiner Disziplin ganz vorne mit 
dabei ist nur begrenzt sinnvoll sein, zu stark in diese Richtung weiterzugehen: ab einem 
gewissen Punkt entspricht der Erfolg in aller Regel nicht mehr dem Aufwand. Auch hier gibt 
es jedoch Ausnahmen: wenn jemand auf einem Gebiet absolut überragend ist UND zudem in 
der Lage, dem Gegner seinen Kampfplan aufzuzwingen (womit wir wieder bei Alexander 
Karelin wären), dann muss sich die Konkurrenz sehr warm anziehen. 



Wie mache ich Kniebeugen ohne Rack? Wie man Übungen und 
Gewichte improvisiert. 

The more you know, the less you need. 
[Cody Lundine] 

Für einen Schüler des Weges spielt das Material keine Rolle. 

[Miyamoto Musashi] 

Kniebeugen dienen an dieser Stelle nur als Beispiel, eigentlich können die hier erwähnten 
Prinzipien auf so gut wie alle Übungen angewendet werden. 

Ihr habt inzwischen vermutlich mitgekriegt, dass Kniebeugen eine der ergiebigsten, aber auch 
anstrengendsten Übungen im Krafttraining sind - nicht nur für die Beinmuskulatur (die sich so 
in weit höherem Maße trainieren und formen lässt als mit der allseits beliebten Beinpresse), 

eventuell Ausdauer zu suchen, je nachdem, wo seine Veranlagungen und Vorlieben liegen bzw welcher „Schule" er 
anhängt. 



90 



sondern als "Schocker" bzw "Wachstumsanreiz" für den ganzen Körper (Details zur 
Durchführung siehe obiges Kapitel). 

Nur leider bieten nur wenige Krafträume die passenden Sicherheitsvorrichtungen für effiziente 
Durchführung an, nämlich ein Squat Rack (googeln für die, dies nicht kennen; nicht zu 
verwechseln jedoch mit der "Smith's Machine" - eine Squat Rack bietet nur eine Sicherung 
vorfallenden Hanteln, nicht jedoch eine vertikale Führungschiene, die die Eigenstabilisierung 
verhindert). 

Wie kann man auch ohne diese (zugegebenermaßen geniale) Vorrichtung von einer der 
produktivsten Übungen überhaupt profitieren? 

a) Mit Partner: den Partner Huckepack nehmen, auf die Schultern setzen (die von Charles 
Bronson popularisierte Variante 77 ) oder quer über die Schulter legen (fireman's carry 
googeln). Es gibt auch weniger anstrengende Alternativen, zum Beispiel kann der Partner nur 
vor dem Ausführenden stehen, ihm die Hände auf die Schultern legen und etwas nach unten 
drücken, gerade so viel, dass man anständig arbeiten muss. Eine andere Varainte ist, dass 
der Partner in eine Art "Schubkarrenstellung" (nein, nix Kama Sutra, sondern das Kinderspiel, 
wo einer auf den Händen läuft und der andere im die Füße "nachschiebt") geht und dem 
Ausführenden die Füße auf die Schultern legt, damit dieser mit dem "Zusatzgewicht" 
trainieren kann. Davon haben beide einen Trainingseffekt, jedoch stellt die Übung gewisse 
Anforderungen an die Balance und das Zusammenspiel beider Partner (hmmm, klingt doch 
irgendwie wie Kama Sutra...). 



77 C. Bronson / S. Richards, Solitary Fitness. 'You don't need a fancy gym or expensive gear to be as fit as me!' (London 
2007) 102. 



91 



Ja, genau so. 



Zudem sei erneut darauf verwiesen, dass Muskeln wie Federn funktionieren und im oberen 
Bereich einer Bewegung stärker sind als im unteren. Folglich kann der Bewegungsumfang 
sukzessive gesteigert werden, sodass auch mit einem gleich bleibenden Gewicht (sofern der 
Partner nicht unmäßig schnell zu- oder abnimmt) Fortschritte erzielt werden können. 

Flais: Kniebeugen mit Partner sind wahrscheinlich meine persönliche Lieblingsversion. In 
meinem Sport geht es hauptsächlich darum, Leute herumzuschubsen, hochzuheben und 
möglichst hart wieder auf den Boden zu knallen; und mir persönlich hilft es immer direkt zu 
wissen, wie stark / ausdauernd ich in einer bestimmten Position bin, und gerade das Training 
mit Partner bietet sich dazu an, auch viele Versionen auszuprobieren - nicht zuletzt, weil man 
sich über das (korrekte) Gewicht auf der Stange keine Gedanken machen muss. Trainiere ich 
dagegen mit Gewichten, ist der Übertrag immer fraglich bzw zeitversetzt. Laut einer leider 
nicht mehr verortbaren Quelle sollen die Athleten der russischen Sambo-Nationalmannschaft 
nur dann 100% in ihren Fitnesstests erreicht haben, wenn sie auch in der Lage waren, 40 
Kniebeugen auf parallel mit einem Partner ihrer Gewichtsklasse auf den Schultern 
durchzuführen - eine Zahl, der man nacheifern sollte. 



92 



b) Steinborn Squat: Das Aufladen funktioniert nach dem genau gleichen Prinzip wie bei der 
oben beschriebenen Variante - kein Wunder, der „Erfinder" der Übung, Henry Steinborn, war 
ja auch Ringer :-) Übrigens gilt Steinborn auch als derjenige, der die Kniebeuge auf dem 
flachen Fuß aus Europa mitgebracht und in den USA eingeführt haben soll - bis dahin wurde 
auf den Zehenspitzen gebeugt - was zu einer wahren Explosion der Bodybuilder- 
Oberschenkel geführt haben soll... also verdient diese historische Übung absolut mehr 
Respekt! 

Die Ausführung läuft wie folgt: 

Langhantel mit fest (!) angezogenen, guten (!) Verschlüssen hochkant auf ein Ende stellen, 
breit greifen, daneben tiefe Kniebeuge machen und die Hantel langsam und kontrolliert 
kippen lassen, so dass sie auf den Schultern zu liegen kommt. Nun wieder hoch, gewünschte 
Anzahl Kniebeugen machen und Prozess umkehren. Zuerst mit leichten Gewichten üben!!! 




In-Position-Kippen der Langhantel beim Steinborn Squat. 



c) front to back: die Langhantel umsetzen (aka clean), dann mit etwas Beineinsatz zumindest 

93 



so weit hochdrücken, dass sie über den Kopf geführt werden kann; dann kontrolliert auf den 
Schultern absetzen. Nun die gewünschte Anzahl Kniebeugen machen und Prozess 
umkehren. Leicht anfangen; eignet sich nur bedingt für schwere Gewichte, da an die Stoß- 
Leistung gebunden. 

d) Mit Kurzhanteln oder mit Kettlebells (siehe entsprechendes Kapitel). Einfach die beiden 
Hanteln zur Schulter umsetzen, fixieren und beugen. Tendentiell können dabei geringere 
Gewichte bewältigt werden, dafür haben die stabilisierenden Muskelgruppen mehr zu tun. 
Und man kann ja im Zweifelsfall immer noch mehr Wiederholungen machen... 

e) auf nur einem Bein (siehe Kapitel "Fit durch Körpergewicht": Pistols) 

f) mit einem Sandsack oder einem anderen Alternativgewicht. Es gibt inzwischen genügend 
kommerzielle Modelle, diese sind allerdings keinesfalls eine notwendige Anschaffung. Hat 
man einen großen und schweren Boxsack, ist das super. Gute Erfolge lassen sich genauso 
mit einem stabilen Rucksack oder Seesack erzielen, den man mit 5-1 Okg schweren Sand- 
Paketen in extra-starken Müllsäcken vollgestopft hat. Man kann dabei den Sandsack vor der 
Brust halten (aka Bear Hug wenn man ihn umfasst oder Zercher Squat wenn beide Arme 
unter dem Sack sind), ihn auf eine Schulter oder den Rücken heben. Natürlich gibt es auch 
noch weitere Alternativen, zum Beispiel den Sack während der Beuge mit einem oder beiden 
Arm(en) über den Kopf halten (overhead squat), doch kann man dabei wesentlich weniger 
Gewicht bewältigen. 

Es sollte hinzugefügt werden, dass noch einige weitere Alternativen für ein produktives 
Beintraining existieren. Eine davon ist es Schlitten oder Autos zu schieben oder zu ziehen 
(Flais: ein VW-Bus ist meiner Erfahrung nach eine praktische Größe, nur sollte man sich 
dabei nicht am Kofferraumdeckel abstützen, sonst kann man den einbeulen - ehrlich wahr, 
wir habens probiert. Und das wiederum kann zum Ärger mit dem Eigentümer besagten 



94 



Busses führen, in besonders ungünstigen Fällen ist das dann der Vater der Freundin... 78 ). 
Eine weitere sind Sprints an Treppen oder Hügeln, in der Hardcore-Variante mit 
Zusatzgewicht (in Form eines etwa gleich schweren Trainingspartners, den man Huckepack 
nimmt). 

Wenn man seine Kniebeugen und andere Übungen nicht aus Gründen des Maximalkraft- 
Zuwachses ausführt, tuts oft auch ein deutlich geringeres Gewicht. Manchmal auch ein sehr 
deutlich geringeres. Während die Kraftsport-Community die gefühlt letzten sechzig Jahre 
damit zugebracht hat, über die sogenannten „pink dumbbells" zu maulen, haben relativ 
geringe Lasten - häufig nicht mehr als sechs bis zwölf Kilo pro Arm - durchaus ihren Platz im 
Training - wenn man sie entsprechend einsetzt. Ein gutes Beispiel dafür sind sogenannte 
„Bulgarian Bags", für den beidhändigen Gebrauch gedachte, annähernd halbmondförmige 
Sandsäcke mit Gewichten von 5 bis maximal 22.5 kg (50 Ibs). Entwickelt wurden diese um 
2005 herum vom ehemaligen bulgarischen Weltklasse-Ringer und nunmehrigen Coach der 
US-Nationalmannschaft, Ivan Ivanov. Gedacht sind diese Dinger um sehr hohe 
Wiederholungszahlen - bis zu tausend pro Training 79 - auszuführen. Die koordinativen 
Möglichkeiten sind dabei sehr hoch und liegen nahe an der Realität eines „echten" 
Ringkampfes, auch die Ausdauerqualität der Griffkraft wird intensiv angesprochen. Für 
Beispiele, was man damit anstellen kann siehe das Kapitel „Der Zirkelschluss". 
Was die Werbung allerdings nicht erwähnt - verständlicherweise, schließlich lässt sich mehr 
Geld scheffeln mit etwas, das noch nie da war - Vorläufer der gleichen Übungen werden seit 
Jahrzehnten mit improvisierten Gewichten wie leichten bis mittelschweren Kurzhanteln, 
Hantelscheiben oder selbst gebastelten Sandsäcken ausgeführt. In jüngster Zeit gab es 
Versuche, die Bulgarian Bags mit sandgefüllten Autoschläuchen nachzubauen; diese sind 
durchaus nicht schlecht, wasserfest und ermöglichen relativ große Gewichte, allerdings 
lassen sie Eleganz und Feeling vermissen. Wir präsentieren hier an dieser Stelle daher eine 
unter Umständen noch preisgünstigere Alternative des Nachbaus 80 (bevor ihr fragt, wir 
verwenden beide Varianten!). 

78 Nicht, dass uns das JEMALS passiert wäre... 

79 Für ein gutes und erprobtes Beispiel siehe das „Gruenwald 1000 rep program" im Kapitel „Der Zirkelschluss". 

80 Die Idee ist nicht von uns. Als Beweis für das oben erwähnte Alter der Übungen sollte gelten, dass der hier präsentierte 
Nachbau in leichter Variation bereits bei J. Jesse, Wrestling Physical Conditioning Encyclopedia. (Pasadena, 1974) 212 
beschrieben ist. 



95 



Als Material braucht man nicht viel: neben der gewünschten Menge Sand, Split oder schlicht 
Dreck eine alte, entsprechend dimensionierte Hose (wir haben eine Jeans genommen, die 
durch das Zurücklegen mehrerer tausend Kilometer auf dem ungepolsterten Rennradsattel 
am Gesäß und unteren Saum mehrfach durchgescheuert und zudem im Vorfeld von einem 
Cousin geerbt worden war), ein paar stabile Einkaufstüten oder Müllsäcke aus Plastik, etwas 
Isolierband und eine Schere oder ein scharfes Messer. Wir hatten alles da, Kostenpunkt also 
exakt 0 €. 

Nachdem man den Sand abgewogen hat, verteilt man ihn in einen oder mehrere 
Plastiksäcke, aus denen man in Folge die Luft presst und sie verknotet / zuklebt. Wir haben 
uns dazu entschieden, nur einen Sack zu verwenden und ihn mit entsprechend Freiraum 
zuzukleben, dass der Sand sich weiterhin bewegen kann und der ganze Sack dann auch 
leichten in die gewünschte Form gebracht werden kann. 

Nun trennt man ein Hosenbein so weit oben wie möglich ab und bugsiert die Sandsäcke 
mittig hinein. Es sollte erwähnt werden, dass bei einer nicht übergroßen Hose (die hier 
abgebildete stammt von Flais = 1.85 m, -75-80 kg) Gewichte bis etwa 15 kg realisierbar sind. 
Für mehr braucht man mindestens eine XL Hose oder muss stückeln 81 . Daraufhin klebt man 
das Hosenbein jeweils ca. 10-12 cm vom Saum entfernt bonbonartig mit einem 
daumenbreiten Streifen Isolierband zu, sodass ein handbreiter Griff auf jeder Seite entsteht. 
Das Ganze ein paarmal schütteln, schwingen bzw biegen - fertig. 



8 1 Aber da diese Gewichte für Schwergewichte gedacht sind, sollte sich im Bedarfsfall eine solche auftreiben lassen. 



96 



12kg Bulgarian Bag aus einem sandgefüllten alten Hosenbein. 

Das Resultat, wie vom Erfinder für die Mittelgewichtsklasse vorgesehen hier 26 Ibs / 12 kg 
schwer, fühlt sich überraschend flexibel an und passt sich nach 10-20 Schwüngen der 
gewünschten Bananenform ziemlich gut an, und das Griffgefühl ist viel besser als beim 
Schlauch. Mit etwas Kraftanstrengung kann der Stoff des Hosenbeins auch mittig mit den 
Fingern gerafft und so gegriffen werden, sodass extra Handriffe wie beim Original entstehen 
(und die bei der Schlauchversion zu vermissen sind). Die Anstrengung ist 
zugegebenermaßen größer, aber das stört auch nicht. Dafür sind die beiden Handgriffe am 
Ende im Gegensatz zur Schlauch-Kopie und der Vinyl-Version des Originals (von dem 
inzwischen drei Modelle existieren: Leder, Vinyl und Canvas) naturgegebenermaßen nicht 
rutschig, da Schweiß aufsaugend. Das machts vielleicht minimal weniger anstrengend, aber 
kombiniert mit einem vielleicht ein paar Kilo höheren Gewicht und ausreichend schneller 
Ausführung (die Fliehkraft versucht, dem Ausführenden den Sack aus den Fingern zu reißen) 
ist auch das nicht störend. 

Weiters kann das Gewicht im Gegensatz zum Original bis aufs Gramm kontrolliert werden 82 . 
Interessant sein könnte zudem, dass die Bonbongriffe, wenn nicht bis zur Spitze hin verklebt, 

82 Die neueste Version des Bulgarian Bag kann zwar von 8 bis 17 kg reguliert werden, jedoch nur in drei oder vier 
vorgegebenen Stufen - und zu einem nicht gerade bescheidenen Kostenpunkt von über 250 €. 



97 



ähnlich gegriffen werden können wie ein Judo-Gi, was für manchen Kampfsportler von 
Interesse sein könnte. 

Einziger soweit erkennbarer Nachteil zum Original ist, dass der Nachbau nicht gepolstert ist 
und den Ausführenden bei einigen Übungen wie etwa Snap downs touchieren kann 83 . 
Insgesamt sind wir also ziemlich zufrieden mit unserem 0 € Nachbau :) 



83 Aber wie an anderer Stelle erwähnt, eine Lösung wäre schlicht und ergreifend Such it down and man up. 



98 



Sonderbericht: Kettlebells - Geschichte, Vorteile, Übungen 




You may be set on rippling muscles and global domination. Fine, when you succeed, I insist 

you appoint me your Minister of Pain. 
[Pavel Tsatsouline, The Russian Kettlebell Challenge (St. Paul 2001) pg. 49] 

Was ist eine Kettlebell (zu deutsch wörtlich "Kesselglocke", besser bekannt als Kugelhantel 
[BRD] oder Rundgewicht [DDR])? Im Wesentlichen eine sieht sie aus wie Kanonenkugel mit 
einem Koffer-Griff 84 . Gerade in Russland handelte es sich dabei in der Frühzeit oft um 
Waagengewichte, daher sind die klassischen Größen auch in pood angegeben — 1, 2, 
2V2 und 3 pood (16, 24, 32, 40, 48 kg) sind die klassischen Einheiten - wobei die letzten 
beiden Größen schon fast Seltenheitswert haben. 

Das Konzept der Kettlebell besteht ursprünglich darin, ein einfach konstruiertes, kompaktes 
Gewicht zu Trainingszwecken zu verwenden, ähnlich wie in Europa große 20-35kg schwere, 
quaderförmige Waagengewichte (padlocks) und kleine Kirchenglocken zu eben solchen 
Einsätzen "missbraucht" wurden - der englische Begriff "Dumbbell" stammt davon, dass man 
bei zwei kleinen Glocken die Klöppel umwickelte, um sie am Schlagen zu hindern, und diese 
dann auf verschiedene Weise hob - oder wie man in China als Dekoration gedachte 
Steinlöwen und Steinkugeln 85 sowie Körbe und Wasserfässer 86 verwendete. Nichts wirklich 

84 Nach Tsatsouline 2006. 

85 L. Y. Wang / W. J. Min, She Zu Quan. Pugilistic Art of the SHE Nationality. (Fuzhou 1988) 43-44. 

86 T. Zhongyi / T. Cartmell (Übers.), The Method of Chinese Wrestling. (Shanghai 1935 / engl. Aufl. Berkeley 2005) 150 - 
155. 



99 



Neues also, scheint "Kettlebell" doch schon um 1700 in einem russischen Wörterbuch als 
Begriff mit der modernen Bedeutung {girya) auf 87 . 

Anders als manche anderen Formen haben sich die Kettlebells in Russland als Sportgerät 88 
und Trainingsgerät für verschiedene Sportler und Soldaten halten können beziehungsweise - 
nicht zuletzt aufgrund cleveren Marketings - gerade in den USA einen Wiederaufschwung 
erlebt. Sehen wir uns also an, was man damit machen kann. 

Das auffälligste Merkmal der Kettlebells ist die Tatsache, dass der Griff nach oben versetzt 
zum eigentlichen Gewicht angebracht ist. Dies hat zur Folge, dass sich das 
Schwungverhalten im Vergleich zu einer Kurzhantel deutlich verändert, weil der Schwerpunkt 
des Gewichtes nicht mehr in der Hand selbst liegt, was wiederum dazu führt, dass man eine 
größere Beschleunigung aufbringen muss, um die Kugel bei bestimmten Übungen - zum 
Beispiel beim Schwingen, Umsetzen oder Reißen - korrekt zu bewegen. 
Allerdings bringt der verlagerte Schwerpunkt auch für langsam ausgeführte Bewegungen wie 
etwa Curls oder beim Stemmen über den Kopf (aka Military Press oder Schulterdrücken) 
interessante Varianten mit sich, da der „externe" Schwerpunkt besonders anfangs deutlich 
störrischer in der Handhabung ist, sodass sich eine Kettlebell beim selben Gewicht subjektiv 
"schwerer" anfühlt als eine Kurzhantel, weil die stabilisierenden Muskeln mehr arbeiten 
müssen. 

Weiters kann ein Paar Kettlebells für Übungen wie Schulterdrücken und 
Kniebeugenvariationen einfacher vor der Brust gehalten werden, weil sie - im Gegensatz 
etwa zu Kurzhanteln - eben für diese Position gemacht sind. 

Und zu guter Letzt führen der verlagerte Schwerpunkt, das Schwungverhalten und der etwas 
bis deutlich dickere Griff dazu, dass die Muskeln in den Unterarmen bei gleichem Gewicht 
mehr arbeiten müssen = kräftigere Handgelenke und stärkere Finger! 

Es sollte euch klar sein, dass es für Kettlebells inzwischen Hunderte, wenn nicht gar 

87 Tsatsouline 2006, 155. 

88 Im sogenannten Girevoy-Sport, in dem der Athlet je zehn Minuten Zeit hat, zwei 32kg Kettlebells zu stoßen und eine 
32kg Kettlebell zu reißen, ohne abzusetzen; weniger bekannt ist der Long Cycle, bei dem der Sportler nur eine Übung 
zehn Minuten lang ausfürt, nämlich umsetzen und Stoßen [clean and jerk] mit zwei 32kg Kettlebells. Gewertet wird die 
Wiederholungsanzahl, wobei selbstverständlich nur einwandfreie Wiederholungen gezählt werden. 



100 



Tausende Übungen und Varianten gibt, besonders aus dem amerikanischen Raum. 

Wir stellen euch hier allerdings nur vier grundlegende vor: Schwingen (Swings), zwei 

Varianten des Umsetzen und Schulterdrückens (Clean and Military Press / Thruster) sowie 

Get-ups. 

Flais: PS - es gibt im Internet immer wieder Debatten, ob Kettlebells besser wären als 
Kurzhanteln oder sonstwas. Auch wenn ich zugeben muss, dass die Kettlebell-Abteilung 
solides Marketing betrieben hat und ich die Dinger ehrlich gesagt mag - ich empfinde es als 
zielführend, meine Trainingsmittel zu mischen und werde garantiert nicht zögern, mit 
irgendwas anderem zu trainieren, wenn ich darin Vorteile sehe - und sowohl Kurz- als auch 
Langhanteln haben das ihre zu bieten. Ich finde, man sollte sich nicht von seinen 
Trainingsgeräten versklaven lassen. 

Man kann von vielen der Kettlebell Trainer was lernen, keine Frage (zu denen, deren 
Programme meines Erachtens solide sind, gehören Pavel Tsatsouline, Kenneth Jay, Mike 
Mahler und Steve Maxwell) aber einige der Pro-Kettlebell-Argumente sind einfach nur 
Schwachsinn 89 . Außerdem finde ich es gut, über das Jahr verteilt verschiedene 
Trainingsmittel anzuwenden, wenn die Möglichkeit besteht; das macht einen gleichzeitig 



89 Zum Beispiel das: „Wir trainieren mit Kettlebells für den Fall, dass die Zivilisation temporär ist - trainiere nur damit, 
was du tragen kannst." (nachzulesen irgendwo in Tsatsouline 2006). Warum sich jemand in einem theoretischen Endzeit- 
Szenario mit dem Herumtragen solider Eisenkugeln belasten wollte, übersteigt ehrlich gesagt mein Verständnis, wo man 
doch viel praktischere Möglichkeiten hätte - Wasser- oder Sandsäcke (wird gebraucht bzw an jedem Ort neu befüllbar), 
Steine (findet man an den meisten Orten), Trainingspartner, Isometrisches Training, Körpergewicht... Außerdem würde 
ich meinen, dass das Leben in besagtem Szenario anstrengend genug wäre, sodass zusätzliches Training strikt optional, 
wenn nicht sogar hirnrissig (zusätzlicher Kalorienverbrauch) wäre. Meine wissenschaftliche Vermutung ist, dass da die 
natürliche Selektion verdientermaßen sehr schnell zuschlagen würde. 

Ein weiteres Beispiel: „Mit Kurzhanteln kann man nicht so ballistisch arbeiten wie mit Kettlebells- geht nicht!" [Zitat: 
KKB-Forumuser Girevik]. Meine Antwort: Na ja, ganz so stimmt das meines Erachtens jetzt wieder nicht... natürlich 
kann man mit Kurzhanteln das gleiche Maß an explosivem Bewegungsmoment erzeugen wie mit Kettlebells, und strikt 
in Sachen Leistung (Arbeit pro Sekunde) produziert ein fortgeschrittener Gewichtheber beim Reißen mit einer 
Langhantel deutlich mehr PS als ich das im Kettlebell- Sport je gesehen habe. 

Was die Kettlebells machen ist, dass sie einem sozusagen ein Feedback geben, ob man die Übung "explosiv genug" 
durchführt. Wenn die Kugelhantel am Ende des Swings nach unten durchhängt, dann wars schlicht und ergreifend nicht 
explosiv genug. Aber das Feedback kann man von einem mit Sand gefülltem 2€ Gewebesack auch haben, von da her ;) 
Ist vielleicht nicht so cool oder bequem, aber in Sachen Trainingseffekt kann man auch damit Fortschritte erzielen, in 
Sachen Griffkraft unter Umständen sogar noch mehr. 

Meines Erachtens ist das große Problem mit der Fitnessindustrie nicht, dass die Leute überall mehr Geld ausgeben wollen 
als dort - sondern, dass sie versuchen, sich durch den monetären Aufwand von der Anstrengung loskaufen wollen. Wenn 
jemand konsequent über Jahre hinweg mindestens zwei bis dreimal pro Woche trainiert, wird er sehr gute Ergebnisse 
erzielen können - zugegebenermaßen funktionieren manche Methoden etwas schneller als andere. Gute Trainingsinfos 
sind mehr als genug online oder auch in Leihbüchereien gratis verfügbar, die Arbeit liegt nur im Filtern derselben. Wie 
viel Geld er / sie dafür ausgibt, ist allein seine Entscheidung, genauso wie es den Herstellern, Verkäufern und Trainern 
frei steht, diese durch Werbung zu beeinflussen. 



101 



deutlich unabhängiger von Krafträumen und Co. (und davon, ob immer genau die passende 
Kettlebell-Größe vorhanden ist). 

Was die Programme angeht, sowohl das unten stehende „Program Minimum" als auch das 
Training für den „Rite of Passage" sind meines Erachtens solide und vielseitig einsetzbar. Ich 
persönlich würde wahrscheinlich 2-3 Übungen speziell für meinen Sport dazunehmen (in 
meinem Fall wohl Nackentraining, Kniebeugen und Seilklettern), wenn ich mich für das 
Programm entscheiden würde, aber abgesehen davon handelt es sich um Bewegungen, die 
vielen Sportlern helfen können. Obendrein wird die häufig mit Zeitverschwendung 
verbundene Suche nach dem „perfekten Programm" so bis zu einem intermediären bis 
fortgeschrittenen Stadium gering gehalten. 

Swings 

Eine verdächtig einfach wirkende Bewegung, die es allerdings in sich haben kann. 




Flais: Nachdem ich kein Swinger bin, hier mal ein anderes Model ;-) 



Bild 1: man steht mit etwas mehr als schulterbreitem Stand mittig über oder vor der Kettlebell 
(gelegentlich werden auch zwei davon verwendet, jedoch wird meist eine schwerere 

90 Bildquelle: http://www.preventionxom/fitness/strength-training/get-flat-belly-kettlebell-swings (Stand 12.05.2014). 



102 



Kettlebell aus Platzgründen bevorzugt), deren Griff parallel zum Stand ist. Nun beugt man 
sich nach vorne, um den Griff zu fassen und beugt dabei die Beine soweit, wie angenehm ist; 
der Rücken bleibt weitestgehend gestreckt (aber nicht aufrecht), das Gesäß schiebt sich 
etwas nach hinten, als ob man sich auf einen Stuhl setzen wollte, der Blick geht nach vorne. 

Bild 2: man hebt die Kettlebell an und kann sie nun etwas nach hinten schwingen, um 
Schwung für die Bewegung nach vorne zu holen. 

Bild 3: die KB wird bei gestreckten Armen nach vorne geschwungen, bis die Arme in etwa 
waagrecht sind; die Ausführung sollte schnell genug sein, dass die Kettlebell in einer Linie mit 
den Armen mitschwingt, sich also im Griff etwas dreht (was natürlich in der Fassart 
berücksichtigt werden sollte). Gleichzeitig wird die Hüfte kraftvoll nach vorne geschoben, 
verbunden mit einer Streckung der Beine. 

Nun lässt man die KB wieder zwischen die Beine zurückschwingen (wie Bild 2); die Übung 
kann beliebig of wiederholt werden, allerdings verwendet man in Swings häufig ziemlich viele 
Wiederholungen pro Satz (>20); diese Übung ist gewissermaßen das Cardiotraining der 
Kettlebell-Fans 91 . 

Gute Fehleranalysen und hilfreiche Tipps für den Swing findet man unter anderem hier 92 und 
hier 93 . 

Edit: Swings kann man auch gut mit einer Kurzhantel - oder deren zwei - ausführen 
(Langhanteln scheiden aufgrund des Formats leider aus), allerdings wird hier zumeist 
entweder nur eine Hand verwendet oder aber eine Kurzhantel pro Hand. Im Unterschied zur 
Kettlebell-Variante werden die Kurzhanteln nicht selten bis zur Hochstrecke über den Kopf 
geschwungen. Dies ähnelt etwas der Bewegungsabfolge des Reißens (snatch) im 

91 Flais: Es gibt da zugegebenrmaßen auch das einarmige Reißen (snatch), das von den Vortgeschrittenen gerne verwendet 
wird. Angestrebt werden dabei klassischerweise mehr als 200 Wiederholungen mit 24kg innerhalb von 10 Minuten (aka 
Secret Service Snatch Test). Allerdings ist der Snatch zu komplex, als dass wir ihn hier erklären wollten, und bei 
abgrundtief falscher Durchführung haben sich schon manche (ausnahmsweise mal keiner von uns) den Unterarm an 
zwei Stellen gebrochen. Daher sollte man zuerst Swings und Cleans gründlich lernen. Anschließend könnt ihr euch ja 
immer noch die Anleitung aus dem Internet oder Tsatsouline's „Enter the Kettlebell" holen. 

92 http ://www.j ensinkler. com/ fix-your-kettlebell-swing/ (Stand 12.05.2014). 

93 http://coachstevo.com/blog/common-swing-cues (Stand 12.05.2014). 



103 



olympischen Gewichtheben, mit dem Unterschied, dass das Gewicht nicht körpernah geführt 
wird, sondern bewusst bei gestrecktem Arm. Es geht also bei den Kurzhantel-Swings weniger 
darum, das maximal mögliche Gewicht über den Kopf zu bringen, sondern vielmehr um die 
Erzeugung explosiver Energie und korrekte Ausführung. 

Clean and Military Press 

Die Übung und ihre Vorteile haben wir ja schon im Kapitel "Grundübungen" behandelt, daher 
möchten wir hier nur auf die Besonderheiten der Variante mit einer Kettlebell eingehen. 
Zu Beginn stellt man sich mit etwas mehr als schulterbreitem Stand über die Kettlebell, die 
dabei meist mit dem Griff 90° zum Stand hingestellt wird - also so, dass die Handfläche nach 
hinten oder sogar leicht nach außen zeigt, wenn man sie ergreift. Übrigens sollte man den 
Griff der Kugelhantel in der Fingerbeuge halten, also bei leicht geöffneter Hand, und selbigen 
im Verlauf der Übung dann ohne übermäßigen Widerstand hinunter in die Daumenbeuge 
gleiten lassen; hält man ihn dagegen fürs Umsetzen, Reißen und dergleichen in der 
geschlossenen Faust und mit vom Zupacken weißen Fingerknöcheln, wird man sich sehr 
schnell aufgerissene Handflächen holen 94 . 

Dann die Kettlebell abheben ähnlich wie beim einarmigen Swing - gebeugte Beine, gerader 
Rücken, eventuell etwas zurück schwingen lassen. Dann bewegt man die Kugelhantel wieder 
nach vorne, jedoch nicht so weit wie beim Swing. Stattdessen zieht man sie wieder zurück 
zum Körper, indem man den Ellenbogen beugt, der fast oder ganz auf den Hüften aufliegen. 
Dann werden der Unterarm senkrecht gestellt, sodass die KB in einer annähernd S-förmigen 
Bewegung daran vorbeischwingt und auf dem Handgelenk zu liegen kommt (dies ist die 
sogenannte Rack Position). Zum Abfangen kann man die Beine leicht beugen, doch ist dies 
laut Tsatsouline von Nachteil, wenn man die Kugelhantel auch über den Kopf drücken will, da 
es die Körperspannung negativ beeinflusst 95 . 



94 J. Savik, Guide to American Girevoy Sport. (E-book ca. 2006) pg. 18. Übrigens wollen Gewichte beim Umsetzen und 
Reißen allgemein in der Hand rotieren - was auch der Grund ist, warum die olympischen Langhantelstangen drehbar 
(auf Nadel-Lagern) gelagert sind. 

95 Tsatsouline 2006, 105. 



104 




Press aus der Rack Position. Man beachte die leichte Schrägstellung der KB in der Hand 
sowie die gerade Linie von Gewicht, Schulter, Hüfte und Boden. 

Edit: besonders am Anfang, wenn die Bewegungsabläufe noch nicht automatisiert sind, 
haben viele das Problem, dass ihnen die Kettlebells beim "Clean" auf die Unterarme knallen. 
Abhilfe oder Linderung schaffen da eventuell elastische Handgelenksbandagen, wie man sie 
vom Tennis her kennt. Mit der Zeit kann man die dann auch weglassen, wenn man möchte, 
viele wettkampfmäßige Kettlebell-Sportler nutzen sie jedoch dauerhaft. 

Nun wird die Kettlebell ohne Beineinsatz und ohne exzessives Nach-hinten-Lehnen nach 
oben und außen gestemmt. Sobald man sie am Kopf vorbei gebracht hat, führen viele dabei 
die Bewegungskurve etwas nach hinten, sodass die Bewegung hinter statt über dem Kopf zu 
Ende geführt wird. 

Zu bemerken ist, dass die Handflächen sich während der Ausführung erneut drehen und in 
der Streckung nach vorne schauen. WICHTIG ist auch, dass die Handgelenke in der 



105 



Pressphase GESTRECKT oder leicht nach innen gehalten werden. Die Kugelhanteln nutzen 
Schwäche hier sofort aus, wenn man die Hand nach hinten biegt (wie bei Liegestütze und 
Co)! Beherrscht man die Kugeln jedoch und hält die Gelenke gestreckt oder leicht nach 
innen, sind sie im Vergleich zu Lang- und Kurzhanteln sogar schonender für strapazierte 
Handgelenke, gerade in der „c/ean"-Position. 

Das Senken der Kettlebell darf ruhig etwas schneller ausgeführt werden. Kettlebells werden 
prinzipiell im Wettkampf als Ausdauersport gehoben, daher wird Energie gespart, wo immer 
man kann. Das bedeutet nicht, dass die Gewichte unkontrolliert fallen gelassen werden 
sollten, aber man braucht sie auch nicht in Zeitlupe abzulassen. 

Der Vorteil der Kettlebell Military Press gegenüber der „normalen" Military Press mit zwei 
Kurz- oder einer Langhantel liegt wieder im Hebel. Die Kettlebells haben einen nach außen 
gelagerten Schwerpunkt, der sie für ihr Gewicht subjektiv gefühlt „schwerer" wirken lässt - 
schafft man es beispielsweise, zwei 32kg KBs zu stemmen, wird man mit zwei 32kg 
Kurzhanteln keine Probleme haben, jedoch lässt sich das unserer Erfahrung nach nicht 
umkehren. Außerdem lassen sie sich in der Regel besser in der Rack Position halten. Etwas 
problematisch auswirken kann sich allerdings das fixe Gewicht der KBs. Während man mit 
Hanteln das Gewicht bei Bedarf nahezu stufenlos verstellen kann, ist dies bei Kettlebells 
normalerweise nicht möglich. Hier muss so lange mit Varianten und Wiederholungen gespielt 
werden, bis man den Sprung bis zur nächsten verfügbaren Größe schafft. Dies muss aber 
nicht immer ein Nachteil sein: so zwingt es den Ausführenden, ein Gewicht wirklich zu 
„beherrschen", bevor er zu einem schwereren übergeht. 

Anmerkung: meistens (lange auch vom häufig erwähnten P. Tsatsouline, jedoch scheint sich 
spätestens seit dem Loslösen von der Firma Dragondoor letztlich auch bei ihm diesbezüglich 
eine Änderung anzubahnen) wird empfohlen, die Kettlebell-Übungen mit einer einzigen 
Kugelhantel zu erlernen und dann zu zweien fortzuschreiten. Wir stimmen dem aus Gründen 
der Sicherheit und der Didaktik zu. Dennoch halten wir das „doppelte" Umsetzen und 
Schulterdrücken für die produktivere Übung, wenn man die einarmige Variante erstmal sicher 
beherrscht. 



106 



Thruster 

Eigentlich eine Kombination von drei Übungen, die wir hier zusammengefasst beschreiben. 

Nachdem man ein oder zwei Kettlebells zur Schulter gebracht, also in die "rack position" 
"umgesetzt" hat (s. Clean and Military Press), führt man eine volle Kniebeuge damit aus 
(siehe auch Kapitel Grundübungen). Wichtig dabei ist auch, dass die Hände relativ eng 
zusammen und nahe an der Brust gehalten werden, sodass die Kettlebells auf den 
Unterarmen aufliegen können. Die zweite (konzentrische) Hälfte der Kniebeuge, also zu 
Deutsch das wieder-Hochkommen wird explosiv ausgeführt, und das Momentum wird 
genutzt, um die Kettlebell(s) sofort und explosiv über den Kopf zu Hochstrecke zu stemmen 
(aka Push Press; diese ähnelt dem bekannten Stoßen - Jerk - im olympischen 
Gewichtheben, allerdings mit dem Unterschied, dass bei der Push Press die Beine in der 
Endphase gestreckt bleiben, während sie beim Jerk erneut etwas bis stark gebeugt werden, 
um das Gewicht zu "fangen"; dieser Beugevorgang führt dazu, dass man mehr Gewicht 
schafft, allerdings arbeiten die Beine dabei deutlich mehr als die Arme. 

Die Push Press kann auch als eigene Übung durchgeführt werden, im Unterschied zum 
Thruster macht man zum "Aufladen" allerdings nur etwa eine viertel Kniebeuge, weil man so 
meist noch effektiver Kraft übertragen kann). In der Regel dreht man dabei die Handfläche(n): 
in der Beuge schauen sie zueinander, in der Streckung beide nach vorn. Nun bringt man die 
Last wieder kontrolliert in die Ausgangslage zurück und kann sie entweder absetzen oder 
eine neue Wiederholung starten (wahlweise mit oder ohne Umsetzen). 



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Thrustermit 2x32kg Kettlebells. 



Edit: auch Thrusters kann man gut mit Kurzhanteln durchführen, einzig die "rack rosition" - bei 
der die Gewichte auf den Schultern anstatt den Unterarmen abgestützt werden - fühlt sich 
meist etwas unangenehmer bis unsicherer an. 



Turkish Get-Up 

A Champion is someone who gets up when he can't. 
[Jack „Manassa Mauler" Dempsey, Boxweltmeister] 

Eine Übung, die unter Ringern in der Türkei Anfang des 20. Jahrhunderts sehr beliebt 
gewesen sein soll. Der angestrebte Mindeststandard war dabei un verifizierten Quellen 
zufolge ein Get-Up mit einer 44kg Kettlebell. 



108 



Die Übung läuft so ab: man liegt am Boden oder einer Matte am Rücken, eine Kettlebell in 
Reichweite eines Armes. Die schnappt man sich nun und stemmt sie ä la einarmiges 
Bankdrücken über sich. Der andere Arm ist zur Seite ausgestreckt. Nun setzt man sich auf - 
eine Art Sit-up, wobei die Hantel überm Kopf bleibt und man sich auf den freien Arm stützen 
kann - rollt dann weiter in eine Ausfallschritt- oder Kniebeugenposition und steht auf. Der Arm 
bleibt durchgehend gestreckt. Auf gleichem Wege geht es dann wieder nach unten. 




Die Übung ist sehr fordernd für die Bauchmuskeln und den gesamten Schultergürtel, 
insbesondere für die stabilisierenden Muskeln. Ist das Gewicht hinreichend schwer, werden 
auch Brust und Trizeps ordentlich beansprucht, ganz zu schweigen davon, dass die 



109 



anschließende Kniebeuge immer schwieriger wird. 

Edit Flais: Dabei sollte man die Augen UNBEDINGT durchgehend auf dem Gewicht lassen! 
Und wenn das Gewicht fällt, sofort aus dem Weg gehen - Schwerkraft hat Vorfahrt. Ich hab 
mir mal eine 48kg Kettlebell auf die linke Hand fallen lassen beim Versuch, den Boden vor 
dem Aufprall zu schützen (Mietwohnung). Nicht eine meiner besten Ideen, ich hab die Narbe 
immer noch. 

Übrigens kann man die Übung auch mit anderen Formen des Widerstandes durchführen. Ich 
habe bisher Get-ups in der beschriebenen Form gemacht mit einer 50kg Kurzhantel, einer 
46kg Kettlebell, einem 56 kg Sandsack und „lebenden Gewichten" im Bereich von 48-52 kg 
(siehe unten). 




Flais im Jahr 2010 in der Endphase des Human Get-Up mit einer Freiwilligen. Da das Ganze eine spontane 
Aktion war, durfte er die noch Dame einige Zeit hochhalten, bis der Gastgeber die Kamera gefunden hatte. 
Die durch die Beine unseres Gewichts verdeckte rechte Hand hält den rechten Oberarm der Dame in knapp 

über Hüfthohe. 



110 



Eingewöhnungsphase mit Kettlebells 



Einer der Nachteile der Kugelhanteln ist, dass man sich auch als erfahrener Sportler erst an 
die speziellen Bewegungsabläufe gewöhnen muss - Formprobleme im Clean wurden ja 
bereits angesprochen. Daher schlägt Pavel Tsatsouline (gewissermaßen der „Schutzheilige" 
des Kettlebell-Trainings im Westen) folgendes Programm zur Eingewöhnung vor: 
Beim sogenannten „RKC Program Minimum" geht es darum, zwei der einfacheren, aber 
nichtsdestoweniger produktive Übungen zu erlernen: den Swing und den Get-up. Dies erfolgt 
in vier wöchentlichen Einheiten (also je zweimal, die gebenenfalls zu zwei Trainings 
zusammengefassst werden können). 

Bei Training a), dem „Man Maker" führt man 12 Minuten lang Swing-Intervalle durch, die sich 
mit aktiven Erholungsphasen in Form von Laufen oder Seilspringen abwechseln. Dabei soll 
die Anzahl der Swings zwanglos schrittweise erhöht werden. 

Bei Training b) geht es darum, 5 Minuten lang durchgehend Get-Ups durchzuführen, wobei 
nach jeder Wiederholung Hand gewechselt wird 96 . 

Männern wird empfohlen, mit einem Gewicht von 16 kg zu starten, nur sehr weit 
fortgeschrittene Sportler (Hausnummer 220kg Kreuzhebeleistung) können mit der 24er Kugel 
starten; Frauen dagegen wird zu 8 bis 12kg geraten. 

Später wird angeregt, auf den „RKC Rite of Passage" hinzutrainieren - bei Männern 
entspircht dies dem einarmigen Clean & Military Press der Kettlebell, die am nächsten am 
halben Körpergewicht des Kandidaten liegt, und mindestens 200 Wiederholungen im 
einarmigen Reißen einer 24kg Kugelhantel innerhalb von zehn Minuten. Bei Frauen liegt das 
Gewicht für C&P bei einem Viertel des Körpergewichtes und für das einarmige Reißen bei 12 
kg 97 . 



96 Tsatsouline 2006, 72. 

97 Tsatsouline 2006, 84-85. 



111 



Expander, Federn, Isometrics und Ähnliches 

Oder: wenn ihr euch durch eine gummizugbeschleunigte 200kg-Hantel umbringt, reden wir 
nie wieder mit euch! 

Ringer ohne Gummi kann icchh mir nicchht vorstellen. 
[A. G., russischer Ringer, Physiotherapeut und ehemaliger Diskothekenbesitzer] 

Was man in diesem Zusammenhang wissen sollte, wir euch aber in "Sportphysiologie für 
Dummies" noch vorenthalten haben (verklagt uns doch!): die menschlichen Muskeln 
funktionieren vom Prinzip her wie stählerne Blattfedern oder Gummibänder: je weiter sie 
gespannt werden, desto mehr Kraft produzieren sie. Wenn man mit Gewichten oder prinzipiell 
gegen die Schwerkraft trainiert, bleibt die Belastung über den gesamten Bewegungsumfang 
dagegen prinzipiell gleich, sodass die Muskeln nicht die ganze Zeit übervoll arbeiten müssen. 
Ein praktisches Beispiel ist etwa der klassische Liegestütz: die Hauptarbeitsmuskeln hier sind 
Brust und Trizeps, beide sind bei gestreckten Armen maximal gespannt, bei gebeugten 
Armen gedehnt. Im Selbstversuch wird man feststellen, dass die obersten paar Zentimeter 
auch für Untrainierte kaum ein Problem darstellen, schwieriger wirds, wenn die Brust fast den 
Boden berührt. Dies kann man im Training auch ohne großartige Hilfsmittel progressiv nutzen 
(nennt sich Progressive Range Of Motion), indem man ein gleichbleibendes Gewicht über 
Wochen hinweg über einen immer länger werdenden Bewegungsablauf bewegt, zum Beispiel 
Liegestützen mit der Brust auf einen Bücherstapel machen und alle paar Tage ein Buch 
wegnehmen (siehe unten). 

Dieses Prinzip kann man sich beim Training mit Stahlfedern, Gummi-Expandern und 
ähnlichem (der Markt bietet hier inzwischen eine kaum überschaubare Vielfalt) zunutze 
machen: auch hier arbeitet man gegen einen progressiven Widerstand, die Muskeln haben 
also länger was zu tun (Flais: Dies ist übrigens auch der Fall, wenn man gegen einen Mensch 
als Widerstand arbeitet - Armdrücker beispielsweise trainieren außer am Tisch besonders 
gern mit Expandern, da die Belastungskurve vergleichbar ist). 

Einen weiteren Vorteil zu freien Gewichten stellt die Tatsache dar, dass man mit ein bisschen 
Fantasie Widerstand in alle Richtungen erzielen kann und nicht an die Schwerkraft gebunden 



112 



ist. Zugegeben, eine Kabelzugmaschine kann das auch, allerdings passt die nicht in eine 
Reisetasche und kostet auch mindestens einen Tausender mehr. Jedoch versuchen auch 
genug Firmen, sich mit Gummibändern und Expandern dumm und dusselig zu verdienen. 

Flais: Leider muss ich sagen, dass man von den allermeisten erhältliche Expandern eher 
enttäuscht sein wird - die Griffe sind rund und hart (= können schwer unterm Fuß fixiert 
werden) oder butterweich (= unangenehm für die Hände ab ca. 50 kg Zug), halten zu wenige 
Gummibänder (= bald wieder neues Set kaufen) und die Bänder sind nicht längenverstellbar. 
Wie heißt es so schön, Never criticize Americans. They have the best taste money can buy 
[Miles Kington]. 

Als billige Alternative hier die „Ostblock-Variante" frei nach dem eingangs erwähnten A. G. 
(dessen Kampfmoral vor etwa einem Jahrzehnt die Ringer eines gewissen Teils Deutschlands 
in Angst und Schrecken versetzte): man kaufe sich 7-1 0m vom stärksten Gummiband, das 
man von der Rolle kriegen kann (aka Thera-Band; allerdings wissen wenige, dass die flachen 
Bänder nur für den Reha-Bereich gedacht sind. Wesentlich stärker, haltbarer und auch bei 
der russischen Ringer-Nationalmannschaft im Gebrauch ist die Produktvariante „Thera-Band 
Tubing", also Gummischläuche. Die Farbe silber ist die stärkste momentan erhältliche). 
Kostenpunkt: max. 25€. Grobmotoriker falten / greifen jetzt einfach das Band auf die 
gewünschte Stärke und Länge und verwenden es so. 

Es geht auch raffinierter: Davon schneidet man dann 3-5 gleich lange Stücke von gleicher 
Länger (ca. 1.80-2m) ab. Nun braucht man ein paar Griffe dazu, die man zum Beispiel aus 
einem ausrangierten, halbierten Kampfsport-Gürtel gefertigt werden können (alternativ auch 
aus Gurtband, das man mit Plastikeinlagen versteifen und / oder mit Schaumstoff polstern 
kann). Lange Griffschlaufen haben den Vorteil, dass man sie auch über die Arme streifen 
oder sogar als Stirnband aufsetzen kann, um den Nacken zu trainieren. Unnötig zu 
erwähnen, dass man die Griffe speziell auf die eigenen Vorlieben abstimmen und auch 



113 



mehrere Griffvarianten bauen kann. 



Nun schiebt man eine kleine, an dem Griff befestigte Lasso-Schlaufe aus Gurtband über das 
eine Ende der Gummibänder (beliebig viele), und knüpft in letztere dahinter einen Knoten, um 
sie am Durchrutschen zu hindern. Den fixiert man dann mit Panzerklebeband oder 
Sporttape. Durch erneutes Knüpfen von Knoten können die Bänder auf eine beliebige Länge 
gebracht werden, je nachdem, wie lang man sie belässt (kürzer = mehr Spannung / 
Widerstand bei gleichem Bewegungsumfang). 

Die Haltbarkeit von dem Konstrukt ist ziemlich gut, manche haben ihr Set schon über mehr 
als fünf Jahre ohne nennenswerte Verschleißerscheinungen im Gebrauch. 

Bei einer anderen Variante werden lediglich die beiden Enden des Gummiseils mit etwas 
Tape umwickelt, damit sie dicker werden und nicht bei Feuchtigkeit (z.B. Schweiß oder Regen 
beim Training im Freien) unberechenbar aus der Hand flutschen. Diese Variante wird u.a. von 
Judo-Olympiasieger llias lliadis im Training verwendet. 

Bei den Judokas (speziell in Japan, aber auch anderswo) dagegen sind nach wie vor 
Fahrradschläuche als Expanderersatz beliebt. Die inzwischen am weitesten verbreitete 
Variante aus Butyl ist weniger flexibel und eignet sich gut für Uchikomi, für andere Übungen 
können Schläuche aus Latex (werden aufgrund ihrer hohen Pannensicherheit etc noch gern 
im Radrennsport verwendet) vorzuziehen sein. 



114 



Selbst gebaute Expander (v.l.n.r. und o.n.u.): Ostblock- Expander (Theraband-Tubing mit Gurtgriffen und 
textilummantelter Gummizug mit getapeten Enden), Japan-Expander aus Latex und Butyl. 

Was macht man nun damit, wenn mans hat? Hier ein interessantes, aus Köpergewichts- und 
Expanderübungen kombiniertes Beispieltraining, erstellt von Weltklasseringer und -Trainer 
Cary Kolat. Ziel ist hier ganz klar muskuläre Ausdauer. Dabei werden zwei Expander (einer 
pro Hand) oder ein langer mittig ungefähr auf Hüfthöhe an der Wand (Sprossenwand, 
Straßenlaterne, Baum, Telefonmast....) fixiert. 

Zirkel zu je dreißig (= insgesamt 1200) Wiederholungen von: 

- Liegestützen 

- Flys mit dem Rücken zum Wiederstand 

- schräges Schulterdrücken mit dem Rücken zum Wiederstand 

- Rudern mit breitem Griff 

- Rudern mit engem Griff 

- Trizepsstrecken nach hinten im geduckten Stand 

- diagonale Curls (abwechselnd rechts links, dreißig Wiederholungen pro Arm) 



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- beidarmige Curls abwechselnd mit Trizepsstrecken nach hinten (je dreißig 
Wiederholungen) 

- Trizepsstrecken über dem Kopf 

- Handgelenkscurls (ausgeführt bei gebeugten Armen in einer Kreisbewegung vor dem 
Körper, wie Arbeiten am Punchingball nur in die andere Richtung. 30 Wiederholungen 
pro Seite). 

- Rumpfvorbeugen mit gestreckten Beinen 

- Kniebeugen im engen Stand 

- Kniebeugen im schulterbreiten Stand 

- Kniebeugen im weiten Stand 

- Calf Raises (kontrolliertes und kräftiges auf-die-Zehenspitzen-stellen 98 



Ein Wort noch zum Widerstand: dieser lässt sich mit Gummibändern nur mäßig genau 
dosieren, egal, was die Hersteller sagen. Der Widerstand kann hier zum Beispiel so gewählt 
werden, dass man dreißig Wiederholungen in jeder der Zirkelübungen mit nur mit großer 
Anstrengung schafft und am Ende eines Durchganges kurz vorm Kotzen ist - wenn 
Widerstand und Tempo hoch genug sind. Dies ermöglicht es, den Zirkel an viele 
verschiedene Anforderungen anzupassen. 

Mehr Widerstand erreicht man durch mehr / dickere Gummibänder oder weiteren Abstand 
zum Ankerpunkt und umgekehrt. 



98 NachKolat https://www.youtube.com/watch?v=tfotdMxXaG8&playnext=l &list=PL9AC 1 CEB93CBE 1 C8B&feature= 
results_ video (Stand 17.04.2013). 



116 



Isometrisches Training 

What's the heaviest weightyou can possibly move? One you can't move. 

[Bud Jeffries] 

Isometrisches Training dagegen ist nicht unbedingt an bestimmte Geräte gebunden, sondern 
eher ein Trainingsprinzip. Es macht sich die Tatsache zunutze, dass ein Muskel mehr Gewicht 
eine paar Sekunden lang passiv in einer Position festhalten als aktiv heben kann (da fallen 
einem die Szenen aus zahllosen Filmen wieder ein, wo der Held an ausgestreckten Armen 
von der Klippe baumelt und partout nicht hochkommt [Flais: sowas find ich wiederum echt 
pathetisch, man sollte denen allen den Heldenstatus aberkennen...]). 

Ein Beispiel für eine solche isometrische Übung wäre etwa beim klassischen Curl ein Gewicht 
bei 90° Beugung in Position festzuhalten. Allerdings kann praktische jede Übung auch 
isometrisch durchgeführt werden. 

Wird man im Halten stärker, entsteht auch ein Kraft-Übertrag auf die aktive Bewegung 
(allerdings nur im Bereich von etwa 20-30° um den Haltepunkt, sodass meist pro Bewegung 
2-3 isometrische Halte - Beginn, Mitte und Ende einer Bewegung - in unterschiedlicher 
Streckung / Beugung durchgeführt werden, um optimale Erfolge zu erzielen). 

Man kann isometrische Halte gegen Gewichte, Eigenwiderstand (z.B. ein Arm drückt gegen 
den anderen) oder Gummibänder duchführen; besonders beliebt ist aber das Training gegen 
unbewegliche Gegenstände wie Türstöcke, Waschbecken etc, weil hier kein Equipment 
benötigt wird und man trotzdem in jeder Position den Muskel bis zu seiner maximalen 
Kapazität willentlich kontrahieren kann. 

Wir möchten nicht allzu viele Beispiele für Isometrics aufführen, weil hier der Phantasie kaum 
Grenzen gesetzt sind". Eingehen möchten wir aber auf zwei Varianten für die Beine, bei der 
nichts anderes benötigt wird als eine solide Wand (ein dicker Baum tuts auch). 
Die erste ist das sogenannte Wandsitzen, eine Lieblingsübung von Skifahren und Co. Der 

99 Siehe z.B. S. Justa, Rock, Iron, Steel: The Book of Strength. (Nevada City, 1998) 26-36. 



117 



Sinn davon ist offensichtlich, die isometrische Haltekraft der Beine zu verbessern und die 
dadurch entstehende Ermüdung zu verzögern. Für die klassische Variante lehnt man den 
Rücken flach gegen eine Wand, beugt die Beine auf 90° und stellt die Unterschenkel 
senkrecht (etwa 50cm von der Wand entfernt und meist relativ eng beieinander). Diese 
Variante baut recht gleichmäßig Spannung in den Oberschenkeln aus - Vorder- und 
Rückseite werden angesprochen, wenn auch die Vorderseite in höherem Maße. Mit etwas 
Anstrengung können die Leistungen im Wandsitzen recht schnell gesteigert werden (einer der 
Autoren ist innerhalb von etwa zwei Wochen problemlos von drei auf zehn Minuten 
durchgehende Haltezeit gekommen). 




„Klassisches" Wandsitzen. 



118 



Erwähnen sollte man aber auch eine kleine und relativ unbekannte Variante. Diese ist uns 
bisher nur in einer Quelle untergekommen, nämlich bei Dan Gable (Olympiasieger im 
Freistilringen 1972 und legendärer Ringtrainer der University of Iowa). Gable nennt diese 
„back leaning isometric exercise". Dafür werden die Beine mindesten schulterbreit und mit 
leicht nach außen zeigenden Zehen nahe (nicht mehr als 10-20cm) an die Wand gestellt und 
so weit wie bei Stand auf dem ganzen Fuß möglich gebeugt, wobei die Knie nach vorne über 
die Zehen gehen können; bei durchschnittlicher Flexibilität wird die Beugung keine 90° 
erreichen. Nun wird der Rücken gegen die Wand gedrückt, Bauch- und Gesäßmuskeln aber 
angespannt, sodass das Becken gekippt wird und das Gesäß die Wand nicht oder kaum 
berührt 100 . Dadurch soll wohl die Grundstellung (square stance) im amerikanischen 
Freistilringen (folkstyle) effektiver imitiert werden. Alternativ kann der Stand bis auf „Sumo"- 
Standbreite erweitert werden (s.u.). 




Modifiziertes Wandsitzen. 



100 D. Gable / J.A. Petersen, Conditioning for Wrestling: The Iowa Way. (West Point 1980), 93. 



119 



Diese Übung kann auf Zeit gehalten werden (wobei sie subjektiv deutlich schwerer lange zu 
halten ist als der klassische Wandsitz; trotzdem würden wir empfehlen, sich auf mindestens 
fünf Minuten am Stück hochzuarbeiten) oder auch auf maximale Kontraktion. 

Ebenfalls kaum bekannt ist die Variante mit dem Bauch zur Wand (front facing isometric 
exercise nach Gable). Dabei stellt man sich etwa 30-60 Zentimeter vor eine Wand, lehnt sich 
mit auf 90° gebeugten Oberarmen dagegen, übt Druck in die Wand aus und läuft auf der 
Stelle, wobei man die Wand zu verschieben versucht 101 . 

Dies kann recht schnell sehr anstrengend werden, überraschenderweise oft für die rein 
isometrisch arbeitende Armmuskulatur schneller als für die Beine; aber auch die 
Unterschenkel müssen mehr leisten, als man denken würde. Den Kraftaufwand und die 
Schrittfrequenz kann man natürlich variieren. Diese Übung eignet sich unserer Meinung nach 
auch recht gut zum Einbau in Zirkeltrainings, wenn etwa 30 Sekunden oder auch 1-2 Minuten 
gesprintet / schnell gelaufen werden soll, aber kein Platz oder kein Laufband zur Verfügung 
steht. 

Heißt das, diese Trainingsmethoden sind den klassischen Hanteln und Geräten vorzuziehen? 
Nicht zwangsweise. Es kommt zunächst wieder mal darauf an, für was ihr trainieren wollt. 
Beide Methoden können dabei helfen, Muskeln aufzubauen, definierter zu werden oder 
Gewicht zu verlieren; ein nennenswerter Vorteil der hier besprochenen Kategorie von 
Kleingeräten ist, dass man weniger an einen Ort gebunden ist und sie - wegen den kleinen 
Abmessungen und vergleichsweise geringen Kosten - auch meist problemlos zu Hause oder 
auf Reisen verwenden kann. Allerdings ist die Belastungskurve wie erwähnt eine andere, was 
bedeutet, dass wenn man mehr Gummibänder am Expander ziehen kann, man nicht 
automatisch mehr Gewicht an der Hantel bewegt und umgekehrt. 

Im Bezug auf den Übertrag zu Sportarten können ebenfalls beide Ansätze hilfreich sein, aber 
in unterschiedlichem Maße je nach Disziplin. Wie gesagt mögen viele Armdrücker und Ringer 
Expander, Stahlfedern und Übungen mit Partnerwiderstand besonders gern, weil sie näher an 

101 D. Gable / J.A. Petersen, Conditioning for Wrestling: The Iowa Way. (West Point 1980), 92. 



120 



der realen Belastung ihres Sports liegen (allerdings nicht immer ausschließlich, viele 
trainieren zumindest zeitweise auch mit Gewichten), während viele Boxer auf isometrische 
Übungen schwören (sie finden, die Fähigkeit, in jedem Bereich der Bewegung die Muskeln 
maximal kontrahieren zu können fördert die Explosivkraft). Dagegen werden Gewichtheber, 
Powerlifter und Co vor allem mit Hanteln arbeiten, weil das ihre eigentlichen Sportgeräte sind; 
allerdings gibt es auch hier den Trend (angefangen von Louie Simmons vom berühmten 
Westside Barbell Gym), die Belastungen zu mischen und beispielsweise große Gummibänder 
als Zusatzbelastung an einer beladenen Hantelstange zu verwenden 102 . Dies ist allerdings 
nichts, wozu wir einem Anfänger raten würden (Flais: oder anders gesagt, wenn ihr euch mit 
einer gummizugbeschleunigten 200kg-Hantel umbringt, reden wir nie wieder mit euch!). 
Kletterer trainieren auch ziemlich viel isometrisch: einerseits werden beim Klettern selbst die 
Griffe statisch gehalten, auch das Training am Hangelbrett (nicht zu verwechseln mit dem 
Campusbrett, an dem dynamisch geklettert und meist auch gesprungen wird) besteht 
großteils aus statischem Halten und Blockieren mit einer oder zwei Händen / Armen. 

Uchikomi 

"I think we throw the word talent around a lot. People say I was talented or this or that. I 
probably hit a million low Single legs in my lifetime. I probably drilled a leg lace 40 or 50 times 
a day. I earned the RIGHT to be able to hit sharp techniques. It had nothing to do with talent. " 
[John Smith, Doppel-Olympiasieger und 4-fach Weltmeister im Freistilringen] 

Eine Form des teilisometrischen Trainings ist vermutlich vor allem den Judokas geläufig: beim 
sogenannten uchikomi wird das Gleichgewicht brechen sowie der Wurfeingang wiederholt 
isoliert geübt. Üblicherweise wird dies mit einem Partner gemacht (z.B. 9x hintereinander 
rythmisch uchikomi, beim zehnten Eingang Wurf o.ä.). Allerdings gibt es noch weitere, 
weniger verbreitete Methoden: etwa, dass uke (der zu werfende Partner) von einem weiteren, 
meist am Boden sitzenden (= tieferer Schwerpunkt) Partner am Gürtel festgehalten wird, 
sodass ton (der Ausführende) nach einem dynamischen Eingang isometrisch seine ganze 
Kraft in den Versuch der Wurfausführung stecken kann. Traditionell ist auch das Üben der 

102 Siehe Simmons, The Westside Barbell Book of Methods (2008). 



121 



uchikomi mithilfe eines um einen Baum oder (im Idealfall etwas gepolsterten) Pfosten 
geschlungenem Judogürtels 103 . Manche Judokas haben sich auf bis zu 500 Wiederholungen 
ohne Pause und mehrere tausend pro Tag gesteigert 104 ! Je nachdem, ob man einen dicken 
oder ein kleines Bäumchen wählt, kann man dabei auch das Ausmaß des Federns etwas 
beeinflussen. Heute wird statt eines Judogürtels häufig ein Gummiband verwendet (siehe 
dieses Kapitel weiter oben, Abschnitt „Ostblockexpander"), das um einen Pfosten 
geschlungen oder von einem Partner festgehalten wird. Verwendet man dafür ein bei einer 
bestimmten Länge „gestopptes" - etwa textilummanteltes - Gummiband, das sich nur bis zu 
diesem Punkt dehnen lässt, kann auch diese uchikomi-Vanante zu einer teilisometrischen 
Übung (dynamischer Eingang mit nahezu maximaler Kraftspitze am Ende) werden. 




Uchikomi mit Gummiband für Seoi-Nage (Drop-Version). Ein Gurt oder ein gestopptes Gummiband würden 
dagegen in der Regel nicht den vollen Bewegungsumfang erlauben. 



103 Wer keinen alten hat: ein Stück Seil oder Gurtband tuns auch und sind vielleicht sogar haltbarer (nur sind halt 
Kunststoffe tendentiell meist etwas rutschiger als Naturfasern - im Zweifelsfall Griffzonen tapen und / oder um die 
Hand wickeln). 

104 H. Nishioka, Uchikomi Training: Isotonics and Judo. In: Black Belt Magazine 4 / 1969, 44 - 47. Wer noch mehr über 
Uchikomi speziell für Judowürfe / Würfe mit Gi nachlesen will, bei T. Ishikawa / D. F. Draeger, Judo Training Methods 
(Tokio 1962) findet sich eine ziemlich erschöpfende Abhandlung darüber. 



122 



Jedoch können auch andere Kampfsportler durchaus von diesem Konzept profitieren: Gerade 
Ringer haben das Ausführen der Wurfeingänge, Vorbei reißer, Runterreißer etc mit leichtem 
Widerstand (wie beispielsweise ein aufgeschnittenes Deuserband) zur Automatisierung dieser 
Bewegungen immer wieder mit Erfolg angewendet 105 . Es handelt sich gewissermaßen um 
eine sehr sinnvolle Variante des „Schattenboxens für Grappler". 

Laut Judo-Größe Trevor Legett ist das Wichtigste bei den Uchikomi, dass die Bewegung 
„lebendig" ausgeführt wird, was bedeutet, dass sie mit einer intensiven Visualisierung 
verbunden sein sollte, um maximal effektiv zu sein (sprich, ich ziehe hier keinen 
Fahrradschlauch, sondern den Arm eines lebendigen und reagierenden Gegners, der jetzt 
gleich Flugstunden nehmen wird). Weiters sind laut Legett mindestens 100.000 korrekte 
Wiederholungen erforderlich, um einen Wurf wirklich „lebendig" werden zu lassen 106 . 

Es sei noch erwähnt, dass sich sowohl Judogürtel als auch Gummibänder (insbesondere der 
„japanexpander" - ein aufgeschnittener Fahrradschlauch) sehr einfach zu einer Runde 
Roadwork (= Laufen mit SpezialÜbungen) mitnehmen lassen, sodass unterwegs 
beispielsweise Wurfeingänge in einem fortgeschrittenen Erschöpfungszustand geübt werden 
können 107 . 



105 Freundlicher Hinweis A.G. und J.E.. 

106 http://eimasxoiri/ics/jcsleggett_livemovei'nent.hti'n (Stand 12.02.2014). 

107 Es heißt zwar, dass ein Mensch am besten lernt, wenn er geistig und körperlich frisch ist; dem ist allgemein auch 
zuzustimmen. Jedoch gibt es auch Ausnahmen aus dieser Regel: zum einen geht es hier um das Automatisieren, 
Verinnerlichen und Perfektionieren (im Sinne von effektivst möglichem Energieeinsatz bei bestmöglicher 
Kraftübertragung) bereits beherrschter Bewegungen; zweitens werden diese von einem Kampfsportler im Wettkampf so 
gut wie immer im teilermüdeten Zustand ausgeführt werden müssen, also sollten die entsprechenden „Skillsets" 
möglichst ermüdungsresistent sein. Und schließlich gilt es im Kampfsport als anerkannte Doktrine, dass eine Fertigkeit 
umso dauerhafter erhalten bleibt, je höher die Erregung zum Zeitpunkt der erfolgreichen Durchführung war - 
Erschöpfung oder körperliche Schmerzen sind solche Faktoren, während ein wichtiger Wettkampf in der Regel die 
höchste Erregung beim Sportler hervorruft. Mit anderen Worten: je sicherer man sich ist, etwas auch unter erschwerten 
Umständen ausführen zu können, desto eher ist man im Ernstfall auch bereit genau das zu tun (Nach W.M. Andrej ew / 
E.M. Tschumakow, Borba Sambo [8. Aufl., Berlin 2008], 44 - 55). 

Flais: Und schließlich noch ein Argument, warum das klassische „Roadwork" nicht vollständig durch Intervalle ersetzt 
werden sollte. Verschiedene Leute haben in den letzten Jahrzehnten immer wieder behauptet, aerobes Training hätte 
nichts mit der Realität eines Kampfes zu tun. Das stimmt aber meiner Ansicht nach nur teilweise. Denn eine bessere 
aerobe Basis sorgt dafür, dass der Kampfsportler effektiver von seinen „normalen" Techniktrainings profitieren kann - 
und viele bessere Trainings sorgen auf lange Sicht auch für bessere Resultate im Kampf. Ende meines Bekenntnisses. 



123 



Edit für alle: Isometrisches Training kombiniert sich besonders gut mit (Kraft-) 
Ausdauertraining. Nehmen wir mal an, ihr seid aus Arbeits- oder anderen Gründen irgendwo 
ohne Trainingsgeräte gestrandet. In solchen Fällen wäre ein Programm aus Liegstützen, 
Burpees (siehe: Fit durch Körpergewicht), Gummibändern, Partnerübungen (wenn möglich), 
vielleicht ein paar Sprints und zudem Isometrics vermutlich die beste Wahl und obendrein 
bemerkenswert vielseitig. Unter Umständen erlebt ihr sogar eine positive Überraschung, 
wenn ihr wieder daheim im Kraftraum seid ;-) 



Ich will meine Bauchmuskeln sehen! 

Wer nur seine Bauchmuskeln trainiert, schaut danach dicker aus als vorher. 
[Eine der sinnvolleren Aussagen, die ich jemals in einer Fitness-Zeitschrift gelesen habe] 




Auch Frauen können sichtbare Bauchmuskeln haben - und sehen dabei noch lange nicht aus wie Männer 

(im Bild Jamie Eason). 

Flais: ich habe mich vor etwa einem Monat online an einer Diskussion beteiligt (ja, sowas 
mache ich manchmal, wenn mir extrem langweilig ist), in der eine Kampfsportlerin mit einem 
sehr hohen Trainingspensum (laut eigenen Angaben ca. 30h / Woche) um Rat fragte, wie sie 



124 



denn ihre Bauchmuskeln so trainieren könnte, dass diese sichtbar würden. Was sie sich 
daraufhin anhören durfte waren a) haufenweise Leute, die sie auf die Gefahren der 
Magersucht hinwiesen und b) die Antwort, "XY-crunches sind am besten, um Bauchmuskeln 
aufzubauen". Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, an dieser Stelle allzu sehr auf die Thematik 
des Trainings mit ästhetischen Zielen einzugehen, aber mir ist dadurch bewusst geworden, 
dass sowas auch für Leistungssportler oft genug ein Thema ist. Während ich persönlich 
Training aus rein ästhetischen Gründen nicht befürworte, finde ich es trotzdem wichtig, dass 
man mit seinem Körper gut klar kommt - und dazu gehört meines Erachtens auch, dass man 
zumindest ein kleines bisschen stolz auf ihn sein kann, und das nicht nur auf die Leistungen, 
die er erbringt. 

Also, without further ado, hier einerseits die Grundprinzipien dessen, was ich diesbezüglich 
für Ratschläge auf Lager habe: 

- Die Sichtbarkeit von Bauchmuskeln hängt wie die Definition anderer Muskeln von 
verschiedenen Faktoren ab. Wichtig ist dabei in erster Linie die Dicke der Haut 
darüber; das bedeutet einerseits das Körperfett und andererseits das eingelagerten 
Wasser. Weniger Fett und weniger Wasser im Unterhautgewebe = mehr Definition. 

- Folglich sollte, wenn Definition das Ziel ist, die Ernährung darauf eingestellt werden. 
„Einfach weniger essen" kommt für Sportler nur in Ausnahmefällen in Frage, weil sie ja 
täglich ihre Leistung bringen müssen. Empfehlenswert ist in den meisten Fällen 
allerdings, einerseits salzreiche Speisen zu meiden und zweitens raffinierte 
Kohlehydrate zu verringern, da Stärke einerseits Wasser bindet und viele Leute von 
Natur aus sehr insulinsensibel sind, d.h. sie bauen von der gleichen Energiemenge an 
hochglykemischen Kohlehydraten mehr Fett auf als von der gleichen Kalorienanzahl 
an Eiweißen oder - paradoxerweise - Fetten. Zu empfehlen wäre daher, diese 
Nahrungskomponente zu reduzieren bzw. durch niedriger-glykemische Kohlehydrate 
zu ersetzen - meine persönliche Empfehlung geht dabei an Hülsenfrüchte wie 
Bohnen, Erbsen und Kichererbsen, die auch einen verhältnismäßig höheren 
Eiweißgehalt haben, was dem Muskelwachstum förderlich sein kann (vorausgesetzt, 
man verdaut und absorbiert die Dinger ordentlich). Weiters sind allzu viele tierische 
Fette und Eiweiße nicht zwangsweise erstrebenswert - ein Ei oder ein Stück Fleisch je 



125 



ein paarmal die Woche ist ok, mehr muss aber nicht sein. Milchprodukte gelten 
generell als gute Eiweißquellen, sind jedoch auch nur in Maßen zu genießen 108 ; im 
Bodybuilding wird Milch vor allem in Massephasen verordnet, in den 
Definierungsphasen jedoch großteils aus dem Ernährungsplan gestrichen. Wer es 
verträgt, kann vermehrt zu Nüssen oder Soja greifen. 

- Regelmäßiges, aber mäßiges Sonnenbaden kann dazu beitragen, dass das 
Unterhautwasser abnimmt. So war das ein Teil von Arnold Schwarzeneggers 
Trainingsplan, als er für seine Mr. Universe-Wettkämpfe abnahm. Außerdem sieht eine 
zumindest leicht gebräunte Haut nach Meinung der meisten Betrachter in der 
westlichen Welt auch besser aus - und die Schatten zwischen den Muskeln 
(„serrations") wirken stärker, die Muskeln also nochmal definierter - auch das ein 
Grund, warum Bodybuilder sich anmalen. 

- Zur Fettverbrennungsqualität von Training gilt: intensiveres Training ist da oft besser 
als mehr Training. Zum Vergleich: ein Marathonläufer hat einen viel größeren 
Trainingsumfang als ein Sprinter, er macht mehr Kilometer und bewegt auch insgesamt 
mehr Last. Dennoch sind Sprinter muskulöser und haben auch einen messbar 
geringeren Körperfettprozentsatz, auch wenn sie mehr wiegen und der Marathonläufer 
sicher ebenfalls (wenn nicht erfahrungsgemäß noch mehr) auf seine Ernährung achtet. 
Also: Intervalltraining ist hier wahrscheinlich besser als langes Ausdauertraining oder 
sollte zumindest mit diesem kombiniert werden. 

- Muskeln reagieren auf verschiedene Reize. Es ist ein weit verbreiteter Irrglauben, man 
müsse tausende Wiederholungen von langweiligen Crunches machen, um seine 
Bauchmuskeln zu sehen zu kriegen. Besser ist es, die Wiederholungszahlen zu 
variieren und auch Übungen einzubauen, bei denen gegen viel Widerstand gearbeitet 
wird und von denen auch Fortgeschrittene meist nur wenige Wiederholungen schaffen. 
Beispiele dafür sind Straight Hanging Leg Raises oder Standing Ab Wheel Rollouts. 
Warum sollten sich die Bauchmuskeln in Punkto Masseaufbau von anderen Muskeln 
unterscheiden? Übrigens, unter den mir bekannten Sportlern haben die Kunstturner 
zumeist die übelsten Bauchmuskeln (ok, manche Kampfsportler auf gehobenem 

108 Fast alle Nahrungsmittel können bei unmäßigem Verzehr irgendwelche Probleme machen, gerade Milch fuhrt bei 
erhöhtem Konsum häufig zu einer teilweisen Laktoseunverträglichkeit. Das äußert sich in der Regel in Hautausschlag 
(Pickel im Gesicht oder am Rücken, Juckreiz etc). 



126 



Niveau sind auch ganz gut unterwegs, aber da vor allem die unteren und mittleren 
Gewichtsklassen), und die trainieren normal mit geringen Wiederholungszahlen und 
hohen Widerständen, und sie brauchen auch keine x-tausend-Euro Maschinen dafür. 




Hanging Leg Raises an zwei Ketten. Die Ausgangsposition im gewöhnlichen gestreckten Hang ist hier 
nicht abgebildet. Übrigens kann man diese Übung auch sehr gut am 90° gebeugten Arm ausführen 109 . 

- Es ist auch so, dass einige Übungen wie Kniebeugen, Kreuzheben, Schulterdrücken 
im Stehen oder einarmiges Bankdrücken (siehe Kapitel Grundübungen) die 
Bauchmuskeln sehr effizient mittrainieren, ohne dass man sie isoliert ansprechen 
müsste. Manche sind auch der Ansicht, dass niemand, der weniger als sein 
zweifaches Körpergewicht heben oder beugen kann, sich Gedanken machen sollte, 
wie er seine Bauchmuskeln isoliert trainieren kann. Sei dem wie es will, aber es macht 
auf jeden Fall Sinn, ein Ganzkörpertraining durchzuführen, auch wenn man prinzipiell 
an einem Körperteil interessiert ist (räusper). Den Begriff Dysbalance stelle ich hier mal 
wieder in den Raum - die Gegenspieler-Muskeln also immer im gleichen Maße 

109 Freundlicher Hinweis Matt Aquino; http://beyondgrappling.com/5-hated-bodyweight-movements/ (Stand 03.07.2014). 

127 



mittrainieren, das wäre in diesem Fall der untere Rücken. Und der muss - was für ein 
Zufall! - bei Kniebeugen, Kreuzheben und Schulterdrücken auch sehr intensiv arbeiten. 
Ach ja: wenn man gerade keine Gewichte hat und auch keine improvisieren kann / will, 
der sollte in unsere Kapitel "Fit durch Körpergewicht" reinlesen. Dort stellen wir 
Alternativen für die einzelnen Übungen vor, die unserer Meinung nach auch sehr gut 
funktionieren. 

- Und schließlich das wohl kontroverseste Statement: DEIN KÖRPER GEHÖRT DIR. Du 
kannst damit machen, was du möchtest. Natürlich, Gesundheit ist ein Aspekt, den man 
immer im Hinterkopf haben sollte, aber ich finde, man kann und soll dem auch nicht 
alles unterordnen. Es gibt keine Garantie, dass man überhaupt so alt wird, dass die 
ultragesunde Lebensführung je zum Tragen kommen kann, und wenn ich die letzte 
Reise vorzeitig antreten sollte, dann möchte ich zumindest sagen können, ich hab das 
gemacht, was ich wollte und was ich für richtig gehalten habe. Und ich bin gern bereit, 
dafür grade zu stehen. Leistungssport ist meiner Meinung nach nie per se gesund 110 , 
allerdings macht man als Sportler auch viele Dinge eher nicht oder nur in Maßen, die 
einem Ottonormalbürger diverse Jahre seines Lebens kosten können - rauchen, 
Alkohol, Bewegungsarmut - und das sollte sich dann unterm Strich wieder 
ausgleichen. Auch sei darauf verwiesen, dass der Sport für so manchen auch einen 
Ausweg aus unserer Meinung nach noch bedenklicheren Dingen wie Drogen- oder 
Magersucht 111 oder einem Abgleiten in die Straßenschlägerszene dargestellt hat. 



110 Flais: Ich habe zu viele Knochen gebrochen (und hatte zu viele gebrochene Knochen), um irgendetwas anderes zu 
glauben. Ich gebe auch zu, dass zumindest einige der Dinge, die ich selber oder meine Mannschaftskollegen im Sport 
gemacht haben, unter normalem Licht betrachtet einigermaßen hirnrissig wirken dürften (siehe auch die Anmerkung im 
Kapitel "Ziele - ja oder nein") - auf der Matte dagegen erscheinen sie uns jedoch alle absolut logisch. Ich möchte 
wiederholen, dass ich so etwas nicht propagiere; aber ich würde es wieder tun und ich habe auch nicht vor, mich 
zeitlebens jemals für die Opfer zu entschuldigen oder zu schämen, die ich bei meinem Versuch, der zu werden, der ich 
sein möchte, gebracht habe. Auch hatte ich eh nie vorgehabt, ewig zu leben. Ende meines Bekenntnisses. 

lllLeider kann zugegebenermaßen durchaus auch das Gegenteil passieren. 



128 



Fit durch Körpergewicht 



Ifyou wrestle with 300-pound-guys regularly, you don't need to train with weights. 
[Fedor „The Last Emperor" Emelianenko] 

Flais: Ich persönlich mag es nicht, zu Equipment-fixiert zu trainieren. Daher lehne ich 
Fitnessmaschinen weitestgehend ab, aber auch freie Gewichte, Expander etc sollten nicht 
das Ende des Horizontes sein. Zu leicht verliert man dadurch die Ziele aus den Augen, die 
man eigentlich hatte (zu leicht wird aus „ich will für meinen Sport spürbar stärker werden" ein 
„ich will 180 Kilo auf der Bank drücken!" 112 ). Außerdem wird jedes Trainingsspielzeug, so toll 
und aufregend es am Anfang auch sein mag, irgendwann garantiert langweilig, ganz 
abgesehen davon, dass man es nicht überallhin mitnehmen kann. Wir empfehlen daher, dass 
man zumindest auch in der Lage sein sollte, ein effizientes Training ohne Geräte 
durchzuführen. 

Edit: Aufgrund der eingangs erwähnten Zielsetzung dieses Werkes werden wir dieses Kapitel 
eher knapp halten müssen. Mehr Infos könnt ihr googeln, und vielleicht schreiben wir ja auch 
später irgendwann mal noch was dazu. 

Jedem, der sich in der Fitnesswelt etwas auskennt, dürfte klar sein, dass es nicht allzu 
schwierig angesehen wird, mit Körpergewicht „nur" auf Ausdauer zu trainieren - macht (stark 
vereinfacht gesagt) einfach mal haufenweise Liegestüzen, Kniebeugen und lauft dann, bis ihr 
zusammenklappt. Etwas technischer ist es dagegen, mit Körpergewichtsübungen auf Kraft 
und Masse zu trainieren, denn wo es bei einer Hantel ziemlich einfach ist, ein paar Scheiben 
mehr draufzuklatschen, wenn die Sache zu einfach wird, muss man sich bei BWE (Body 
Weight Exercises) einen anderen, schwierigeren Winkel suchen - oder einen Arm / ein Bein 
weniger einsetzen, was unter Umständen einiges an Denkarbeit erfordert. 
Es sollte erwähnt sein, dass viele dieser Übungen wesentlich „funktionaler" sein können als 

112 Siehe dazu z.B. auch hier: http://www.t-nation.com/training/are-you-stronger-or-just-better . 



129 



ihre Konterparts mit Gewichten oder gerade Maschinen: so gibt es etliche Sportler, die an der 
Latzugmaschine schwere Gewichte keulen können, aber keinen sauberen Klimmzug 
schaffen. Im Gegenzug wird jemand, der in Klimmzügen fortgeschritten ist, an der 
Latzugmaschine wesentlich mehr als sein Körpergewicht ziehen können 113 . 

Schauen wir uns also an, was für schwierige Übungen es da so gibt und wie man auf diese 
hintrainieren kann. Zuerst aber muss der Vollständigkeit halber erwähnt werden, wie man die 
Basics auf die Reihe kriegt. 

Wie schaffe ich meinen ersten Liegestütz / Klimmzug? 

Even ifyou're on the right track, you'll get run over ifyou just sit there. 

[Will Rogers] 

Wie schon erwähnt sind diese beiden Basisübungen keinesfalls selbstverständlich für 
Kraftraumbenutzer, auch nicht für die Fortgeschrittenen. Das sollte sich ändern, denn beide 
zählen nicht nur zu den effizientesten Übungen für die Oberarme, sondern auch für Rücken 
(Klimmzüge; die sind diesbezüglich in der Regel deutlich effizienter als was-auch-immer-dein- 
Physiotherapeut-dir-gesagt-hat; außerdem schauen sowohl die männliche als auch die 
weibliche Taille bei gut entwickelten Rückenmuskeln viel schmäler aus) und Brustmuskeln 
(Liegestütze). 

Liegestütze sind deutlich schneller zu erlernen als Klimmzüge - liegt die auf die Arme 
wirkende Kraft dabei auch nicht bei 100% des Körpergewichtes wie bei Klimmzügen, sondern 
eher bei 60-70%. Die einfache Version (aka Frauenliegestütze) sieht vor, dass die Knie am 
Boden aufliegen und der Hebel deutlich verkürzt wird - somit sinkt die Belastung, wie durch 
eine simple Badezimmerwaage problemlos nachgeprüft werden kann. 
Eine weitere, etwas fortgeschrittenere Version beruht auf dem Federprinzip - dass Muskeln 

113 Flais: Zum Beispiel habe ich mit 16 Jahren bei einem Körpergewicht von 65kg bei meinem ersten allerersten Benutzen 
der Latzugmaschine über hundert Kilo gezogen, und das ohne auch nur vorher Klimmzüge mit Zusatzgewicht gemacht 
zu haben. Im Moment habe ich einarmiges Latziehen vorübergehend wieder in mein Programm aufgenommen (keine 
Klimmzugstange zur Hand) und ziehe in etwa mein Körpergewicht mit einem Arm auf Wiederholungen. 



130 



bei höchster Kontraktion die meiste Kraft produzieren können. Folglich ist der oberste 
Abschnitt bei einer Liegestütze der einfachste, der unterste - wenn die Brust am Boden 
angeht - der schwierigste. Um den Bewegungsumfang (aka ROM - Range Of Movement) 
sukzessive und kontrolliert steigern zu können, legt man sich einfach einen Bücherstapel 
unter den Brustkorb, der bei jeder Wiederholung berührt werden muss. Über mehrere 
Wochen (wenn nötig auch Monate) wird immer wieder ein Buch weggenommen, bis man 
unten ist. 

Schließlich gibt es auch noch eine Variante, die auf dem Prinzip der schiefen Ebene beruht: 
nahezu jeder kann Liegestützen an einer Wand ausführen, indem er die Hände auf Brusthöhe 
an die Wand legt. Nun geht es darum, sich Schritt für Schritt tiefere Haltepunkte zu suchen 
(etwa Fensterbrett => Tisch => Stuhl => Hocker => Boden). Noch einfacher geht es, wenn 
man ein Türreck (also eine verspreizbare Klimmzugstange für den Türstock, Kostenpunkt ca. 
15 - 25 €) zur Verfügung hat: diese wird bei jedem Trainingsschritt einige Zentimeter tiefer 
eingeschraubt als beim Mal davor. 

Anzumerken ist, dass sich der klassische Liegestütz bei Boxern nach wie vor größter 
Beliebtheit erfreut, weil er von der Intensität und dem Ablauf ziemlich nahe an der Geraden 
mit der Führungshand (dem Jab) liegt, während die indischen Ringer auf eine Abart (die sog. 
Hindu-Push-Ups) schworen, die für die bei ihnen gebräuchliche Beinangriff- und 
Bodenabwehr hilfreich waren 114 . In beiden Fällen sind relativ hohe Wiederholungszahlen 
gebräuchlich: so gab etwa Supermittelgewichts-Weltmeister Carl Froch in diversen Interviews 
zu Protokoll, er würde in der finalen Phase seines Vorbereitungstrainings für Kämpfe häufig 
Liegestütze auf Zeit ausführen und gibt an, dabei beachtliche 200-250 Wiederholungen 
innerhalb von zweieinhalb Minuten auszuführen 115 , während die alt-indischen Ringer häufig 
mehrere tausend Hindu-Liegestütze pro Tag ausgeführt haben sollen: der angeblich 
unbesiegte muslimische Pakistani Ghulam Muhammad aka „Great Gama", der legendärste 
Champion des frühen 20. Jahrhunderts soll in seinen Spitzenzeiten im täglichen Training nicht 
weniger als 2000 davon ausgeführt haben, neben läppischen 4000 Kniebeugen, einem 
Dauerlaufund 3-4 Stunden durchgehendem Ringen 116 . 

114 Mehr dazu siehe im Kapitel „Der Zirkelschluss". 

115 Quelle: http://uk.askmen.com/sports/bodybuilding_2Q0/233b_mens_health.html . Stand 09.10.2013. 

116 J. Jesse, Wrestling Physical Conditioning Encyclopedia. (Pasadena 1974) 268. 

Anzumerken ist, dass solche Zahlen mit etwas gesunder Kritik gesehen werden sollten und zudem in eine Zeit gehören, 

131 



Flais: Hier sollte angemerkt werden, dass viele diese Zahlen für überzogen halten. Wie auch 
immer, die Quellenbasis für das Ausführen großer Mengen von Liegestützen und anderen 
Körpergewichtsübungen von erfolgreichen Kampfsport-Champions ist zu breit, um alles nur 
als „Trash Talk" abzutun. Die Dinger haben schon was für sich. Allerdings ist mir vor einiger 
Zeit aufgefallen, dass diejenigen, die wirklich ihren Erfolg zu großen Teilen auf 
Körpergewichts-Training zurückführ(t)en, in der Regel Schwergewichte waren: Great Gama, 
Karl Gotch, Lou Thesz, Mike Tyson, Fedor Emlianenko, Football-Star Herschel Walker... Die 
leichtesten Typen in der Rige sind der schon erwähnte Carl Froch und Masahiko Kimura 
(legendärer Judo-Champion der 1940er mit einem Kampfgewicht von ca. 85kg). Allerdings 
war Kimura für das Japan der 1940er alles andere als ein Fliegengewicht, auch wenn er einer 
der leichteren Champions der offenen Gewichtsklasse wurde. Dennoch steht Kimura in 
mehrerlei Hinsicht auf der Kippe, er trainierte nämlich auch regelmäßig mit Gewichten 117 . 
Insgesamt scheint es, dass die erfolgreichen Leichtgewichte entweder auf sehr viel 
Ausdauerarbeit (Laufen, Airdyne, Rudern, Wandsitzen... siehe Dan Gable), sehr ausgefeilte 
Techniken und Technikketten (Schattenringen und Uchikomi) oder aber auf ein komplexeres 
Programm schwören, zu dem üblicherweise zumindest zeitweise auch Gewichte gehören. 
Zu diesem Thema siehe auch das Kapitel „Kraftstandards". 

Anzumerken ist auch, dass sich zum einen seit Gamas Zeiten die Regeln geändert haben - 
damals waren die Runden noch offen, heute gibt es Rundenzeiten von üblicherweise 2-3 
Minuten und zudem Passivitätsstrafen, sodass in Summe viel kraftbetonter und aggressiver 
gerungen wird. Schließlich ist noch zu bemerken, dass die sehr hohen Wiederholungszahlen 
in Übungen auch nachweislich stark gelenkverschleißend wirken können - so haben sowohl 
Dan Gable als auch Karl Gotch künstliche Hüftgelenke erhalten, und auch die indische 
Ringer-Nationalmannschaft ist zum Schluss gekommen, dass die vielen Wiederholungen sehr 
verschleißend wirken; sie trainieren daher inzwischen mehr mit intensiveren Übungen nach 
großteils westlichem Vorbild wie Kniebeugen mit Kurz- und Langhanteln, Dips am Barren bzw 

in der gänzlich andere Regeln im Ringsport gängig waren - die Kämpfe dauerten nicht selten mehrere Stunden! Einen 
realistischeren Einblick in das Liegestütz-Training heutiger Ringer von nationalem Niveau bietet eher der „Soderman- 
Zirkel" im Kapitel „Der Zirkelschluss". 
117 Er selbst gab in einem Interview an, in seinem täglichem Training in Spitzenzeiten neben 1000 (Hindu-) Liegestützen 
auch 600 Wiederholungen im Bankdrücken mit 80kg ausgeführt zu haben, http://www.aikidosangenkai.org/blog/aikido- 
judo-gozo-shioda-masahiko-kimura/ (Stand 04.02.2014). Mehreren Quellen zufolge soll Kimuras Maximum auf der 
Bank bei überaus beachtlichen 4001bs (185kg) gelegen haben, die er anscheinend sogar ohne Rack gedrück hat 
http://www.rookiejournal.com/why-the-bench-press-is-the-most-popular-lift.html (Stand 04.02.2014). 



132 



der Bank, Burpees sowie Schwimmen und Gewichtheben; darüber hinaus werden aber 
traditionelle Übungen wie Hindu-Kniebeugen und Hindu-Liegestützen, dog walks und frog 
walks (vergleichbar mit den im Westen bekannteren Übungen bear crawls bzw dem im 
Freerunning praktizierten kong vault - wenn auch am Boden), Partnerübungen sowie das 
Ziehen von wassergefüllten Eimern aus einem Ziehbrunnen nach wie vor in das Training 
integriert 118 . 

Mit Klimmzügen ist die Sache etwas schwieriger. Die am wenigsten aufwändige - wenn auch 
nicht am einfachsten auszuführende - Trainingsvariante sieht vor, zur Stange hochzuspringen 
und sich „halbe" Klimmzüge (von oben bis 70-90° Armbeugung) durchzuführen und den 
Winkel stückweise zu vergrößern, indem man den Absprung minimiert; jedoch schaffen viele 
diesen ersten Schritt bereits nicht. 

In diesem Fall kann man sich von einem Trainingspartner oder einem kräftigen Gummiband 
(oben um die Stange geschlungen, unten mit dem Fuß in die Schlaufe steigen) unterstützen 
lassen. 

Hat man diese Möglichkeit nicht, bleibt noch eine etwas einfachere Vorübung namens 
Inverted Rows, die sich ebenfalls die schiefe Ebene zunutze macht. Bei der 
Übungsausführung sind die Füße durchgehend am Boden, während man sich bei 
gestrecktem Körper zu einer Stange hinzieht, ähnlich wie bei umgekehrten Liegestützen. Wie 
bei der eben erwähnten LS-Variante sind auch die Rows schwieriger, je weiter der Körper 
nach hinten geneigt ist - je tiefer der Haltepunkt, desto mehr Last (vorausgesetzt, man 
schwindelt nicht, indem man die Beine beugt). Ein Türreck erleichtert auch hier den 
Fortschritt, allerdings gibt es auch Leute, die ihre Inverted Rows unterm Küchentisch 
durchführen. 

Zum Erlernen von Klimmzügen können auch Latzüge hilfreich sein. Gerade Fitnesstudio- 
Benutzer werden häufig zu dieser Variante greifen. Diese Variante ist gangbar und kann 
durchaus hilfreich sein, um ein grundlegendes Kraftniveau aufzubauen; dennoch übertragen 
sich Kraftzuwächse nicht 1:1. Wir raten daher zu einer Kombination mit den oben genannten 

118 H. Singh, Teaching & Coaching Modern Wrestling. (Delhi 1996) 55-65. 



133 



Methoden, spätestens sobald der Trainierende das Äquivalent seines Körpergewichtes an der 
Latzug-Maschine ziehen kann. 

Bei all diesen Vorübungen gilt: schafft man die schwerere Variante noch nicht, dann einfach 
mehr Wiederholungen und Sätze (siehe auch Kapitel „Progressivität - die Seele des 
erfolgreichen Trainings") von der einfachen durchführen. Früher oder später klappts, 
versprochen ;-) 



Bei Liegestützen sollten Frauen mindestens 25, Männer mindestens 50 Wiederholungen 
anstreben, bei Klimmzügen sind für Frauen 5 ein gutes (zugegebenermaßen nicht ganz 
einfaches) Ziel, Männer sollten sich nicht unter 12 zufrieden geben 119 . 



119 Flais: Ambitionierte Individuen beider Geschlechter können diese Zahlen ruhig auch mehr als verdoppeln. So hat meine 
ehemalige Trainingspartnerin regelmäßig mehr als 12 Klimmzüge am Stück geschafft, mein eigener 
Wiederholungsrekord liegt im Moment bei 45, und eine russische Schwimmerin soll laut Aussagen eines kanadischen 
Olympiatrainers den Test nach sechzig Wiederholungen abgebrochen haben, weil ihr langweilig wurde. 

134 




Was tun, wenn Klimmzüge zu leicht werden? a) Gewicht anhängen hier per Head Harness) und b) suboptimale 
Griffe verwenden (hier: frei drehend mittig aufgehängte Stange mit 5cm DM). 

Sind einem diese klassischen Übungen zu einfach geworden, gibt es diverse schwierige 
Varianten. Auch hier müssen wir uns leider kurz halten. Aus diesem Grund gehen wir jetzt 
auch nicht darauf ein, warum es bei einarmigen Liegestützen so große Qualitätsunterschiede 
gibt, und warum wir finden, dass einarmige Klimmzüge ein eigenes Buch verdient haben. 
Vorstellen möchten wir stattdessen noch drei produktive Übungen für den Oberkörper und 
zwei für die Beine. 



135 



Trizeps-Liegestütze 




Trizeps-Liegestütz. 

Bei diesen handelt es sich NICHT um Dips und auch nicht um einfache Liegestütze mit enger 



136 



Griffhaltung. Stattdessen geht man mit den Händen auf einer knapp kniehohen Bettkante, 
Sprossenwand-Sprosse oder Ähnlichem in eine erhöhte und schräge Liegestützenstellung. 
Dann lässt man die Ellenbogen so weit nach unten klappen, dass die Unterarme vertikal nach 
oben zeigen und der Kopf zwischen ihnen die Wand berührt. Nun drückt man sich wieder 
langsam und kontrolliert (= gleichförmige Bewegung) nach oben. Der Rest des Körpers bleibt 
durchgehend gestreckt. 

Flais: Die Übung ist deutlich schwieriger, als man meinen würde; ich schaffe dabei im Moment 
nur ungefähr gleich viele saubere Wiederholungen am Stück wie bei Handstandliegestützen 
(siehe unten), also ungefähr 20. Das „Problem" ist, das die Trizeps dabei fast die gesamte 
Last übernehmen müssen und nichts auf die anderen Muskelgruppen wie Brust und 
Schultern abwälzen können. 

Einfacher wird's durch eine erhöhte Handstellung, schwieriger durch erhöhte Füße. Echte 
Mutanten können die Übung auch nur mit einem Arm und Haltepunkt unter Kniehöhe sauber 
ausführen. 

Handstandliegestütze (aka HSPU - Hand Stand Push Ups) 

Flais: Ich war glaub ich 13, als ich „Con Air" gesehen habe, in dem Nicolas Cage im 
Gefängnis Handstandliegestütze vor den Gitterstäben ausführte. Mir blieb damals die Luft 
weg. Seither habe ich genug davon gemacht, um sagen zu können, dass die von Mr. Cage 
ziemlich schrottig ausgeführt waren, aber immerhin. 



137 




Klassische Handstandliegestütze - manche sprechen hier auch von Kopfstandliegestütze - vor der Wand. Die 

Beinhaltung ist optional (hier gespreizt für bessere Balance). 

Handstandliegestütze sind eine hervorragende Übung für Trizeps und vor allem die 
Deltamuskeln. Die Ausführung ist theoretisch einfach: man kicke sich einfach ca. 30cm vor 
einer Wand in den Handstand, sodass die Füße die Wand berühren, und fange an zu 
pumpen. Und immer schön mit dem Kopf am Boden angehen. 

Wem die Anleitung nicht reicht, der sollte folgendes versuchen: man baue sich einen ca. 20- 
30 cm hohen Stapel aus soliden Büchern, auf den man zu Komfortzwecken noch ein Kissen 
oder ein zusammengefaltetes Handtuch legen kann. Nun legt man den Kopf da drauf ab un 
geht hoch in einen - erhöhten - Kopfstand (wichtig dabei ist, dass Hände und Kopf ein 
ungefähr gleichseitiges Dreieck bilden. Wem das nicht reicht, sollte head stand googeln, ich 
hab keinen Bock auf eine detaillierte Beschreibung. Die Variante einer Kopfstandpresse hat 
den Vorteil, dass man weniger Platz braucht, um in den Handstand hochzukommen). Nun tritt 
wieder das Federprinzip in Aktion - durch die höhere Muskelkontraktion und den kürzeren 
ROM kann man die HSPU nun ziemlich einfach ausführen. Wenn man bereit dafür ist, 
schrittweise Bücher wegnehmen. Schafft man das Ganze mit 30cm Büchern noch nicht, 
würde ich empfehlen, bis auf weiteres bei konventionellen LS zu bleiben. 



138 



Edit: Diese Varianten der HSPU entspricht NICHT einer Schulterdrückleistung mit 
Körpergewicht - allerhöchstens von zwei Dritteln davon (nochmal Federprinzip - beim 
Schulterdrücken hat man mindestens 20cm mehr ROM, die Arme müssen bei der HSPU nicht 
mitgestemmt werden und das Stabilisieren ist durch die Wand einfacher). Fortgeschrittene 
führen die Übung ohne Wand und auf sogenannten Paralettes - vereinfacht gesagt ein Mini- 
Barren - durch, was das ganze erheblich anspruchsvoller macht. Allerdings ist Gleichgewicht 
ein erheblicher Faktor hierbei, sodass Schulterdrücken die einfachere Version ist. 
Aus verschiedenen Gründen - etwa weil sie schlichtweg cool sind - empfehlen wir, HSPU 
trotzdem in Verbindung mit Schulterdrücken auszuführen, wenn man sich für letzteres als 
Primärübung entscheidet. 




HSPU auf niedrigen Paralettes für vergrößerte ROM. 



139 




140 



Seilklettern 



Es gibt nur einen Ersatz für Kraft: NOCH MEHR KRAFT. 
[Wolfgang Güllich, Kletterlegende] 




Seilklettern - IMHO die vielleicht beste Zugübung überhaupt. 

Hier wurde das 5m lange Kletterseil an ein ca. 1 0m langes, stabiles Gurtband gebunden, letzteres über den 
oberen Querbalken in 5.5m Höhe geworden und fünf Meter weiter in Bodennähe an einem Pfosten festgezurrt. 

Der selbe mobile Set-up eignet sich auch für starke Äste o.a. 

Die logische Weiterführung von Klimmzügen ist Klettern. Am wenigsten technisch und am 
direktesten mit Kraftgewinn verbunden ist das Seilklettern ohne Beineinsatz. Die meisten 
werden es aber erlernen müssen, indem sie das Seil mit den Beinen einklemmen und so 
Gewicht wegnehmen 120 {„rope climbing variations" googeln oder bei youtube suchen, das 

120 Flais: ich habs auf Anhieb ohne Beine besser gekonnt als mit und fühl mich beim mit-Beinen-Klettern immer noch 
etwas hilflos, daher bin ich kaum die Autorität, die ihr diesbezüglich fragen solltet. 



141 



geht schneller als ein mangelhaft bebilderter Erklärungsversuch). 

Kann man Seilklettern, wird das Training in Metern gemessen, die man am Stück zurücklegen 
kann, bis die Form endgültig den Bach runtergeht. Die Mitglieder des russischen Judo- 
Nationalteams mussten beispielsweise 5 Seillängen ä 5 Meter (= 25 Meter rauf, 25 Meter 
runter) am Stück ohne Beineinsatz flüssig klettern können 121 . 

Flais: Seilklettern ist eine meiner allzeitigen Lieblingsübungen. Man braucht dafür wesentlich 
mehr stabilisierende Muskeln als für Klimmzüge (neben Rücken und Bizeps hatte ich nach 
umfangreichen Seiltrainings schon oft genug Muskelkater in Bauch und Trizeps!), die Übung 
kann im Prinzip so schwer gemacht werden wie einarmige Klimmzüge - je nachdem, in wie 
großen Griffabständen und wie kontrolliert man klettert - und die Trainingswirkung für die 
Unterarme ist unbeschreiblich. Und wenn ihr glauben solltet, ihr seid tough - einer meiner 
Ring-Trainer ist in seinen Bundesliga-Zeiten das 6m-Seil fünfzehnmal am Stück geklettert - 
mit im rechten Winkel ausgestreckten Beinen (aka L-sit), was die Ausführung nochmal 
erschwert, weil es das Schwung holen verhindert und spätestens nach ein paar Längen die 
Bauchmuskeln übersäuert. Probiert das mal, wenn ihr Zeit habt ;) 



121 A. Iatskevich, Russian Judo. In: Ippon - Judo Masterclass Techniques. (Bristol 1999) 70. 



142 



Erschwertes Seil klettern im L-Sit. 



Auch für alle anderen Grapplingdisziplinen ist Seilklettern eine Überlegung wert. Im Judo 
gehört diese Übung schon seit den 1980ern mit zum Standardprogramm, mit einigen 
herausragenden Vertretern: Brian Jacks zum Beispiel kletterte gerne an zwei Seilen 
dynamisch (also mit „Sprüngen", bei denen beide Arme gleichzeitig anreißen, loslassen und 
nachfassen) im Inverted Hang, und Shozo Fuji war in der Lage, ein Seil mit einer Hand und 
ohne Beineinsatz zu klettern (was ebenfalls nur in Sprüngen möglich ist) 122 . 
Auch im BJJ gab es jüngst diverse Seilkletter-Fans: Vitor „Shaolin" Ribeiro, oder Fernando 
Margarida, die diese Übung beide täglich nutzten - Margarida angeblich sogar mindestens 
eine Stunde täglich 123 . 

Und wer jetzt anfangen will rumzujammern, er hätte kein Seil, Klappe halten. Für einen 

122 N. Adams / E. Ferrie, Grips. In: N. Soames (Hrsg.), Judo Masterclass Series. (1992) 87. 

123 http://www.bjjee.com/articles/leam-how-to-develop-superior-grip-strength-for-bjj-from-vitor-sh (Stand 
08.07.2014). 

143 



Leistungssportler sollte es in den allermeisten Gegenden kein Problem sein, 2-3x pro Woche 
in eine öffentliche Turnhalle zu kommen. Klappt das nicht, ein Kletterseil-Kit kann im 
Baumarkt selbst zusammengestellt (gut geeignet sind Absperrseile für Geländer o.a.) oder für 
weniger als 100€ gekauft werden (und ihr habt garantiert mehr davon als von einem neuen 
Paar Laufschuhe). Von einem soliden Ast oder einer nicht zu hohen Brücke gehängt - fertig. 
Schlimmstenfalls kann man immer noch an den Ketten von Kinderschaukeln, Drahtseilen aller 
Art (in den beiden Fällen seien Handschuhe und Vorsicht empfohlen) sowie Masten und 
Bäumen aller Art klettern. Auch der Besuch einer Kletterhalle oder der Bau eines 
Campusbrettes wäre eine Option. 




Warum die Ketten sprengen, wenn man sich daran auch nach oben hangeln kann? 
Im Interesse der Sicherheit sind rutschfeste Handschuhe hier allerdings ein Muss. 

PS: Es gibt auch noch ein Spielzeug namens HIRTS (Kostenpunkt 300€ +), im wesentlichen 
ein sehr langer, starker und an einer Wand verankerter Expander mit etwa 70kg maximaler 



144 



Zugkraft, an dem ein Zugseil befestigt wird. Dies soll es ermöglichen, gegen den Widerstand 
zu „klettern" und zu sprinten. Ich habe mit solchen Vorrichtungen experimentiert, und während 
sie durchaus nicht schlecht funktionieren, bilden sie meines Erachtens auch keinen 
vollwertigen Ersatz zu den Ausgangsübungen, nämlich Seilklettern und Hügelsprints. Beim 
Seilklettern ist erstens die Position natürlicher, zweitens ist die Belastung bei Expandern sehr 
schwer abzuschätzen, sodass die Replizierbarkeit nur begrenzt gegeben ist 124 und drittens 
hat man am Kletterseil die ganze Zeit sein volles Gewicht an den Fingern hängen (plus die 
Erregung, dass man sechs oder acht Meter über dem Boden nur an einer Hand hängt; diese 
erhöht meinem subjektiven Empfinden nach den Trainingseffekt noch weiter - Bewegung 
unter Risiko, wie in einem Kampf). Beim klassischen HIRTS dagegen zieht selbst ein 
Mittelgewichtler nur in der Endphase einer Seillänge auch nur annähernd das Äquivalent 
seines Körpergewichtes. Dummerweise ist auch ein stärkerer Expander nicht wirklich die 
Lösung, denn nach eigener Erfahrung reicht bereits ein horizontaler Zug von 70 kg aus, um 
die Kontaktfläche der Schuhsohlen auf den meisten Oberflächen von der Haft- in die 
Gleitreibung übergehen zu lassen (bei einem Körpergewicht von 75-80kg, selbst wenn man 
den Schwerpunkt weit nach hinten und unten verlagert) - der Athlet wird langsam in Richtung 
Haltepunkt geschleift. 

Das HIRTS mag seine Vorteile für Teamtrainings, Anfänger und langes Ausdauertraining 
haben, ich bleibe generell lieber meinen Seilen, Ketten und Hügeln treu. Mit etwas Glück lässt 
sich auch ein Kletterseil an einem Ast am Fuße eines anständig steilen Hügels installieren... 

Pistols & Shrimp Squats / Superman Squats 

Pistols sind einbeinige Kniebeugen, die im letzten Jahrzehnt viel an Popularität gewonnen 
haben. Dabei wird das nicht-arbeitende Bein während der ganzen Durchführung nach vorne 
ausgestreckt; die Arme werden zu Balancezwecken meist ebenfalls weit nach vorne 
gestreckt. 

124 Sie nimmt mit der Spannung des Gummibandes progressiv zu; allerdings nicht linear wie bei einer Stahlfeder, sondern 
in einer wie auch immer gearteten Kurve. Zudem sind Gummibänder anfällig für Ermüdungserscheinungen und 
Umwelteinflüsse = die gleiche Zuglänge heute entspricht in drei Monaten vielleicht einem viel geringeren Zuggewicht. 
100 kg Eisen bleiben dagegen hundert Kilo Eisen (solange man sich nicht vom Planeten Erde entfernt oder in der 
Tiefsee trainiert), und damit basta. 



145 



Der Trainingsweg ist wieder ähnlich wie bei Liegestützen, Klimmzügen und Co: Zunächst 
kann man „halbe" Kniebeugen versuchen (= einbeinig auf Stuhl setzen und aufstehen; dann 
Bücherstapel oder Hocker); sich mit einer Hand an der Wand abzustützen kann auch helfen; 
ebenfalls wird die Ausführung leichter, wenn die Fersen etwas erhöht sind, weil für viele 
Achillessehnen-Flexibilität ein Problem ist. Aus diesem Grund kann ein Keil oder ein etwas 
2.5 cm dickes (nicht zu teures) Buch unter die Ferse gelegt werden. Schuhe mit etwas Absatz 
- etwa Bergschuhe - erleichtern die Sache auch. 

Paradoxerweise wird die freie Ausführung der Übung einfacher, wenn man in den 
ausgestreckten Armen ein kleines Gewicht - etwa fünf Kilo - hält, da dies die Balance 
verbessert. Ab einem bestimmten Punkt wird's naturgemäß aber wieder schwieriger ;-) 
Wer Lust hat, kann auch „rollende" Pistols durchführen: nach einer Vorwärtsrolle einbeinig 
und ohne Hilfe der Hände aufstehen. 




Pistol mit fakultativem Start aus einer halben Rolle. 

Pistols sind eine interessante Übung, aber nicht so schwer, wie man auf den ersten Blick 
glauben möchte. Auch entsprechen sie nicht einer Kniebeuge mit doppeltem Körpergewicht, 
und die Auswirkungen auf den ganzen Körper sind weit weniger dramatisch wie bei den 
klassischen Kniebeugen (die anderen Muskeln wie Rücken etc müssen nicht gegen 
zusätzliche Last arbeiten). 



146 



Flais: Es ist mein subjektiver Eindruck, dass Pistols eine Übung sind, die man mit Vorsicht 
genießen sollte; es kann bei einem zu schnellen Einstieg sowohl zu Überdehnungen der 
Knie- und Knöchelgelenke als auch zu einseitigen Überbelastungen kommen, insbesondere, 
wenn man die Übung etwas schlampig ausführt. Lieber sukzessive über ein paar Wochen ins 
Programm integrieren und das Volumen langsam steigern! 




Hier ein andere, häufig unterbewertete Variante der einbeinigen Kniebeuge, der Superman- oder Shrimp Squat. 

Abgebildet die am einfachsten zu balancierende Version. 



147 



Cossacks 

Was ist denn los mit euch Russen? Früher wart ihr immer voll hart und jetzt habt ihr 

Playstation... und I-Phones! 
[Ein deutscher Bundesligaringer in der vierten Runde Entengang zu einem müden Russen] 




Cossacks, hier Variante mit Drehung des Spielbeins. 



Cossacks sind in etwa „eineinhalb-beinige" Kniebeugen oder tiefe seitliche Ausfallschritte. Für 
die Durchführung stellt man sich sehr breit hin, beugt dann ein Bein - das andere belibt 
gerade zur Seite ausgestreckt - und setzt sich auf diese Ferse, wobei der ganze Fuß am 
Boden bleiben sollte (wieder Achillessehnenflexibilität, eventuell Bergschuhe o.a. anziehen). 
Nun streckt man das Bein - ohne übermäßig hochzugehen: man bewegt sich fast nur 
seitwärts, kaum aufwärts - und setzt sich auf das andere Bein und so weiter. 

Flais: Cossacks sind eine Standardübung unter russischen Kampfsportlern, so etwas wie ein 
Kniebeugenersatz für groß gewachsene Athleten, und ein sehr gutes Training, um unter den 
Schwerpunkt des Gegners zu kommen 125 . Einige Sportler verwenden Kettlebells als 
Zusatzgewicht, zumeist wird die Übung aber ohne Gewicht für hohe Wiederholungszahlen - 
ich habe etwas von bis zu 200 am Stück gehört - ausgeführt. Ist anstrengender, als es 
aussieht! Wichtig ist aber, dass die Ferse wirklich am Boden bleibt. Wer am Anfang einen 

125 Flais: Dies hat auch damit zu tun, dass die russischen Judokas im Schnitt deutlich größer und vor allem langbeiniger 
sind als die Japaner in der selben Gewichtsklasse; daher bevorzugen die Russen und viele Europäer einen sehr breiten 
Stand und Würfe wie Tai Otoshi gegenüber den „klassischen" Judowürfen wie Ippon Seoi-Nage oder den Beinfegern. 
Vergleiche dazu auch N. Sato, Ashiwaza. De-Ashi-Barai, Okuri-Ashi-Barai, Harai-Tsuri-Komi-Ashi, Sasae-Tsuri-Komi- 
Ashi. In: Ippon - Les Maitres du Judo - Les Techniques des Champions. (Paris 1996) 10. Sato bemerkt dort, dass er 
seine Gegner in Japan fast alle mit verschiedenen Beinfegern werfen konnte, im Ausland aber nahezu alle Siege durch 
Tai Otoshi errang, da besagte Feger gegen den sehr breiten Stand der Europäer nahezu nutzlos waren. 
Ich sollte auch anfügen, dass bei mir der Tani Otoshi ebenso wie der Tai Otoshi (für den ich aber im Gegensatz dazu viel 
mehr Uchikomi mache) durch die vielen Cossacks fast zum Instinkt geworden ist. 



148 



Fersenkeil braucht, sollte danach streben, diesen früher oder später zu eliminieren. 

Sehr ähnlich den Pistols und Cossacks ist der sogenannte „Kosakentanz", bei dem man in 
der tiefen Kniebeuge von einem Bein aufs andere hüpft. Leider ist dieser nur bei sehr 
gesunden Knien uneingeschränkt zu empfehlen. 

Ringerbrücke und andere Halsmuskelübungen 

Ifyou want to protect your neck, make it disappear. 
[Ken Leistner] 

+ Dein Hals wird auch langsam dicker als dein Kopf. 
- Soll so sein. 

[Unterhaltung von Flais mit dem weiblichen Covermodel, 07.06.2010] 

Die Ringerbrücke ist nicht nur eine hervorragende Übung für die Halsmuskeln und ein 
wichtiges taktisches Element im Ringen, sondern sorgt auch für Wirbelsäulenflexibilität. Die 
Brücke kann man auf mehrere Arten einnehmen: 

a) man lässt sich aus dem Kopfstand nach vorne fallen, wobei der Kopf am Boden bleibt und 
die Beine auf ca. 90° gebeugt werden; 

b) man legt sich auf den Rücken, beugt die Beine auf ca. 90°, stützt die Hände beidseitig 
neben dem Kopf auf (Fortgeschrittene lassen diese weg) und rollt auf diesem nach oben, 
indem man den Rücken wölbt; in der Endphase sollte die Nase die Matte berühren. 

c) man wandert mit dem dem Rücken zur Wand diese mit den Händen nach unten. 

d) man lässt sich aus dem Stand nach hinten in die Brücke fallen (mit oder ohne Hände). 

Für Anfänger ist Version b) am empfehlenswertesten. Zunächst sollte man an der Dehnung 
arbeiten (mit Händen); später kann man die Hände weglassen und die Brücke auf Zeit halten 
(2-3 Minuten am Stück). Im Anschluss daran sollte man sich daran gewöhnen, sich in der 



149 



Brücke zu bewegen (Kreisen, während der Kopf am Boden bleibt; überspringen nach vorne 
und hinten mit und ohne Hände). Die Profiklasse führt ihre Halteübungen mit einem gleich 
schweren, auf der Brust sitzenden Partner durch oder kreist / springt aus der Brücke, 
während der Partner nach Kräften versucht, festzuhalten bzw. die Brücke „einzubrechen" 126 . 




Klassische Ringerbrücke... 



126 „Ja, wenn die Griffe sitzen und die Ringer schwitzen / und die Brücken fallen ein - fallen ein! / Was kanns im Leben 
Schöneres geben / wir wollen Walser Ringer sein!" [Offizielles Ringerlied des österreichischen AC Wals] ;-) 



150 



Eine weitere, neben Ringern besonders für Muay-Thai-Kämpfer interessante Übung mit 
Partner besteht darin, dass beide Partner sich im ein- oder zweiarmigen Nackenclinch 
erfassen und versuchen, den Kopf des Gegners nach unten zu zwingen. Dies kann sowohl 
als dosierte Kraftübung als auch als Wettkampf ausgeführt werden. Fünf Minuten davon ohne 
andere Gegenwehr und ein Nackenmuskelkater ist fast garantiert ;-) 

Hat man keinen Partner greifbar, ist die Anschaffung von einem „Head Harness" und ein paar 
Gewichten empfehlenswert. Das HH legt man wie eine Mütze über den Kopf, an die 
Gurtenden wird dann ein Gewicht gehängt. Nun beugt man den Oberkörper etwas nach vorn 
und „curlt" die Gewichte allen durch Nackenensatz. 

Man kann das HH auch dafür verwenden, Zusatzgewichte für Klimmzüge anzuhängen (siehe 
oben), oder aber um Kniebeugen durchzuführen, während der Hals das Gewicht isometrisch 
tragen muss (eine Übungsvariante, auf deren Erfindung ich Anspruch erhebe). 




Der Head Harness Squat: Ist das Gesicht nicht verzogen, wars zu wenig Gewicht! (Hier: 60 kg). 



152 



Cardio ohne Geräte 



Did cavemen use weights? Did Hercules or Samson use a gym? Did they take Steroids or 

swallow pills? DID THEY BOLLOCKS! 
[Michael Peterson aka Charlie Bronson 127 ] 



CARDIO? 




128 



Über Cardio kann man geteilter Meinung sein - will man aber welches machen, sollte man überall dazu in der 

Lage sein. 



Wenn ihrs noch nicht gemerkt haben solltet: wir verkaufen hier keine Mitgliedschaften in 
irgendwelchen Studios, und weder ein Geräte- noch ein Nahrungsergänzungsmittelhersteller 



127 C. Bronson / S. Richards, Solitary Fitness. 'You don't need a fancy gym or expensive gear to be as fit as me!' (London 
2007)2. 

128 Bildquelle: http://chaosandpain.blogspot.com (Stand 19.05.2014). 



153 



haben sich bisher bei uns gemeldet, weil sie uns Geld geben wollten (Flais: Obwohl mir mal 
ein Händler gratis Ergänzungsmittel fürs T-Shirt-Tragen angeboten hat, ich hab aus 
moralischen Gründen aber abgelehnt). Folglich können wir euch auch die ungeschminkte 
Wahrheit über ein paar Dinge erzählen: Es ist prinzipiell egal, welche Trainingsmittel ihr wählt 
- wichtig ist, wie ihr sie einsetzt! 

Das trifft auch auf Cardio (zu deutsch: Ausdauertraining) zu. Dass Maschine X alles viel 
besser macht als weiß der Geier was ist Quatsch. Ok, das Ding mag vielleicht ganz nett sein, 
aber was es macht ist, die Denkanstrengung aus dem Training rauszunehmen. Das ist 
vielleicht einfach und in bestimmten Fällen auch angenehm (Flais: als ich mich mal für einen 
Kampf sehr schnell rapide dehydrieren musste, bin ich dafür mit dem Rennrad den selben 
Berg dreimal hintereinander in Schwitzklamotten (= drei Trainingsanzüge übereinander, plus 
Regenhosen, Mütze, Handschuhe und ein Müllsack für den Oberkörper; und das im Mai in 
der prallen Sonne) rauf- und runtergefahren. Beim dritten Mal war ich so am Ende und hab so 
wenig auf die Strecke aufgepasst, dass mich fast ein Auto in einer Ausfahrt erwischt hätte... in 
solchen Fällen ist der Hometrainer vielleicht die bessere Wahl, außer, du willst einen aktiven 
Beitrag gegen die Überbevölkerung leisten), und ein "wertiges" Feeling eines Gerätes kann 
auch eine (meist ziemlich kurze) Zeit lang zum häufigeren Training animieren, aber das wars 
auch schon. 

Nicht vergessen, jeder, der euch was verkaufen will, strebt in der Regel nach Möglichkeit 
nicht danach, dass ihr ihm einmal was zahlt, sondern er will ein Leben lang immer wieder 
Geld von euch! Dies trifft unserer Meinung nach in der Fitnessindustrie ganz besonders zu, 
daher sind viele Produkte und Angebote auch so ausgelegt. 

Wir zeigen euch hier ein paar Möglichkeiten, wie man den Puls und den Kalorienverbrauch 
ganz ohne Schnickschnack hochtreiben kann: 



154 



Burpees 



H 3 



GUE5S WHAT? 

BURPEES 

DON'T 

LIKE 
YOU 

EITHER. 



faEtxHkcomAtmjleini'tiitarttEt 




Pos. 3 Pos. 6 



Der „klassische" Burpee. Anzumerken ist aber, dass häufig Pos. 3 weggelassen wird und Pos. 6 durch ein 
simples Aufstehen ersetzt wird; technisch korrekter wäre dann allerdings die Ansprache als „Squat Thrust". 



155 



Eine Übungskombination aus Kniebeuge und Liegestütz. Flex hasst sie leidenschaftlich, Flais 
weigert sich kategorisch, sie öfter als dreimal pro Woche auszuführen. Was einem das sagen 
soll? Die Übung ist ziemlich anstrengend, wobei manche das für eine Untertreibung halten. 
Beim klassischen Burpee geht man aus dem Stand in die Hocke, springt mit beiden Beinen 
zurück, macht einen Liegestütz und springt sofort wieder mit einem Strecksprung (= explosive 
Kniebeuge, die in einem kurzen Sprung endet) auf. Das wiederholt man dann beliebig oft. 
Beliebt sind z.B. 100 Wiederholungen auf Zeit (Pause, wenn und so oft man muss, aber 100 
Wiederholungen sind Pflicht und die Zeit wird gestoppt; dies eignet sich gut am Anfang eines 
längeren Trainings - zur Vor-Ermüdung - oder am Ende als anstrengender „Finisher"). Häufig 
liest man auch von umgekehrte Leitern mit kurzen Geh- oder Laufpausen zwischen den 
einzelnen Sätzen, z.B. 15-1 4-1 3.. .3-2-1. Versucht mal 30-29-28.. .3-2-1, wenn ihr euch richtig 
tough fühlt ;-) 129 . 

Ein weiteres interessantes Burpee-Workout ist das „Deck of Death" (beschrieben gegen Ende 
des Kapitels „Der Zirkelschluss"). 

Hinzuzufügen ist, dass man die Burpees auch ohne Liegestütze (also mit durchgehend 
gestreckten Armen) durchführen kann - diese Übung wird je nach Quelle ebenfalls als 
Burpee (in den Guiness World Records) oder gängiger als Squat Thrust, gelegentlich auch 
als SprawP 30 bezeichnet; daneben gibt es noch den sogenannten Burp der nur den Liegestütz 
und das nach-vorne-Springen der Beine zwischen die Hände umfasst. So kann man beide 

129 In zumindest einem bestimmten amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis, in dem Hanteln aus Sicherheitsgründen 
verboten waren, sollen Burpees in diesen Wiederholungsschemata als Indikator für Mannbarkeit verwendet werden: erst 
jemand, der innerhalb einer halben Stunde (auf die der Ausgang und somit die Trainingszeit begrenzt ist) 20-19... 
durchführen kann, gilt als Mann, jemand mit einem Trainingspensum von 25-24... als ernst zu nehmen, jemand mit einer 
Leistung von 30-29... schließlich als beinharter Kerl. Freundlicher Hinweis Ken Andes, Rutgers University 
(" http://strengthvillain.com/forum/viewtopic. php?f=9&t=2233 . Stand 17.04.2014). Anzumerken ist, dass die 
Gesamtwiederholungen mit jedem Satz astronomisch ansteigen: 10-9... sind noch „zahme" 55 Gesamtwiederholungen, 
15-14... bereits 120, 20-19... ergeben 210, 25-24... schon 325 und 30-29... gar 465 Wiederholungen. Das entspricht 15.5 
Burpees für jede der (angestrebten) 30 Minuten-Endzeit. 

Zu bemerken ist noch, dass es den Burpee (dessen Erfindung im Westen auf einen Mr. Burpee zurückgeführt wird 
http://en.wikipedia.org/wiki/Burpee_%28exercise%29 [Stand 17.04.2014]) in Abwandlung schon ziemlich lange gibt - 
unter indischen Ringern besser als Dand-Bethak bekannt, ist die Kombination aus Squat Thrust und Hindu-Liegestütz 
(allerdings hier mit enger Beinstellung) schon ewig ein Klassiker in deren Training (Quellen: J. S. Alter, The Wrestler's 
Body. Identity and Ideology in North India. [Berkely 1992] 87-89; weiters die Videoserie Kushti - The Physical Body 
Vol. 1+2 von V. Giordano). 

130 Der Sprawl ist die klassische Beinangriff- Ab wehr im freien Ringkampf, jedoch ist er nicht 1:1 identisch mit dem Squat 
Thrust, da es beim Sprawlen vor allem wichtig ist, mit der Hüfte Druck nach vorne-unten auf Kopf und Oberkörper des 
Gegners auszuüben, um dessen Vorwärts- und Aufwärtsbewegung zu stoppen. Es gibt verschiedene Varianten je nach 
Ausgangsstellung und Angriffsart / -Winkel. Außerdem hat jeder Ringer seine eigenen Sprawling- Vorlieben, um Leute 
unangespitzt in den Boden zu rammen. 



156 



Elemente getrennt trainieren und so auf eine bessere Burpee-Leistung hinarbeiten. 






Pos. 4 Pos. 1+6 

„Indischer" Burpee, beliebt bei den dortigen Ringern. Vom Bewegungsablauf näher an einem echten Sprawl. 

Edit: an dieser Stelle sollte klargestellt werden, dass es verschiedene Arten des anaeroben 
Trainings gibt - zum einen kann ein Training zu einer lokalen Übersäuerung führen (z.B. 
Kniebeugen ohne Zusatzgewicht), aber das Herzkreislauf-System nur sehr begrenzt fordern, 
zum anderen kann ein Training aber auch zu Übersäuerungserscheinungen führen UND den 
Kreislauf durch die Decke gehen lassen (Burpees, wenn man genug davon macht). Was 
schließen wir daraus? Während Kniebeugen (mit oder ohne Zusatzgewicht) durchaus die 
Lauf- und Burpeeleistungen beeinflussen können, kann man sie doch nicht als Ersatz für ein 
Herzkreislauftraining heranziehen, sie verdienen folglich das Prädikat „Cardio" nicht wirklich; 
Burpees dagegen sind zwar ein anaerobes Trainingsmittel, können aber auch zumindest 
zeitweise als Ersatz für längere Läufe verwendet werden, weil sie - ähnlich wie Sprints in 
hinreichenden Mengen - den Kreislauf auch mittrainieren 131 . 

131 Siehe dazu auch die Kommentare von Tony Cecchine hier: http://kbforum.dragondoor.com/kettlebells-strength- 

158 



Sprints 



Always be fast - you never know what's afteryou. 
[Terry Pratchett] 




Stadiontreppen sprinten - eine traditionelle Übung bei amerikanischen Ringern. 



Das sollte jetzt technisch gesehen echt nicht schwierig sein, oder? Man führt eine dem 
Leistungsstand angemessene Anzahl und Länge von Sprints durch, kurze Pausen werden 
empfohlen (= Intervalltraining). Fortgeschrittene machen das gern an Treppen oder 
Steigungen (Aufwärts- bzw. Bergsprints) und gelegentlich auch - wie schon im Kapitel über 
Kniebeugenalternativen angesprochen - mit Zusatzgewicht in Form eines Sandsacks oder 
Trainingspartners 132 . 

Wir betrachten Sprints eher als eine Art der Übungsausführung, weniger als spezifische 
Übung. Daher kann man diese z.B. auch am Crosstrainer oder dem Heimfahrrad machen, 

conditioning-forum/301 9 1 -hindu-squats-success-stories.html ; diese decken sich mit den diesbezüglichen Erfahrungen 
des Verfassers. 

132 Es soll allerdings erwähnt werden, dass diese Übung gelegentlich als recht gefährlich im Sinne von verletzungsträchtig 
bezeichnet wurde - manchmal sogar als Kombination zweier gefährlicher Übungen, nämlich von Laufen auf Stiegen 
und Laufen mit Zusatzgewicht und zudem veraltet verunglimpft (z.B. N. Adams / C. Carter, Olympic Judo - Preparation 
Training. [London 1988] 78.). Dies hinderte aber Spitzenathleten jüngerer Zeit - etwa Kurt Angle vor dem Gewinn 
seiner Goldmedaille in Atlanta 1996 (Quelle: K. Angle, It's True, It's True! [New York 2002] 72-76.) oder die Ringer der 
University of Iowa unter dem legendären Coach Dan Gable und seinen Nachfolgern (Quelle: M. Furey, Combat 
Conditioning. Functional Exercises for Fitness and Combat Sports. [Tampa 2000] 114; D. Gable / JA. Petersen, 
Conditioning for Wrestling: The Iowa Way. (West Point 1980), 28-29, 104.)- diese Übung regelmäßig bis täglich in ihr 
Programm zu integrieren. Wir bleiben mehr oder weniger neutral und konstatieren: sie ist hardcore. Punkt. 



159 



sogar Sprints in Übungen wie Liegestützen o.ä sind denkbar. Zu näheren Einzelheiten siehe 
das Kapitel zu Intervalltraining. 

Animal Movements 

Under carefully controlled expehmental circumstances, an animal will behave as it damned 

well pleases. 
[Harvard Law of Animal Behavior] 




Auch eine Art, Stiegen zu steigen... 



Nein, wir reden hier nicht von etwas, das ihr im Bett machen könnt (tsss, was ihr schon 
wieder denkt...). Es geht hier vielmehr darum, sich auf verschiedene Arten fortzubewegen, für 
die der menschliche Organismus nicht ideal ausgelegt ist - diese sind sozusagen ineffizienter 
und verbrauchen daher mehr Energie. Am effizientesten ist bei unserer Anatomie der 
aufrechte Gang, daher hat er sich auch evolutionär durchgesetzt (oder unsere Vorfahren 
fanden das cool - was auch immer). 



160 



Ein paar Beispiele für Animal Movements (die Begriffe werden oft verschieden verwendet; 
das spielt aber primär kaum eine Rolle, solange ihr die angegebenen Übungen richtig macht!) 
findet ihr in dem Pdf-Link in der Literaturliste. 



Es sollte aber noch erwähnt werden, dass man Animal Movements super in ein 
Aufwärmprogramm oder auch in ein Roadwork-Training integrieren kann. 

Seilspringen 

Get yourself in the very best shape possible, because your Opponent is a tough guy too. 

[Steve Baccari] 



nicht nur bei Boxern. 

Flais: Im Kampfsport ist das Springseil aus mehreren Gründen populär. Es zwingt den 
Athlethen dazu, einige Grundsätze zu automatisieren, die er gerade beim Boxen ständig 
berücksichtigen sollte - Gewicht auf den Fußballen lassen, sich immer mit (leicht) gebeugten 




Buddy Lee, Ex-Ringer und Seilspring-Schutzheiliger. 



Streng genommen keine reine BWE-Übung, schließlich braucht man ein Seil dazu, aber was 
solls. Seilspringen hat eine lange Geschichte als einfaches, effektives Cardiotraining, und das 



161 



Knien bewegen, die Fähigkeit, die Balance zu jedem Zeitpunkt und in Koordination mit den 
Armbewegungen zu verlagern und schließlich die Gewohnheit, die Arme oben zu halten und 
dabei gerade genug Spannung aufzubauen, dass das Seil nicht wegfliegt, aber nicht so viel, 
dass die Reflexe verlangsamt oder die Griffkraft schnell erschöpft würden. Gleichzeitig muss 
der Sportler aber auch mitdenken, ganz besonders dann, wenn er die Springart oft wechselt. 
Und schließlich ist Seilspringen wirklich ziemlich anstrengend (auch wenn die Studien der 
Hersteller meiner Meinung nach ziemlich überzogen sind, aber welche Studie ist das nicht), 
und das in größerem Maße für den ganzen Körper als Laufen oder Radfahren unter normalen 
Bedingungen (also nicht Steigungen im harten Gang rauffahren). 

Wenn man das Seilspringen konsequent betreiben möchte, sollte man sich vermutlich ein 
eigenes zulegen, da die Seile in Studios selten von Länge, Gewicht etc den eigenen 
Vorlieben entsprechen. Beim Kauf gibt es so viele verschiedene Modelle aus diversen 
Materialien, dass einem schwindlig werden kann. Meines Erachtens ist die Beschaffenheit 
des Seiles wichtiger als die Griffe bzw die Lagerung. Es sollte gerade so steif sein, dass man 
es aufrollen kann, aber nicht so biegsam, dass man es problemlos falten kann (ein Sprungseil 
sollte man ohnehin nicht falten; wenn das Seil schon gefaltet verkauft wird, hat es fast 
garantiert Knicke, die man kaum noch rauskriegt 133 ). Als Material würde ich Anfängern ein 
relativ dünnes und leichtes, wenn auch nicht ultraleichtes Seil aus PVC empfehlen, sofern es 
steif genug ist. Es kann bei Bedarf schnell genug gedreht werden, um Triple Unders (= ein 
Sprung bei drei Seilumdrehungen) durchzuführen, ist unempfindlich, sofern man nicht grad 
auf den rauesten Böden springt (hier kann es sich als vorteilhaft erweisen, die Mitte des Seils 
mit Tape zu umwickeln) und dabei noch sehr erschwinglich. 



133 Unbestätigten Angaben kann man die Knicke bei PVC-Seilen beseitigen, indem man sie kurz in heißes Wasser legt 
(genau wie beim Anpassen von preisgünstigen Box-Zahnschützern) und bei Lederseilen, indem man sie in kaltes Wasser 
legt und danach aufgehängt trocknen lässt. Wie gesagt, unbestätigte Angaben - kocht gefälligst nicht euer nagelneues, 
teures Springseil und gebt danach mir die Schuld. 

162 




Verschiedene PVC-Springseile (v.l.n.r): Lifeline Speedrope, Twins Sr-1 mit Ersatzschlauch aus dem Baumarkt, 
Liquorice Rope mit Ersatzgriffen aus Tape. Zu bemerken auch die Tape-Umwicklung der Seilmitte bei den beiden 

rechten Exemplaren, die den Verschleiß minimieren soll. 



Von da aus kann man dann andere Seiltypen erforschen, wenn man will - Leder und Stahl 
sind beide für Arme und Schultern anstrengender, da schwerer und / oder mehr 
Luftwiderstand, meist aber auch langsamer => weniger Schnelligkeitstraining, längere 
Seilgriffe können dagegen bei Tricksprüngen helfen, sind aber meist auch bruchanfälliger. Die 
meisten Experten empfehlen inzwischen allerdings, zumindest gelegentlich auch ein leichtes 
Allround-Seil aus PVC mit kurzen Griffen zu verwenden, von da her liegt man damit anfangs 
sicher nicht falsch. 

Ein gutes Seil sollte längenverstellbar sein, also auf die gewünschte Länge gekürzt werden 
können (da man es dafür abschneidet, kriegt man es nicht mehr länger). In der Regel wird 
empfohlen, sich mit einem Fuß auf das Seil zu stellen und es körpernah hochzuziehen; dabei 
sollte das obere Ende der Griffe je nach Grifflänge die Achselhöhle oder Schultern erreichen. 
Fortgeschrittene mögen ihre Seile meist etwas kürzer (Brust oder knapp darunter), da sich 
kürzere Seile etwas schneller drehen lassen. 

Grundlegende Seilspring-Techniken und Trainingspläne finden sich in der entsprechenden 
Sektion der Literaturliste (einiges gratis online abrufbar). Nur vorab: ein mittelfristiges Ziel ist, 
500 Sprünge in Folge bei 150+ Umdrehungen pro Minute zu schaffen, indem man 
abwechselnd mit beiden Füßen und nur einem (= auf der Stelle laufen) springt; ab da kann 
man auf Zeit arbeiten und verschiedene Sprungtechniken einbauen. 

163 



Edit: Häufig tritt die Frage auf, wie man denn bitteschön draußen Seilspringen soll - im Gras 
klappts mäßig, Asphalt verschleißt die Seile zu schnell (und, wenn die Temperatur im Bereich 
des Gefrierpunktes liegt, kann selbst ein dickes PVC-Seil beim Auftreffen darauf splittern! 
Kaum zu glauben, ist mir jedoch mal nachts am Bahnhof passiert, als ich mir die einstündige 
Wartezeit auf den Zug mit Seilspringen vertreiben wollte). Die Antwort lautet: Parkbänke. 
Oder genauer gesagt Parktische. Daraufspringt es sich ganz vorzüglich, und wenn man sich 
erstmal dran gewöhnt hat, einen Meter über dem Boden zu springen, kann man die Aussicht 
genießen. Wir raten allerdings dazu, den Park am frühen Morgen aufzusuchen, dann muss 
man sich nicht mit alten Omas 134 und Mamis mit Kleinkindern um den Tisch kloppen. 



Zum Abschluss dieses Kapitels würden wir noch gern zwei Programme anfügen. Das erste 
stammt noch mindestens aus den 1960ern, wurde aber von Matt Furey in den 1990ern 
wieder aufgegriffen 135 : 

Zunächst springt man 1 Minute lang (immer bei schnellem Tempo - min. 150 Umdrehungen 
pro Minute), dann 30 sek Pause, dann 2 Minuten springen, eine Minute Pause, 3 Minuten 
springen, eine Minute Pause, zwei Minuten springen, 30 sek Pause, eine Minute springen. 
Dieses Training eignet sich auch gut als Aufwärmprogramm und ist unserer Meinung nach auf 
die Verwendung eines schweren Springseils ausgelegt. 



Im Gegensatz dazu sollte man für das Programm von Ring-Weltmeister (im Griechisch- 
Römisch) Dennis Hall ein leichtes Springseil verwenden, da hier einerseits Wert auf 
Geschwindigkeit gelegt wird - Hall empfiehlt dieses Training speziell für Ringer, deren 
Beinarbeit schneller werden sollte - und andererseits nicht weniger als zehn Minuten am 
Stück gesprungen wird 136 . Man kann es entweder 3x pro Woche im Zuge des Kraft- und 



134 Wer glaubt, dass alte Omas keine ernst zu nehmenden Gegner sein können, dem sei die Lektüre des Beitrags von Pete 
Kautz, „Grandma Chin-Jab - the Laundromat Encounter" empfohlen: http://alliancemartialarts.com/don.htm (Stand 
13.07.2014). 

135 W. Klug, Freier Ringkampf. Ein Handbuch für Trainer und Übungsleiter (Frankfurt am Main 1967) 21-22; M. Furey, 
Combat Conditioning. Functional Exercises for Fitness and Combat Sports (Tampa 2000) 112. 

136 D. Hall, Dennis Hall's 10 Minute Jump Rope Program for Conditioning. (Pdf-Download, ca. 2012). 

Eventuell sollte zuerst darauf hingearbeitet werden, überhaupt zehn Minuten am Stück bei recht zügigem Tempo 
Seilspringen zu können; J. Jesse empfiehlt in seiner Wrestling Physical Conditioning Encyclopedia (Pasadena 1974) [S. 
282], zunächst mit bei relativ langsamen Tempo - 125 Umdrehungen pro Minute - und einminütigen Intervallen (mit je 
einer Minute Pause) zu beginnen, diese dann schrittweise auf je 1:30 Minuten zu verlängern, anschließend wieder auf 
nur drei Intervalle (zwei Minuten Dauer bei 130 Umdrehungen pro Minute, 30 Sekunden Pause) zurückzugehen, dann 
die Anzahl dieser Intervalle bei gleichbleibender Pausendauer auf zwölf zu erhöhen; und in der letzten Trainingsphase in 
jedem Training 10 Minuten am Stück zu springen, beginnend mit einem moderaten Tempo (125 Umdrehungen pro 



164 



Konditionstrainings durchführen, oder aber jeweils am Ende der Mattentrainings als Finisher. 
Für das Training springt man: 

- 2 Minuten locker 

- 2 Minuten jeweils 15 Sekunden abwechselnd schnell und locker, 

- 2 Minuten jeweils 30 / 30 Sekunden schnell und locker 

- 2 Minuten lang 45 Sekunden schnell / 15 locker 

- 1 Minute schnell 

- 1 Minute locker 

Abschließend bemerken sollte man, dass es gerade bei diesem Programm nicht ganz einfach 
sein kann, die Zeit zu stoppen (außer, man hat einen Partner zur Hand); in diesem Fall sollte 
man überschlagsmäßig die Wiederholungen zählen, die man jeweils mit schnellem oder 
langsamen Springen schafft, und diese Werte dann hin und wieder mit einem Timer 
überprüfen. 

Verschiedene Sprünge 

It will seem difficult at first, but everything is difficult at first. 
[Miyamoto Musashi] 




Minute) und in den folgenden drei Wochen nur das Tempo sukzessive zu steigern (auf 155 Umdrehungen pro Minute). 



165 



Es geht auch noch mehr Low-Tech als Seilspringen. Diverse Sprungübungen ohne Seil 
können mindestens ebenso gut sein, und auch wenn der Koordinationsfaktor etwas geringer 
sein mag, die Anforderungen an die Beinmuskeln sind noch größer. Springen kann man auf 
Höhe, Weite und Ausdauer, und man könnte locker ein Buch alleine mit Varianten davon 
füllen. 

Einen guten und vielseitigen Anfang bietet allerdings der sogenannte Dot Drill, der ein 
bisschen so aussieht wie die alten Hüpfspiele vom Schulhof, allerdings von der Intensität her 
nicht zu unterschätzen ist. Der Drill kann als Test auf Zeit durchgeführt werden oder auch in 
verschiedenen Varianten - verkürzt, verlängert, mit Zusatzgewichten oder was auch immer - 
ins Training eingebaut werden. Dabei werden alle Varianten der horizontalen 
Sprungbewegung abgedeckt, sowohl mit einem als auch mit zwei Beinen 137 . 

Andere produktive Varianten sind etwa: jumping the Square - man springt wortwörtlich im 
Quadrat, wobei man immer in die selbe Richtung (auf die gleiche Wand) blickt; zunächst nach 
vorn, dann nach links, dann zurück, dann nach rechts; empfohlen werden Sprungweiten von 
je 4 Fuß -, im W springen - ähnlich wie beim obenstehenden Drill springt man zunächst 3-4 
Fuß seitlich und rückwärts nach rechts, dann die selbe Distanz nach vorn, und wiederholt 
jeden Sprung noch einmal; anschließend wird das W auf dem gleichen Weg 
zurückgesprungen -, oder simples vor- und zurückspringen, wobei wieder etwa 4 Fuß als 
Sprungweite empfohlen wird; zudem können bei dieser Variante ganze und halbe Drehungen 
im Sprung eingebaut werden 138 . 

Nicht unerwähnt bleiben sollten auch Kastensprünge. Diese kann man an hohen Kästen 
(1.00-1 .50m) ausführen, dann eignen sie sich aber in erster Linie als reine Explosivitätsübung 
(da man sich zu nahe an seinem Maximum bewegt, als dass man diese Leistung lange halten 
könnte), aber auch ein Kasten mit 30-50cm Höhe kann ein hilfreiches Trainingsmittel sein - 
stabile Parkbänke sind geradezu ideal. In der hier vorgestellten Variante beginnt man oben 
auf dem Kasten stehend, springt rückwärts herunter und sofort wieder hinauf, wobei man 

137 Kostenlose Anleitung sowei Test- und Bewertungsinfos siehe http://www.biggerfasterstronger.com/uploads/Dot 
%20Drill%20Info.pdf . 

138 Nach J. Jesse, Wrestling Physical Conditioning Encyclopedia (Pasadena 1974) 284. 



166 



versucht, die Kontaktzeiten zu minimieren. Diese einfache plyometrische Übung wird ziemlich 
schnell anaerob anstrengend - eine Minute ist bereits ziemlich happig! Übrigens, wenn 
währenddessen gerastet werden muss, dann sollte man dies oben auf dem Kasten tun, sonst 
verliert man den plyometrischen Effekt. 

Flais: Es sollte erwähnt werden, dass manchmal die Explosivitätsarbeit auch ohne Gewichte 
unerwartete Effekte haben kann: ein ehemaliger Trainingspartner von mir konnte durch 
einige hundert Sprünge pro Tag innerhalb von zwei Wochen seinen Rekord im Umsetzen um 
fast zehn Kilo steigern, ohne dass er diese Übung in der Zeit trainiert hätte (von 112 auf 120 
kg, und das im zarten Alter von 50 Jahren). Das ist meines Erachtens allerdings wieder ein 
Fall der Kirschen-Sahne-Parabel: in diesem Fall fehlte dem guten Mann einfach etwas 
Explosivität (Kirschen), genug Kraft (Sahne) hatte er schon. Jemand ohne ausreichend Kraft 
kann sein Lebtag lang herumhüpfen, so viel er will, aber er wird deswegen ganz sicher keine 
120kg umsetzen! 

Step ups 

Verwandt mit den oben beschriebenen Kastensprüngen, aber selbst keine Sprünge im 
herkömmlichen Sinne sind Step-ups nach Art des Harvard Step tests. Dies ist eine häufig 
unterschätzte Übung, die jedoch von diversen namhaften Trainern mit hohem Lob bedacht 
wird 139 . 

Beim klassischen Harvard Step Test wird eine etwa 45cm hohe Bank benötigt, auf die man 
abwechselnd hoch und runtersteigt (rechter Fuß hoch, linker Fuß hoch, rechter Fuß runter, 
linker Fuß runter und umgekehrt) und das 30 Wiederholungen pro Minute, nach denen die 
Erholungsfähigkeit über den Puls gemessen wird; zu Trainingszwecken kann man natürlich 
die Dauer und Schrittgeschwindigkeit variieren. Ohne Zusatzgewichte werden 
Schrittgeschwindigkeiten von 30-45x hoch und runter pro Minute empfohlen - was einen Puls 
von mindestens 150 ermöglichen sollte -, mit einer Dauer von bis zu 15 Minuten am Stück 140 . 

139 So z.B. von K.E. Leistner, Life in the Loft - Judo and Squats. In: Milo 1998, Vol. 6 No. 3 (Nevada City 1998) 100; oder 
Johnny Grube ( http://www.wildmantraining.com/bodyweight-training-step-ups-are-the-working-mans-exercise/ [Stand 
07.05.2014]). 

140 Nach J. Jesse, Wrestling Physical Conditioning Encyclopedia. (Pasadena 1974) 280-281. 



167 



Mit Gewichten kann man natürlich noch zusätzliche Reize setzen, wobei die 
Schrittgeschwindigkeit pro Minute ebenso wie die mögliche Dauer bei steigendem Gewicht 
naturgemäß sinken wird. Als Gewichte haben sich hierbei Kurzhanteln bewährt, die bei 
hängenden Armen seitlich neben den Hüften - was naturgemäß auch die Unterarme 
mittrainiert - oder auch umgesetzt auf den Schultern gehalten werden können. 
Es ist zu bemerken, dass das Steigen von Stadiontreppen mit Gewichten in den Händen eine 
der Lieblingsübungen des legendären Hawkeye Wrestling Teams der University of Iowa ist 141 . 
John Jesse empfiehlt hierbei folgende Abstufung als Richtlinie: 

- Dauer 5 Minuten (durchgehend): 7-9 kg Kurzhanteln 

- Dauer 4 Minuten (durchgehend): 12-14kg Kurzhanteln 

- Dauer 3 Minuten (durchgehend): 16-18kg Kurzhanteln 

- Dauer 2 Minuten (durchgehend): 22-25kg Kurzhanteln 

- Dauer 1 Minute (durchgehend): 30-36kg Kurzhanteln 142 



141 D. Gable / J. A. Peterson, Conditioning for Wrestling: The Iowa Way. (West Point 1980) 28-29, 104; 104-105. M. 
Furey, Combat Conditioning. (Tampa 2000) 114. S.a. http://www.youtube.com/watch?v=guOb9KX0wBw (Stand 
01.07.2014). 

142 Nach J. Jesse, Wrestling Physical Conditioning Encyclopedia. (Pasadena 1974) 289-290. 

168 



Step ups mit 2x32kg Kettlebells. 



Edit: Wer sich für kurze, knackige Kraftausdauer-Trainings mit Körpergewicht interessiert, 
dem sei „Ultimate Physical Fitness in 5 Minutes - 100 of the Worlds Shortest, Most Intense 
Bodyweight Workouts Ever Known To Man!" von dem mehrfachen Guiness-Weltrekordhalter 
Johnny Grube empfohlen. Grube beschränkt sich dabei auf die Varianten von 8-10 
Grundübungen, die zu Trainings von 5 bis etwa 25 Minuten Dauer (jep, der Titel ist großteils 
Marketing) kombininiert werden. Vor allem aufgrund der großen Vielfalt an Beispielstrainings 
empfehlenswert. 

Wer befinden sollte, dass Cardio mit Körpergewicht zu einfach ist, dem können wir nur 
empfehlen, einige von Grubes Trainings auszuprobieren. Versucht mal nacheinander in 
jeweils fünf Minuten 300 Liegestützen, 100 Squat Thrusts und 500 Sprünge mit dem 
Springseil zu absolvieren. Viel Spaß ;) 



169 



Trainingsplanung 101: (un)bekannte Trainingspläne 

No plan survives contact with the enemy, but no one without a plan survives contact with the 

enemy either! 
[Pavel Tsatsouline] 

Wir haben hier eine Reihe an Trainingsplänen (oder besser: Grundlagen zur Erstellung von 
Trainingsplänen) aufgelistet, aus denen ihr euch die Wiederholungsschemata raussuchen 
könnt, die am besten zu eueren Zielen passen. Im Kapitel "Trainingsprogrammierung" haben 
wir auch zusätzlich vier Beispielstrainingspläne für euch erstellt. 

Wichtig ist, hier noch auf die Begriffe Set/Satz/Serie, rep/Wiederholung und 1RM 
hinzuweisen, die einerseits allgemein gebräuchlich sind und uns andererseits das Erklären 
hier deutlich erleichtern. 

Ein "Satz" ist eine Gruppe von Wiederholungen bis zur nächsten Pause; eine Wiederholung 
ist die komplette einmalige Durchführung einer Übung (Beispiel Liegestütze: Ausgang mit 
gestreckten Armen, dann beugen, bis die Brust am Boden angeht, dann wieder hoch bis zur 
Streckung = eine Wiederholung. Führt man nun 15 davon am Stück durch, ist das ein Satz 
mit 15 Wiederholungen; wiederholt man das nach je 2 Minuten Pause dann noch zweimal, 
hat man 3 Sätze / Serien / Sets ä 15 WH / "reps" durchgeführt oder kurz 3x15 [die Sätze 
werden so gut wie immer zuerst genannt]). 

1RM ("one repetition maximum") bedeutet dagegen das höchste Gewicht, das ein Sportler in 
einer Übung für eine einzelne Wiederholung bewegen kann - die dadurch automatisch ein 
Satz wird -, also 100% seiner spezifischen Maximalkraft. Folgerichtig ist ein 5RM das 
Maximum für 5 Wiederholungen, 10RM das für 10 usw. 

Für Sportler gilt, dass die Kraftraum-Trainingspläne ihren "normalen" Trainingsplänen folgen 
sollten. Sprecht euch zumindest in Grundzügen mit eurem Trainer ab, ob / welches 
Krafttraining ihr wann machen sollt, und haltet euch auch an die allgemeinen Saisonziele 
(viele Sportarten trainieren zum Beispiel nach Ende der Wettkampfsaison erstmal Ausdauer, 
dann Kraft und schließlich Schnellkraft oder Kraftausdauer oder so ähnlich). Im Zweifelsfall 



170 



haltet euch daran, was der Trainer sagt, schließlich wollt ihr ja nicht gegeneinander arbeiten - 
sowas ist kontraproduktiv. Wenn einer allerdings seine Meinung nicht begründen kann oder 
will würden wir euch raten, den Trainer zu wechseln, bevor ihr "heimlich" was ausprobiert 143 . 

Flais: Über den Sinn und Unsinn des Krafttrainings für Sportler haben wir ja schon 
gesprochen (s. "Gewichtstraining macht langsam!"). In den meisten Sportarten kann es eine 
sinnvolle Ergänzung des Trainings darstellen - vereinfacht gesagt ein Beitrag zu dem Ziel 
eines jeden Sportlers, das einer meiner Trainer mal formuliert hat: Mach deine Stärken 
stärker und deine Schwächen weniger schwach! In diesem Sinne, wenn Kraft, Ausdauer, oder 
Schnelligkeit dein Problem sind, oder manche Muskelgruppen deutlich verletzungsträchtiger 
als andere, verwende im Kraftraum ein bisschen extra Zeit darauf (wieder in Anbetracht der 
allgemeinen Saisonziele, blablabla). Die Betonung liegt auf ein bisschen, zumindest für 
Anfänger. Eine halbe Stunde bis vierzig Minuten 2-3x die Woche ist das, was für Anfänger 
empfohlen wird, und in der Regel reicht das auch aus, um Resultate zu erzielen. In manchen 
Sportarten trainieren die Profis bis zu 24 Einheiten pro Woche, davon bis zu zwölf im 
Kraftraum (eine Ausnahme sind die Gewichtheber, die praktisch nur im Kraftraum trainieren, 
im Extremfall zeitweise bis zu 8 Mini-Trainings pro Tag [!]). Allerdings solltet ihr euch gesagt 
sein lassen, dass man sich die Erholungsfähigkeit für so viele Einheiten bei hoher Intensität 
erst langsam erarbeiten muss, und mancher wird vielleicht Zeit Lebens besser damit fahren, 
wenn er nicht täglich trainiert. 

Als Faustregel könnte man sagen, trainiere immer so, dass du besser wirst - wenn das nicht 
der Fall sein sollte, mal innehalten und schauen woran das liegt (zu viel, zu wenig, zu 
einseitig, zu unmotiviert...). 

Bottom line: die Anzahl der maximal möglichen Einheiten hängt von der Erholungsfähigkeit 
ab, die wiederum mit der allgemeinen Lebensführung zu tun hat. In Zeiten besonderer 

143 Flais: Eine der Lektionen, die ich im Sport gelernt habe, ist „Don't be a big fish in a small pond." Wenn ihr das Gefühl 
haben solltet, dass ihr über euren Verein / Trainer hinausgewachsen seid (umgekehrt kann das geforderte Niveau 
natürlich auch zu hoch sein; in beiden Fällen hilft es, ehrlich zu sich zu sein) oder ihr aus anderen Gründen beim besten 
Willen nicht mehr miteinander könnt, tut ihr vermutlich allen Beteiligten einen Gefallen damit, wenn ihr geht / wechselt. 
Ich stelle mich hiermit vielleicht ins Abseits, aber weder Sympathie noch der Ruf des Trainers oder der Trainingspartner 
sollten der einzige Grund bei der Auswahl eines Vereins sein. Mein Rat ist, dahin zu gehen, wo ihr die besten 
Möglichkeiten habt. Tut ihr das nicht, dann haltet wenigstens die Klappe und labert anderen nicht die Ohren voll damit, 
wie furchtbar alles ist. Überzeugt zu sein davon, das Richtige zu tun, ist meines Erachtens von großer Wichtigkeit. 
Sobald ein Gefühl der Halbherzigkeit aufkommt, würde ich innehalten und mich fragen, ob / warum ich das alles noch 
wirklich will. 



171 



Belastung (Wettkampf-phasen etc) lieber unter- als übertrainieren. 
Also, without further ado, hierein paar der gängigsten Schemata: 

3x10 (oder: 3x8 bis 15) 
Man führt drei Sätze mit je zehn Wiederholungen pro Übung nach einem allgemeinen 
Aufwärmen durch, Belastung ca. 65-80% des 1 RM. Nach einer Variante beginnt man im 
ersten Training mit einem neuen (= höheren) Gewicht mit 3x8 Wiederholungen und behält 
dann das Gewicht so lange bei, bis man 3x15 damit durchführen kann. Dann 2-1 0kg 
draufpacken und von vorne anfangen. Dies nennt man eine „doppelte Progression" (mehr 
Gewicht + mehr Wiederholungen) und macht eine der Stärken dieses Programmes aus. 
Hinweis: bis heute beliebtes, klassisches Bodybuilder-Masseprogramm, Maximalkraft und 
Ausdauer nehmen beide nur stark begrenzt zu dabei. Wenn Masse gewünscht, Essen nicht 
vergessen! 

PS: nicht zu viele Übungen nehmen, sonst sinkt unserer Meinung nach der Sinn des Ganzen. 
Also zum Beispiel Kniebeugen, Kreuzheben, Military Press, Klimmzüge, Dips und vielleicht 
noch Curls und die Sache sollte gegessen sein. 

5x5 (3x5) 

Von Arnold Schwarzeneggers Jugend-Idol Reg Park propagiert. Es gibt zwei Varianten: bei 
der ersten werden 2-4 (!) Aufwärmsätze mit immer schwererem Gewicht durchgeführt, dann 
3-1 "Arbeitssätze" mit dem Zielgewicht (ca. 80-90% des 1RM), um die 5 Sätze pro Übung 
vollzumachen (daher de facto 3x5). 

Bei der zweiten (zugegebenermaßen deutlich seltener anzutreffenden) Variante führt man 
nach einem allgemeinen Aufwärmen 5x5 Sätze pro Übung mit gleichbleibendem Gewicht 
durch. 

Hinweis: Sowas wie ein "etwas fortgeschrittenes" Programm, sowohl für Masse als auch für 
etwas mehr Maximalkraft gedacht. Es dauert allerdings ziemlich lang, da die Pausen mehr 
Zeit brauchen als die Sätze selber und man mehr Sätze durchführt als gemeinhin üblich! Und 
gerade die zweite Version kann manchmal echt langweilig werden... 



172 



3x3 

In jüngerer Zeit durch Mike Mahler und Brooks Kubik populär gemachtes Programm, das zum 
größten Teil auf Maximalkraft und abzielt. Allgemeines oder spezifisches Aufwärmen, dann 
die 3x3 Sätze, die ziemlich schwer sein sollten (ca. 85-95% des 1RM). Kann als abbreviated 
Training mit nur ganz wenigen Übungen durchgeführt werden, oder mit einer Vielzahl 
ähnlicher Übungsvarianten. 

Hinweis: besonders empfehlenswert vor allem für erfahrene Sportler, die bereits Schemata 
wie 3x10 und 5x5 intensiv probiert haben; als „Zwischending" kann man auch das 
Wiederholungsschema 3x3-5 wählen, bei dem man sich mit einem Gewicht von 3x3 auf 3x5 
hocharbeitet, bevor man die Last wieder erhöht. 

3x3 eignet sich dazu, auf Maximalkrafttests (neuer Rekord im 1RM) vorzubereiten, wobei 
einige Athleten auf Wiederholungen im etwas höheren Bereich (also 2-3) positiver reagieren 
als auf Einzelwiederholungen (Singles). 

Weiters eignet sich das Programm, wenn man mehrere ähnliche Übungen für die gleichen 
Muskelgruppen durchführen will - ebenfalls vor dem oben genannten Hintergrund - da der 
"Workload", also die Gesamtmasse, die während einem Training bewegt wird, naturgemäß 
geringer ist. Gut klappen kann sowas auch für manche explosiv ausgeführten Übungen, zum 
Beispiel anspruchsvolle Sprünge. 

Manche Sportler (zum Beispiel Gewichtheber oder Powerlifter) treiben das Konzept auch auf 
die Spitze und führen zum Beispiel 10x3 WH durch! Unnötig zu erwähnen, dass man sich so 
auf 2-4 Übungen pro Training beschränken muss. 

Singles (Xx 1) 

Im Kraftsport populär gemacht v.a. durch Steve Justa (Autor von Rock, Iron, Steel) und Bud 
Jeffries (Autor von Twisted Conditioning, Super Strength for Martial Arts, How to Squat 900 
Ibs u.a.). In dem Fall gilt: eine Wiederholung = ein Satz, und davon macht man bis zu 15 mit 
1-2 Minuten Pause dazwischen (nach Jeffries 5x1). Der Vorteil: man konzentriert sich besser 
auf Kraft und Übungsausführung. 

Die Gewichte wählt man im Bereich zwischen 70 und 100% des 1RM, wobei ersteres für die 
langfristige, tägliche (!) Anwendung gedacht ist, wenn man in einer bestimmten Übung 
langfristig sein absolutes Maximum anstrebt. Es sollte angefügt werden, dass mit 100% des 1 



173 



RM hier die relativierte Version gemeint ist: also nicht 100% dessen, was man unter 
optimalen Bedingungen und mit viel mentaler Selbst-Überredungskunst schafft, sondern das 
maximale Gewicht, das man an einem normalen Tag mit perfekter Form für eine 
Wiederholung hinkriegt 144 . Auch sollte erwähnt werden, dass Gewichte mit dem "echten" 
100% 1RM nur sehr kurzzeitig im Training gefahren werden können, da das zentrale 
Nervensystem bei solch lang anhaltendem Stress anfällig fürs "ausbrennen" ist - es folgen 
meist Übertraining und Leistungsabnahme 145 . 

Das Ziel hier ist pure Kraft und perfekte Ausführung, Massezuwächse oder Definition der 
Muskeln sind totale Nebensache, auch wenn sie durchaus auftreten können. 
Hinweis: für Anfänger absolut nicht zu empfehlen! Singles sind noch fortgeschrittener als 3x3 
o.ä., durch die fast maximalen Gewichte ist das Risiko im Falle eines Fehlers deutlich höher 
einzuschätzen, die Form muss also passen. Erfahrene Kraftsportler könnten allerdings damit 
glücklich werden, egal, ob sie gerade in einer Beziehung stehen oder nicht. 



1x20, UHR und HIT 

1x20, also ein Satz mit 20 Wiederholungen ist ein Programm, das gerade bei Kniebeugen 
gern eingesetzt wird (auch bekannt als "Super Squats"). Man führt 20 Wiederholungen mit 
kurzen Pausen - in der Regel 3-6 tiefe Atemzüge - durch, allerdings ohne die Last abzulegen 
und noch dazu mit einem Gewicht, das man normal nur für zehn Wiederholungen schafft 
(10RM). Alle anderen Übungen, die man dazunimmt, werden ebenfalls für 1x20 WH 
durchgeführt, allerdings nicht mit so hoher Anstrengung, da der eine Satz Kniebeugen der 
Kern des Ganzen ist. Nach etwa einer halben Stunde ist der ganze Spuk vorbei, kollabieren, 
dann unter die Dusche kriechen und ab nach Hause, haufenweise futtern und Milch (2 Liter 
am Tag werden als Minimum genannt) dazu trinken, mindestens neun Stunden schlafen, 2-3 
Tage später wieder aufkreuzen und wiederholen, diesmal aber die Beugen mit mindestens 
5kg mehr auf der Stange (go heavy or go home). 

Eine etwas weniger bekannte, aber dennoch effektive Variante verwendet Kreuzheben statt 
Kniebeugen. Hier kann das Gewicht während der Atempausen am Boden abgelegt werden. 

144 http://www.t-nationxom/free_online_article/most_recent/maxing_on_squats_and_deadlifts_every_day . 

145 Siehe obiger Artikel. Natürlich ist dies auch eine Verallgemeinerung, denn die individuelle Reaktion auf Stress ist 
unterschiedlich, ganz abgesehen davon, dass manche Leute Spaß an sowas finden könn(t)en. 



174 



Dauer der Phase: üblicherweise 6-8 Wochen. 

Hinweis: Dies ist ein Programm, das auf extreme Massezuwächse ausgelegt ist. Folglich 
sind auch alle anderen Aktivitäten in dieser Zeit weitestgehend einzustellen - Peary Rader, 
einer der Vorreiter dieses Schemas, soll während einem legendären Zyklus einen Monat lang 
abseits vom Training die gesamte Zeit im Bett verbracht haben, mit dem Ergebniss, dass er 
wie gewünscht gute dreißig Kilo Masse aufbaute 146 (Flais: Und NEIN, er sah danach nicht so 
aus wie ein Doughnut!). Empfehlenswert ist das Programm in dieser Ausprägung vor allem 
dann, wenn auch genau das angestrebt wird. Es klingt nicht nach viel Arbeit, aber die letzten 
paar Wiederholungen in der Beuge tun unwahrscheinlich weh und sind ohne entsprechende 
Erfahrung, Aufsicht und Sicherheitsvorkehrungen (Power Rack) auch riskant. Dennoch sollte 
das Programm der Vollständigkeit halber hier erwähnt sein - und weil es das, was es machen 
soll, erfahrungsgemäß sehr gut macht. 

Edit: kürzlich wurde von dem renommierten Sportwissenschaftler Dr. Michael Yessis ein 
neues Werk zum Thema 1x20 veröffentlicht 147 , in dem er argumentiert, dass ein Programm 
mit jeweils einem Satz einer recht hohen Anzahl von Übungen (etwa 20 gesamt, davon 
auffallend viele spezielle Übungen wie Hüftbeuger etc) zu 1x20 WH gerade bei jungen 
Athleten zu wesentlich besseren Ergebnissen, aber weniger Disbalancen und Verletzungen 
führe als Programme mit niedrigeren Wiederholungszahlen pro Satz. Bei fortgeschritteneren 
Athleten würde dies dann zu zwei Sätzen zu je 25-30 Wiederholungen (Ausdauersport) bzw. 
2x14 Wiederholungen (kraft- und schnelligkeitsorientierte Sportarten) weitergeführt. Yessis ist 
der Meinung, dass mit solch einer Herangehensweise sowohl Ausdauer als auch Kraft für die 
Bedürfnisse von vielseitigen Sportlern (also NICHT Kraftspezialisten wie Gewichtheber, 
Powerlifter und Co!) hinreichend trainiert werden könnten, da in den letzten Wiederholungen 
eines anstrengenden längeren Satzes alle Muskelfasern stark beansprucht werden 148 . 
Es ist aber hinzuzufügen, dass diverse Experimente von Trainern in High-School- und 
Collegemannschaften durchwegs zum Ergebnis gehabt haben scheinen, dass ein solches 
Programm auch in diesem Umfeld beachtliche Erfolge erzielen kann 149 - und in der Praxis 
werden nur recht wenige Anwender weiter fortgeschritten sein als diese Athleten. 

146 http://ditillo2.blogspot.de/2010/01/jc-hise-pioneer-of-powerlifting-fred.html 

147 M. Yessis, The Revolutionary 1x20 Strength Training Program. (Create Space 2014). 

148 Wörtlich „Ausdauer zu Beginn des Satzes, Kraft am Ende". Siehe Yessis' Statement hier: 
http://www.youtube.com/watch7v-7eh4XKKjN7g (Stand 01.07.2014). 

149 http://articles.elitefts.com/training-articles/a-case-for-lx20-training/ (Stand 18.06.2014). 



175 



Es dürfte auffallen, dass dieses Trainingsprogramm vielen populären Varianten (viele davon 
auch in diesem Buch beschrieben) recht diametral entgegensteht, speziell was die hohe 
Anzahl von Übungen anbelangt. Daher ist es eigentlich wenig verwunderlich, dass es zu 
positiven Erfolgen in Sachen Verletzungsprävention etc führt, da einseitiges Training (und 
jedes Trainingsprogramm ist irgendwo einseitig - siehe dazu auch das Kapitel zur 
Periodisierung) auf kurz oder lang auch zu einseitiger Entwicklung führen muss. Von da her 
ist es durchaus eine gute Idee, da von Zeit zu Zeit gegenzusteuern. Dazu kommt noch, dass 
unserer Erfahrung nach viele Sportler im Training mit mehreren Sätzen unwillkürlich Kräfte 
aufsparen für den letzten Satz; in solchen Fällen kann ein intensives Ein-Satz-Training, 
speziell mit Kniebeugen (die auch als eine der wesentlichen Bestandteile in Yessis' 
Programm enthalten sind) durchaus Augen öffnend wirken. 

Ob man diesen Ansatz nur phasenweise (etwa während der Saison als Ausgleichstraining 
oder in einem Abschnitt der Off-Season) oder über einen längeren Zeitraum verfolgen 
möchte: hohe Wiederholungen haben durchaus auf mehreren Ebenen was für sich. 

UHR ("Ultra High Reps") und HIT ("Heavy Intensity Training") sind Programme, die 
grundsätzlich ähnliche Prinzipien verfolgen wie 1x20. 

Bei HIT wird bis zum absoluten Muskelversagen trainiert, sprich, es ist auf Biegen und 
Brechen („selbst mit einer Pistole am Kopf" - Zitat Mentzer) nicht nur keine weitere 
Wiederholung mehr möglich, sondern man klappt schon beim Versuch buchstäblich 
zusammen. Propagiert wurde HIT vor allem von Mike Mentzer, einem ehemaligen Mr. 
Universum und bekennendem Steroid-User. Ohne Stoff funktioniert HIT meistens nur für sehr 
kurze Phasen (höchstens 1-2 Monate) produktiv für Massezuwächse, und stärker im 
eigentlichen Sinne wird man dadurch in der Regel recht begrenzt, die Kraftausdauer kann 
aber durchaus zunehmen. 

Die Risiken sind dagegen beträchtlich, vor allem bei der Ausführung mit freien Gewichten 
(daher meist an speziellen Maschinen wie der Nautilus-Reihe durchgeführt). 
Negativ anzumerken ist auch, dass die Motivation auf solch ein Training recht schnell den 
Tiefpunkt erreicht - wer versagt schon gerne? Gerade für Sportler ist HIT dagegen nur in den 
seltensten Fällen zu empfehlen. Edit: nicht verwechseln sollte man HIT und HUT (High 
Intensity Interval Training). Ersteres ist ein Programm mit Maschinen und (seltener) freien 



176 



Gewichten, letzteres ein Trainingsprinzip, das mit vielen verschiedenen Mitteln ausgeführt 
werden kann und auch für Leistungssportler durchaus Berechtigung hat). 

Mit UHR liegt die Sache etwas anders, viele erfolgreiche Sportler haben ihre Trainingskarriere 
mit tausenden Liegestützen, Sit-ups und Kniebeugen begonnen (Siehe auch das Kapitel: der 
Zirkelschluss). Allerdings halten wir die ausschließliche Verwendung von sowas für eher 
einseitig - sehr hohe Wiederholungszahlen können als Teil eines kompletten Programmes 
sinnvoll sein, in der Praxis ist es aber wohl empfehlenswerter, auch Übungen mit höherer Last 
und niedrigen Wiederholungen einzubauen (Stichwort: einarmige Liegestütze und Co), damit 
auch die Maximalkraft trainiert wird. 

Interessanterweise wird UHR ebenso wie das genaue Gegenpart, nämlich Singles 
(Einzelwiederholungen) häufig auch zum täglichen Training empfohlen 150 . 

Flais: Manchmal haben UHR ungeahnte Auswirkungen. Ein interessantes Training, das ich 
diesbezüglich einmal aus Neugierde gemacht habe, waren 600 Klimmzüge auf Zeit 
(vorgeschlagen von Ringtrainer Ethan Reeves, ehemals verantwortlich für das renommierte 
Programm der Ohio University 151 ). Bei meinem ersten Versuch habe ich also 40 Sets zu je 15 
Wiederholungen 152 gemacht, in 59:43 Minuten (das heißt, ein Satz pro 90 Sekunden). 
Währenddessen hab ich nicht viel gemerkt, außer, dass trotz Hornhaut Handschuhe keine 
schlechte Idee wären, und Handleder (vom Reckturnen) vermutlich noch eine bessere. Ach 
ja, und ohne Musik ist so ein Training mal so richtig eintönig. ABER am nächsten Tag hat der 
Muskelkater angefangen - in Bizeps, Unterarmen, Rücken-, Bauch- und sogar Brustmuskeln 
(insbesondere letzteres kam echt unerwartet). 

Wir können in dem Fall also konstatieren, dass mit dem Fortschreiten der Wiederholungen 
auch verstärkt Muskelgruppen mit aktiviert wurden, die sonst bei der Übung weniger 
beansprucht werden. 

Ladders & Pyramids 

150 http://www.ditillo2.blogspot.de/20 12/1 Q/high-high-rep-training-greg-merritt.html . 

151 http://appliedstrength.blogspot.co.at/2007/ll/here-is-original-density-training-post.html . 

1 52 Dies entsprach 42% meiner Maximalleistung in Wiederholungen pro Satz. 



177 



Diese "Leitern" oder "Pyramiden" wurden bereits in verschiedenen Formen propagiert. Dabei 
können die Gewichte und / oder die Wiederholungen von Satz zu Satz verändert werden. 

Zum Beispiel: 

Satz 1: 10 WH mit 65% 1RM 
Satz 2: 8 WH mit 70% 1RM 
Satz 3: 5 WH mit 80 % 1RM 
Satz 4: 3 WH mit 85 % 1RM 
Satz 5: 1 WH mit 95-100% 1RM 
Satz 6: 1 WH mit 95-100% 1RM 
Satz 7: 3 WH mit 85 % 1 RM 
Satz 8: 5 WH mit 80 % 1 RM 
Satz 9: 8 WH mit 70% 1RM 
Satz 10: 10 WH mit 65% 1RM 

Oder: 

Satz 1 : 5 WH mit 80 % 1 RM 
Satz 2: 3 WH mit 85 % 1RM 
Satz 3: 1 WH mit 95-100% 1RM 

Oder: 

Satz 1 : 1 WH mit 90-100% 5 RM 
Satz 2: 2 WH mit 90-100% 5 RM 
Satz 3: 3 WH mit 90-100% 5 RM 
Satz 4: 4 WH mit 90-100% 5 RM 
Satz 5: 5 WH mit 90-100% 5 RM 
Satz 6: 1 WH mit 90-100% 5 RM 
Satz 7: 2 WH mit 90-100% 5 RM 
Satz 8: 3 WH mit 90-100% 5 RM 
Satz 9: 4 WH mit 90-100% 5 RM 

Satz 10: 5 WH mit 90-100% 5 RM (usw, bis es langweilig wird) 



178 



Beim ersten Beispiel, in dem die Intensität zu- und dann wieder abnimmt, spricht man auch 
von einer "Pyramide", beim zweiten von einer "Umgekehrten Leiter" (oder von 5/3/1, was 
auch der Name eines Programmes ist, das der ehemalige Powerlifter Jim Wendler gerade 
recht erfolgreich vermarktet 153 ; die Idee der umgekehrten Leiter is aber deutlich älter und 
wurde in ähnlicher Form schon von Bodybuilder und Gewichtheber John Grimek in den 
1940ern verwendet) und beim dritten von einer klassischen Leiter. 

Die Pyramide im ersten Beispiel ist darauf abgestimmt, dass man sowohl Maximalkraft als 
auch zu einem bestimmten Grad Kraftausdauer gleichzeitig trainiert; es sind auch bedingt 
Massezuwächse zu erwarten. Allerdings versucht es, verglichen mit den obigen Programmen, 
sowohl Fisch als auch Fleisch zu sein und erledigt alle Aufgaben nur begrenzt effizient, da es 
sich nicht darauf konzentrieren kann. Zudem braucht es viel Zeit im Kraftraum. Trotzdem ist 
es relativ beliebt und kann durchaus einen Übergang bilden zwischen hohen und niedrigeren 
Wiederholungen pro Satz. 

5/3/1 soll ähnliche Ziele verfolgen, allerdings mit weniger Kraftausdauer, da die noch separat 
mit Sprints etc (in Powerlifting-Kreisen spricht man hier gern von GPP, General Physical 
Preparation) trainiert wird. Der Zeitaufwand ist merklich reduziert. Das Prinzip von 5/3/1 ist im 
Wesentlichen, dass man (bei einem Trainingsaufwand von 3-4 Studio-Einheiten pro Woche) 
ein paar schwere Grundübungen wie Kniebeuge, Kreuzheben, Bankdrücken und 
Schulterdrücken (ergänzt durch „assistance exercises" wie Klimmzüge, Dips, einarmiges 
Rudern und Hügelsprints, für die andere Wiederholungsempfehlungen gelten) in jedem 
Training für drei Sätze auszuführen: in der ersten Woche 3x5, in der zweiten Woche 3x3, und 
in der dritten Woche 3x1, gefolgt von einer submaximalen Woche mit 3x5 154 . Die Intensität soll 
steigen, je mehr die Wiederholungszahl sinkt, nur in der vierten Woche soll die Last 
prozentmäßig deutlich geringer sein als in der ersten. Etwas trügerisch sind die genannten 
geringen Wiederholungszahlen aber schon: Wendler empfiehlt für jede Übung (!) ein 
spezielles Warmup (1x5 mit 40%, 1x5 mit 50% und 1x3 mit 60%) 155 , was auch Sinn macht, 

153 http://store.jimwendler.com/ProductDetails. asp?ProductCode=5312edebook . 

154 Nach J. Wendler, 5/3/1: The Simplest and Most Effective System to Increase Raw Strength. (2009) 10. 

155 J. Wendler, 5/3/1: The Simplest and Most Effective System to Increase Raw Strength. (2009) 30. 



179 



wenn man in den Übungen wirklich gut werden will, denn jede korrekte Wiederholung trägt 
dazu bei, die Bewegungsmuster in das Nervensystem einzuschleifen. 

5/3/1 wurde schnell sehr populär, auch wenn das System meines Erachtens in erster für 
Powerlifter und Footballspieler (Wendler war in seiner aktiven Zeit beides) und für 
Bodybuilder, die ihre Kraftbasis erhöhen wollen zu empfehlen ist. Jedoch sollten auch diese 
das System nicht als in Stein gehauen verstehen: Brad Kaczmarski hat jüngst einen Artikel 
veröffentlicht, in dem er schildert, wie er mit den von ihm trainierten Athleten nach diversen 
Experimenten mit dem Originalprotokoll noch deutlich bessere Ergebnisse mit der Variante 
8/6/3 erzielt hat 156 . Das ist insofern schlüssig, als dass meiner Erfahrung nach ein ziemlich 
hoher Prozentsatz der (auch sportlichen) Bevölkerung im Bereich um die 98-100% der 
Maximalleistung kaum Erfahrung und zudem einen suboptimalen Anteil an Schnellkraftfasern 
hat; folglich fahren diese normal besser mit etwas höheren Wiederholungszahlen pro Satz. 

Die "Leiter" im dritten Beispiel trainiert vor allem die Form der Ausführung mit einem relativ 
hohen Gewicht, es geht also darum, dieses im Verlauf eines Trainings für so viele WH wie 
möglich zu bewegen und dabei so frisch wie möglich zu bleiben. Eine Variante dieses 
Schemas (von 3x [1, 2, 3] zunächst zu 5x [1, 2, 3] und schließlich zu 5x [1, 2, 3, 4, 5] 
hocharbeiten) wurde von P. Tsatsouline in „Enter the Kettlebell" propagiert 157 . Dieser Fall kann 
zum Beispiel eintreten, wenn man auf einen Klimmzug-Test hintrainiert, oder in manchen 
Sportarten ist das Anforderungsprofil ebenfalls so beschaffen (zum Beispiel im Girvoy-Sport, 
wo man zwei Kettlebells mit einem naturgemäß gleich bleibenden Gewicht über einen 
Zeitraum von 10 Minuten maximal oft bewegen muss). Solche "Leitern" wird man kaum mit 
mehr als zwei Übungen pro Training durchführen können, da sie massig Zeit brauchen. 



156 http://www.t-nation.com/training/8-6-3-for-size-and-strength 

157 Tsatsouline 2006, 133-134. 



180 



Das Intervallprinzip 



A para first runs as far as he can and then as far as he must. 

[Pavel Tsatsouline] 

Beim Intervalltraining wechseln sich eine relativ hohe Belastung und darauf folgende 
Erholung unmittelbar ab. Klassisch sind sogenannte Tabatas (in der Regel 20 Sekunden 
Aktivität, 10 Sekunden Erholung über 4 Minuten 158 ), allerdings kann die Ratio von Aktivität zu 
Erholung recht individuell gestaltet werden - in einigen Sportarten werden die Intervalle im 
Verhältnis 3:1 durchgeführt (zum Beispiel im Boxen: 3 Minuten Aktivität, eine Minute Pause). 
Zudem gibt es Formen des Intervalls, bei denen die Erholungsphase aktiv gestaltet wird, etwa 
beim Bahnlaufen als sogenanntes Fartlek: 400m Sprints wechseln sich mit 200 Metern 
lockerem Laufen ab oder ähnliches. 

Im Studio kann man Intervalle natürlich auch an Cardiogeräten ausführen. Dies war lange 
unter Sportlern und Hochleistungstrainern eher verpönt, jedoch gibt es auch hier wieder ein 
teilweises Umdenken: Chad Waterbury (Fitnesstrainer der Gracies) empfiehlt seinen Klienten 
auch schon mal Laufeinheiten zur Reduzierung (!) der Beinmuskulutar und Training am 
Heimrad zu deren Aufbau 159 , auch 800-m Olympiasieger Nils Schumann trainierte regelmäßig 
auf dem Heimfahrrad, Box-Trainer Freddie Roach schickt laut eigenen Aussagen all seine 
Schützlinge (darunter auch Manny Pacquiao) auf den Versa-Climber, Leistungssport-Trainer 
Eric Cressey lobte jüngst das Rudergerät zur aktiven Erholung vom Powerlifting über alle 
Maßen 160 , und die amerikanische Ring-Trainerlegende Dan Gable (in seiner Heimat Iowa 
besser bekannt als „God") wurde schon während seiner aktiven Laufbahn in den 70ern 
regelmäßig auf dem Airdyne gesichtet, das er ebenso wie das klassische Heimrad auch 
seinen Schützlingen nahelegte 161 . 

Fazit: das Trainingsmittel ist weniger wichtig als die Anstrengung, die man in das Training 

158 Zu näheren Infos siehe u.a. http://www.kampfkunst-board.mfo/forum/f54/faq-tabata-intervall-trainmg- 
konditionssteigerung-1 14566/ . 

159 Quellen: http://www.t-nation.com/free_online_article/most_recent/how_to_build_any _muscle_group&cr = 

und http://www.t-nation.com/free_online_article/sports_body_training_performance/sexy_fem ale_training&cr=. 

160 Quelle: http://www.t-nation.com/free_online_article/most_recent/interval_training_on_the_rowing_ergometer . 

161 Dan Gable, Coaching Wrestling Suceesfully. (Champaign 1999) 47-48. 



181 



steckt. Auch wenn es prinzipiell möglich ist, (nahezu) ohne Equipment herausragende 
Ergebnisse zu erzielen, haben manche Vorrichtungen doch ihre Vorteile, auch persönliche 
Vorlieben sind durchaus erlaubt. Ein Beispiel: allein schon an einem kalten, stockdunklen, 
verregneten Wintermorgen auf die spiegelglatten Straßen rauszugehen und dort ein 
vernünftiges Intervalltraining zu machen, ist zum einen eine ziemlich große mentale 
Überwindung und andererseits verletzungsträchtig. Es gibt Leute, die durch solche 
Herausforderungen angespornt werden, keine Frage (und ich zähle mich prinzipiell voll zu 
jenen, im Fall von winterlichen Outdoor-Interalltrainings hat meine Begeisterung aber nur 
etwa bis zum zweiten dadurch verursachten Achillessehnen-Teilriss gehalten); aber wenn 
jemand stattdessen lieber in den Keller geht und seine Erleichterung darüber, jetzt nicht 
rauszumüssen, dort in Trainingsmotivation umwandeln kann (egal ob jetzt am Hometrainer 
oder bspw. mit Burpees), dann hat er meinen Segen dafür. 

Ziel des Intervalltrainings ist es, in einem grundsätzlich auf Ausdauer ausgelegten Training 
Phasen höherer Leistung (meist oberhalb der anaeroben Schwelle) und Phasen geringerer 
Aktivität sich abwechseln zu lassen, wobei eine vollständige Erholung allerdings ausbleiben 
soll (= die Muskeln "übersäuern" Schritt für Schritt und müssen sich an eben diesen Vorgang 
gewöhnen). Ziel ist es, intensiver und somit zeitsparender zu trainieren, was nach Studien 
auch Erfolg bringend sein soll. 

Allerdings ist das Intervalltraining auch nicht als alleinige heilsbringende Trainingsmethode 
zu empfehlen: zwar kommt es dabei oft kurzfristig zu größeren Leistungssteigerungen, die 
jedoch auf lange Sicht schneller stagnieren oder sogar zu Leistungseinbrüchen führen 162 . 
Daher ist in vielen Disziplinen - Laufen, Radfahren, Schwimmen etc - eine Kombination 
gefragt, also eine Abwechslung von reiner Ausdauerarbeit und schnellkraftorientierterem 
Training. Alternativ kann das Intervalltraining auch nur in bestimmten Trainingsphasen genutzt 
werden, z.B. 1-2 Monate vor der Wettkampfsaison (siehe auch: Periodisierung). Zudem kann 
und soll die Intervalldauer variiert werden. 



162 Zu einem Erfahrungsbericht mit Tabatas siehe z.B. hier: http://www.kampfkunst-board.info/forum/f54/faq-tabata- 
intervall-training-konditionssteigerung- 114566/ . 



182 



Laufintervalle 



Gut, greifen wir als erstes Beispiel Laufintervalle auf. Laufen kann ein sehr sinnvolles und 
auch billiges Trainingsmittel sein (wenn man eine gute Laufmechnik hat, genügend 
Ausgleichsaktivitäten macht und entweder billiges Laufequipment verwendet oder dieses 
gesponsert bekommt) oder ein fast gänzlich sinnfreies und schweineteures (schlechte 
Laufmechanik, Übergewicht, Übertraining, 2x jährlich neue 150€ Laufschuhe und 200€ 
Laufdress). 

Nun müssen wir einschränken, dass man mit sehr verschiedenen Zielsetzungen Intervalle 
machen und auch davon profitieren kann (Verbesserung der Laufzeit auf einer x-beliebigen 
Strecke, Gewichtsverlust, Peaking in Wettkampfnähe...), aber gemeinsam ist den meisten 
guten Programmen, dass sie progressiv gestaltet sind. Unserer Meinung nach ist eine 
qualitative Intensivierung wichtiger als eine Steigerung des Volumens. Im Gegenteil kann eine 
Reduzierung des Volumens überaus hilfreich und mental erleichternd sein. 

Sagen wir, jemand möchte seine 1500m-Zeit verbessern, hat genug Grundschnelligkeit und 
verträgt auch das Volumen problemlos, hat aber noch Probleme mit dem 
Durchhaltevermögen und dem Tempogefühl unter Rennbedingungen. In diesem Fall könnte 
man ein 4-6 wöchiges Intervallprogramm einschieben mit 2-3 Tagen Intervalltraining pro 
Woche. Unser Vorschlag für ein spezifisches Intervallprogramm könnte folgendermaßen 
ausschauen: 

Phase 1 (Fokus auf 400m) 

Phase 1_1: 5x 400m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x200m 2-4 Sekunden 

schneller als Wettkampftempo, 3 Minuten Pause zwischen den Intervallen. 

Phase 1_2: 4x 400m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x200m 2-4 Sekunden 

schneller als Wettkampftempo, 2 Minuten Pause zwischen den Intervallen. 

Päse 1_3: 3x 400m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x200m 2-4 Sekunden 

schneller als Wettkampftempo, 1 Minuten Pause zwischen den Intervallen. 



183 



Phase 2 (Fokus 600-800m) 

Phase 2_1: 2x600m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x400m min. 2 
Sekunden schneller als Wettkampftempo, 2:30 Minuten Pause zwischen den Intervallen. 
Phase 2_2: 2x600m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x400m min. 2 
Sekunden schneller als Wettkampftempo, 1:30 Minuten Pause zwischen den Intervallen. 
Phase 2_3: 2x800m angestrebten Wettkampftempo, 2 Minuten Pause zwischen den 
Intervallen. 

Phase 3 (Fokus 800-1200m): 

Phase 3_1: 2x 800m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x200m min. 2 
Sekunden schneller als Wettkampftempo, 3 Minuten Pause zwischen den Intervallen. 
Phase 3_2: 1x1 000m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x600m im 
angestrebten Wettkampftempo, 2 Minuten Pause. 

Phase 3_3: 1x1 000m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x800m im 
angestrebten Wettkampftempo, 2 Minuten Pause. 

Phase 3_4: 1x1 200m im angestrebten Wettkampftempo, anschließend 1x400m schneller als 
Wettkampftempo, 1 Minute Pause. 

Anschließend 2-3 Tage aktives Ausruhen, dann Test / Wettkampf auf 1500m. Zu bemerken 
ist, dass je nach Befinden des Athleten auch eine Deload-Woche eingeschoben werden kann 
- etwa mit höchstens 2 Intervalltrainings (8x200m, schneller als Wettkampftempo) plus 1-2 
lockere Läufe über 3-6 Kilometer. 

Beim oben stehenden Beispiel wurde das Volumen recht konstant gehalten, die Intervalle 
dafür bei gleicher Intensität schrittweise verlängert und dafür zahlenmäßig verringert sowie 
die Pausen verkürzt. Anders verhält es sich beim folgenden Beispiel, wo aus bereits 
vorhandener Grundausdauer eine höhere Tempobereitschaft erarbeitet werden soll. 
Programme dieser Art werden gern im Kampfsport relativ kurz vor größeren Wettkämpfen 
verwendet, was sich mit der Intesivierung der anderen Trainingsaktivitäten in dieser Zeit 
decken sollte. 

Das untenstehende Programm beinhaltet bereits einfache und harte Trainingstage, daher ist 



184 



es zur Durchführung in einem Block (ohne zusätzliche Erholungstage) gedacht. Das Ziel ist 
hier eher die Anpassung des Herz-Kreislaufsystems auf diese Art der zyklischen Belastung 
mit geringen Pausen als eine spezifische Verbesserung der Laufleistung; daher ist eine 
Zeitnahme während den Läufen nur wo angegeben erforderlich (die Pausen müssen aber 
ausnahmslos gestoppt werden). 

Lauf- und Sprintprogramm nach Martell 163 
Tag 1: 1600m laufen, nach 5 Minuten Erholung 4x1 00m Sprint mit 30 Sekunden Pause 
Tag 2: 800m laufen, nach 2:30 Minuten Erholung 4x200m Sprint mit 30 Sekunden Pause 
Tag 3: 400m laufen, 2 Minuten Erholung, 8x200m Sprint mit 60 Sekunden Pause 
Tag 4: 3km joggen 
Tag 5: 1600m laufen (mit Zeitnahme) 
Tag 6: 800m joggen, sofort anschließend 800m zügig laufen 
Tag 7: 8x1 00m Sprint mit 30 Sekunden Pause 
Tag 9: 1600m laufen (mit Zeitnahme) 
Tag 10: 1600m laufen 
Tag 11: 3km laufen 

Tag 12: 8x200m Sprint mit 30 Sekunden Pause 
Tag 13: 6x200m Sprint mit 30 Sekunden Pause 
Tag 14: 8x1 00m Sprint mit 30 Sekunden Pause 

Sprintintervalle nach Jarver & Jesse 164 
Sinn dieses Programms ist es, die Verträglichkeit des Athleten für hochqualitatives 
Laufvolumen zu steigern. Das ursprüngliche Programm ist wohl für Bahnläufer (Mittelstrecke) 
gedacht und umfasst zwei Monate, wobei je zwei Intervalltage pro Woche eingelegt werden 
(mit Ausnahme der letzten Woche, in der nur ein Intervalltraining stattfindet). 

MONAT 1 

1. 10x100m in 16 Sekunden, 90 Sekunden Gehpause 

2. 12x100m in 16 Sekunden, 90 Sekunden Gehpause 

163 W.A. Martell, Greco-Roman Wrestling. (Pleasant Hill 1993) 141. 

164 Nach J. Jesse, Wrestling Physical Conditioning Encyclopedia (Pasadena 1974) 272-273. 



185 



3. 14x100m in 16 Sekunden, 90 Sekunden Gehpause 

4. 16x100m in 16 Sekunden, 90 Sekunden Gehpause 

5. 20x100m in 16 Sekunden, 90 Sekunden Gehpause 

6. 8x200m in 36 Sekunden, 3 Minuten Gehpause 

7. 8x200m in 36 Sekunden, 3 Minuten Gehpause 
MONAT 2 

1. 10x200m in 36 Sekunden, in der Pause 2 Minuten langsam laufen 

2. 10x200m in 36 Sekunden, in der Pause 1:30 Minuten langsam laufen 

3. 12x200m in 36 Sekunden, in der Pause 2 Minuten langsam laufen 

4. 12x200m in 34 Sekunden, in der Pause 1:30 Minuten langsam laufen 

5. 12x200m in 32 Sekunden, in der Pause 2 Minuten langsam laufen 

6. 14x200m in 32 Sekunden, in der Pause 1:30 Minuten langsam laufen 

7. 16x200m in 36 Sekunden, in der Pause 2 Minuten langsam laufen 

Jesse empfiehlt Kampfsportlern wie Ringern, die vorgeschriebenen Wiederholungen zu 
halbieren (da Kampfsportler ja deutlich vielfältigere Aspekte in ihrem Training berücksichtigen 
müssen als Läufer und daher nur schwer das gleiche Laufvolumen fahren können) und 
überdies jedes Tagesprogramm zweimal auszuführen, sodass sich ein viermonatiger Zyklus 
aus den ursprünglich zwei Monaten ergibt. 

Zum Abschluss dieses Unterpunktes möchten wir euch darauf hinweisen, dass es nicht 
vorgeschrieben ist, dass man die Pause von Laufintervallen in Kauerstellung verbringen 
muss: durch Gehen oder lockeres Laufen kann die Belastung variiert werden, ebenso durch 
sogenannte „Mad Dogs", bei denen man nach jedem Sprint sofort einige 
Körpergewichtsübungen macht (z.B. 50 Sit-ups 165 oder Liegestütze, 10-20 Burpees...). 



165 D. Gable / J.A. Petersen, Conditioning for Wrestling: The Iowa Way. (West Point 1980), 105. 



186 



Intervallmöglichkeiten an Ergometern 



Flais: Ein weiteres Beispiel für Intervalle auf dem Cross-Trainer: wenn ich aus irgendwelchen 
Gründen ausnahmsweise nur mit so einem Ding trainieren kann 166 , mache ich normalerweise 
Intervalle darauf, alles andere finde ich da einfach nur todlangweilig. Dabei schaue ich vor 
allem auf die Watt-Leistungs-Angabe, um mich vor dem Schummeln zu bewahren (die 
Distanz- und Kalorienangaben sind meines Erachtens zu vergessen, da sie absolut keinen 
Realitätsbezug haben 167 ). So "laufe" ich beispielsweise 3 Minuten bei mittlerer Intensitätsstufe 
(220-250 Watt Output) und mäßigem Armeinsatz, danach gehe sprinte ich 1-2 Minuten beim 
höchsten Widerstand, den das Gerät hergibt mit sehr starkem Armeinsatz und bei 500+ Watt. 
Das Ganze wiederhole ich dann noch 3-4x für eine Serie. 

Dies ist jetzt nur ein relativ simples Beispiel, aber mithilfe der oben genannten Programme 
sollte man relativ problemlos in der Lage sein, sich ein Intervalltraining mit der gewünschten 
Zielsetzung für diverse Ergometer zusammenzustellen. 



166 Beispielszenario: ich bin so fertig, dass draußen Laufen oder Rad fahren zu verletzungsgefährlich wäre, muss aber noch 
zwei Kilo Gewicht für einen anstehenden Wettkampf abschwitzen und habe keine Sauna zur Verfügung. 

167 Ich muss aber auch zugeben, dass mir schon Ergometer untergekommen sind, deren Watt- Anzeige bei 80 und 150 
Pedalumdrehungen ein und derselben Intensitätsstufe unverändert geblieben ist... in dem Fall kann man den 
Schwierigkeitsgrad fast nur mehr subjektiv (oder nach Umdrehungsanzahl und Stufe) bewerten. 

187 



Oberkörperintervalle am klassischen Ergometer. 



Hinweisen möchten wir aber auch darauf, dass Ergometer in ihrer Vielseitigkeit gern 
unterschätzt werden. So ist es beispielsweise mit einem 0815 Heimfahrrad auch möglich, 
Oberkörperintervalle zu machen. Dafür setzt man sich mit gespreizten Beinen aufrecht vor 
das Ding (nachdem man den Widerstand wie gewünscht eingestellt hat - mechanische 
Bremsen haben hier gegenüber elektromagnetischen einen weiteren möglichen Vorteil), 
ergreift die Pedale mit den Händen - im Untergriff, wenn zum Ausführenden pedaliert werden 
soll, oder im Kammgriff, wenn die Übung nach vorne ausgeführt werden soll (was aber nicht 
bei allen Modellen mit verstellbarem Widerstand möglich ist) - und fängt an zu „treten". Für 
Oberkörperausdauer wird eine Intervalldauer von etwa fünf Minuten empfohlen 168 , aber 
natürlich sind auch hier alle möglichen Varianten denkbar. 

PS: Auf Intervalle mit dem Springseil wurde bereits im Kapitel „Cardio ohne Geräte" 
eingegangen. 



168 D. Gable / J.A. Petersen, Conditioning for Wrestling: The Iowa Way. (West Point 1980), 59-60. 



188 



Der Zirkelschluss 



Auf vielfachen Wunsch - vom A. - machen wir heute ZWEI Runden statisch-dynamisch. 
[Gängiger, stets nur mit minimalem Applaus - aber viel Gestöhne - verbundener Ausspruch 
des Männertrainers einer gewissen deutschen Ringermannschaft] 

Zirkeltraining ist eine bekannte und schon seit längerem verwendete Form des Trainings, die 
besonders bei Mannschaftssportarten beliebt ist - so kann mit einer jeweils begrenzten 
Anzahl an einzelnen Trainingsmitteln das ganze Team vielseitig trainiert werden, ohne dass 
es zu Staus kommt. Ein weiterer Sinn dahinter ist, dass die Erholungsphase verkürzt wird, da 
sich in der Regel Übungen für verschiedene Muskelgruppen abwechseln. 

Zirkeltraining hat als zeiteffizientes Training durchaus Potential, auch kann man Zirkel mit 
besonderer Zielsetzung (z.B. ein reiner Beinzirkel aus je einer Minute Kniebeugen, 
Ausfallschritte nach vorne, Pistols, Ausfallschritte zur Seite) erstellen. Problematisch ist unter 
Umständen in kommerziellen Krafträumen, dass die entsprechenden Stationen vermutlich 
nicht immer frei bleiben werden, da die anderen Mitglieder sich selten an den eigenen Zirkel- 
Masterplan halten werden. 

Ein Beispiel für einen ziemlich anstrengenden (Grappling-spezifischem) Zirkel ist das „ 1000 
rep workouf von Weltklasse Greco-Ringer Jim Gruenwald. Dabei führt man vier Sätze mit je 
zehn Übungen durch. Die Wiederholungszahlen pro Übung (!) betragen dabei im ersten Satz 
10, im zweiten 40, im dritten 30 und im vierten 20; gerastet wird nur zwischen den Sätzen. 
Durchgeführt werden alle Übungen mit einem leichten Sandsack (aka Bulgarian Bag), man 
kann aber auch eine Gewichtsscheibe stattdessen verwenden (probierts mal mit einer 20er ;)) 
Ein entsprechend dimensonierter Stein oder Betonziegel tuns vermutlich auch - nur das 
Festhalten ist immer etwas anders. 



189 



Gruenwald 1000 rep workout 

1 . Kreisen des Gewichtes um den Kopf (nach den halben WH Richtung wechseln) 

2. Schwingen des Gewichtes vom Hang über den Kopf 

3. Rumpfvorbeugen mit Gewicht im Nacken 

4. Rumpfdrehen 

5. gesprungene Kniebeugen 

6. Schulterdrücken 

7. Hammer Curls 

8. High Pulls 

9. Sit-ups (mit Gewicht) 

10. Liegestützen (mit Gewicht) 169 oder Burpees (ohne Gewicht) 

Die Beine werden dabei zugegebenermaßen nur eingeschränkt trainiert (aber gut, wer 
erwartet das auch schon vom Programm eines Griechisch-Ringers ;-)); wers für die härter 
machen will, braucht sich nur während der Übungen 1, 2, 4, 6 - 8 in einer 90° Kniebeuge 
hinzustellen und kann zudem die Liegestützen am Ende durch Burpees ersetzen. Beides 
macht das Ganze subjektiv gesehen nochmal um eine Klasse anstrengender. 
Flais macht überdies mit dem Gewicht noch Kreisen in der Ringerbrücke als Nummer 11 (weil 
er ein absolut unverbesserlicher Halsmuskelfanatiker und überdies der Meinung ist, dass bei 
Männern der Hals gefälligst mehr Umfang haben sollte als der Kopf - Listen, You Pencil Neck 
Gee/cs 170 ). 

Ein anderes Programm für einen Zirkel ist das „Inside Workout" von 140lbs-NCAA III US- 
Champion 171 Michael Bonora. Dieses besteht aus fünf bis zehn Sätzen zu je zehn 
Wiederholungen der folgenden Übungskomplexe, ebenfalls durchzuführen mit zwei zwölf- 
Kilo-Hanteln (wie gehabt, ansonsten große Ziegel o.ä. müssten auch klappen, evtl halt zwei 

1 69 Nach http : / /www, suples . com/ extreme- workout/ . 

1 70 Dies ist übrigens auch der Titel der Autobiographie von Wrestling-Legende Freddie Blassie. 

171 Das US-System im Collegeringen ist für die Europäer etwas schwer durchschaubar: die Universitäten treten in 
verschiedenen Ligen gegeneinander an, je nachdem, wie erfolgreich ihre Sportprogramme sind. Folglich kann ein 
Ringer einer Ringer nur Meister in der Liga seiner Uni werden. Normalerweise ziehen die großen Programme der 
NCAA Division 1 (allen voran die University of Iowa, Iowa State und die University of Oklahoma) die besten Ringer 
an, aber dem ist nicht immer so: es gab auch schon Fälle, in denen NCAA III - Meister an eine NCAA I Uni gewechselt 
sind und dort im Folgejahr den Titel geholt haben... Man kann also nie mit letzter Sicherheit sagen, welche Kaliber man 
in welcher Division trifft. 



190 



pro Hand): 

- eine Kniebeuge 

- ein Curl 

- eine Wiederholung Schulterdrücken 

- einmal auf die Zehenspitzen stellen (calf raise) 

- einmal vorgebeugt rudern 

- einmal mit gestreckten Beinen Kreuzheben (Hinweis: Bonora demonstriert die Übung 
mit angezogenen Armen direkt aus dem Rudern heraus, also triffts der Terminus 
Kreuzheben nur teilweise) 

- zehn Liegestütze 

Das ist EINE Wiederholung, zehn davon ergeben einen Satz, dann Pause und dann die 
nächsten neun. Am Ende hat man (entsprechend der Zahl der durchgeführten Sätze) jeweils 
fünfzig einhundert Wiederholungen aller Übungen absolviert (mit Ausnahme der Liegestütze, 
da sinds 500-1000, und das macht auch das Anspruchsvollste an dem Programm aus) 172 . 
Das Programm eignet sich gut zum schrittweisen Erhöhen des Volumens durch Anfügen von 
Sätzen. Für den Anfang dürften drei Sätze reichen, wenn sie zügig durchgeführt werden, 
nach ein, zwei Monaten sollte man dann den vollen vorgeschriebenen Umfang packen. 
Alternativ kann auch die Anzahl der Liegestütze variiert werden, und selbstverständlich auch 
das Hantelgewicht. 




Randy Couture war schon immer der Meinung, dass Zirkeltraining DER Weg ist, um konditioneil oben zu 

bleiben. 



172 Nach http://michaelsmat.com/inside-workout/ . 



191 



Eine höhere Kraftkomponente wird beim Zirkel des ehemaligen unter 93 kg UFC-Champions 
Randy Couture (vorher ebenfalls Greco-Ringer) verlangt. Dabei werden mit einer Langhantel 
acht Übungen zu je acht Wiederholungen über sechs Sätze ausgeführt (= 384 
Wiederholungen gesamt bei 64 Wiederholungen pro Satz). Die Übungen sind: 

1. Rudern vorgebeugt 

2. High Pulls 

3. Schulterdrücken 

4. Rumpfvorbeugen mit nahezu gestreckten Beinen und Hantelstange im Nacken 

5. Kniebeugen im Ausfallschritt nach vorne (links und rechts je 8) 

6. Kniebeuge mit Hantel im Nacken, dann Ausstoßen der Hantel über den Kopf 

7. Kreuzheben mit gestreckten Beinen 

Zwischen den Sätzen nicht mehr als 60 Sekunden Pause. Empfohlen wird ein 
Ausgangsgewicht von 47.5 kg, im zweiten Satz wird dieses gesteigert auf 57 kg, im dritten 
dann auf 62; im vierten Satz werden 62 kg beibehalten, im fünften wird wieder reduziert auf 
57, und im sechsten wird erneut das Ausgangsgewicht von 47.5 kg verwendet. 
Beherrscht man den Zirkel mit diesen Gewichten, können sie natürlich auch erhöht werden 
Konzipiert wurde der Zirkel zur zweimaligen wöchentlichen Durchführung in den Wochen vor 
Wettkämpfen 173 bzw. zur Krafterhaltung innerhalb der Wettkampfsaison eines Kampfsportlers, 
wenn allzu hohe Perzentualen der Maximalkraftleistung nicht mehr zielführend sind. 
Couture selbst scheint manche der Übungen mit verkürztem Bewegungsumfang auszuführen, 
etwa die Kniebeugen im Ausfallschritt oder das Schulterdrücken 174 . Wer eine ultra-strikte 
Ausführung vorzieht, wird die Gewichte relativ gesehen etwas reduzieren müssen. 

Hinweis: Es gibt viele solcher „barbell-complexes", die ursprünglich für rumänische 
Gewichtheber entwickelt wurden 175 . Wir haben uns für diesen hier entscheiden, weil hier 
relativ einfache, aber stimmige und effektive Übungen zusammengestellt sind, die im 
Gegensatz zu Reißen mit der Langhantel etc eine minimale Lernkurve aufweisen; schließlich 
sei noch angefügt, dass bei einem Komplex von der ersten bis zur letzten Übung das gleiche 
Gewicht verwendet wird und bei sehr technischen Übungen eben diese die Gesamtlast 

173Nach R. Couture, Muscle Myths 2. In: R. Couture u.a., The Best of Mixed Martial Arts. The Extreme Handbook on 

Techniques, Conditioning, and the Smash-Mouth World of MMA. (Chicago 2007) 84. 
174Siehe https://www.youtube.com/watch?v=SRpPHlDUCOY . 
175 http://www.istvanjavorek.com/page2.html . 



192 



beschränken. 

Natürlich kann man statt der Langhantel auch Kurzhanteln nehmen, was für Nicht- 
Gewichtheber ein Vorteil sein kann 176 . Als Beispiel die beiden Kurzhantel-Komplexe #1 und #2 
von Javorek (die Übungen sind in beiden Fällen ident, nur die Wiederholungszahlen anders): 

- High Pulls mit zwei Kurzhanteln 

- Reißen mit zwei Kurzhanteln 

- Thrusters mit zwei Kurzhanteln 

- vorgebeugtes Rudern mit zwei Kurzhanteln 

- nochmals Reißen mit zwei Kurzhanteln 

Bei #1 werden die Übungen mit je 6 Wiederholungen ausgeführt, bei #2 mit je 3 - jeweils 
ohne Pausen dazwischen, versteht sich 177 . 

Auch ein Komplex für Kettlebells kann ähnlich aufgebaut werden. Beim folgenden handelt es 
sich um den „Kettlebell Combat Complex" von Coach Zach-Even Esh. Empfohlen werden für 
Männer eine 24 kg oder 28 kg Kettlebell, einige verwenden aber auch 32 kg und mehr. 

- 5x einarmiges Reißen rechts / links (wem das zu technisch ist, 10 Swings pro Hand) 

- 5x einarmig Clean and Press rechts / links 

- 10x Ausfallschritte (Kettlebell mit beiden Händen vor der Brust halten) 

- 10x Kniebeugen (gleiche Haltung) 

- 5x einarmige High-Pulls links / rechts 

- 5x einarmiges Rudern links / rechts 

- 10 Swings (beidhändig) 178 

Probiert mal 3-5 Runden davon. Wenn man die Kettlebell - oder Kurzhantel - schwer 
genug wählt, wird durch die recht geringen Wiederholungszahlen auch die Kraftkomponente 
gut mittrainiert, durch die ballistische Ausführung der Übungen kann sich jedoch auch ein 
überraschender Cardio-Effekt entwickeln. 

1 76 Da beide Körperseiten das gleiche Ausmaß an Kraft aufbringen müssen, während man mit einer Langhantel begrenzt 
Gewicht verlagern kann. Außerdem sind Kurzhanteln günstig in der Anschaffung und sowie in den meisten Fitnesstudios 
in einer Vielzahl von Gewichten verfügbar (im Gegensatz zu Kettlebells). 

177 Nach http://www.istvanjavorek.com/page2.html . 

178 Nach Z. Even-Esh, The Couture Combat Complex (Onlineartikel 2007). 



193 



Wer den Nacken in Zirkel miteinbauen will, der kann am Ende noch ein Head Harness um 
den Griff der Kugelhantel legen, zehnmal damit nicken, anschließend in die Ringerbrücke 
gehen und die Kettlebell 5 - 10x von Seite zu Seite heben oder kreisen. 

Natürlich kann man sich auch einen Zirkel nur aus Körpergewichtsübungen (eventuell mit 
Zusatzgewichten) basteln. Hier ein für das Training in der Saison empfohlenes Beispiel von 
der ehemaligen Doppel-Weltmeisterin im Judo, AnnMaria de Mars 179 (übrigens die Mutter von 
Ronda Rousey, Olympiadritte im Judo und UFC-Champion): 

- 20 Step-ups mit Kurzhanteln 

- 15 Liegestütze mit Klatschen 

- 10 Klimmzüge 

- 15 Burpees 

- 10 Kastensprünge, Absprung aus der tiefen Hocke 

- 50 Wurfimitationen (Uchikomi) mit Gummiband 

- 25 Sit-ups 

Diese Übungen sollen ohne Pause ausgeführt werden, in der Standardvariante für 5 Serien in 
Folge (ebenfalls ohne Zwischenpause); wer die fünf Durchgänge in weniger als 20 Minuten 
schafft, darf noch einen sechsten anhängen. 

Flais: Natürlich darf auch hier modifiziert werden, beispielsweise habe ich für mich die Anzahl 
der Klimmzüge pro Durchgang auf 20 erhöht und führe sie an 7.5 cm dicken Seilen hängend 
aus, um meine Griffkraft mitzutrainieren. Außerdem verwende ich Zusatzgewichte bei den 
Liegestützen (Sandsack in Rucksack). 



179 Nach http://dramimaria.blogspotxo.at/2011/05/im-glad-im-not-young-its-too-damn-much.html 



194 




Eine weitere Form des Zirkeltrainings sind sogenannte „Deck of cards - workouts". Als Hilfe 
benötigt man dazu ein handelsübliches Pokerdeck. Den einzelnen Karten werden 
verschiedene Übungen zugeordnet, die dann in der jeweils durch die Höhe der Karte 
angegebenen Anzahl durchgeführt werden sollen. Für jedes Training werden die Karten neu 
gemischt und dann nacheinander aufgedeckt, was der unvorhersehbaren Realität eine 
Kampfes näher kommen soll; außerdem erleichtert es das Zählen, was die oftmals hunderten 
Wiederholungen mental etwas erträglicher machen soll. 

ACHTUNG: Das Volumen bei diesen Trainings ist oft SEHR hoch. Wer sich unvorbereitet - 
und das bezeichnte nicht generelle physische Fitness, sondern spezifische Erfahrung mit 
dem fraglichen Volumen in den entsprechenden Übungen - in so ein umfangreiches Workout 
stürzt, kann im Extremfall etwas davontragen, was man in der Fachsprache Rhabdomyolysis 
nennt 180 . Dabei wird so viel Muskelmasse beschädigt, dass die Kreatinase-Levels absolut 
durchdrehen (was die Nieren dauerhaft schädigen kann). Übrigens werden die toten 
Muskelzellen anscheinend über den Urin ausgeschieden, weswegen dieser laut Höransagen 



180 https://medium.eom/p/97bcce70356d (Stand 26.09.2013). Dieser Artikel beschreibt entsprechende Vorfälle in Crossfit- 
Gyms. 



195 



eine tiefbraune Farbe (wie Kaffee oder Schwarztee 181 ) annimmt. Sowas ist uns persönlich 
noch nie untergekommen, obwohl wir unzählige Kartenspiel-Trainings gemacht haben, aber 
sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt. 

Die wohl bekannteste Version davon ist die sogenannte „Gotch Bible", benannt nach Pro- 
Wrestler und mehrfachem Europameister und Olympiateilnehmer (im Amateurringen, 
griechisch und Freistil) Karl Charles Istaz, besser bekannt als Karl Gotch. Für die Karten 2-10 
führt man den Zahlenwert durch, Buben, Damen und Könige gelten jeweils 10, Asse 11; beim 
ersten Joker setzts 40 Hindu-Kniebeugen, der zweite 20 Hindu-Liegestützen; der Wert der 
schwarzen Karten wird verdoppelt. Die Verteilung der Übungen läuft wie folgt: Kreuz = Hindu- 
Kniebeugen (bethaks), Pik = gesprungene Hindu-Kniebeugen, Karo = Hindu-Liegestützen 
{dands), Herz = Liegestützen nach links und rechts (half moon push-ups). Am Ende hat man 
dann 420 Kniebeugen und 210 Liegestützen durchgeführt. Wer will, kann sofort noch einen 
weiteren Durchgang anhängen. Gemessen werden kann auch die Zeit; Flais' Rekord für einen 
Durchgang steht im Moment bei 14 Minuten. 

Die richtig Harten können die Bibel auch gleich zweimal am Stück machen (Flais: da arbeite 
ich noch an einer passablen Zeit; anzumerken ist aber, dass das Training so zu einer fast 
reinen Ausdauereinheit wird bzw nur von Leuten durchgestanden werden kann, für die 
normale Kniebeugen und Liegestütze „nur" mehr Ausdauerübungen sind). 
Am Ende des Zirkels wird nach dem Erfinder noch eine statische Halte der Ringerbrücke über 
3 Minuten angefügt (Nase nach Möglichkeit durchgehend am Boden) 182 . 



181 http://en.wikipedia.org/wiki/Rhabdomyolysis (Stand 26.09.2013). 

1 82 Nach http://www.scientificwrestling.com/public/249.cfm . 



196 




Hindu-Kniebeuge mit dem charakteristischen Armschwung. 



197 




Pos. 3 kurz vor Lockout 

Hindu-Liegestütz. Wird von Pos. 3 nicht direkt zu Pos. 4 übergegangen, sondern der Weg zurück über Pos. 2 
gewählt, spricht man von einem Divebomber, welcher die Schultern deutlich stärker anspricht aber eigentlich 

aus je zwei Liegestützen besteht. 



Edit Flais: Ich finde die Art von Training (vielleicht noch mehr auch Burpees, s.u.) echt cool - 
einfach, jederzeit und überall ausführbar, vergleichsweise schnell und intensiv, wenn mit 
zügigem Tempo ausgeführt. Die Gotch Bible oder ein anstrengendes Burpee-Training 2-3x 
pro Woche, kombiniert mit Ringerbücke und einer anständigen Zugübung (am besten 
Seilklettern, aber Klimmzugvarianten tuns zur Not auch) könnte eine sehr solide Basis für das 
Solo-Training 183 eines Grapplers sein, die besonders den Bereich Kraftausdauer sehr gut 
abdeckt. Der Rest wäre Schattengrappling inklusive Drill der Lieblingsmoves, 1-3x pro Woche 
Laufen, vielleicht ein bisschen Gummibänder und ein paar Partnerübungen - die Kirschen auf 
dem Kuchen. 

Also, hier wäre eine Challenge für euch: versucht mal, zuerst 50 Meter Seil am Stück zu 
klettern (5x5 Meter Seil rauf und runter = 25 m rauf, 25 m runter) - ohne Beineinsatz, versteht 

1 83 Also das, was man daheim macht, ZUSÄTZLICH zum regelmäßigen (mehr oder weniger täglichen) Training auf der 
Matte. 

198 



sich - danach die Gotch Bible 2x hintereinander ohne Pause runterzu reißen und schließlich 
die Ringerbrücke ohne Hände mindestens 3 Minuten sauber zu halten - und alles unter einer 
Stunde 184 . Wenn ihr das schafft, steht es euch frei zu trainieren, wie immer ihr es für richtig 
haltet. Viel Spaß ;-) 

Natürlich könnte man die „Bible" auch dahingehend intensivieren, als dass man einarmige 
bzw. einbeinige Varianten wählt. 




Pos. 3 
Einarmiger Divebomber. 



184 Eine Variante dieses Trainings (kaum weniger anstrengend, aber weniger Equipment-abhängig) wäre etwa das unten 
stehende „Deck of Death", eingelagert zwischen 2x statischen Halten eines Klimmzuges bei 90° Armbeugung und mit 
angezogenen Beinen für je 1-2 Minuten, gefolgt von drei Minuten Ringerbrücke. Das Schöne an dieser „Klimmzug- 
Variante" ist, dass man sie beispielsweise auch an einem nur etwa hüfthohen Geländer, Gerüst, Ast oder Straßenschild / 
Telephonmast / dünnem Baumstamm ausführen kann (bei letzteren darauf achten, dass man nicht mit den Schenkeln 
klammert, sonst ists cheaten - wir trainieren hier schließlich kein Poledancing). 



199 




Klassischer einarmiger Liegestütz, hier mit schulterbreiter Beinstellung. 



Es gibt aber auch noch andere Methoden, mit einem Satz Pokerkarten ein Training zu 
gestalten. Der bereits erwähnte Michael Bonora schlug eine Version vor, die wie folgt 
funktioniert: den Karten 2-10 wird wieder der Zahlenwert zugeordnet, Buben gelten 11, 
Damen 12, Könige 13, Asse 14 und Joker 15 - 25 (je nach Bedarf). Für JEDE Karte wird nun 
die entsprechende Zahl ALLER folgenden Übungen ausgeführt: Liegestützen, Sit-ups (Anzahl 
verdoppeln) und Klimmzüge (Anzahl halbieren). Das ergibt in Summe 420 Liegestützen, 840 
Sit-ups und 210 Klimmzüge 185 . 

Natürlich lässt sich das Programm auch noch modifizieren. Für die allermeisten wird das 
hohe Volumen an Klimmzügen mit Abstand das Schwerste an dem Programm sein. Daher 
könnte man zum Beispiel beginnen, für jede Karte ungeachtet des Wertes einen oder zwei 
Klimmzüge zu machen; hat man auf vier bis fünf pro Karte hochgearbeitet, ist vermutlich auch 
die herkömmliche Variante erreichbar, da man so auf ein vergleichbares Volumen kommt. 

Jedoch sind all das keine in Stein gemeißelten Regeln. Flais' selbst konzipierte Variante liegt 
ziwschen den beiden genannten Programmen, verwendet jedoch kraftintensivere Übungen. 
Den Karten 2-10 wird wie bei Bonora der Zahlenwert zugeordnet, Buben gelten 11, Damen 
12, Könige 13, Assen 14 und Joker 15-25 (je nach Bedarf). Nun führt man für Kreuz 

1 85 Nach http://michaelsmat.com/deck-of-cards-workout/ . 



200 



Cossacks durch (die Anzahl kann bei Bedarf auch verdoppelt werden), für Pik Ab-Wheel- 
Rollouts, für Karo Trizeps-Liegestützen und für Herz Klimmzüge. In Summe ergibt das je 105 
Wiederholungen pro Übung (bzw. 210 im Fall der Cossacks, falls verdoppelt). 
Die übelste Variante ist wahrscheinlich das sogenannte „Deck of Death" von John Grube. 
Dabei gibt es nur eine Übung, die für alle Karten gemacht werden muss: Burpees. Dabei 
werden die Joker weggelassen oder als Rastkarten eingesetzt, 2-10 entsprechen ihrem 
Zahlenwert, Bube, Dame und König gelten jeweils 10, Asse 15, ergibt in Summe 396 
Burpees. Es ist dies ein Programm mit sehr hohem Volumen, tendentiell aber wohl etwas 
„leichter" als die bereits erwähnte absteigende Leiter mit 30-29-28. ..3-2-1, da die Sätze kürzer 
sind und kein festes Zeitlimit gegeben ist (außer der Empfehlung, möglichst wenige Pausen 
zu machen 186 ). Ok, formulieren wir es besser anders: es ist ein flexibleres Programm, das sich 
leichter an die Tagesform anpassen lässt, während die absteigende Leiter eher schon 
Testcharakter hat (den man diesem Training allerdings auch geben kann, wenn man es 
gegen die Uhr betreibt). Außerdem ist das „Deck of Death" eine wunderbare Möglichkeit, das 
mentale Durchhaltevermögen zu stählen - komm, die zehn Burpees gehen noch vor der 
nächsten Pause - und die drei auch noch... ;-) 

Trotzdem bleibt ein so hohes Volumen an Burpees, insbesondere wenn zügig durchgeführt, 
immer noch ein forderndes, um nicht zu sagen brutales Training - die Ansprüche an die 
Erholungsfähigkeit sind erfahrungsgemäß erheblich, und der resultierende Muskelkater kann 
erfahrungsgemäß ein ziemlich haltbarer sein - sprich, probiert so ein Training mal aus, wenn 
ihr länger keine geplanten Sport-Sessions im Verein habt, etwa in den Ferien oder an einem 
verlängerten Wochenende... aber nur, wenn ihr eine entsprechende Burpee- 
Eingewöhnungsphase schon hinter euch habt. 

Eine letzte Form des Zirkeltrainings stammt vom finnischen Nahkampf-Trainer Mika 
Soderman, der sich die Inspiration dafür bei der finnischen Ringer-Nationalmannschaft 187 
geholt hat. Dieser Zirkel ist insofern bemerkenswert, als dass er aus zwei kleinen Zirkeln 
besteht, die je nur einmal ausgeführt werden, aber sich in Ausführung und Zielen grundlegend 
unterscheiden: in Zirkel A werden die Wiederholungen möglichst langsam ausgeführt, um 

186 http://www.wildmantraining.com/395/ . 

1 87 Auch wenn die Finnen in letzter Zeit nicht unbedingt die aufsehenerregendes! Ring-Nation waren, waren sie Anfang des 
letzten Jahrhunderts eine Großmacht mit x Olympiasiegern. Die finnischen Ringer sollen zu diesem Zeitpunkt unter 
anderem den Überwurf (Suplex) populär gemacht haben. 

201 



statische Kraft aufzubauen; in jeder Übung wird die Dauer progressiv gesteigert, bis man bei 
einer Ausführungszeit von drei Minuten (!) pro Übung angelangt ist; Zirkel B dagegen soll die 
Explosivkraft trainieren, hier wird jede Übung nur 30-45 Sekunden ausgeführt, aber auf 
möglichst viele, explosive Wiederholungen hin. Gerastet wird nur einmal kurz - zwischen den 
beiden Zirkeln. An Equipment braucht man eine Klimmzugstange, zwei Stühle, eine Matte 
(alternativ eine Matratze, ein Kissen oder ein zusammengefaltetes Badetuch - als 
Kopfunterlage für die beiden Brückenübungen) und einen Rucksack mit dem Leistungsstand 
angepassten Gewicht (z.B. Sandsäcke oder große, wassergefüllte Flaschen / Kanister). 
Es sollte erwähnt werden, dass der Zirkel sowohl von der Übungsauswahl als auch von der 
angestrebten Dauer sehr fordernd ist und den meisten Lesern vermutlich erstmal als Modell 
zur Erstellung ähnlicher Programme dienen dürfte. 

Soderman-Circuit 

Zirkel A, je 90-180 Sekunden: 

1 . einarmige Liegestütze (edit: vermutlich alle ~5WH alternierend ausgeführt) 

2. Trizepsliegestütze 188 

3. Klimmzüge 

4. Isometrische Kniebeuge (bei 90° halten, sandgefüllter Rucksack als Zusatzlast) 

5. Ringerbrücke 

6. Ringerbrücke nach vorn 

7. An der Stange hängend Knie zur Brust ziehen (Bauchmuskeln) 

8. Glute Harn Raises 

Zirkel B, je 30-45 Sekunden: 

1 . Liegestütze mit Klatschen, Rucksack als Zusatzgewicht 

2. Bank-Dips (Hände auf einem Stuhl, Füße auf dem anderen) 

3. gesprungene Hindu-Kniebeugen mit Rucksack 

4. An der Stange hängend Füße zur Stange heben (aka „hanging leg raises") 

5. Clean & Press mit dem Rucksack 189 

188 Wörtlich „Hammerfist triceps push-ups". Hier lässt Soderman unklar, um welche Variante es sich genau handelt; 
denkbar wären Liegestütze mit sehr enger Handstellung (aka „diamond-push-up" - Zeigefinger berühren sich), Tiger- 
Bend Liegestütze am Boden oder sogenannte „Triceps-Push-ups" an der Stange. Letztere sind wohl die forderndste 
Übung, jedoch sind auch normale enge Liegestütze nach drei Minuten einarmigen Liegestützen eine ansehnliche Tortur. 

189 Dieser Zirkel ist Inhalt eines Artikels, den Soderman vor ewigen Zeiten auf der Website www.gutterfighting.org 
gepostet hat - inzwischen scheint er aber leider irgendwo in den Tiefen des Webs versumpft zu sein, jedenfalls war er 



202 



Edit Flais: Ich kann mich natürlich auch hier nicht zurückhalten, meinen Senf dazuzugeben. 
Allgemein muss ich sagen, dass dieses Training meine erste große Liebe im Zirkeltraining 
war, und ich halte es nach wie vor für eines der anstrengendsten und besten, auch wenn die 
Wiederholungen fast komplett freigelassen werden, es gilt einzig die Anweisung, dass es 
während Zirkel A keinen Stillstand und keine Pausen geben darf. Durch die Zeit und den 
persönlichen Einsatz kann die Belastung bis fast ins Unbegrenzte gesteigert werden. Wem 
dieser Zirkel auf den ersten Blick einfach erscheint, der möge versuchen, sich einfach mal 
drei Minuten am Stück an eine Stange zu hängen - es ist NICHT so einfach, wie es klingt, 
und das ist noch eins der kleineren Übel dieses Trainings. 

Die Übungsauswahl finde ich zumindest fürs Ringen nahezu perfekt, eventuell könnte man 
statt einarmigen Liegestützen auch einarmige Divebomber oder einarmige Tiger Bends 190 
ausführen oder statt einer Stange zwei dicke Handtücher oder Seile verwenden, aber das 
wärs dann auch schon... unnötig zu erwähnen, dass die meisten wohl eher das Bedürfnis 
haben werden, den Zirkel einfacher statt schwieriger zu machen. 

Erwähnen sollte ich noch, dass die Dips mit erhöhten Beinen in den letzten Jahren öfters 
gedisst worden sind, weil sie nicht gut für die Schultern wären - ich für meinen Teil hab sie 
jahrelang viel und häufig gemacht und hatte nie Probleme mit der Übung, im Gegenteil finde 
ich, sie ergeben ein deutlich intensiveres Trizeps-Training als ihr turnerischer Konterpart. 
Außerdem ist dieser Dip eine Position, in der man als Ringer stark sein sollte 191 , und damit ist 
die Diskussion für mich bereits weitestgehend entschieden. Dagegen mag mancher andere 
eventuell Dips an Ringen oder am Barren vorziehen. 



bei meinen letzten Suchen nur mehr in meinen Archiven auffindbar. 

190 Die beide noch spezifischere Übungen für die Bodenabwehr (v.a. gegen den Wälzer, s.u.) sein sollten. 

191 Als Schadensbegrenzung, wenn man per Wälzer (aka Durchdreher / Gut Wrench) gedreht wird: steigt man auf den 
Händen über, kriegt der Gegner nur einen Punkt statt der üblichen zwei (die auch schon vergeben werden, wenn man auf 
die Ellenbogen einknickt). 

203 



Splitting vs. Füll Body 



Yes, I know, boring title. 
[Joel Marone's erster Satz in einem gleichnamigen Artikel 192 ] 

Gerade in jüngerer Zeit und unter Bodybuildern sind sogennante "splits" beliebt: man trainiert 
also beispielsweise an einem Tag Arme, an einem Tag Brust und Rücken und an einem Tag 
Beine. Ziel dabei ist, dass man die einzelnen Partien "vielseitiger" bzw "gründlicher" mit 
jeweils mehr Sätzen oder Übungsvarianten ansprechen kann. Zudem soll durch die jeweils 
längere Erholungszeit ein besseres Muskelwachstum möglich sein. 

Das andere Extrem sind Füll Body Workouts, bei denen immer alle Haupt-Muskelgruppen 
trainiert werden. Effizient möglich ist das fast nur, wenn man sich auf eine Handvoll 
Grundübungen konzentriert. 

Körperteil-Splits sind vor allem für fortgeschrittene Bodybuilder interessant, für den Anfänger 
sind sie noch nicht so effektiv, da er sich über seine Erholungsfähigkeit noch keine Gedanken 
zu machen braucht und eher daran arbeiten sollte, vernünftige Gewichte bewegen zu können. 
Und das geht leichter, wenn man die fraglichen Übungen regelmäßig macht (= mindestens 2x 
pro Woche), weil sich der Körper erst an die Bewegungsabläufe gewöhnen muss und allein 
dadurch schon höhere Lasten schafft (auch bekannt als „greasing the groove"). 
Außerdem können Splits den Fortschritt unter Umständen anfangs eher verlangsamen, 
verglichen mit einem einem gut konzipierten Füll Body Workout, das eine effiziente 
Zusammenarbeit der Muskeln erzielen soll im Gegensatz zu der Isolation, die ein Körperteil- 
Split anstrebt. 

Darüber hinaus gibt es noch zu bedenken, dass man zum Beispiel Rücken und Brust kaum 
trainieren kann, ohne auch die Arme zu belasten und häufig auch umgekehrt, sodass sich ein 
Ungleichgewicht ergeben kann. Aus eben diesen Gründen raten wir in der Regel dazu, 
Ganzkörpertrainings durchzuführen. 



192 http://www.t-nationxom/free_online_article/sports_body 

204 



Allerdings muss angefügt werden, dass das Krafttraining der allermeisten Leistungssportler 
irgendwann auch Split-Charakter annimmt, da dabei spezifische Aspekte so konzentriert 
angesprochen werden sollen, dass alles andere eine sehr untergeordnete Rolle einnimmt; 
dies sind dann aber meistens Übungs-Splits, wie sie im Powerlifting gebräuchlich sind 
(Montag Kniebeugen und ergänzende Übungen, Mittwoch Bankdrücken und ergänzende 
Übungen, Freitag Kniebeugen oder Kreuzheben und ergänzende Übungen). 
Wir weisen jedoch nochmals darauf hin, dass wir hier von Athleten sprechen, die jahrelange 
Erfahrung im Kraftraum besitzen und die in aller Regel von sehr kompetenten Trainern 
individuell betreut werden. In den ersten 2-3 Jahren Krafttraining empfiehlt sich unserer 
Meinung nach trotzdem das Ganzkörpertaining, auch wenn einzelne Aspekte natürlich 
verschieden gewichtet sein können. Die in diesem Buch (s. v.a. Kapitel „Programmerstellung 
Beispiele") vorgestellten Programme sind daher alles Ganzkörpertrainings. 



Periodisierung 

Ich fand unsern Plan B schon immer viel besser. 
[Quessada, Animal II] 

The man who is at the peak of his success, and the man who has just failed are in exactly the 
same position. Each must decide what he will do next. 
[Jigoro Kano, Judo-Pionier] 

Wir haben ja gelernt, dass progressive Anpassung des Körpers an äußere Reize der 
Schlüssel zum erfolgreichen Training ist (s. Progressivität). Nur leider erfolgt diese Anpassung 
selten linear. In der Praxis kann man meist mit einem Programm eine Zeit lang sehr gute 
Fortschritte machen, bis diese abflachen und schließlich zu Stillstand, im Extremfall sogar 
Frustration und deutlich erhöhter Verletzungsgefahr durch muskuläre Dysbalancen 
(ungleichmäßige Entwicklung) führen. Hier kommt die sogenannte Periodisierung ins Spiel, 
die überspitzt ausgedrückt bedeutet, dass das beste Trainingsprogramm immer gerade 
dasjenige wäre, das man gerade nicht macht. Diese paradox klingende Aussage ist so zu 

205 



verstehen, dass jedes Trainingsprogramm bestimmte Lücken hat, die ein gänzlich anderes 
besser schließen könnte, sodass es vorteilhaft sein kann, das Programm in bestimmten 
Abständen zu variieren 193 . 

In den verschiedenen Sportarten gibt es meist so etwas wie eine "natürliche" Periodisierung 
durch die Einteilung in "in-season" und "off-season", also Wettkampfphase und 
Vorbereitungszeit. Allerdings wird gerade die Vorbereitungsphase oft noch weiter 
untergliedert, zum Beispiel in eine Kraft-Phase, eine Ausdauer / Kraftausdauerphase und bei 
Bedarf eine Schnellkraftphase, ebenso wie es in der Wettkampfphase Auf bau wettkämpfe und 
einen besonders wichtigen Zielwettkampf geben kann, bei dem die optimale Leistung auf den 
Punkt abrufbar sein muss - bei Spitzensportlern sind die Weltmeisterschaften oder die 
Olympischen Spiele solche Anlässe. 

In ähnlicher Weise ist dies auch für Amateursportler und Fitnessbegeisterte zu empfehlen. So 
vermeidet man nicht nur Langeweile, sondern auch das erwähnte Risiko von Stillstand (wer 
kennt nicht jemanden, der seit fünf Jahren im Studio trainiert und tagein, tagaus die selben 
Gewichte gleich oft stemmt?) und ungleichmäßiger Entwicklung. 

Zur Phasendauer gibt es unterschiedliche Präferenzen. Generell gilt, dass der Körper Zeit 
braucht, um sich an bestimmte Reize zu gewöhnen und die erwünschte Anpassung (= 
Trainingseffekt) einzuleiten. Daher sollte man auch einem Trainingsplan Zeit geben, seinen 
Sinn zu erfüllen. Von da her würden wir als Faustregel für Anfänger eine 
Trainingsphasendauer von ungefähr acht Wochen empfehlen - mal ein bisschen weniger, mal 
auch deutlich mehr (solange es funktioniert... never change a winning team). 

Es sollte inzwischen schon klar sein, aber Sportlern muss nachdrücklich nahegelegt werden, 
ihre Trainingspläne im Kraftraum an ihre Sport-Trainings anzupassen. Sprich, wenn der 
Trainer Ausdauer verlangt, wird Ausdauer trainiert, bei Kraft Kraft, bei Stabilisierung 
Stabilisierung und bei Schnelligkeit Schnelligkeit. Wird dem nicht Folge geleistet, führt dies im 

193 Vgl. aber auch Pavel Tsatsouline: „The best training for you is the one you actually DO!" Im Gegensatz zur oben 
getätigten Aussage bedeutet dies, dass man ein Programm auch wirklich durchfuhren muss, um die positiven Effekte 
ernten zu können - und dafür sind zumindest einige Wochen (je nach Veranlagung etwa 3-8) erforderlich. 



206 



günstigsten Fall zu suboptimalen Resultaten, im Extremfall zu Stagnation, Übertraining und 
Verletzungen. 

Angewandte Periodisierung: Wann wie viele Wiederholungen? 

Wie viele Wiederholungen man letzten Endes anwendet, hängt im Wesentlichen damit 
zusammen, was für Ziele man verfolgt - sowohl kurzfristig (in der aktuellen Trainingsphase) 
als auch langfristig. So macht es zum Beispiel für einen Powerlifter oder Gewichtheber 
uneingeschränkt Sinn, seine Phasen auf gute Leistungen im sehr niedrigen 
Wiederholungsbereich auszurichten (1-3 WH), weil seine Leistung im Wettkampf direkt an 
diesen gemessen wird und es niemanden wirklich juckt, wieviel ein Gewichtheben im 
Bankdrücken auf 20 Wiederholungen schafft. In anderen Sportarten gibt es andere Ziele - so 
werden zum Beispiel junge amerikanische Footballspieler im sogenannten „Combine-test" - 
der für ihre Berufsaussichten entscheidend sein kann - unter anderem darauf getestet, wie 
oft sie 100kg auf Wiederholungen im Bankdrücken schaffen, und auch die „Strongmen" 
brauchen ein sehr ausgeprägtes Maß an Kraftausdauer. In wieder anderen Disziplinen ist das 
Bild deutlich unklarer - im Kampfsport beispielsweise gibt es regelmäßig Debatten über die 
sinnbringendsten Wiederholungsschemata und wichtigsten muskulären Qualitäten (auch 
wenn in letzter Zeit unter dem Einfluss von vielen Trainern mit Powerlifting-Hintergrund 
Maximalkraft immer öfter als wichtigstes Element eingestuft wird). 

Auch wenn wir niedrige Wiederholungszahlen mit schweren Gewichten durchaus sinnvoll 
finden, so bitten wir doch, folgendes zu bedenken: Viele - gerade Anfänger - sind noch nicht 
bereit für ein echtes Maximalkrafttraining, ihre entsprechende Fähigkeit ist noch nicht weit 
genug entwickelt, sodass die Gewichte, die diese Sportler für 5 oder 10 Wiederholungen 
bewältigen können, sich nur marginal unterscheiden, die erbrachte Leistung bei höheren 
Wiederholungen also um Längen besser ist als mit niedrigen - und folglich Training in diesem 
Bereich paradoxerweise sogar zu stärkeren Verbesserungen der Maximalkraftleistung führen 
kann. Um zu bestimmen, ob dies der Fall ist, kann man folgende Formel nutzen, die den 
Vergleich von Leistungen bei verschiedenen Wiederholungsschemata ermöglicht: 



207 



(Gewicht + Wiederholungen x 0.0333) + Gewicht 



errechnete Maximalkraftleistung 

Zu bemerken ist, dass die oben stehende Formel für Gewichte in englischen Pfund (Ibs) 
ausgelegt ist, das Einsetzen von Kilogewichten kann zu Abweichungen führen. Zu bemerken 
ist auch, dass die Formel vor allem für Wiederholungen bis -10 gut funktioniert, darüber 
gehen die individuellen Leistungen sehr stark auseinander. 

Das Einsetzen von Werten in diese Formel kann zum Teil zu überraschenden Ergebnissen 
führen: vorausgesetzt, jemand würde 132 Ibs für 10 Wiederholungen bewegen und in der 
nächsten Phase 145 Ibs für fünf, so ergeben sich folgende Maximalwerte: 

(132 x 10 x 0.0333) + 132 = 175.96 

(145 x 5 x 0.0333) + 145 = 169.14 
Die Leistung mit 8 Wiederholungen ist in diesem Fall also einen Ticken höher als mit 3! Wenn 
also jemand zuerst einen Monat lang an seinem 8RM und dann einen Monat an seinem 3RM 
gearbeitet hätte, dann hätte er zwar die sich in seiner Leistung mit mehr Wiederholungen 
ankündigenden Gewichte realisiert, wäre aber rechnerisch nicht stärker geworden. Anders 
verhielte es sich, wenn er mit 145 Ibs 7 oder 8 Wiederholungen geschafft hätte: 

(145 x 7 x 0.0333) + 145 = 178.80 
(145 x8x 0.0333) + 145 = 183.63 194 
In diesem Fall wäre die zweite Trainingsphase deutlich produktiver verlaufen. 

Wenn jemand mit begrenzter Erfahrung im Krafttraining (vermutlich mit 3x10) also in Richtung 
Maximalkraft gehen will, ist es unserer Meinung nach eine gute Idee, sich Schritt für Schritt an 
niedrige Wiederholungen mit höheren Gewichten heranzutasten, weil sie sich schwer tun 
werden, innerhalb von einer Trainingsphase mehr zu tun, als ihr mit den höheren 
Wiederholungen erarbeitetes Kraftpotential zu realisieren. Im Gegenteil kann die Arbeit mit 
höheren Prozentsätzen der Maximalleistung gerade bei Anfängern dazu führen, dass ihre 
Form schlechter wird und die Gefahr des Stagnierens sowie der Verletzung steigt 195 . 

194 Formel B. Lilly, The Cube Method. (BookBaby 2012), Beispiele in Anlehnung daran. 

195 Im Gegenzug muss aber auch erwähnt werden, dass manche sich schwerer tun, ihre Form über eine hohe 
Wiederholungsanzahl beizubehalten; dies kann besonders bei bestimmten Übungen wie Frontkniebeugen oder 
Krauzheben zutreffen, bei denen meist Sätze zu nicht mehr als 8 Wiederholungen empfohlen werden. 

208 



Eine Möglichkeit für einen Anfänger wäre, wie folgt zu periodisieren: 

• Phase 1 (erstes Krafttraining, Basis schaffen + 10RM): 3-6 Monate 3x10-15 

• Phase 2 (Tapering, 8RM): 1-2 Monate 3-4x8 

• Phase 3 (Vorstoßen in reines Maximalkrafttraining, 5RM): 2 Monate 3-5x5 

Nach Ende von Phase 3 sollte der Trainierende dann einen recht realistischen Überblick über 
seine aktuellen Möglichkeiten im Bereich des 1RM haben - und bei kritischer Betrachtung 
auch eine Idee, in welchem Wiederholungsbereich er aktuell die meisten Fortschritte macht 
(und in welcher Phase er am längsten verbleiben kann, ohne dass die Fortschritte 
stagnieren 196 ). 

In den meisten Fällen wird es nun wahrscheinlich eine gute Idee sein, wieder eine Zeit lang 
Wiederholungsschema zu wechseln, aber abhängig von den Zielen des Einzelnen. Wenn 
jemand an Hypertrophie interessiert ist, wird er vermutlich Wiederholungsschemata von 10-20 
den Vorzug geben und seine hoffentlich gesteigerte Maximalkraft hier gewinnbringend 
umsetzen können; wenn jemand aber seine Maximalkraft weiter steigern will, kann er 
entweder nur eine Phase zurückgehen und wieder mit 3-4x8 beginnen und von dort an wieder 
Wiederholungen reduzieren. Wenn jemand an reiner Kraft interessiert ist, kann er sich 
anschließend oder auch sofort in noch tiefere Wiederholungsschemata vortasten: 

• Phase 4: 3-5x3 

• Phase 5: 5x1 

Allerdings empfehlen wir dies in erster Linie dann, wenn sich auch die errechnete 
Maximalkraftleistung im Laufe des Zyklus schrittweise steigern konnte; wenn das 
rechnerische Potential aber nur gerade so oder nicht realisiert werden konnte und die 
Leistung im 1RM NICHT in einem bald anstehenden Wettkampf o.ä. getestet werden soll 
raten wir, etwas mehr Zeit mit höheren Wiederholungen zu verbringen. 

Fazit: nur weil jemand mit niedrigen Wiederholungen arbeitet, heißt das nicht zwangsläufig, 
dass er den für ihn zielführendsten Weg verwendet, stärker zu werden. Erfahrung, 
Veranlagung, Zielsetzung und sonstige Umstände (Arbeitsbelastung, Krankheit, Stress, 
Ernährung, Erholung etc) spielen eine große Rolle, wann man welches Schema auswählen 

196 Erfahrungsgemäß gibt es sowohl Leute, die sich leichter tun, mit einem gegebenen Gewicht von Mal zu Mal mehr 
Wiederholungen auszuführen, als auch solche, für die es einfacher ist, mehr Gewicht für gleich viele Wiederholungen zu 
bewältigen. Dies kann im Einzelfall nur empirisch entschieden werden. 



209 



sollte. 



Programmerstellung Beispiele 

"Die Russen gehen nicht mal aufs Klo ohne einen Plan." 
[Aus: Jagd auf roter Oktober] 

Das meiste haben wir euch in den obigen Kapiteln ja bereits dargelegt, hier nur ein paar 
konkrete Beispiele. Zu Beginn greifen wir unsere Fälle aus dem Ernährungsteil nochmal auf. 
Edit: kein Programm ist für die Ewigkeit gedacht. Die Phasendauer ist individuell, wir 
empfehlen allerdings nochmal als Faustregel etwa zwei Monate bei einem Programm zu 
bleiben, da Fortschritte Zeit brauchen. Danach kann re-evaluiert und bei Bedarf geändert 
werden. 

Fall a) Max Mustermann, 1,82m groß, 70 kg schwer, will mindestens 15kg Muskeln 
zunehmen und 40cm Oberarmumfang erreichen: 
Training: 3x / Woche je 45 min 

- Aufwärmen: 5min Radfahren, Gelenke warm machen, je 1-2 Sätze Kreuzheben und 
Military Presses mit leichteren Gewichten 

- Kreuzheben mit mäßig breitem Griff: 1x20 

- Pullover: 1x20 

- Klimmzüge mit Zusatzgewicht: 2x5 

- Clean and Military Press mit Kurzhanteln: 2x12 

- Calf Raises mit Zusatzgewicht: 1x20 

- Heimgehen und viel Milch trinken. 

Begründung: Max hat kein Squat Rack und außerdem eine Figur, die sich eher fürs 
Kreuzheben eignet (groß, lange Beine und Arme) und hat sich aus diesen Gründen 
entschieden, die 1x20-Variante mit Kreuzheben zu machen. Er greift die Stange breiter als 



210 



gewöhnlich, also im Reißgriff, um Beine und Unterarme noch mehr zu trainieren. Wenn er 
Zugang zu einem sogenannten "Trap Bar" hat, wäre das auch eine sehr gute Option, 
besonders, wenn er etwas erhöht steht (z.B. auf einer 20 cm Bumper Plate). 
Er trainiert durch Kreuzheben und Klimmzüge den Rücken und die Bauchmuskeln dabei 
schon genügend mit, so dass er auf spezialisierte Übungen wie Sit-ups oder Rudern 
verzichten kann und damit Zeit und kostbare Energie spart, und Max weiß, dass das zum 
Zunehmen unerlässlich ist. Bankdrücken entfällt ebenfalls, da die Muskelgruppen durch 
Schulterdrücken und Pullover bereits ausreichend angesprochen werden. 
Da Max nicht an sportlicher Leistung interessiert ist und Massezuwächse Energie erfordern, 
wurde alle Cardiobetätigung in der aktuellen Phase ersatzlos gestrichen. 
Wenn Max sein Training und seine Ernährung (siehe entsprechendes Kapitel) mindestens 
acht Wochen durchhält, kann er realistisch mit Massezuwächsen von 3-5kg aufwärts rechnen 
- in einigen Fällen auch deutlich mehr. Danach will er mehr Definition erreichen, indem er 
zwei Monate 3x10 kombiniert mit ein bisschen Cardio trainiert, um dann spontan zu 
entscheiden, ob er ein bisschen mehr auf Kraft gehen möchte (5x5) oder ob der nächste 1x20 
Zyklus fällig ist. Wenn er abwechselnd auf Masse trainiert und dann wieder etwas weniger 
isst und ausdefiniert, sind Zuwächse von 12-15 kg Masse (davon bis zu 10 kg Muskeln) 
innerhalb einem Jahr in vielen Fällen durchaus möglich. 

Was Max lesen sollte: "Super Squats" von R.P Strossen und "The Rader Master 
Bodybuilding and Weight Gaining System" von Peary Rader (siehe Literaturliste). 



Fall b): Maria Mustermann, 1.60m, 63kg schwer, will auf 57kg abnehmen: 

Training: 3x / Woche je 60 Minuten 

- Aufwärmen: 10 Minuten Fahrrad oder Stepper, in der zweiten Hälfte Intervalle nach 
Belieben 

- Thrusters mit Kurzhanteln oder Kettlebells: 3x8-15 

- Swings mit Kettlebell oder Kurzhanteln: 5x20 

- Latzüge: 3x5-10 



211 



- Sit-ups: 2x30 (wenn nötig mit Zusatzgewicht) 

- Hanging leg raises: 2x3-10 

- Cool-down: 15-25 Minuten Fahrrad oder Stepper, Intervalle nach Belieben 

Begründung: Maria will abnehmen, daher sind die Wiederholungen insgesamt höher und die 
Gewichte etwas niedriger. Auch wurde das Warm-up und der abschließende Cool-down 
ausgedehnt, um den Kalorienverbrauch im Training zu erhöhen. 

Maria möchte vermutlich wie so viele Frauen Bauch, Beine und Po formen, die Übungen sind 
dementsprechend ausgewählt, ohne jedoch den Rest des Körpers zu vernachlässigen 
(Stichwort: Problemzone Oberarme); wir haben auch versucht, ein bisschen Abwechslung in 
die Wiederholungsschemata zu bringen, um die Muskeln auf verschiedene Weise 
anzusprechen. Außerdem haben wir Klimmzüge durch die technisch weniger anspruchsvollen 
und lastmäßig leichter variablen Latzüge ersetzt (zu weiteren Alternativen siehe Kapitel "Fit 
durch Körpergewicht"). 

Anzufügen ist, dass viele Frauen dazu neigen, Unmengen an Bauchübungen durchzuführen, 
da sie der Meinung sind, man könne damit gezielt eben dort Fett abbauen; dies ist jedoch ein 
Irrglaube: zwar kann der Eindruck entstehen, dass dem so wäre, jedoch liegt das in erster 
Linie daran, dass die Bauchmuskeln unter der Fettschicht hypertrophieren (wachsen) und 
dadurch sichtbarer werden. Es ist in aller Regel NICHT möglich, nur an bestimmten Stellen 
des Körpers Fett zu verlieren, der Verlust verteilt sich immer auf die gesamten Depots. 
Außerdem muss man bedenken, dass ein Wachstum der Bauchmuskulatur auch eine 
Zunahme des Bauchumfangs zur Folge haben kann 197 . Vom reinen Leistungsaspekt aus ist 
dies unbedenklich, jedoch werden nur wenige aus ästhetischen Gründen trainierende Frauen 
dadurch ermuntert werden, dass ihr Taillenumfang „trotz" (man lese: eigentlich aufgrund) der 
1000 täglichen Sit-ups zunimmt 198 . 

Realistische und haltbare Gewichtsverluste für Maria wären etwa 1-2 kg im Monat, sprich, um 
ihr Zielgewicht zu erreichen, wird sie wohl 3-6 Monate trainieren müssen; allerdings hoffen 

197 Besonders gut sichtbar ist das bei Ringern: im griechisch-römischen Stil, der nur Angriffe oberhalb der Gürtellinie 
erlaubt und viel auf Oberkörperdrehungen beruht, haben die Sportler meist einen sichtbar höheren Bauchumfang (meist 
5-7 cm mehr) als ihre auf den freien Stil spezialisierten Kollegen der gleichen Gewichtsklasse (bei gleichem 
Körperfettgehalt). Grund dafür sind vor allem die stärker ausgeprägten schrägen Bauchmuskeln. 

198 Vergleiche auch: http://www.t-nation.com/free_online_article/sports_body_training_performance/sexy_fem 
ale_training&cr= (Stand 17.04.2014). Von Autor Chad Waterbury als Beispiel für dieses Phänomen angeführt wird die 
Entwicklung der Physis von Pop-Sängerin Britney Spears. 



212 



wir, dass sie auch danach weiterhin trainiert (und nicht zum berüchtigten Jo-Jo wird). 

Flais: Eigentlich sollte man eher von "Fettverlusten" oder "Fettabnahme" reden - Gewicht in 
Form von Wasser zu verlieren ist, wie ich bereits versucht habe zu erklären, recht simpel und 
kann sehr schnell gehen, nur hält ein solches Ergebnis nicht vor. Fett zu verlieren dauert 
deutlich länger und braucht ein konsequent durchgezogenes Ernährungs- (siehe 
entsprechendes Kapitel) und Trainingsprogramm. 

Ach ja, das Maria-Mustermann-Programm wäre auch für jemanden geeignet, der lediglich 
etwas mehr Definition bei gleich bleibendem sucht, allerdings wäre besonders der 
Ernährungsplan in diesem Fall nicht ganz so kalorienreduziert, da ja kein großer 
Gewichtsverlust angestrebt wird, und es könnten in dem Fall auch die Übungen, Sets und 
Wiederholungszahlen etwas freier bzw anspruchsvoller gewählt werden. 

Natürlich kann Maria Aufwärmen und Cooldown auch draußen ausführen, indem sie ein paar 
Runden um den Block läuft oder radelt. Intervalle sind aber auch hier von Vorteil. 
Was Maria lesen sollte: zunächst ein bis zwei gute Bücher über Ernährung (für Vorschläge 
siehe Literaturliste 199 ). Gefallen könnte ihr auch die vorgeschlagene Literatur über 
Seilspringen, das als Alternative zu den Übungen an Stepper oder Rad dienen kann, das 
sowie über Zirkeltraining, wobei unsere persönliche Empfehlung dem alten Standardwerk 
„5BX-Plan" (ebenfalls in der Literaturliste) gilt. 



Fall c): Anna Anders, 1.67m, 52kg; erfahrene Langstreckenläuferin, will sich in ihrem Sport 
verbessern. 

Training: Laufen: 6 - 10x / Woche, Kraftraum 2x / Woche je 50 Minuten 

- Aufwärmen: 5 Minuten Seilspringen, kurzes Stretching, Kniebeugen mit leichtem 
Gewichten. 

- Kniebeugen, vorzugsweise mit Langhantel: 3x5 

199 Als Basis auch dieser Artikel und die dortigen Links: http://breakingmuscle.com/womens-fitness/the-female-guide-to- 
getting-lean (Stand 17.04.2014). 

213 



- Kreuzheben mit Langhantel: 3-4x5 

- Klimmzüge: 1 / 2 / 1 / 2 / 1 / 2 etc 

- Burpees: 10-9-8 3-2-1. 

Begründung: Anna ist schon eine fortgeschrittene Athletin, sie weiß genau, was sie 
verbessern will und sollte. Während ihre Ausdauer durch ihr nahezu tägliches Lauftraining 
bereits sehr gut entwickelt ist, fehlt es ihr bei schnellen Antritten und Aufwärtssprints doch 
manchmal an Kraft, besonders in der Oberschenkelrückseite. Daher stehen Kniebeugen und 
Kreuzheben (letzteres kann alle ein bis zwei Monate mit Power Cleans mit Kurzhanteln 
abgewechselt werden) mit recht hohen Gewichten ganz oben im Programm. Allerdings hat sie 
erst vor relativ kurzer Zeit mit dem Krafttraining begonnen, daher ist der Umfang noch eher 
gering gehalten - um ihrer Erholungsfähigkeit, die mit den mindestens sechs wöchentlichen 
Lauftrainings schon einiges zu tun hat, zu erlauben, sich an den zusätzlichen Reiz zu 
gewöhnen. 

Die Klimmzüge müsste sie zwar nicht unbedingt machen, aber ihr Trainer hat ihr 50€ 
versprochen, wenn sie bis Juni 5 davon am Stück schafft, und die Challenge motiviert dann 
doch. Außerdem weiß Anna, dass eine kräftige - wenn auch nicht übermäßig massive - Arm- 
und Rückenmuskulatur beim Laufen auch durchaus hilfreich sein kann und überdies 
Dysbalancen vorbeugt. Anna befindet darüber hinaus, dass es nicht schaden kann, wenn 
man auch als Frau seine Koffer selbst in das Gepäcknetz im Zug heben kann - kein 
mitleidiges Lächeln für sie, bitte. Und schließlich sind Klimmzüge ein bewährte Übung, um die 
Entwicklung des Relativkraftverhältnisses zu testen - wird man schwerer, aber nicht stärker, 
geht halt entsprechend weniger und umgekehrt. 

Die Burpees bilden zum Abschluss noch eine anaerobe Herausforderung und trainieren den 
ganzen Körper, wobei sie ganz andere Reize setzen als das Lauftraining, wovon Anna nur 
profitieren kann. 

Was wir noch anmerken möchten: Leistungssportler führen während ihrer Wettkampfsaison 
meistens ein reduziertes Programm aus, für solch eine Situation ist das hier erstellte schon 
eher die Obergrenze des Empfohlenen, unter Umständen würden wir dann z.B. die 
Kniebeugen reduzieren oder streichen. 

Größere Experimente in Sachen Trainingsplanung lassen sich nach der Saison machen. 



214 



Wenn Anna sich an das Programm hier gewöhnt hat, würden wir ihr raten, eventuell mal 
Verkhoshansky (siehe Literaturtipps) zu lesen, da stehen Programme drin, die hilfreich sein 
könnten; wertvolle Anregungen geben könnten auch die Bücher „Underground Secrets to 
Faster Running" von Barry Ross sowie "Power to the People" und "Easy Strength" (beide 
von / mit P. Tsatsouline, ebenfalls in der Literaturliste) interessant sein. Wenn sich Anna in ein 
paar Seilspring-Varianten einlesen möchte, sind der Artikel von Dr. T. Sukopp sowie das 
einschlägige Buch von Buddy Lee zum Thema zu empfehlen (s. Literaturliste). 



Fall d) Mario Meister (BJJ-Meisterschaftsanwärter, 1,70 m, 66kg Kampfgewicht) 

Mario hat noch zweieinhalb Monate bis zu seinem nächsten Kampf, der alles entscheidenden 
hyper-galaktischen Brazilian Jiu-Jitsu Meisterschaft. Mario trainiert seit über fünf Jahren nach 
einem soliden Programm 200 im Kraftraum und hat sich in der Zeit vom Anfänger zum 
Taschenherkules hochgearbeitet. Jetzt geht's aber nicht darum, am Strand eine gute Figur zu 
machen, sondern die Konkurrenz gehörig in den Allerwertesten zu treten! 
Mario hat also nicht vor, in der Zeit bis zu seinem Kampf irgendwelche Muskeln aufzubauen 
(er läuft ohnehin schon 4x die Woche morgens, um nicht zuzunehmen); stattdessen will er 
seine Gelenke stabil halten, Verletzungen vorbeugen und seine Kraftausdauer maximieren. 
Die Trainingsmöglichkeiten sind im Moment eher eingeschränkt, seine Ersparnisse hat Mario 
für ein eineinhalbmonatiges Trainingslager bei Großmeister Hickson Daisy im sonnigen 
Guatemala 201 aufgewendet. Er hat aber einen stabilen Seesack mit sandgefüllten Müllsäcken 
vollgestopft, damit hat er jetzt ein variables Gewicht von bis zu 70kg und außerdem noch ein 
paar Deuserbänder herumliegen. 

Das Programm, das er sich dafür zurechtgelegt hat, lautet wie folgt: 

- 5 Minuten Turkish Get-ups mit dem Sandsack auf der Schulter (Seitenwechsel nach 
jeder Wiederholung). 

- 3x30 Klimmzüge am Gi (um die Klimmzugstange gewickelt) abwechselnd mit 

200 Etwa so etwas: http://www.strongfirst.com/strength-fixes-everything/ (13.02.2014). 

201 Name und Lokalität geändert, um die Identität des Betroffenen zu schützen. 

215 



- 3x5 Minuten bewegen in der Kampfstellung (abgeduckt, gebeugte Beine) mit leichtem 
Sandsack im Curl Hold. 

- Wurfimitationen am Gummiband (min 200 in so vielen Sätzen wie nötig). 

- 100 Sprawls (im wesentlichen wie Burpees, nur Knie auf den Boden und gestreckte 
Arme 202 ). 

Begründung: Durch die Get-ups werden Beine und Rumpf sportnah trainiert, durch das 
Gehen in der Kampfstellung gewinnt Mario zusätzliche Ausdauer darin sowie isometrische 
Kraft in den Beinen, den Armbeugern und den Fingern. Die Klimmzüge am Gi dazwischen 
traineren die Griff- und Zugkraft sportspezifisch und machen ein sehr anstrengendes 
Superset aus den beiden Übungen. Wenn Mario die dreißig Klimmzüge erschöpfungsbedingt 
nicht mehr am Stück schaffen sollte, teilt er sie auf mehrere Sätze auf. Die Wurfimitationen 
sollen die Wurftechnik auch unter Erschöpfung noch weiter festigen, und mit den Sprawls 
trainiert Mario seine Beinabwehr, an der er noch weiter feilen will. 

Das Programm kann in einer halben Stunde abgewickelt werden, meistens braucht Mario 
aber etwa vierzig Minuten dafür. Er macht das Programm morgens, 2-3x pro Woche, an 
Tagen, an denen er nicht läuft und abends kein besonders hartes Randori anstehen hat. 
Außerdem macht er einmal die Woche anstelle eines langen Laufes fünf Hügelsprints mit 
einem 60kg Sandsack auf dem Rücken. 

Edit: Kampfsportler bevorzugen meistens sogenanntes „Roadwork" gegenüber normalen 
Läufen. Das bedeutet, sie bauen entlang der Strecke verschiedene Übungen ein, zum 
Beispiel Liegestützen, Klimmzüge an Ästen, das Tragen des Trainingspartners, 
Schattenboxen / - ringen, Sprünge, Sprints... oder sie versuchen, Bäume auszureißen und 
erschrecken sämtliche Hunde der Nachbarschaft, indem sie einen Felsblock auf einen 
Autoreifen packen und das Ding lautstark um sechs Uhr morgens herumschleifen 203 . 
Die Idee dahinter ist, ein Match gegen einen immaginären Gegner im Kopf auszufechten und 
die Belastung unterwegs so gut wie möglich zu simulieren. 

Das Gesamtprogramm könnte am Ende so aussehen: 

202 Soweit die Kurzanleitung. Für Eingeweihte ist das Sprawlen viel mehr als das und steht näher an einer Kunstform, jeder 
hat seine eigene Technik(en), auf die er schört, um das Gesicht des Gegners unangespitzt per Hüftstoß in den Boden zu 
knallen. 

203 Flais: Daraufbin ich heute noch stolz. 



216 



Montag: Morgens 30-50 Minuten laufen, abends Randori (mittlere Intensität). 
Dienstag: Morgens Krafttraining, abends Techniktraining und leichtes Rollen. 
Mittwoch: Morgens 30-50 Minuten laufen, abends Randori (mittlere Intensität). 
Donnerstag: Morgens Krafttraining, abends Techniktraining und leichtes Rollen. 
Freitag: Morgens 30-50 Minuten laufen, abends Randori (hohe Intensität). 
Samstag: Morgens Hügelsprints mit Sandsack, Abends eventuell leichtes Rollen. 

3-4 Wochen vor dem großen Wettkampf wird Mario seine Form re-evaluieren und eventuell 
anfangen, das Gesamtvolumen etwas zu reduzieren, außer, er muss noch viel Gewicht 
loswerden. Außerdem wird er ab diesem Zeitpunkt keine schweren Gewichte mehr heben, um 
auf den Punkt fit und so frisch wie möglich zu sein. 
Was Mario lesen sollte: Enter the Kettlebell! und alles von Ross Enamait. 



Fall e) Kurt Kraft (17 Jahre, 1.75m, 110kg, hoffnungsvoller Jungpowerlifter) 

Kurt hat alles, um einmal einer der Großen im Powerlifting werden zu können - ein Gestell 
wie ein Kühlschrank, Sehnen und Nerven wie Drahtseile und eine Verdauung wie eine 
Betonmischmaschine, und seine ersten Proteinshakes mit Kreatin hat er schon mit der 
Muttermilch eingesaugt. Trotz seines zarten Alters hat er schon im Wettkampf 180kg auf der 
Bank gedrückt sowie je 220kg gebeugt und gehoben, und das, obwohl er allein im hintersten 
Ostfriesland trainiert. 

Wie sollte Kurt sein Training gestalten? Nicht, dass wir nicht auch ein paar Ideen dazu 
anzubieten hätten, aber um ganz ehrlich zu sein: Kraft der Erfahrung der äh, vielen, vielen 
Jahre, die wir Kurt voraushaben, können wir ihm zuallererst mal raten: Junge, besorg dir 
einen Trainer! Und zwar den besten, den du finden kannst - so schwer ist das nicht, wenn 
man wirklich so talentiert ist, einfach mal bei Wettkämpfen rumfragen. Ein guter Trainer wird 
zuallererst mal hergehen und verhindern, dass sich hartnäckige Fehler in Kurts Technik 
einschleichen und er zu einseitig trainiert - wenn Kurts Karriere wegen dummer 
Überlastungsverletzungen ein vorzeitiges Ende findet (oder er vorzeitig als Pro-Wrestler 



217 



abgeworben wird) 204 , wäre das doch für alle Beteiligten sehr schade. Folglich schreiben wir 
ihm keinen Trainingsprogram-Vorschlag, mal abgesehen davon, dass wir aus ganz anderen 
sportlichen Bereichen kommen und mit Wettkampf-Powerlifting so gut wie nichts am Hut 
haben. 

Was Kurt lesen sollte: Essenziell sind detaillierte Werke zu den einzelnen Powerlifts und zum 
Powerlifting-Training. Empfehlen würden wir: „Deadlift Dynamite" von Andy Bolton, „Monster 
Squats" von Joe Norman, „Bench Press - The Science" von Josh Bryant 205 sowie das 
„Westside Barbell Book of Methods" von Louie Simmons 206 . Mit etwas Glück stößt man aber 
auch auf solides kostenloses Material, etwa Dave Tate's „Benchipedia" 207 . Eventuell 
interessant für die Erstellung nicht ganz so wettkampforientierter Programme sein könnten 
auch „5/3/1" von Jim Wendler und „Beyond Bodybuilding" von Pavel Tsatsouline (hey, auch 
die ambitioniertesten Powerlifter können nicht immer nur Stoff geben, und das, obwohl viele 
von ihnen bekennend auf Stoff sind 208 ;-) ). 



204 Bei der Auswahl des richtigen Trainers gibt es verschiedene Vorlieben, wir finden das hier eine recht gute 
Zusammenstellung: http://breakingmuscle.com/coaching-business/the-10-types-of-coaches-and-how-to-spot-them 
(Stand 17.04.2014). 

205 Alles Weltklasseleute, wenn nicht gar Weltrekordhalter in den einzelnen Disziplinen. Damit nicht genug, alle drei haben 
mit den genannten Werken eine sehr solide Analyse der verschiedenen möglichen Stile in den Einzelbewerben 
abgeliefert, von der die meisten Kraftdreikämpfer - und nicht nur die Rookies - unserer Meinung nach noch einiges 
lernen könnten. Ein guter Trainer wird üblicherweise auch bereit sein, Fachliteratur (aber das ist der Knackpunkt hier - 
Fachliteratur, nicht „Muscle and Fitness"!) mit seinen Schützlingen zu diskutieren und nicht stur auf seinem eigenen 
Standpunkt beharren. 

206 Simmons' Westside Barbell Gym hat die Kraftdreikampf- Trainingswelt revolutioniert und ganze Generationen von 
erfolgreichen Powerliftern hervorgebracht, von denen auch viele bereits als Trainer Erfolge gefeiert haben. Auch sein 
Buch ist allemal lesenswert, wenn man auch im Hinterkopf behalten sollte, dass Westside Barbell nur eine der großen 
Powerlifting-Schulen ist - wenn auch eine der erfolgreichsten bisher. 

207 http://articles.elitefts.com/training-articles/benchipedia-dave-tates-free-bench-press-manual/ : passend dazu gibt's auch 
das ,free Squat Manual" http://articles.elitefts.com/training-articles/sports-training/dave-tates-free-squat-manual/ vom 
gleichen Autor, beide inklusive Verweise auf weitere nützliche Ressourcen und Artikel zum Thema. Dave Täte gehört 
übrigens ebenso wie Jim Wendler (Autor von „5/3/7") zu den Kraftdreikämpfern, die direkt (Täte) oder indirekt 
(Wendler) aus der Schule von Louie Simmons hervorgegangen sind. 

208 Louie Simmons zum Beispiel ist bekennender Steroid-User, bekannt gegeben u.a. in dem Dokumentarfilm „Bigger- 
Stronger-Faster" (2008). 



218 



Einschub: andere Trainingsprogramme 

Unsere unzensierte Meinung zu WKM, Crossfit und Freeletics 



They're on our right, they're on our left, they're in front of us, they're behind us; 
THEY CAN'T GETAWAYFROM US THIS TIME! 
[Lewis Burwell "Chesty" Puller] 




Crossfit hat dazu geführt, dass auch Frauen Burpees machen - und zu einigem Umdenken in Sachen 

Schönheitsideal. 



Es gibt inzwischen eine Vielzahl von Trainingsprogrammen, die sich einer großen Beliebtheit 
erfreuen. Manche davon sind Wiederholungsschemata, so etwa der sogenannte WKM-Plan, 
andere bieten inzwischen sogenannte WODs (Workout Of the Day) an, die ihre Anhänger 
absolvieren und in denen sie sich um die besseren Endzeiten batteln sollen. 



Fangen wir mit WKM an. Es handelt sich um einen Plan, der unbestätigten Angaben zufolge 
in deutschen Foren bekannt und verbreitet wurde, unter dem Usernamen dessen, der ihn 
anfangs dorthingestellt hatte (ein gewisser WKM). Allerdings soll er nicht der Urheber des 
Plans sein, sondern ein gewisser Stuart McRobert, langjähriger Autor des „Hardgainer"- 
Magazins 209 . Der Plan selbst findet sich im Internet so einfach in den verschiedenen Foren 210 , 
sodass er an dieser Stelle nicht extra erläutert werden muss. Es handelt sich um einen 
klassischen Bodybuilding-Plan aus Grundübungen mit dem Wiederholungsschema 3x8-12, 

209 http://www.muskelschmiede.de/forum/75120-bedeutet-wkm-ist-ein-wkm-plan.html . 

210 Z.B. hier (erster Treffer bei Google mit Suchbegriff „wkm plan"): http://www.bbszene.de/bodybuilding- 
forum/ showthread.php5 ?t=6 1158 . 

219 



und er wird hoch gelobt, insbesondere für Anfänger und mäßig weit Fortgeschrittene mit 
Masse-Aspirationen. Und in dieser Hinsicht wollen wir ihm auch gar nichts absprechen - 
angehende Bodybuilder und Fitness-Buffs, ziehet los und macht ein, zwei Jahre WKM, es 
sollte euch nicht schaden. Interessanter ist die Frage, ob das ein Plan ist, den man Sportlern 
empfehlen würde - unserer Meinung nach nicht oder nur für relativ kurze Zeit (sagen wir, drei 
Monate für jemanden, der noch nie ein Gewicht angefasst hat), länger nur in Fällen, wo ein 
hoher Massezuwachs effektiv Ziel Nr. 1 ist. Warum? Ganz einfach, er ist auf Massezuwächse 
ausgelegt! Kraft, Ausdauer und Schnellkraft werden damit nicht annähernd für jeden optimal 
trainiert. Ein wettkampforientierter Kampfsportler muss auf seine Gewichtsklassen achten 211 , 
ein Läufer muss sein Gewicht tragen und so weiter, und selbst ein Footballspieler darf in den 
meisten Spielpositionen nicht einfach seine anderen Qualitäten der Masse unterordnen (man 
schaue sich mal die berühmten Combine-Tests an). Viele scheinen zu vergessen, dass 
Massezuwächse ihren Preis haben - Ausdauer, Kraft im Verhältnis zum Körpergewicht 
(Relativkraft), Schnelligkeit und sogar Koordination können durchaus darunter leiden. 
Abgesehen davon haben zumindest Wettkampfsportler eh in der Regel nur wenige Monate im 
Jahr, in denen sie einfach mal so dem Krafttraining zu allgemeinen Zwecken fröhnen können, 
ohne spezifisch auf die Anforderungen ihres Sports und ihre eigenen Stärken und Schwächen 
einzugehen. Also, unserer Meinung nach ist das Wiederholungsschema 3x10 (oder leichte 
Abwandlungen davon) in erster Linie dann zu empfehlen, wenn man ein Gefühl für die 
Hanteln kriegen will, danach gibt es meistens bessere Alternativen - allerdings eignet es sich 
recht gut als de-load für Wiederholungsschemata wie 5x3-5. 

Flais: Ich habe WKM zugegebenermaßen selbst nie ausprobiert, und den Begriff sogar 
überraschenderweise erst relativ kürzlich gehört. Ich bin schon seit längerem kein Anfänger 
mehr, und rein aus Neugier werde ich das Training sicher nicht machen - Massezuwächse 
stehen in meiner Prioritätenliste grade ganz, ganz unten, und für alles andere konnte ich 
bisher keine richtigen Daten bekommen (ich habe zum Beispiel noch nie von jemandem 
gehört, der durch WKM in Bereiche gekommen wäre, die ich rückhaltslos als „stark" 
bezeichnen würde). Trotzdem, wie gesagt, für Leute, die einfach ein paar oder auch viele 
Kilos mehr wollen, ist es sicher ein vernünftiger und erprobter Plan. 

211 Was nicht heißen muss, dass der Plan nichts für einen Freizeit-Kampfsportler sein kann - die Frage, wie man denn 
sinnvoll Masse aufbauen könnte, wird einem auch von Kampfsportlern sehr häufig gestellt und macht bis zu einem 
bestimmten Punkt durchaus Sinn - in einer Auseinandersetzung ohne Reglement hat der Schwerere immer mindestens 
einen wichtigen Trumpf auf seiner Seite. 

220 



Crossfit und Freeletics dagegen sind zwei Ansätze, die Leute in anderen Bereichen „über 
einen Kamm scheren" wollen. Beide bieten täglich ein bestimmtes Trainingsprogramm (via 
Internet oder App), das absolviert werden soll - möglichst viel in einer bestimmten Zeit oder 
möglichst wenig Zeit für ein vorgegebenes Pensum. Crossfit mischt dabei Gewichte und 
verschiedene Geräte mit Körpergewichtsübungen, Freeletics dagegen arbeitet nur mit 
Körpergewicht. 

Woher kommt nun die Beliebtheit solcher Programme, und für wen sind sie unter Umständen 
interessant? Crossfit ist schließlich innerhalb von sehr kurzer Zeit (zehn Jahre?) zu einem 
Multi-Millionen-Dollar-Business geworden. Die Philosophie dahinter ist, dass das Leben 
„zufällig" ist und die Programmerstellung daher auch „zufällig" erfolgen sollte. Davon haben 
sich offenbar viele angesprochen gefühlt, verstärkt noch durch die Tatsache, dass 
insbesondere bei den „Crossfit Games" sehr viele sehr fitte Jungs und Mädels teilnehmen 
(was auch damit zu tun haben könnte, dass Peisgelder in Millionenhöhe ausgeschüttet 
werden - Scheiße, wenn ich grad nichts Besseres zu tun hätte, würde ich auch an den 
Games teilnehmen!). Wichtiger dürfte aber noch der Wettbewerbscharakter sein - es wird in 
Foren und in den Crossfit-Filialen ein aufbauendes Klima geschafft, und es gibt klare 
Vorbilder und Standards, denen man nacheifern kann. Nicht wenige einstige Couch-Potatoes 
sind schon zu fanatischen Crossfit-Anhängern bekehrt worden. 

Das klingt ja jetzt alles erstmal ganz gut. Das Problem ist nur, dass Crossfit kaum bis keine 
Rücksicht auf das Trainingsniveau seiner Mitglieder nimmt (deswegen gabs da auch 
verhältnismäßig viele Fälle von Rhabdomyolysis 212 ) und die Ausführungsform sehr oft zu 
wünschen übrig lässt 213 , was insbesondere bei den klassischen „olympischen" Gewichthebe- 
Übungen fatal sein kann. Außerdem ist so etwas wie ein gezielter Aufbau in irgendeine 
Richtung nicht wirklich erkennbar 214 . 

Wie siehts nun mit Crossfit oder Freeletics für Sportler aus? Unserer Meinung nach 
durchwachsen. Die Übungsauswahl kann man in beiden Fällen als „gut" oder „funktionell" 
bezeichnen, aber leider fehlt jeglicher Bezug zur jeweiligen sportlichen Realität - selbst die 

212 Sehr eindrucksvoll hier beschrieben: http://health.yahoo.net/articles/fitness/inside-cult-crossfit?page=2 - während 
einem einzigen crossfit-artigem Training sollen nicht weniger als 13 Footballspieler betroffen gewesen sein. 

213 http://www.kampfkunst-board.info/fomm/f86/cross-fit-gef-hrliches-mcdojo-auua-139235/ . 

214 http://www.kampfkunst-board.info/forum/f26/crossfit-131427/ und http://www.sweatpit.com/forum/ubbthreads.php? 
ubb=cult 



221 



Sieger der Crossfit-Games trainieren nach eingenen Angaben nicht nach den WODs. Auch ist 
beispielsweise Crossfit-Gründer Mr. Glassmann (ein ehemaliger Turner) eine recht 
kontroverse (und, wie wir bemerken müssen, optisch zutiefst unbemerkenswerte) Figur mit 
bestimmten Äußerungen, die einem Sportler eigentlich klar machen müssten, dass man sich 
hier an ein anderes Zielpublikum wendet 215 . Die Behauptung des Crossfit-Marketings, die 
fittesten aller Athleten zu produzieren, dürfte bei nüchterner Betrachtung wohl auch nur 
Kopfschütteln hervorrufen - Fitness ist ein sehr, sehr dehnbarer Begriff und extrem 
umgebungsabhängig, da jedes Umfeld spezielle Anpassungen verlangt 216 . 

Flais: Bei Freeletics ist das Problem meiner Meinung nach ähnlich gelagert, auch wenn ich 
hier zu einem eher milderen Urteil neige - ich mag ehrlich gesagt die „kein Equipment - 
geringe Kosten"-Philosophie, und es gibt hier meiner Ansicht nach durchaus Fälle, wo sich 
die Trainingsziele mit den grundlegenden Anforderungen bestimmter Sportarten decken 
können (z.B. schlagende und tretende Kampfsportarten); dennoch würde ich auch in diesem 
Fall eher dazu raten, sich ebenso wie bei Crossfit eher Anleihen an den Trainings zu 
nehmen 217 und gemäß der eigenen Ziele und Bedürfnisse zu trainieren und die 
Trainingsplanung in mehr als einer Hinsicht progressiv zu gestalten. 

Gut ist in jedem Fall, dass diese Systeme viele Leute ansprechen, durch Abwechslung bei 
Laune und damit auch bei der Stange halten können - wer ein lukratives Trainingskonzept mit 
Breitenwirkung aus der Taufe heben möchte, sollte sich da vielleicht was abschauen. 



215 http://health.yahoo.net/articles/fitness/inside-cult-crossfit?page=2 ; Glassman kritisiert z.B. die Teilnehmer von 
bestimmten Sportarten wie Powerlifter oder Mittelstreckenläufer mit den Worten „die Natur bestraft Spezialisten" - der 
gute Mann sollte sich vielleicht mal in eine Bio-Vorlesung setzen oder öfter mal Discovery-Channel schauen. 

216 Vgl. dazu das Zitat in der vorigen Fußnote! Dazu kommt, dass Crossfit entgegen der eigenen Behauptungen absolut 
Schwerpunkte setzt - so dominieren Kraft und Kraftausdauer die allermeisten WODs, was nicht nur vom sportlichen, 
sondern auch vom survivaltechnischen Standpunkt aus sehr tendenziös ist. Bisher haben wir zumindest noch kein WOD 
gesehen, das das Erlegen eines Bären mit bloßen Händen, das Finden von Wasser in der Kalahari oder auch nur das 
Hochtragen von Großtante Bertas zarten 110 kg über ein nicht behindertengerechtes Treppenhaus vorgesehen hätte - 
alles Aufgaben, die mit dem Leben von Normalsterblichen mindestens genausoviel (oder wenig) zu tun haben wie 120kg 
fünfzehnmal über den Kopf zu stoßen. 

217 Flais: Wohlgemerkt, wir behaupten nicht, dass die Trainings per se schlecht oder einfach wären, weit gefehlt (ich habe 
soeben das erste Mal in meinem Leben das „Fran" workout probiert - abwechselnd je 21-15-9 Wiederholungen in 
Thrusters mit 42kg und Klimmzügen - und das dürften die lustigsten 2:27 Minuten gewesen sein, die ich diese Woche 
hatte) - nur ist eben zu entscheiden, ob sich diese Workouts mit dem Fitnesslevel und den Zielen des Ausführenden 
decken oder nicht. 



222 



Besonderheiten im Training für Kampfsport 



All I want to do is hit somebody in the mouth. It's a whole lot easier than working for a living. 

Don't make anything noble out of what I do. 
[Randall Tex' Cobb] 

Hinweis: dieses Kapitel beinhaltet einige Dinge, die den normalen Anwender so vermutlich 
nicht betreffen werden und teilweise schon in anderen Teilen dieses Buches angesprochen 
wurden; trotzdem wollen wir hier noch einmal etwas mehr ins Detail gehen. 

Es gibt seit langem schon eine Debatte, wie denn zusätzliches Kraft- und Konditionstraining 
für Kampfsport zu betreiben sei: die traditionelle Schule, die auf Körpergewichtsübungen und 
leichte Gewichte für möglichst kampfspezifische Übungen schwört (das moderne „functional 
Training" bezieht viele Ideen von dieser Schule; allerdings werden die Standards dort unserer 
Meinung anch zum Teil deutlich gesenkt, um das Ganze anwenderfreundlicher zu machen); 
die kraftsportorientierte Schiene, die einem bestimmten, vordefinierten System (Powerlifting, 
olympisches Gewichtheben, Bodybuilding oder deren Derivate) den Vorzug gibt; und 
schließlich gibt es immer noch den Ansatz, recht viel mehr als möglichst viel seinen 
Kampfsport zu betreiben könne und solle man nicht tun. 

Es dürfte unmöglich sein, diese Debatte in einem Streich zu beenden; wir würden für eine 
Kompromisslösung plädieren: es möge sich jeder als Ausgangspunkt suchen, was ihm von 
der Argumentationsweise zusagt und DEREN ANWEISUNGEN ER DANN AUCH AKTIV 
BEFOLGT. Von da kann man dann immer noch modifizieren. 

Die individuelle Veranlagung sollte dabei in die Überlegungen miteinbezogen werden, denn 
die Kosten-Nutzen-Ratio von Übungen ist nicht immer gleich. Als Beispiel wollen wir das 
Kreuzheben heranziehen. Dieses gehörte zum Beispiel zu den Lieblingsübungen des 
britischen Mittel- und Leichtschwergewichts-Judokas Dave Starbrook (Silber bei der 
Olympiade 1972, Bronze 1976), dem Konkurrenten aus dem russischen Team wegen seines 
kraftvollen Stils den Spitznamen „the Iron Man" verpasst hatten; Starbrook hatte 
bekanntermaßen Flexibilitätsprobleme - er konnte nicht einmal seine Zehen berühren - und 



223 



war in Folge dessen kein großer Kniebeuger. Stattdessen bezog er die Beinkraft für den 
Standkampf vorwiegend aus Step-ups, leichteren Kniebeugen und Shuttle runs (zwischen 
zwei ca. 15m auseinanderliegenden Linien hin und her sprinten) und spezialisierte sich auf 
den Bodenkampf. Aus diesem Grund war er ein begeisterter Kreuzheber - er fand, diese 
Übung sei exzellent, um die notwendige Rückenkraft für newaza (Bodentechniken im Judo) 
aufzubauen. Starbrook zog auch ein recht beachtliches Gewicht, nämlich 232 kg bei 86 kg 
Körpergewicht 218 . Dies ist ein weiterer wichtiger Punkt - je nach individuellem Stil sind 
unterschiedliche Maße an Kraft und Ausdauer in diversen Positionen erforderlich, worauf das 
Training zugeschnitten werden sollte. Vor diesem Hintergrund können auch die aufgelisteten 
Kraftstandards (siehe gleichnamiges Kapitel) etwas differenzierter betrachtet werden. 
Umgekehrt liest man aber bei Starbrooks Nachfolger im britischen Team, Neil Adams, genau 
zehn Jahre später, Kreuzheben sei ein Übung, die Judokas unbedingt meiden müssten, wohl 
da sie zu verletzungsträchtig sei; ebenso werden Schulterdrücken mit Lang- oder Kurzhantel, 
vorgebeugtes Rudern 219 sowie Step-Ups abgewertet (alles Lieblingsübungen von Starbrook!), 
sogar vor Fußballspielen im Training wird explizit gewarnt 220 - das olympische Stoßen 
dagegen sei ein „natürlicher Bewegungsablauf" und somit in Ordnung 221 . Abgesehen davon 
hielt Adams nichts von Sprints an Hügeln und Treppen oder, Gott bewahre, Läufen mit 
Zusatzgewichten 222 - die wie schon erwähnt nach wie vor von diversen, auch namhaften 
Kampfsportlern sehr geschätzt werden 223 . 

Auch wenn wir generell eher der „hardcore"-Schule zuneigen, werden wir Adams nicht 
widersprechen - seine Erfolge sprechen dafür, dass sein Ansatz zumindest für ihn der richtige 
war. Wir würden stattdessen mal wieder zur Eigenverantwortung mahnen - nämlich selber zu 
reflektieren, welche Übung man wofür macht, welche man einwandfrei beherrscht, welche 
immer wieder zu Problemen geführt hat und wo die Resultate fraglos positiv waren. 

Ungeachtet dessen wollen wir hier einen analytischen Ansatz vorstellen, der sich aus der 
eigenen Erfahrungen, unzähligen persönlichen Gesprächen mit erfolgreichen Kämpfern und 

218 D. Starbrook, Judo - Starbrook Style. (London 1978) 39, 105-113. 

219 N. Adams / C. Carter, Olympic Judo - Preparation Training. London 1988, 103. 

220 N. Adams / C. Carter, Olympic Judo - Preparation Training. London 1988, 113. 

221 N. Adams / C. Carter, Olympic Judo - Preparation Training. London 1988, 98, 103. 

222 N. Adams / C. Carter, Olympic Judo - Preparation Training. London 1988, 78. 

223 Etwa M. Furey, Combat Conditioning. Functional Exercises for Fitness and Combat Sports. Tampa 2000, 114; K. 
Angle, It's True, it's True! (New York 2002) 72-76. 



224 



der Lektüre einer Vielzahl von Abhandlungen zu dem Thema ergeben hat: es scheint so zu 
sein, dass in bestimmten Gewichtsklassen nicht nur andere Angriffe, sondern auch andere 
Trainingsmethoden das Bild dominieren. 

Wir werden am Beispiel Freistilringen versuchen aufzuschlüsseln, in welcher Gewichtsklasse 
welche Faktoren und Angriffe besonders von Bedeutung sind und welche Trainingsmittel gern 
dafür angewandt werden. 



Schlüsselfaktoren und Trainingsmittel im Kampfsport nach Gewichtsklassen 





Leichtgewicht (50-65kg) 


Mittelgewicht (66-85kg) 


Schwergewicht (86+ kg) 


Häufigste Angriffe 


Low Single leg 
arm drag 
arm throw 
suplex 


High Single leg 
hip throws 
arm spin 


Double leg 
lateral drop 
snapdown 


Typische Kampfsituation 


no contact o. weiter Clinch 
double inside tie 
Single underhook 


Mittlere Clinchdistanz 
outside Russian 
Single underhook 


Enger Clinch 
over-under 

double over/ d. under 


Wichtigste Qualitäten 


Schnelligkeit 
Timing 

turnerische Fähigkeiten 


Kraftausdauer 

Kombinationen 

Griffkraft 


Positionierung 
Kraft 

Ausdauer 
Masse 


Wichtige Trainingsmittel 


Turnen 
Sprints 
Zirkeltraining 

Technikdrills (solo und mit 

Partner) 

Kämpfe 


Zirkeltraining 
Mittelstreckenläufe, 
schwere BWEs (z.B. 
Seilklettern) 

Technikdrills mit Partner 
Kämpfe 


Krafttraining mit schweren 
Gewichten (<10 Wh) 
klassische BWEs (z.T. 
hohe Wiederholungen) 
Fahrrad, Schwimmen) 
Technikdrills, Kämpfe 



Die oben stehenden Gewichtsklassen sind Näherungswerte und beinhalten jeweils mehrere 
Unterklassen; aufgrund der leichteren Recherchierbarkeit im Internet wurden vorwiegend 
englische Technikbezeichnungen gewählt. 

Auch sind bei der Analyse die Kontraste etwas schärfer gezeichnet als sie sich in der Realität 
darstellen: so gibt es durchaus Mittelgewichte, die beachtliche Gewichte keulen können 224 
(allerdings machen sie das in der Regel im Gegensatz zu vielen der schweren Jungs nur ein, 

224 Etwa der japanische <71kg Weltmeister und Morote Seoi-Nage-Spezialist Kiyoto Katsuki, der eine volle Kniebeuge mit 
220 kg schaffte. H. Nakanishi, Seoi-Nage. In: N. Soames (Hrsg.), Judo Masterclass Techniques. (London 1996) 56. 

225 



zwei Monate in der Off-Season, nicht den Großteil des Jahres über), Leichtgewichte, die viel 
auf Kontakt ringen und Schwergewichte, die für ihre Schnelligkeit bekannt sind und im 
Training auch viel sprinten - ähnlich stellt sich die Sache bei den bevorzugten Angriffen dar. 
Dennoch scheinen sich die Schwerpunkte unserer Erfahrung nach wie beschrieben 
darzustellen - das Spiel ist bei den Leichtgewichten allgemein viel schneller, bewegter und 
akrobatischer, bei den Schwergewichten dagegen positionsbetonter. Ähnliche Tendenzen 
scheinen sich im Judo abzuzeichnen, sowohl was Training als auch Kampftaktik betrifft. 
Dabei ist noch anzufügen, dass im Judo dem Training von Wurfeingängen {uchikomi; s.a. 
Kapitel zu Expandern) in sehr hohen Wiederholungszahlen - 300 und mehr pro Tag - quer 
durch die Gewichtsklassen von nahezu allen Champions für die allermeisten Techniken große 
Bedeutung beigemessen wird 225 . 

Wie findet man nun seine ideale Gewichtsklasse? Auch hier gibt es kein Patentrezept. Zum 
Aufsteigen in eine höhere Klasse wird aus rein leistungstechnischen Gründen vor allem dann 
geraten, wenn jemand konditioneil und kraftmäßig in seiner Klasse über dem Durchschnitt 
liegt, aber an Schnelligkeit und technischer Vielseitigkeit 226 eventuell unterlegen ist; oder aber 
wenn jemand starke Schwierigkeiten hat, an Wettkampftagen das geforderte Gewicht zu 
bringen, sprich er für seine Fähigkeiten im Gewichtmachen zu weit über dem Gewichtslimit 
liegt. Natürlich kann es auch sein, dass die höhere Klasse schwächer besetzt ist oder jemand 
einem bestimmten Konkurrenten (Teamkollege oder Angstgegner) ausweichen will. In solchen 
Fällen wird üblicherweise zu mehr Arbeit mit schweren Gewichten, Training mit schweren 
Partnern und viel schwerem Essen geraten. 

Im Prinzip orientiert man sich meistens aber eher in Richtung der unteren Gewichtsklasse, 
wenn die Leistung im Vordergrund steht. Es ist in den meisten Fällen erfahrungsgemäß 
nämlich so, dass Kraft und Ausdauer keineswegs gleich schnell aufgebaut werden wie 
Masse, sodass man in physischer Hinsicht recht schnell gegenüber den Gegnern ins 

225 Siehe dazu Y. Yamashita, Osoto-Gari. In: N. Soames (Hrsg.), Judo Masterclass Techniques. (London 1992) 75-79. H. 
Nakanishi, Seoi-Nage. In: N. Soames (Hrsg.), Judo Masterclass Techniques. (London 1996) 56-63; 119-121. J.-L. 
Rouge, Harai-Goshi. In: N. Soames (Hrsg.), Judo Masterclass Techniques. (London 1996) 72-76. H. Sugai, Uchimata. 
In: N. Soames (Hrsg.), Ippon Masterclass Techniques. (London 1991) 89-93. 

226 Im Ringen ist allgemein zu beobachten, dass in den leichteren Gewichtsklassen wesentlich mehr technische Vielfalt 
gezeigt wird - wohl da viele Griffe - etwa Ausheber - vor allem von im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht stärkeren 
Athleten gezogen werden können. Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe Alexander Karelin (der Typ auf dem 
Titelbild). 



226 



Hintertreffen gerät - und die haben obendrein mehr Erfahrung in der höheren 
Gewichtsklasse. Bei einem gemäßigen Abstieg (3-5 Kilo) über einen längeren Zeitraum wird 
normalerweise zuerst versucht, überflüssiges Fett loszuwerden, in einem drastischen Abstieg 
wird fast immer zumindest teilweise mit Dehydrierung gearbeitet. In diesem Fall wird 
schweres Gewichtstraining etc meist ausgesetzt, vorwiegend mit leichteren Gegnern trainiert 
und das Trainingsvolumen stattdessen erhöht (mehr Trainingseinheiten, mehr 
Wiederholungen - z. B. In Form von Zirkeln -, längere Läufe), die Ernährung kalorienärmer 
gestaltet, im Fall von Dehydrierung kommen noch zusätzliche Maßnahmen wie eine salzarme 
Spezialdiät 227 , Sauna und Training im Schwitzanzug hinzu 228 . 

Abschließend noch ein paar Worte zur Gewichtung von Kraft- und Konditionstraining im 
Kampfsporttraining: so gut wie jeder Kampfsportler, der etwas auf sich hält, wird das 
Statement unterschreiben, dass DAS EIGENTLICHE KAMPFTRAINING DAS WICHTIGSTE 
IST. Nachdem das gesagt ist, können wir etwas mehr differenzieren: verschiedene Autoritäten 
im Grappling haben in letzter Zeit - nachdem eine Zeit lang alle nur darüber geredet haben 
wie toll und wichtig Sparring doch wäre, am besten Vollkontakt und mit den härtesten Typen, 
die man finden könne - betont, dass Sparring nicht mehr als 30-40% der Gesamt- 
Mattentrainingszeit ausmachen solle. Und auch das nicht immer mit den härtesten Gegnern - 
so heben etwa Steve Maxwell und Saulo Ribeiro hervor, dass man sich im Sparring nicht öfter 
als 1-2x pro Woche verausgaben solle 229 . Der Rest verteilt sich auf Gymnastik und Drills 230 . 

Und eben diese Drills sind bereits zum Teil Kraft- und Konditionstraining - wenn auch ein sehr 
spezifisches. Nun kann man viele dieser Drills auch alleine ausüben - mit ein paar einfachen 
Hilfsmitteln wie einem Gummiband, einem Spiegel oder einem Boxsack. Ein paar andere 
Kraftübungen sind so direkt mit der Kampfrealität verbunden, dass sie in unseren Augen 
ebenfalls in erster Linie als Drills gewertet werden sollten - Seilklettern zum Beispiel oder 
Ausfallschritte (Duck Walks, Walking lunges bzw. penetration shots). Diese können ohne 

227 Siehe auch das Kapitel „Schon mal die Escreme-Diät probiert?" 

228 Und das macht meistens noch weniger Spaß als nach was es klingt. 

229 http://www.irongarmx.net/phpBB2/viewtopic. php ?p=63 112 Unterpunkt „Preparing for BJJ Competiton". (Stand 
05.07.2014). 

230 Soweit zum Beispiel Cary Kolat. Siehe dazu auch http://www.wrestlingcoachacademy.com/case-live- 
wrestling/#sthash.F whllFIp . dpuf und http://www.wrestlingmindset.com/blog/5-things-learned-from-cary-kolat (Stand 
05.07.2014). 

227 



Bedenken von jedem das ganze Jahr lang ausgeführt werden - solange sie nicht auf Kosten 
von Trainingseinheiten mit Partner gehen. Ähnliches gilt für ein Minimum an Schnelligkeits- 
und Konditionsarbeit (z.B. Intervallläufe). 

Es gibt durchaus ein paar Ausnahmen von dieser Regel - so schreibt etwa der in diesem 
Kapitel schon mehrfach erwähnte Dave Starbrook, dass Kraft- und Konditionstraining 
(speziell in Form von Drills) in Europa einen allgemein höheren Stellenwert hätte als in Japan, 
nachdem es einfach nicht möglich sei, ebensoviele gute Trainingspartner wie dort 
aufzutreiben, mit denen man hart umspringen könnte; vielmehr würde ein wirklich guter 
Wettkämpfer alle Trainierenden auf einer Matte, ja sogar ein ganzes Dojo innerhalb von einer 
Woche „verbrauchen" können wenn er jeden Wurf voll durchziehen würde 231 - mit der 
möglichen Ausnahme der Leistungszentren. 

Ähnlich war auch die Sichtweise des für seine differnzierte und zum Teil sehr kreative Technik 
viel bewunderten Judo-Weltmeisters Katsuhiko Kashiwazaki, der nach seinem Abgang von 
der Tokai-Universität - DER Judo-Universität Japans - an einer abgelegenen Schule in 
Ibaragi unterrichtete und seine Erfolge in erster Linie vielen Läufen, Schatten-Randori und 
Uchikomi zuschreibt, da er ebenfalls nur wenige gute Gegner zur Verfügung hatte 232 . 
Auch der international bisher wohl erfolgreichste japanische Judoka, Yasuhiro Yamashita 
räumte dem Kraft- und Konditionstraining einen höheren Stellenwert ein, nachdem er mit 
etwa 26 Jahren (!) bemerkte, dass seine Verfassung sich langsam zu verschlechtern begann. 
Wenn er befand, dass sein Training in dieser Richtung nicht intensiv genug war - Yamashita 
propagiert in erster Linie das Fitnesstraining am Morgen, und zwar an abwechselnden Tagen 
Roadwork und Gewichtstraining 233 - dann beendete er sein Judotraining am Nachmittag 
früher als sonst und führte stattdessen weiteres Solotraining aus 234 . Zu bemerken ist aber 
auch, dass ein Teil von Yamashitas Aufwärmprogramm vor dem Judotraining aus etwa 15 
Minuten Uchikomi bestand 235 . 

Andere Kraftübungen dienen in erster Linie der Erhöhung der Grundkraft, der weitgehenden 

231 D. Starbrook, Judo - Starbrook Style. (London 1978) 22, 40, 46. 

232 K. Kashiwazaki, Fighting Judo. (London 1985) 142. 

233 Y. Yamashita, The Fighting Spirit of Judo. The Technique and Spirit to win. (London 1993) 182-183. 

234 Y. Yamashita, The Fighting Spirit of Judo. The Technique and Spirit to win. (London 1993) 179. 

235 Y. Yamashita, Osoto-Gari. In: N. Soames (Hrsg.), Judo Masterclass Techniques. (London 1992) 77. 



228 



Vorbeugung von muskulären Dysbalancen und der Verletzungsvorbeugung. Diese sollten 
nach Bedarf ausgeführt werden und so, dass sie die in der Hierarchie weiter oben stehenden 
Trainingseinheiten (Mattentrainings und Drills) nach Möglichkeit nicht negativ beeinflussen. 
Es besteht wie erwähnt die Möglichkeit, diese Trainings vorwiegend in der Off-Season zu 
betreiben, oder aber einen Großteil des Jahres über etwas Zeit darauf zu verwenden. 
Allerdings sollte der Gesamt-Zeitaufwand für reines Kraft- und Konditionstraining (ohne Drills) 
unter normalen Umständen 3-4 Stunden pro Woche nicht überschreiten, und das auch nur, 
wenn die Gesamttrainingszeit des Kampfsportlers bei 15-20 Stunden pro Woche liegt 236 . Wer 
wesentlich mehr macht (sowohl gesamt als auch im Verhältnis) sollte sich vielleicht mal 
fragen, wo ob seine Prioritäten wirklich im Kampf- oder doch im Kraftsport liegen. 



Ich bin sauer! 

Oder: Was man tun kann, wenn einem ein Muskelkater zugelaufen ist... 

Won 't someone just kill me / put me out of my misery / l'm making deals with God / 
III do anything / Make it stop, please / Make it stop, please! 
[The Offspring, The Worst Hangover Ever (Splinter)] 

Muskelkater wird von der aktuellen Trainingsforschung inzwischen nicht mehr als 
andauernde Übersäuerung der entsprechenden Partien gedeutet, sondern als winzige Risse 
im Muskel, deren Heilung etwas mehr Zeit benötigt. Es sollte wiederholt werden, dass nahezu 
jedes anspruchsvolles Training Mikrotraumata im Muskel hervorruft, die während der 
Erholungsphase nach dem Training abheilen müssen, was den Muskel in der Regel stärker, 
leistungsfähiger und oft - zumindest bei ausreichender Nährstoffzufuhr - auch größer macht. 
Muskelkater ist also nichts als die etwas stärkere Ausprägung dieses an und für sich 
alltäglichen Phänomens. 

236 Oder, wie Dave Starbrook es formuliert hat, vor Schwarzgurt-Niveau braucht man sich darüber keine wirklichen 
Gedanken zu machen (D. Starbrook, Judo - Starbrook Style. (London 1978) 112.). Man sollte aber auch anfügen, dass 
man in Starbrooks Zeiten noch innerhalb von einem Jahr vom Weiß- zum Schwarzgurt avancieren konnte und Starbrook 
selbst erwähnt, dass Kraft- und Konditionstraining - auch solches mit Gewichten - für einen Wettkämpfer von großer 
Wichtigkeit ist, da ein müder Kämpfer langsam und zögerlich wird ( D. Starbrook, Judo - Starbrook Style. (London 
1978) 106, 112). 



229 



Nun ist der Muskelkater nicht unbedingt etwas, was man fürchten muss, manche Bodybuilder 
lieben ihn geradezu; allerdings kann das possierliche Tierchen sich unangenehm auf die 
Pläne eine Sportlers für den jeweiligen Tag auswirken - ob dies nun das tägliche (Arbeits-) 
Leben ist, ein vereinbartes Training oder gar ein wichtiger Wettkampf. 

Sehen wir uns also an, wie das Kater-Vertreiben erfahrungsgemäß schneller funktioniert: 

- Wärmeeinwirkung. Dies gliedert sich in mehrere Faktoren: relativ warme Kleidung wie 
die typischen langen engen Lauf- oder Radhosen aus Lycra sowie ein gründliches 
Aufwärmen können ausreichen, um das Gefühl der Spannung verschwinden zu lassen 
oder wenigstens zu mindern, sofern der Muskelkater nicht zu stark ist 237 . 

Weiters hat sich Wärmezufuhr von außen bewährt. Dies kann in Form eines 
ausgedehnten heißen Bades erfolgen (während man andere Kater traditionell mit 
einem kalten Wasserguss zu vertreiben versucht) oder auch als Saunabesuch. Beides 
ist allerdings nicht gerade ideal oder zumindest gewöhnungsbedürftig direkt vor einem 
Wettkampf, eher können diese Mittel am Abend des Vortages eingesetzt werden. Eine 
positive Nebenwirkung ist da auch der generell Schlaf induzierende Effekt. 

- UV-Strahlung: wurde als regenerative Maßnahme und zur Förderung der Vitamin-D- 
Produktion schon von den Wissenschaftlern der DDR vorgeschlagen 238 . Ein 
Sonnenbad oder (im Herbst und Winter) ein Solariumbesuch können ebenfalls als 
Wärmequelle gelten und führen zumindest in einigen Fällen zu fühlbar schnellerer 
Genesung oder zumindest Symptomreduktion. 

Allerdings ist auch dies eher nach als vor einem Training / Wettkampf zu empfehlen. 
Darüber hinaus sollte man unbedingt im Rahmen der eigenen Gewöhnung bleiben - 
ein Sonnenbrand wirkt sich erfahrungsgemäß leistungsvermindernd und nicht 
leistungsfördernd aus! 



237 Edit Flais: dem Trick verdanke ich es, dass ich am Ende eines Trainingslagers aus eigener Kraft zum Trainingswett- 
kampf gehen konnte... Tipp zum Aufschreiben: wenn man ins Trainingslager geht, sollte man sich vorher an die zu 
erwartenden Belastungen gewöhnen - beispielsweise die Waden an längeres Laufen auf Asphalt. Ich hatte vorher fast 
nur Technik und jede Menge Sparring gemacht... die Trainingsläufe hab ich trotzdem alle gewinnen müssen, das war ich 
meinem Ehrgeiz schuldig ;) 

238 W. Gain, Ringen. (Ost-Berlin 1980). 129-130. 



230 



- Ernährung: positive Erfahrungen haben die Autoren mit einer zusätzlichen Zufuhr von 
Magnesium in Form von 0815-Brausetabletten gemacht. Auch der Genuss von 1-2 
Bananen (einer exzellenten Potassiumquelle) hat sich positiv ausgewirkt. Etwas 
exotischer, aber nichtsdestoweniger wirksam ist der Konsum von 1-2 Esslöffeln 
Sodabicarbonat (aka Kaiser-Natron) in Wasser. 

Schließlich sollte wiederholt werden, dass Muskelkater ja ein Mikroriss im Muskel ist. 
Insofern kann es sicher nicht schaden, dem Körper Reparaturmaterial in Form von 
hochwertigem Eiweiß zur Verfügung zu stellen. 

- Den Kater wegjoggen: Die Wirkung des Joggens auf den Alkohol-Kater ist nicht 
hinreichend dokumentiert 239 , bei Muskelkater kann der Therapieansatz aber durchaus 
funktionieren (im Prinzip ähnlich wie das mit der Wärmeeinwirkung: bessere 
Durchblutung und Versorgung des Muskels mit Nährstoffen) vorausgesetzt, der Kater 
beziehungsweise der therapeutisch eingesetzte Sportreiz sind nicht zu stark - ein 
kurzer, leichter Lauf, zwanzig bis vierzig Minuten Fahrradfahren oder ein leichtes 
Training mit Gummibändern würden uns spontan als empfehlenswert einfallen. Aber 
Vorsicht: manchmal ist die betreffende Einheit echt eklig, und unter besonders 
ungünstigen Umständen wird der Kater am nächsten Tag noch verspielter... 

- Schlaf: es ist generell eine gute Idee, etwas mehr zu schlafen, besonders, wenn das 
Training hart war. Im Idealfall sind dies nach aktuellen Recherchen für hart trainierende 
Sportler eher 10 Stunden als die generell empfohlenen 8 Stunden pro Nacht (und in 
besonderen Härtefällen ein zusätzliches Nickerchen zwischendurch 240 . 

Insgesamt ist Muskelkater ein Zeichen des Körpers, dass man erstmal genug trainiert hat. 
Daher würde ich in stark ausgeprägten Fällen empfehlen, entweder eine Trainingspause von 
einem oder zwei Tagen einzulegen oder eine andere Körperpartie verstärkt zu trainieren - 

239 Flais: Als ein Bekannter beispielsweise eines Morgens nach durchzechter Nacht mit den Worten, er werde jetzt „den 
Kater wegjoggen" die Wohnung verließ, erntete er von seiner Freundin verständnislose Blicke und den Kommentar, 
warum er denn jetzt die Katze aussetzen wolle. Ob es funktioniert hat, wie viel Promille besagte Dame intus hatte und 
ob die zwei zu diesem Zeitpunkt überhaupt eine Katze hatten, konnte bis Redaktionsschluss leider nicht eruiert werden. 

240 Nachdem das gesagt ist, muss angefügt werden, dass hohe Leistung auch unter suboptimalen Bedingungen aufrecht 
erhalten werden kann. Ich kenne beispielsweise einen Ringer der 1 . deutschen Bundesliga, der während seiner aktiven 
Zeit jahrelang nur 4-5 Stunden pro Nacht geschlafen hat. Napoleon soll übrigens zu dem Thema gesagt haben: „Ein 
Genie braucht drei Stunden Schlaf pro Nacht. Ein Mann braucht vier Stunden; und nur Frauen, Kinder und 
Schwächlinge schlafen mehr als fünf Stunden pro Nacht." Anfügen sollte man aber auch, dass Napoleon während der 
wichtigen Schlacht von Waterloo eingeschlafen ist - und diese verloren hat. 



231 



sofern der Wettkampfkalender dies erlaubt. Wenn nicht, ist das auch kein Grund zum 
Verzagen: Muskelkater führt keineswegs immer zu Leistungsverminderung, und nach 
gründlichem Aufwärmen ist er oft ohnehin kaum noch spürbar. Die Ehefrau unseres 
ehemaligen Leichtathletik-Trainers, zu ihrer Zeit eine der besten 800-Meter-Läuferinnen 
Italiens, ist ihre absolute persönliche Bestzeit mit Muskelkater in den Beinen gelaufen. Wenn 
also nichts anderes hilft oder aus Zeitgründen möglich ist, suck it down and man up! 241 



FAQ 

+ You have any questions? 
- Where is the exit?! 
[Faster] 

Lieutenant O'Neil, wenn ich Ihre Meinung hören möchte, sage ich Ihnen, welche! 

[Der Masterchief, Die Akte Jane] 



Q: Ich fahre bald zwei Wochen in Urlaub und weiß nicht, ob es da einen Kraftraum gibt. 
Werde ich Muskelmasse und Definition verlieren??? 

A: Keine Angst, so schnell geht das nicht. Außerdem haben wir euch in den Kapiteln „Fit mit 
Körpergewicht" und „Federn, Expander, Isometrics und Ähnliches" genug Möglichkeiten 
vorgestellt, auch ohne Gewichte zu trainieren. Und schließlich, wenn alle Stricke reißen 
sollten, gibt es noch die Möglichkeit, in den Wochen vor dem Urlaub geplant überzutrainieren 
und die ein, zwei Wochen blau zu machen, vorausgesetzt, man geht im Urlaub zumindest ein 
bisschen schwimmen, surfen, wandern, biken, Ski fahren, klettern 242 ... und futtert nicht täglich 



241 © Jared Savik. Gilt übrigens auch für so ziemlich alle anderen kleinen und großen Stöcke, die das Leben einem 
zwischen die Beine schmeißt - angefangen bei Schlafentzug über gezwungenes Fasten, Beziehungsprobleme, Stress im 
Job, vorzeitiges Altern, schreiende Kinder, nörgelnde Omas, Verletzungen (von „Auge zugeschwollen" bis 
„Zwerchfellriss") bis hin zu weiß der Geier was: SUCK IT DOWN AND MAN UP! 

242 Nur Golf würden wir nicht empfehlen, zumindest nicht, wenn man die Strecken zwischen den Schlägen im Buggy fährt. 



232 



das ganze Büffet leer. Auch das führt manchmal zu überraschend positiven Resultaten, ganz 
zu schweigen davon, dass eure Begleitung (ihr fahrt doch nicht allein, oder? Oder??) den 
Urlaub so vermutlich entschieden entspannter finden wird ;-) 

PS: Trotzdem würden wir es aufgrund von Erfahrungsbeispielen aus unserem Umfeld nicht 
empfehlen, direkt nach einem Urlaub einen wichtigen (Wett-)Kampf zu bestreiten. Erstens ist 
es so entschieden schwieriger, auf das angestrebte Kampfgewicht zu kommen, und zweitens 
sind nach einem klassischen Urlaub nur wenige Leute wirklich in Topform, selbst wenn sie so 
aussehen sollten. Plant euren Kalender entsprechend, wenn der Wettkampf Priorität hat! 

Q: Ich (17, M) würde gern mit Boxen anfangen, aber meine Mami lässt mich nicht. Gibt es 
irgendein Training mit Gewichten, das ich machen kann, um einen besseren Start zu haben, 
wenn ich nach dem Abi damit anfange?? Soll ich mir einen Boxsack kaufen? Was ist mit 
Schattenboxen? Und boxe ich in den neuen Ad*star Boxstiefeln besser? 
A: Erstens: Hrmpf. Zweitens: Nicht wirklich. Wieviel du curlen kannst, juckt weder deinen 
Trainer noch deine Gegner was. Wir würden empfehlen, regelmäßig joggen zu gehen, ein 
bisschen mit Seil springen anfangen, zudem Klimmzüge, Liegestützen und Burpees zu 
machen - also keine Raketenwissenschaft, sondern Sachen, die Boxer schon seit hundert 
Jahren machen. Dadurch wirst du zwar nicht automatisch besser boxen, aber wenigstens 
bringt dich dann nicht schon das Aufwärmen um. Und wenn dir die Sache mit dem Boxen 
wirklich ernst ist, fang so schnell wie möglich damit an - im Verein, ohne Vorkenntnisse am 
Boxsack oder mit Schattenboxen gewöhnst du dir normalerweise höchstens Blödsinn an 243 . 
Oh, und sorry, ein Anfänger in 150€ Stiefeln schaut einfach nur doof aus, damit tust du dir 
nicht wirklich einen Gefallen. 

243 Außer man ist Rocky Marciano. Wer einwendet „Aber ich habe doch die Trainings-Dvd von !" dem ist zu 

entgegnen: obwohl Lernen von Techniken aus Büchern und DVDs durchaus möglich ist - wir haben dies selbst schon 
erfolgreich praktiziert - und, falls man jemals Trainer werden sollte, sogar praktisch unumgänglich wird, ist es unserer 
Meinung nach erst nach einem bestimmten Punkt wirklich produktiv, und dieser Punkt liegt im Allgemeinen bei einem 
absoluten Minimum (!) von einem Jahr konsequentem Training (und da sind wir noch absolut großzügig). Ansonsten 
schleichen sich zu viele unbemerkte Fehler ein, oder man kann die Nützlichkeit und Anwendbarkeit bestimmter 
Prinzipien schwer einschätzen. Tut euch einen Gefallen und nutzt euer erstes Jahr, um möglichst unvoreingenommen die 
Informationen aufzusaugen, die euch im Training dargeboten werden (natürlich sollte man sich seinen Verein gut 
aussuchen; hat man ihn aber ausgesucht, sollte man das dortige Angebot bestmöglichst nutzen, gerade als Anfänger). 
Keine Angst: für den Anfang ist das mehr als genug, und wenn ihr wirklich alles aufnehmen und auch anwenden lernt, 
dann braucht ihr euch um eure sportliche Karriere erstmal keine Sorgen zu machen. Die Zeit zum Hinterfragen und 
kritisch werden kommt noch früh genug - aber ich persönlich halte es ehrlich gesagt für vermessen, wenn manche schon 
im zweiten Training glauben, schlauer zu sein als Trainer und Mannschaftskollegen zusammen, nur weil sie im 
Fernsehen kurz gesehen zu haben glauben, wie XY irgendwas gemacht hat. 



233 



Wenn du dir sicher bist, dass du beim Boxen bleiben willst - also nach mindestens einem 
halben Jahr, eher sogar einem Jahr bei mindestens 3 Trainings pro Woche - wird der 
Zeitpunkt da sein, wo du in Rücksprache mit deinem Trainer (!) ein Trainingsprogramm 
ausarbeiten kannst, das dich boxerisch weiterbringt und deine Stärken und Schwächen 
berücksichtigt. Sei aber bitte nicht zu fixiert drauf, dabei unbedingt schwere Gewichte zu 
keulen - manche Trainer ziehen andere Mittel vor, und sie haben in der Regel auch ihre 
Gründe und Erfahrungswerte dafür. 

Q: Ich hab gehört, Mike Tyson hat so trainiert: Soll ich das auch so 

machen??? 

A: Bist du Mike Tyson? Programme oder Angaben, die aktive Leistungssportler über ihr 
Training, ihre Ernährung etc an die Presse weitergeben, sind immer mit Vorsicht zu genießen: 
Vielleicht ist es nur Effekthascherei oder Taktik, um die Konkurrenz zu verwirren (zumindest 
eines der Programme von Tyson, die im Internet zu finden sind, wurde von ihm 
bekanntgegeben, während sich sein nächster Gegner im Trainingscamp vorbereitet hat - 
'nuff said). Warum sollte ich meine geheimsten Trainingspläne preisgeben, wenn ich doch 
Halbwahrheiten erzählen kann, die mich viel cooler, unerreichbarer und gefährlicher dastehen 
lassen? 

Flais: Ein weiteres Beispiel: Es kursieren im Netz die wildesten Gerüchte über das Training 
eines indischen Ringers mit den Künstlernamen „The great Gama" und „The Lion of Punjab", 
der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts über 5000 Matches ohne Niederlage 
gewonen haben soll. Das Programm soll im wesentlichen aus Hindu-Kniebeugen und Hindu- 
Liegestützen (4000 respektive 2000 pro Tag!) bestanden haben. Dazu ist mehreres zu 
bemerken. Erstens: Damals wurden Ringkämpfe mit „open end" ausgetragen, sprich, der 
Titelkampf ging auch schon mal über zwei Stunden. Dies ist in keiner Weise zu vergleichen 
mit den heutigen sportlichen Realitäten, wo ein Turnierkampf nicht mehr als 2x3 Minuten 
dauert, und ein Mannschaftskampf nicht mehr als 3x3 244 - folglich wird heute viel aggressiver 
und schneller gerungen, was andere Trainingsformen nötig macht. Zweitens sind meiner 
Ansicht nach gerade die Hindu-Kniebeugen eine vorbereitende Übung auf eine bestimmte Art 
des Beinangriffs - der im Sandkasten (in Indien wurde auf Sand oder Lehm gerungen) auch 

244 Die deutsche Bundesliga hat aus nur ihr bekannten Gründen beschlossen, sich wieder nicht an das international übliche 
Wettkampfformat zu halten. 

234 



super funktioniert, auf modernen Matten gibt's aber effizientere Möglichkeiten, weswegen die 
meisten westlichen Ringer Kniebeugen auf flachem Fuß bevorzugen. Schließlich - und das 
wird gerne übersehen - soll der gute Gama auch mehrere Stunden am Tag mit wechselnden, 
frischen Gegnern gerungen, eine 40 kg schwere Keule herumgeschwungen haben und mit 
einem 60 kg Steinring um den Hals joggen gegangen sein - wenn er gerade nicht zu 
beschäftigt war, Bäume auszureißen 245 . Dies bedeutet nicht, dass diese Übungen nicht einen 
bestimmten Wert hätten - daher haben wir ja beispielsweise auch die Gotch Bible in dieses 
Buch mit aufgenommen. Wer aber glaubt, durch simple Nachahmung zum nächsten 
Weltmeister zu werden, wird jedoch wohl enttäuscht werden: Selbst, wenn das wirklich reale 
Trainingseinheiten sein sollten, so beziehen sie sich auf bestimmte Stärken und Schwächen, 
konkrete Phasenziele, eine bestimmte Physis und einen gewissen Kampfstil - und nicht 
zuletzt auf einen momentanen Abschnitt einer jahrelangen Entwicklung. 

Q: Ihr habt gerade gesagt, man kann die Programme von Champions nicht kopieren, aber 
trotzdem habt ihr viele davon in euer Buch aufgenommen! 

A: Das war zwar keine Frage, aber gut. Zum einen haben wir versucht, zwischen seriösen 
und unseriösen Quellen zu unterscheiden (wenn ihr irgendwas trotzdem nicht glauben wollt, 
bitte); zum anderen haben wir nie gesagt, dass man besagte Programme genau so 
durchführen muss, im Gegenteil haben wir meist sogar mehr Platz darauf verwendet zu 
schreiben, wie man die Trainingseinheiten variieren und dem individuellen Leistungsstand 
sowie den jeweiligen Bedürfnissen anpassen kann. In unseren Augen ist das kein 
Widerspruch. Der Hauptgrund, aus dem wir ziemlich einige dieser Programme übernommen 
haben ist zu zeigen, was erforderlich ist, um erfolgreich zu sein, sowohl in Sachen 
Trainingsumfang als auch in Sachen Einstellung und Auswahl der Trainingsmittel; außerdem 
wollten wir die Vielseitigkeit und Kreativität dieser Athleten aufzeigen. 

Q: Ist der stärkere Athlet der besser Athlet - und gewinnt der stärkere Kämpfer den Kampf? 

245 Letzteres zeigt erstaunliche potentielle Parallelen zu den Uchikomi im Judo (s. Anm. 48 f.)- Nach Flais' Experimenten 
die unter anderem einen Autoreifen und mehrere Betonziegel beinhalteten, da kein Gar Nal (Steinring) zur Verfügung 
stand, ist dieser kein simples Zusatzgewicht: er wippt beim Laufen auf und ab und simuliert dabei Runterreißer am 
Kopf, indem er rythmisch gegen Nacken und Hinterkopf klatscht. Und ja, meine Nachbarn haben schon ziemlich 
merkwürdige Sachen zu sehen bekommen, wobei ich jetzt nicht weiß, ob der Anblick eines Läufers mit dem Kopf im 
Autoreifen schräger war oder die Tatsache, dass dieser begeistert loslachte, als er den beschriebenen Effekt bemerkte - 
und sich über die restliche Strecke das Grinsen nicht mehr verkneifen konnte... 



235 



A: Die Antwort ist in beiden Fällen Nein. Zwar werden beide Aussagen besonders im 
englischen Sprachraum gern herangezogen, um die Wichtigkeit des Krafttrainings zu 
unterstreichen, jedoch gibt es da für beide in der korrekten Form den kleinen aber feinen 
Zusatz ALL OTHER THINGS BEING EQUAL (= wenn alle anderen Voraussetzungen gleich 
sind). Aber wann sind sie das jemals? Genauso ließe sich behaupten, der wendigere, der 
schnellere, der ausdauerndere, der technischere, der konzentriertere, der trainingsfleißigere 
oder der schlauere Athlet würde den Sieg davontragen. All dies sind Qualitäten, die man zum 
Siegen braucht, wenn auch nicht überall in den gleichen Verhältnissen 246 , in den meisten 
Sportarten zudem gepaart mit dem, was man „drive" oder „guts" nennt - Härte gegenüber der 
eigenen Person und ungebrochenem Siegeswillen. Eine ordentliche Portion Glück kann auch 
nicht schaden, ebensowenig eine verletzungsresistente Konstitution 247 , und auch 
anatomische Besonderheiten können manchmal zum Sieg beitragen 248 . 
Interessanter wäre die Frage, in welchem Gebiet man sich am ehesten Schwächen erlauben 
könnte, bzw was durch was kompensiert werden kann. Jedoch ist auch dies nicht wirklich zu 
beantworten, denn jeder Athlet stellt seine eigene individuelle und laufend veränderliche 
Mischung aus den verschiedenen Qualitäten dar, und es hat in der Vergangenheit bereits 
nahezu unzählige Siegerprofile in den verschiedenen Sportarten gegeben; man könnte fast 
sagen, dass bestimmte Sportlertypen für bestimmte Sportarten „in Mode" kommen und auch 
wieder „out" werden können. In den letzten Jahrzehnten ging der Trend allgemein eher hin 
zum athletischeren, muskulöseren Sportler, und zwar in den meisten Sportarten, selbst 

246 Ein besonders ausdauernder Gewichtheber zum Beispiel wird im Wettkampf, in dem ihm ungeachtet seiner Leistung 
nur drei Versuche zugestanden werden, nur begrenzt Nutzen aus dieser Qualität ziehen können, ein Ultramarathonläufer 
dagegen hat den ganzen Tag Zeit dafür. Ein bestimmtes Maß an Ausdauer wird aber entschieden zur Erholungsfähigkeit 
des Gewichthebers beitragen => mehr Trainings => bessere Technik und mehr Kraft. 

247 Flais: Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, mich über diese Thematik mit einem mehrfachen Freistil-Weltmeister 
(Seniorenklasse) zu unterhalten. Seiner Ansicht nach wird insbesondere diese Altersklasse oft dadurch entschieden, wer 
im Lauf seiner Karriere relativ „unverbraucht" bleiben konnte - denn die Leute, die „fertig" sind, hören spätestens Mitte 
dreißig mit dem Training auf. So konnte er viele Leute schlagen, die ihn Jahrzehnte früher während seiner 
internationalen Ringerkarriere (er war Olympiadritter in den 80ern) schon besiegt hatten. 

248 So gibt es beispielsweise einige in der offenen Männerklasse des Freistilringens erstaunlich erfolgreiche beinamputierte 
Sportler, die die Vorteile ihres tieferen Schwerpunktes und des im besonders Verhältnis zu ihrer Gewichtsklasse 
überdurchschnittlich kräftig entwickelten Oberkörper bewundernswert erfolgreich ausnutzen. Oder, um beim Ringen zu 
bleiben, einem Sport, der traditionell eher von den kleinen kräftigen Typen dominiert wird: der weltweit entschieden 
erfolgreichste Freistilringer der letzten zwei Jahrzehnte war trotz allem Bouvaisar Saitiev, der bei einem 
Wettkampfgewicht von 74 kg immerhin 1.83 cm maß (mit anderen Worten, er sah aus wie Flais' älterer, haarigerer 
Bruder aus Tschetschenien) und neben Konkurrenten wie Romeiro aus Kuba oft wie ein Hänfling wirkte. Dennoch 
deklassierte Saitiev einen Weltklasseringer nach dem anderen, indem er sich neben seiner Behendigkeit, seiner 
Erfahrung und seinem unnachahmlichen Gefühl für Timing und scrambles auch die Tatsache zunutze machte, dass seine 
Gegner den Kampf gegen Leute mit langen Spinnenarmen, die im entscheidenden Moment dennoch überraschend fest 
zupacken konnten, einfach nicht gewohnt waren. 



236 



gewichtsklassenfreien wie Laufen oder Klettern, was mit auf den gesteigerten Wert des 
Krafttrainings verweist. Jedoch kann der Trend sich auch hier schnell wieder umkehren: bei 
den olympischen Spielen in Peking 2008 zum Beispiel boten die großteils sehr muskulösen 
US-Amerikanerinnen 249 einen deutlich kontrastierenden Anblick zu dem fast zerbrechlich 
wirkenden chinesischen Team. Dennoch waren beide Teams ähnlich erfolgreich, letzteres 
vielleicht sogar noch mehr als ersteres, besonders in Anbetracht der kürzeren Tradition in 
dieser Sportart. 

Flais: Um nochmal auf die Frage der Relevanz von Kraft im Kampf zurückzukommen: meiner 
Erfahrung nach ist es gerade im Ringen so, dass man bei richtigem taktischem Vorgehen und 
dem passenden Stil ziemlich große Rückstände an Kraft ausgleichen kann - so kann sich ein 
Ringer mit einem harten und ausdauernden Stil ebenso stark „anfühlen" wie ein deutlich 
schwerer und stärkerer, aber weniger offensiver, auch wenn ersterer nur 60-70% der 
Gewichthebeleistung von letzterem bewegen kann - unter bestimmten Voraussetzungen 
sogar noch stärker 250 . Das macht ihn aber nicht zwangsläufig zum besseren Kämpfer: 
derselbe Athlet kann gegen einen gleich starken und weniger ausdauernden, jedoch 
schnelleren und technischeren Konkurrenten verlieren, dessen bevorzugte Angriffe hingegen 
nicht dazu geeignet sein mögen, einen deutlich schwereren und stärkeren Gegner zu 
überwinden. 

Athletisch gesehen ist Kraft auf jeden Fall eine sehr wichtige Eigenschaft. So legen die 
Wissenschaft und die Erfahrung zum Beispiel nahe, dass selbst im Ultramarathonbereich ein 
allgemeines, wenn auch nicht exzessives Krafttraining hilfreich ist; im Hintergrund der 
menschlichen Evolution betrachtet ist es nämlich wesentlich unnatürlicher, sich auf eine 
einzige Aktivität zu beschränken - selbst wenn dies eine für die menschliche Entwicklung so 
relevante wie der Langstreckenlauf ist 251 . Eine Vielzahl an Reizen - Klettern, Tragen von 
Gewichten (Beutetiere, Vorräte oder Angehörige) machen den Körper kräftiger und resistenter 

249 Mit Ausnahme der russischstämmigen und von ihrer eigenen Mutter trainierten Nastia Liukin. 

250 Zum Beispiel wenn besagter Athlet besonders ausgeprägte isometrische Kraftqualitäten aufweist, oder aber ein 
bessereres Gefühl für Position und Gleichgewicht hat. 

25 1 Es existieren starke Anhaltspunkte dafür, dass die ursprüngliche menschliche Jagdstrategie auf Großwild darin bestand, 
ein Individuum von der Herde abzusondern und über eine Distanz von 10-30 km gezielt zu Tode zu hetzen (der 
Mensch hätte in so einer Hetzjagd mehrere Vorteile: neben dem aufrechten Gang, der einen freien Atemrythmus und 
besseren Überblick erlaubte auch die Tatsache, dass er steigende Körperwärme durch vermehrtes Schwitzen bekämpfen 
konnte - und natürlich den Teambonus). Auch wenn das unwahrscheinlich klingen mag, so gibt es sehr überzeugende 
ethnologische Berichte dafür, dass dies bis in die jüngste Vergangenheit hinein sowohl von mittelamerikanischen als 
auch von afrikanischen Eingeborenenstämmen erfolgreich praktiziert wurde. Siehe C. McDougall, Born to Run. 
(München 2010). 

237 



gegen Verletzungen - mit einem Wort: athletischer 252 . Interessanterweise trainierten auch 
exzentrische Langstreckenläufer noch vor dem etablierten Dogma des Krafttrainings für alle 
gern mit irgendwelchen Zusatzlasten: der dreifache Olympiasieger (5000m, 10.000m und 
Marathon!) von Helsinki 1952, der Tscheche Emil Zatopek, lief nicht nur gern nach einem Tag 
körperlicher Arbeit 30 km durch völlige Dunkelheit (im Winter in Armeestiefeln und durch den 
Schnee) oder experimentierte mit ungewöhnlichen Trainingsmethoden wie dem Laufen auf 
der Stelle auf seiner Schmutzwäsche in der Badewanne, er joggte auch gern durch den Wald 
- mit seiner Ehefrau auf dem Rücken 253 . 

Unterm Strich gibt es kein objektives System, um vor einem sportlichen Agon den Sieger zu 
eruieren - das würde den Wettkampf ja auch überflüssig machen. Es gibt lediglich 
Näherungswerte, die einigermaßen brauchbare Prognosen zulassen, daher auch die Kraft-, 
Ausdauer- und Schnelligkeitsstandards, die in vielen Nationalteams gängig sind. Es hilft auch, 
die einzelnen, oben aufgeführten Qualitäten als Faktoren zu sehen anstatt als Summanden - 
ist eine davon Null, dann wird auch das Ergebnis Null sein - man sollte also tunlichst darauf 
achten, in keiner der genannten Kategorien von der Konkurrenz klar deklassiert zu werden. 
Kraft ist folglich eine wichtige Komponente für den Erfolg eines Athleten in praktisch allen 
Sportarten, jedoch keineswegs immer die allein entscheidende. 

Q: Was ist besser - Körpergewichtsübungen oder Gewichte? 

A: Prinzipiell sind beides Werkzeuge, die man gewinnbringend nutzen kann. Wie ihr 
vermutlich gemerkt habt, plädieren wir dafür, beide einzusetzen - nebeneinander oder 
phasenweise abwechselnd. Während man mit beiden Methoden sowohl Kraft, Schnelligkeit, 
Ausdauer und Koordination trainieren kann, finden wir, dass sich in manchen Fällen 
bestimmte Werkzeuge besonders gut eignen. Ein Beispiel: wir haben vier Probanden, die wir 
auf ein gleiches Ziel hintrainieren sollen, nämlich ihren ersten MMA-Kampf in sechs Monaten. 
Der Einfachkeit halber sagen wir, sie sind alle männlich und 22 Jahre alt. Alex und Balthasar 
waren beide Turner (Alex Bodenturner, Balthasar Ringturner), Christoph war Bodybuilder und 
Dennis hat noch nie Sport gemacht. Alle hatten bisher mit Kampfsport nicht viel am Hut, 

252 C. McDougall, Born to Run. (München 2010), 296 - 297. 

253 Ebenda, 131 - 137. Zatopek soll 1952 bei Olympia seinen ersten Marathon gelaufen sein; bei Kilometer 16 lag die 
Durchgangszeit bereits deutlich unter dem Weltrekord, als Zatopek erste Zweifel über das Tempo plagten. Er näherte 
sich dem Führenden - einem Briten, dem damaligen Weltrekordhalter über die Distanz, und fragte diesen höflich, ob 
denn die Geschwindigkeit so in Ordnung sei. Dieser antwortete lakonisch, sie wären zu langsam. Zatopek bedankte sich, 
zog davon und lief bis zum Ziel allein an der Spitze, wo er den Sieg in olympischer Rekordzeit davontrug. 



238 



deswegen müssen alle gleich viel Technik-Training zusätzlich machen (auf das wir hier nicht 
näher eingehen). 

Unser Ziel in der relativ knapp bemessenen Zeitspanne muss es nun sein, die jeweiligen 
athletischen Schwächen unserer Schützlinge so gut wie möglich auszumerzen. Dabei können 
die optimalen Trainingsmittel unter Umständen deutlich auseinander gehen. Sehen wir uns 
also an, was ihre Probleme sind und was wir dagegen tun können. 

Alex hat als Bodenturner eine sehr gute Koordination und Explosivkraft in Armen und Beinen, 
auch seine allgemeinen Kraftwerte sind ziemlich gut. Verbesserungspotential gibt es aber vor 
allem beim Heben von Gewichten vom Boden und der Verbindung Beine-Arme. Also wird das 
Programm für Alex vor allem aus Kreuzheben, Umsetzen und Stoßen von Gewichten 
bestehen. 

Balthasar hat als ehemaliger Ringturner bereits kaum noch zu toppende Kraftwerte im 
Oberkörper, wir müssen uns um diesen Aspekt also nicht groß kümmern. Jedoch sind seine 
Beine deutlich schwächer entwickelt - eine Kniebeuge mit Körpergewicht auf der Stange 
bereitet ihm bereits erhebliche Schwierigkeiten. Wir würden ihm daher ein Programm 
empfehlen, das vor allem aus Kniebeugen, Hügelsprints und vielleicht ein, zwei Kettlebell- 
Übungen besteht (einarmiges Reißen und / oder Swings). 

Christoph ist allgemein sehr stark, seine Kraftwerte für Beuge, Kreuzheben und Bankdrücken 
sind gut. Schwierigkeiten gibt es dagegen mit der Ausdauer und teils auch mit der 
Koordination bei komplexen Bewegungsabläufen. Empfehlen würden wir daher ein 
Programm, das vor allem aus Körpergewichtsübungen besteht und die anaerobe Ausdauer 
trainiert (Stichwort: Burpees, Aufwärtssprints). Sinnvolle Ergänzungsübungen wären 
Seilklettern, Handstandliegestütze 254 und einfache Übungen aus dem Bodenturnen (Rollen, 
Überschläge etc) für die spezifische Kraft sowie Koordination und Flexibilität der Muskeln, von 
denen Christoph ja schon genug hat. 

Dennis fit zu kriegen ist die wohl umfangreichste Aufgabe, und ganz ehrlich halten wir einen 
MMA-Kampf nach nur sechs Monaten ohne sportliche Vorgeschichte für verfrüht - ein Jahr 
wäre wahrscheinlich besser für ihn. Nichts desto trotz: Als erstes würden wir Dennis raten, 
eine anständige Kraftbasis zu entwickeln. Da ihm auch Koordination fehlt, wären 

254 Edit: viele Bodybuilder haben unflexible und im Verhältnis zu den Brustmuskeln nicht besonders kräftige 
Schultermuskeln, daher die Handstandliegestütze. Auch glauben wir, dass Christoph froh sein wird, ein, zwei Übungen 
im Programm zu haben, in denen er sich kraftmäßig in ähnlichen Wiederholungszahlen auspowern kann wie früher mit 
Hanteln. 

239 



Körpergewichtsübungen mit einem Fokus auf Kraft eine gute Idee: Sobald Dennis einbeinige 
Kniebeugen, einarmige Liegestützen und mindestens 15 Klimmzüge am Stück schafft, ist er 
sicher um Längen stärker, fitter und koordinierter geworden und bereit, sein Training auf die 
nächste Stufe zu heben. Als sinnvolle Ergänzung zu diesem Programm würden sich 
Kettlebell-Swings anbieten, da gerade die Oberschenkel-Rückseite und der untere Rücken 
bei reinen Körpergewichts-Programmen eher schwer zu trainieren sind. Weil Dennis auch 
aerobe Ausdauer fehlt, er aber einen hmmm, eher ausbaufähigen Laufstil hat, würden wir ihm 
raten, zusätzlich zu seinem anderen Training 2-3x pro Woche mindestens je 20km mit dem 
Fahrrad zu fahren, am besten auf einer hügeligen Strecke. Da schmelzen dann auch 
überflüssige Fettpolster schneller. 

Q: Ich will höher springen! Wie soll ich dafür trainieren? 

A: Mach deine Kniebeugen (zumindest bis du dein doppeltes Körpergewicht auf der Stange 
bis unter parallel beugen kannst), deine Swings mit Kurzhantel oder Kettlebell, spring zudem 
viel und oft (und kontrollier dabei deine Höhe / Weite - wenn du die für die Session 
angepeilte Leistung nicht mehr schaffst, mach Pause) und nimm 5 kg ab (das verbessert das 
Kraft-Last-Verhältnis; im Optimalfall über Ernährung und intensives Intervalltraining - z.B. 
Burpees oder Kettlebell-Swings - abnehmen, sehr langes Laufen und Radfahren sind nicht 
optimal für die gleichzeitige Explosivkraftentwicklung). Wenn das nicht (genug) hilft, lies 
Verkhoshansky - siehe Literaturliste - und trainier auch entsprechend, nur lesen bringt nicht 
viel. 

Q: Ich geh nicht gern ins Fitnesstudio. Gibt es Alternativen, um trotzdem stärker zu werden? 
A: Jupp. Geh nochmal zurück zu den Kapiteln „Wie mache ich Kniebeugen ohne Rack", „Fit 
durch Körpergewicht", „Cardio ohne Geräte" und „Expandern, Federn und Ähnliches". 
Natürlich könnte man sich auch z.B. zwei verstellbare Kurzhanteln kaufen (Preis inkl. 
Scheiben für den Anfang <70€). Alternativ könnte man sich auch einen Ausgleichssport 
suchen, der genau das trainiert, was im eigenen Sport vernachlässigt wird - sowas wurde 
z.B. um die Mitte des 20. Jahrhunderts gern gemacht. Ein Ausgleichssport, der den Rücken, 
die Armbeuger, Unterarme und die generelle Körperspannung super fördert - und zudem 
ganz klar bewusst werden lässt, wie viel überflüssige Pfunde man rumschleppt - wäre 



240 



Klettern. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass das die deutlich zeitaufwendigere und 
vermutlich auch kostspieligere Variante ist (auch wenns manchem sicher mehr Spaß macht 
und der Klettersport gerade bei Frauen unserer Erfahrung nach in der Regel ein entschieden 
besseres Image hat als die Kraftkammer). Zudem ist es nicht ganz einfach, mit einem Sport, 
in dem man völlig neu ist, genau das zu fördern, was trainiert werden soll; außerdem kann die 
Verletzungsgefahr auf diese Weise größer sein. Und schließlich kommt man auch im Klettern 
ohne zusätzliches spezifisches Krafttraining irgendwann nicht mehr weiter, von da her... 

Q: Ich (19, M, 93 kg) war neulich mit meiner kleinen Schwester (Turnerin, 13, W, 35 kg) 
klettern. Und sie ist mindestens zwei Grade schwerer geklettert als ich. Ich bin verzweifelt: 
haben die 50 Wiederholungen im beidarmigen Latziehen mit 45 kg denn gar nichts 
gebracht??? 

A: Offensichtlich nicht. Außerdem brauchst du die Arme im Klettern erst ungefähr ab dem 7. 
Schwierigkeitsgrad wirklich, bis dahin sind Gleichgewicht, Bewegungsgefühl und die 
Fingerkraft relativ zum Körpergewicht entschieden wichtiger - was jetzt nicht heißen soll, 
dass du in Punkto Arm kraft mit deiner l_atzug-"l_eistung" besonders toll darstehen würdest. 

Q: Was soll ich machen, dass die süße Blonde im Kraftraum mich bemerkt?!? Hilft mir 
vielleicht ein neues A****s-Muskelshirt mit aufgemalten Bauchmuskeln??? 
A: Schnauze halten und weiter trainieren - oder in deinem Fall vorm Spiegel weggehen und 
damit anfangen. Außerdem würd ich dir Fangopackungen im Gesicht empfehlen. Richtig 
schön dick auftragen - viel hilft viel. Aber ja nicht wieder abkratzen das Zeug! 

Q: Ich mag nicht. Kann ich stattdessen Curls und Beinpressen machen? 

A: Sicher, nur bekommst du damit keine vergleichbaren Resultate. 

Q: Ich trainiere seit dem Fall der Mauer mit 3x10 und 50kg auf der Bank. Gestern hab ich 
versucht, hundert Kilo zu drücken und bin gescheitert!! Habe ich etwas falsch gemacht??? 
A: Seufz... Lies dieses Buch einfach nochmal von vorne bis hinten. 

Q: Ist „Scream and Shouf männliche und produktive Trainingsmusik? 



241 



A: Wenn ihr schon fragen müsst... Ach ja, und ich hab gehört, Pink Camoflage ist das neue 
Schwarz. 

Q: All dieses Gerede von Leistung und Opfern - kompensiert ihr für irgendwas?? 
A: Ja, dafür, dass es keine Höhlenbären mehr gibt, mit denen wir ringen könnten. 

Q: Müssen wir jetzt alle Halsmuskeln trainieren, bis der Hals dicker ist als der Kopf, 
Ringerohren zum neuen Schönheitsideal erheben, in einen Kraftraum ziehen und Abbitte tun, 
wann immer wir ein Gewicht von weniger als 30kg pro Hand verwenden?!? 
A: Nein, aber es hilft ungemein. 

Q: Team Jacob oder Team Edward? 
A: Fahr zur Hölle. 



242 



Schlussbemerkung und Geleit 



It's not a matter of who's right, only of who's left. 
[Carl Cestari] 

Eine gute Zusammenfassung über erfolgreiches (Selbst-) Training liefert uns Joe Norman in 
seinem Buch Monster Squats (CreateSpace 2012): 

„You will need to learn: 

• Your body 

• Your limits 

• Your Strengths 

• Your weaknesses 

• When to push yourself 

• When to take it easy 

All of these are easy to figure out. " 



MONSTER 




Wenn Joe Norman über Training redet, sollte man zuhören. 

Flais: Und tschüss. 



243 



Literaturliste 



An investment in knowledge always pays the best interest. 
[Benjamin Franklin] 

Ihr werdet uns sicher fragen, warum da auch Titel aus den 1940ern drinstehen (kurioserweise 
wird uns vermutlich niemand fragen, warum wir auch Bücher aus dem Jahr 2014 verwendet 
haben...). Die Sache ist die: erstens hat ein bisschen Geschichte noch nie geschadet (Edit 
Flais: mit wenigen Ausnahmen, etwa den Leuten, die ein historisches Fach studiert haben, 
sodass ein wenig Geschichte schnell zu subjektiv einer langwierigen Geschichte wurde... 
Pech.) und zweitens sind die Bücher darauf abgestimmt, dass der Leser / Sportler kein 
5000m 2 großes, chromglänzendes Studio mit den allerneuesten Maschinen zur Verfügung 
hat. Wenn man also zuhause oder in einem kleinen Kraftraum trainiert, sind viele der Tips von 
damals nach wie vor aktuell. Abgesehen davon kann man die Mehrzahl der 1940er Bücher im 
Gegensatz zu ihren jüngeren Artgenossen problemlos kosten- und straffrei im Internet 
einsehen :) 

Zitierweise: Wir zitieren nach Geiwi-Regeln, weil uns das so passt, die Reihenfolge ist nicht 
alphabetisch, sondern wies uns am logischsten vorgekommen ist. Außerdem nennen wir in 
Klammern abwechselnd mal den Erscheinungsort oder den Verlag, wies uns grad weniger 
Arbeit zum Nachschauen war. Trotzdem sollte alles auffindbar sein, also steigt uns deswegen 
nicht aufs Dach, schließlich ist das hier keine Seminararbeit für die Uni... 

Schließlich noch ein paar Worte zur Arbeit mit Literatur. Es ist unsere Erfahrung, dass bei 
vielen Trainingsbüchern mindestens 40% Füllmaterial drin sind (Flais: ich würde sogar sagen, 
oft sind es eher 90%), und von dem Rest ist oft weniger als die Hälfte auf die spezielle 
Situation des Lesers anwendbar. Außerdem sind die Bücher oft teuer, und ein Zimmer voller 
Bücher passt auch nicht zu jedem Lebensstil. Unser Vorschlag ist daher, sich die Bücher so 
weit wie möglich auszuleihen (Leihbüchereien, Trainingspartner, Kaufgemeinschaften...) oder 
digital zu besorgen. 

Was macht man dann damit, wenn man sie hat? 



244 



Flais: je weiter man in einer Materie drinnen ist, desto mehr wiederholen sich die Aussagen, 
oder aber sie widersprechen sich so sehr, dass man sich zur praktischen Anwendung fast für 
eine „Glaubensrichtung" entscheiden muss. 

Angenommen, ich lese ein Buch über Hantelübungen, dann finde ich vielleicht 2-3 
interessante Übungsversionen, die ich noch nicht kenne, und mit Glück 1-2 Programme, die 
ich bei Gelegenheit mal ausprobieren möchte. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, mir 
diese Sachen inklusive Zitatverweis in einen kleinen (6x1 2cm) wasserfesten Taschenblock 
herauszuschreiben, damit ich sie bei Bedarf jederzeit nochmal nachlesen kann. Das erlaubt 
mir auch, meine physische Bibliothek auf eine Handvoll Bücher zu reduzieren. Ich würde zwar 
nicht ganz so weit gehen wie der Autor des Hagakure, der vorgeschlagen hat, ein Buch sofort 
zu verbrennen, nachdem man es ausgelesen hat, aber nach diversen Umzügen mit ca. 100 
kg Trainingsliteratur bin ich zum Schluss gekommen, dass das die wesentlich einfachere 
Lösung ist. Außerdem findet man so viel schneller wieder das, was man sucht ;-) 



Bücher und Artikel, nach Themenbereichen gegliedert: 

Allgemein und Massezunahme: 

H. Higgins, The Henry Higgins Strength and Muscle Course. The Secret of Professional 
Strong Man's Strength. (1915). Ein Buch, das sich mit der Entwicklung von anwendbarer 
Kraft befasst (das Ziel ist das Stemmen einer 64kg Kurzhantel mit einer Hand innerhalb eines 
Jahres), mit der Annahme, dass dem Sportler als Equipment nur ein Paar verstellbare 
Kurzhanteln zur Verfügung steht. Kurz und einfach, aber empfehlenswert. 

S. Klein, Super Physique. Body-building Bar-bell Course. (Mitre Press, London, ohne 
Jahr [1940er]). Ein gutes, altes Buch, das im Internet gratis zu finden ist. Einfache, aber 
effiziente Einführung in die Old-School Varianten der wichtigsten Grundübungen mit Hanteln 
und einige ungewöhnlichere Varianten wie Tiger-Bend Handstandliegestützen. Geschrieben 
von einem ehemaligen Weltrekordhalter im Schulterdrücken. 



245 



B. Hoffmann, Weight Lifting. (York 1939). Beschreibt die korrekte Durchführung von mehr 
produktiven Trainingsübungen mit Kurz- und Langhanteln (inklusive der Regelvorgaben für 
die damals üblichen Standardübungen, in denen offizielle Rekorde erzielt werden konnten), 
als Otto Normalverbraucher je brauchen wird, trotzdem interessante und nützliche Lektüre, 
besonders die Charts mit Zielgewichten für die verschiedenen Gewichtsklassen sind ein 
Klassiker. Geschrieben vom ehemaligen Trainer des US Gewichtheber-Olympiateams, 
darunter der spätere X-fache Mr. America John Grimek. 

P. Rader, The Rader Master Bodybuilding and Weight Gain System. (Iron Man Publishing 
Co. 1956). Das grundlegende Buch zu 1x20 und verwandten Varianten. Gedacht für Leute, 
die Muskelmasse aufbauen wollen. 

A. Schwarzenegger / D.K. Hall, The Education of a Bodybuilder. (New York 1977). Da 

staunt ihr, was? Das Ganze ist nichtmal wirklich ein Trainingsbuch, sondern eher eine halbe 
Autobiographie. Das Interessante dabei ist m. E. vor allem, wie der junge Arnold es schafft, 
allen Umständen zum Trotz (nörgelnde Eltern, Wehrdienst etc) Motivation, Zeit und Energie 
für sein Training zu finden und wie sich dieses im Laufe der Zeit immer mehr seinen eigenen 
Anforderungen anpasst. Auch nicht ohne ist seine Beschreibung des Zwiespaltes davon, wie 
die breite Öffentlichkeit generell über Bodybuilder redet und wie sie sich verhält, wenn sie 
dann mal wirklich einen trifft. Schließlich hat das Buch auch noch ein paar Tipps für Training 
und old-school Massediät zu bieten (von wegen nur Eiklar!). Keine zwingende Lektüre, aber 
durchwegs informativ und abwechslungsreich geschrieben. 

R. J. Strossen, Super Squats.: How to Gain 30 Pounds Of Muscle in 12 Weeks. 

(Ironmind Enterprises 1989). Massetraining im 1x20 Schema, die etwas modernisierte 
Variante des obenstehenden Buches und inzwischen auch schon ein Klassiker. 
Flais: Dies ist das einzige Buch in dieser Liste, das ich ehrlich gesagt selbst nicht gelesen 
habe und nur anhand von verschiedenen Empfehlungen hier aufführe. Ich konnte das Ding 
bisher irgendwie nie in die Finger kriegen - einerseits sind die Ironmind-Titel alle ziemlich 
teuer (besonders gemessen an der Seitenanzahl), und in Europa insgesamt schwer zu 



246 



finden. Außerdem ist Masseaufbau ein Gebiet, dass mich nur mit 17-18 Jahren wirklich 
interessiert hat, daher die Wissenslücke. 

P. Tsatsouline, Beyond Bodybuilding. Muscle and Strength Training Secrets for the 
Renaissance Man. (St. Paul, 2005). Ein Buch mit vielen Übungsvarianten und 
fortgeschrittenen Programmen - für Anfänger besteht allerdings das Risiko der 
Reizüberflutung. Besonders empfehlenswert für Leute, die bereits gute drei Jahre Training 
hinter sich haben bzw. ihr doppeltes Körpergewicht heben und ihr Körpergewicht stemmen 
können. Nicht nur für Massefans, sondern auch für Sportler interessant. 
PS: Ziemlich gewöhnungsbedürftig ist allerdings, dass der in den Übungsbildern gezeigte 
Athlet durchwegs Flipflops trägt. Nicht gerade das, was als empfehlenswertes Schuhwerk 
durchgeht... 

M. Rippetoe, Starting Strength. (The Aasgard Company, 2 nd edition 2007). Ein gutes Buch, 
um die technischen Feinheiten der Standardvariante(n) von Kniebeuge, Kreuzheben sowie 
Schulter- und Bankdrücken zu lernen. Hat sich schnell zur klassischen Lektüre entwickelt. 
Edit: Rippetoe schreibt über Training für verschiedene Sportarten, nicht speziell über die 
Powerlifting-Varianten! Trotzdem wird das Buch von einigen Powerliftern empfohlen, es 
scheint ihnen wohl irgendwie aus der Seele zu sprechen ;-) 

Flais: Ich muss gestehen, dass ich nicht der größte Fan von Rippetoe bin - was nicht heißt, 
dass sein Material schlecht ist. An dieser Stelle würde ich nur gern folgendes bemerken das 
wohlgemerkt für alle Sportliteratur inklusive dieses Buches gilt: jeder Autor hat gewisse hmm, 
sagen wir, Vorurteile, häufig bedingt durch seine eigenen Erfahrungen im Sport. Rippetoe 
argumentiert sehr powerlifting-lastig und glaubt an Kniebeugen, Kreuzheben, Bankdrücken 
und Power Cleans (wobei seine Form und Leistungen in letzteren von Leuten mit klassischem 
Gewichtheber-Hintergrund schon öfters in Frage gestellt wurden), ich komme aus dem 
Ringen und glaube an Zirkeltrainings, Seilklettern, Gummibänder, Roadwork, Brücken- und 
Positionsdrills während die klassischen Kraftwerte meiner Meinung nach etwas sind, in das 
man investieren sollte, bis man ein bestimmtes Level erreicht hat, danach sind diese 
Übungen eher fakultativ. Also nochmal: jeder Autor kommt mit seiner individuellen 
Hintergrundgeschichte und seinen persönlichen Vorurteilen daher. Für meinen Geschmack 



247 



zum Beispiel polemisiert Rippetoe zu viel 255 und für alle spezifischeren Probleme, die ich 
bisher angetroffen habe, gibt es umfassendere Literatur. Trotzdem gibt es genug Leute, die 
mit seinen Programmen nach eigenem Ermessen gut fahren, und man muss Rippetoe 
lassen, dass er die Übungen gründlich abhandelt - daher solltet ihr euch von meinen 
Vorurteilen nicht das Lesen verderben lassen. 

Powerlifting: 

Wir sind definitiv keine Experten auf diesem Gebiet, bestenfalls interessierte Laien. Hier 
allerdings ein paar spezifische Bücher zum Thema, denen wir viel abgewinnen konnten: 

L. Simmons, The Westside Barbell Book of Methods. (Westside Barbell 2008). Das 
Trainings-Credo einer ganzen Generation von Powerliftern. Beinhaltet Tipps zur möglichst 
effizienten Ausführung der Powerlifts im Wettkampf, Dynamisches Training mit Hantel + 
Gummibändern, Periodisierung, GPP und viel, viel mehr. Sollte ein ernsthafter Powerlifter 
gelesen haben. 

J. Bryant, Bench Press - The Science. (Create Space 2014). Tipps und Tricks zur 
Ausführung der wohl weltweit beliebtesten Kraftübung von dem jüngsten Menschen, der 600 
Pfund raw gedrückt hat (mit 22). Bryant schwört unter anderem auf Periodisierung und Dead 
Stop Benching, weicht also von der klassischen Westside-Methode (siehe oben) ab. 
Schwerpunkt auf „raw"es Powerlifting. 

D. Täte, Benchipedia. (EliteFTS 2014). Von einem erfolgreichen Kraftdreikämpfer aus der 
Westside-Schule geschriebenes Kompendium übers Bankdrücken mit Schwerpunkt 
„klassisches" Powerlifting (mit Equipment). http://articles.elitefts.com/training-articles/benchipedia- 
dave-tates-free-bench-press-manual/ : passend dazu gibt's auch das Free Squat Manual 

http ://articles .elitefts . com/training-articles/ sports-training/ dave-tates-free-squat-manual/ vom gleichen 
Autor. 



255 Zum Beispiel hier: http://www.t-nationxom/free_online_article/most_recent/conditioning_is_a_sham (Stand 
19.02.2014). 



248 



J. Norman, Monster Squats. A Step By Step Guide to a Bigger Squat. (Create Space 
2012). Ein Buch nur über die Beuge, geschrieben von einem Mann mit einer 
Kniebeugenleistung von 500kg. Wer sich für die Feinheiten der Kraftdreikampf-Kniebeuge 
interessiert ist hier richtig. 

A. Bolton / P. Tsatsouline, Deadlift Dynamite. How to Master the King of All Strength 
Exercises. (Dragondoor 2013). Das, was die Welt schon lange gebraucht hat: ein 
umfassendes Buch übers Kreuzheben, geschrieben vom ersten Mann, der in einem 
Powerlifting-Wettkampf erfolgreich 1000 Ibs gehoben hat (und die Rekorde der WBO in der 
Kniebeuge [1213 Ibs] und im Total [2806 Ibs] nach wie vor hält) und von einem 
durchgebrannten Russen. Bravo. 

P. Tsatsouline, Power to the People Professional. (Dragondoor 2009). Befasst sich mit 
Wettkampf-Form, Übungsvarianten und Trainingprogrammen für die drei Powerlifts, speziell 
mit den Trainingsprinzipien russischer Powerlifter. Lesenswert und interessant, wenn man 
Zeit zum Experimentieren hat. 

Kettlebells: 

P. Tsatsouline, The Russian Kettlebell Challenge. (Dragondoor 2004). Das erste Buch in 
englischer Sprache, das sich primär mit Kugelhanteln befasste und den entsprechenden 
Hype lostrat. Beschrieben wird darin das Training mit den KBs, inklusive der Erfahrungen des 
Autors im Girevoy-Sport und im russischen Heer. Das Buch umfasst eine Vielzahl von 
Übungen und Programmen für das KB-Training. 

Flais: Ich persönlich halte dieses Werk für vielseitiger als das nachfolgend aufgelistete. 
Allerdings kann die Vielzahl der Übungs- und Programmvarianten zu Verwirrung führen, ist 
also eher Sportlern mit zumindest etwas Hantelerfahrung zu empfehlen. 

P. Tsatsouline, Enter the Kettlebell! (Dragondoor 2006). Über die Vorteile des 
Kettlebelltrainings (Flais: wohlgemerkt NUR die Vorteile, nicht die Nachteile! Schließlich ist 



249 



der gute Mann am Verkauf der Dinger beteiligt...), Übungen und Einbau ins Training. 
Flais: Der Verdienst von ETK liegt meines Erachtens darin, dass es NICHT 150 
Übungsvarianten vorstellt, sondern Standards für zwei sehr produktive Übungen aufstellt - 
einarmiges Schulterdrücken mit der Hälfte des Körpergewichtes und mindestens 200 
Wiederholungen im einarmigen Reißen mit der 24kg Kugelhantel innerhalb von 10 Minuten - 
und zeigt, wie diese erreicht werden können. 

Krafttraining mit Sandsack 

R. Enamait, Ultimate Training for the Ultimate Warrior. (Privatverlag 2003). Beschreibt das 
effiziente und preisgünstige Kraft- und Ausdauertraining mit zwei selbst hergestellten 
Sandsäcken und Körpergewichtsübungen wie Klimmzügen, Liegestützen und Burpees, wobei 
der Fokus auf Kampfsportlern liegt. Achtung: das Buch entstand in einer Zeit, in der Clip Art 
noch cool war... 

Das Buch war darüber hinaus der Anfang des Siegeszuges von Ross Enamait (ehemaliger 
Profi-Boxer und nunmehr Profi-Box-Trainer) in der internationalen Trainingswelt. Besonders 
hervorzuheben ist seine Meinung, dass die Einstellung und der Trainingseifer wesentlich 
wichtiger sind als teure Trainingsmittel. Außerdem ist Ross einer der sehr wenigen Trainer, 
die offen ihre Trainings-Leistungen auflisten, was ihn deutlich an Glaubwürdigkeit gewinnen 
lässt. 

Das Buch wird inzwischen nicht mehr gedruckt, was wir schade finden. Allerdings ist an 
verschiedenen Stellen im Internet frei einsehbar, und der Autor hat diverse Nachfolgeprodukte 
auf den Markt gebracht. 

Krafttraining ohne Geräte: 

R. Enamait, Never Gymless. (Rosstraining 2006). Kraft- und Kraftausdauertraining ohne 
externe Gewichte und mit Kleingeräten wie Gummibändern und Sprungseilen. Geschrieben 
von einem erfolgreichen Boxtrainer. Hat bei vielen Kultstatus, und auch kritische Menschen 



250 



haben selten was dagegen zu sagen. Bietet auch eine Sektion über Isometrisches Training. 

J. Grube, Ultimate Physical Fitness in 5 Minutes. 100 of the Worlds Shortest, Most 
Productive Bodyweight Workouts Ever Known to Man! (Amazon Print on Demand, 2011). 
Ein Buch über Kraftausdauertraining mit Körpergewichtsübungen, geschrieben von einer 
kontroversiellen Figur: einem Bauarbeiter und ehemaligen Kraftsportler, der seit fünfzehn 
Jahren nach eigenen Angaben nur mit Körpergewicht trainiert und nebenbei etwa acht 
Guiness-Weltrekorde hält. Grube nimmt kein Blatt vor den Mund, hat anscheinend nur 
begrenzt Ahnung von englischer Grammatik, und das Buch ist vom Format her eher ein 
Heftchen 256 . Es enthält aber ziemlich genau das, was es verspricht: 100 Vorschläge für recht 
frei kombinierbare Trainings mit je 5 - 20 Minuten Dauer, von denen viele zum Kotzen 
anstrengend sind. 

Bill Orban / Royal Canadian Air Force (Hrsg.), 5BX-Plan for Physical Fitness. 

( gregsadetsky.com/_files/5bx-plan.pdf ). Ein bereits in den 50ern von einem späteren 
Sportprofessor für die kanadische Air Force entworfenes Programm für das tägliche Training, 
das aus jeweils fünf Grundübungen gänzlich ohne Geräte besteht. Es gibt dabei sechs 
„Charts", die aus progressiv schwieriger werdenden Übungen (immer fünf an der Zahl, 
maximale Netto-Übungszeit 11 Minuten) bestehen und die wiederum je zwölf 
Leistungsniveaus (nach der militärischen Eignungstabelle D- bis A+) umfassen und vor allem 
auf Erhöhung des Kraftausdauerniveaus sowie der Erlangung der notwendigen Fitness für die 
Flugtauglichkeit ausgelegt sind. So ergeben sich 72 Schwierigkeitsgrade, die nacheinander 
absolviert werden können. Man sollte sich dabei nicht täuschen lassen - wir kennen spontan 
niemand, der alle Anforderungen von Level A+ in Chart 6 ohne längeres spezielles Training 
ausführen könnte (ausprobieren!). Einfach verständlich, sehr reisetauglich und auch in einem 
umfangreichen Tagespensum unterzubringen. 

http://de.scribd.com/doc/99630/Bodybuilding-at-lts-Best-With-No-Need-for-a-Gym-The-Best- 
Bodyweight-Exercises-and-Tips-From-Matt-Furey-Ross-Enamait-and-Pavel-Tsatsouline (oder 

256 Außerdem geht es darin NICHT um Maximalkraft. Die meisten Menschen sind aus ihrer Biographie verständlich, und 
wenn man die von Johnny Grube anschaut, dann war der Typ in seinen frühen 20ern maximalkrafttechnisch schon so 
stark, dass es vermutlich für den Rest seines Lebens reicht. Außerdem schiebt der Mann hauptberuflich Schubkarren und 
trägt Betonblöcke. 



251 



einfach: Google Suche => bodybuilding at its best scribd): eine gratis verfügbare 
Zusammenstellung auf wenigen Seiten, die insbesondere viele der sog. Animal Movements 
(siehe Kapitel: Cardio auf der Stelle ohne Geräte) beschreibt. 

Krafttraining mit Partnerwiderstand 
W. Gain / J. Hartmann, Muskelkraft durch Partnerübungen. (4. bearbeitete Auflage, 
Sportverlag Berlin 1978). Die wohl kompletteste Guide zum Thema. Es gibt zwar noch andere 
Varianten von den aufgelisteten Übungen, aber das Buch bietet einem alle nötigen 
Anhaltspunkte, um diese selbst entdecken zu können. Außerdem kann man gut erhaltene 
Exemplare oft schon für unter 2€ im Antiquariat abstauben. Sehr interessant für Grappler 
(BJJ, Judo, Ringen, Sambo), aber wohl auch für Tänzer, die Hebefiguren üben müssen! 

Krafttraining für Leistungssportler: 

R. Enamait, Infinite Intensity. The Revolution is Here. (Revised Edition, Ross Enamait 
2006): ebenfalls kein Aufruf zu bürgerlicher Unruhe, sondern eine grundlegende No- 
Nonsense Anleitung für das Training mit Kurzhanteln zur Leistungssteigerung. Ausgelegt vor 
allem für Kampfsportler. 

Wir haben LI. als Vorbild für Teile der Beschreibung sowie die Auswahl von 
Kurzhantelübungen herangezogen und empfehlen das Werk zur Lektüre speziellerer 
Varianten der hier gezeigten Grundübungen. 

B. Ross, Underground Secrets to Faster Running. Breakthrough Training for 
Breakaway Running. (Ohne Erscheinungsort, 2005). Ross, ein ehemaliger Leichtathlet und 
später Trainer von erfolgreichen Sprintern (unter anderem Allyson Felix) präsentiert hier seine 
Prinzipien für die Trainingsgestaltung von Sprintern. In Anlehnung an P. Tsatsouline favorisiert 
er eine Mischung aus Kreuzheben zur Erhöhung der Maximalkraft und Plyometrics zur 
Verkürzung der Kontaktzeiten. Kurz, aber lesenswert! 



252 



P. Tsatsouline, Power to the People! (Dragondoor 2000): Kein kommunistisches Manifest, 
sondern ein minimales Programm aus 2-3 Übungen (in der Regel Kreuzheben und eine 
Variante des einarmige Schulterdrücken [aka side-press], gelegentlich auch Bankdrücken) für 
den Einbau in das tägliche Training. Befasst sich auch mit Krafttraining mit minimalem 
Muskelwachstum, also für Sportler nicht uninteressant. 

B. Tsatsouline / D. John, Easy Strength: How to Get a Lot Stronger Than Your 
Competition - and Dominate in Your Sport. (Dragondoor 2011). Es geht hier darum, ein 
sinnvolles Krafttrainings-Programm mit Kurzhanteln, Langhanteln und Kettlebells zu erstellen, 
das im Sport weiterhilft und die Erholungsfähigkeit nicht großartig beeinflusst. Gute, 
grundlegende Lektüre mit hilfreichen Tipps für alle Leistungsgruppen. 

Y. Verkhoshansky / N. Verkhoshansky, Special Strength Training: Manual for Coaches. 

(Moskau 2011). Ostblock-Prinzipien und Programme für viele verschiedene Sportarten, mit 
Anweisungen zur eigenen Programmerstellung. Fortgeschritten bis sehr fortgeschritten! 

S. Low, Overcoming Gravity. A Systematic Approach to Gymnastics and Bodyweight 
Strength. (2011 [keine Angaben zu Verlag oder Erscheinungsort]). Das bisher wohl 
kompletteste Buch über Krafttraining mit reinem Körpergewicht - über 540 Seiten A4! 
Allerdings auf Leute mit turnerischen Ambitionen ausgelegt, und da vor allem für Trainer, 
gewissermaßen der Verkhoshansky für Akrobaten. Allerdings liegt der Kostenpunkt bei fast 
50€, daher wäre Ausleihen hier vielleicht angebracht. Hochgerechnet auf den Umfang des 
Buches sind es dann aber deutlich weniger als 10 Cent pro Seite, also Copyshop-Preise. 

Seilspringen: 

B. Lee, Jump Rope Training. (Human Kinetics, 2. Auflage 2010): umfassendes Buch über 
Seilsrpringen zu Fitnesszwecken und den Sinn und Zweck für verschiedene Sportarten. Lee's 
Geschmack bei der Auswahl von Sprungseilen ist diskutabel (de gustibus...), aber in Punkto 
Programmierung und Varianten sehr empfehlenswert. 



253 



http://www.healthconception.de/pdffiles/Seilspringen.pdf : ein nützlicher, wenn auch 
unbebilderter Artikel von T. Sukopp zum Thema, im Wesentlichen eine gratis schriftliche 
Zusammenfassung des oben stehenden Buches auf Deutsch. Zeigt die Grundlagen der 
Programmierung sowie die Sprungvarianten auf. 

http://www.livestrong.com/article/142506-different-kinds-jump-ropes/ : Guide zu verschiede- 
nen Springseil-Typen und deren Vor- und Nachteilen. 

Ernährung: 

Nicht unser Spezialgebiet, die Vielfalt ist außerdem erdrückend, wir geben daher nur zwei 
Bücher an, das unserer Meinung nach wichtige Punkte aufzeigen, jedoch nicht unbedingt 
Pflichtlektüre sind: 

W. L. Wolcott / T. Fahey, The Metabolie Typing Diet. (Three Rivers Press 2002). Botschaft: 
nicht jeder Mensch ist gleich, Vererbung, sportliches Aktivitätslevel etc spielen eine große 
Rolle, deswegen sind die meisten Diäten ziemlicher Quatsch. Das Buch zeigt auch 
Möglichkeiten, wie man einen individuell geeigneten Ernährungsplan entwerfen und einhalten 
kann, und wie man zu einem realistischen Zielgewicht kommt und dieses hält. 

A. Kent, The Dancer's Body Book. (William Morrow Paperbacks, 1984). Wie man sein 
Gewicht tief hält und Kalorien einspart, ohne Gesundheit und Leistung hinten anzustellen. 
Nicht nur für Tänzer, sondern für alle Sportarten lesenswert, bei denen Gewicht und 
Gewichtsklassen eine Rolle spielen. Die Vorwürfe eines Amazon-Rezensenten, hier würde 
Magersucht promotet, ist unseres Erachtens nach nicht haltbar, gerade weil so viel Wert auf 
das körperliche und seelische Wohlbefinden gelegt wird (Flais: Ich kenne Leute mit 
Bierbauch, die ihren Körpern viel schlimmeres angetan haben...). Auch hier wird keine 
spezielle "Diät" gepredigt, sondern ein ausgewogener und unserer Meinung nach gesunder 
Ernährungsplan, der den besonderen Anforderungen gerecht wird. Die geringe 
Gesamtkalorienzahl gehört nun mal zur Realität in vielen Sportarten, obs einem gefällt oder 



254 



nicht. 



Internetquellen: 

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier ein paar Websites mit tendentiell gut recherchierten 
Beiträgen zum Thema: 

www.t-nation.com : Alles zum Thema Bodybuilding und Ernährung; gelegentlich auch für 
Powerlifter und andere Sportler interessant. Allerdings an die Supplement-Firma Biotest 
gekoppelt, daher speziell Angaben zur Effizienz ihrer Produkte mit Vorsicht genießen ;) 

www.elitefts.com : Powerlifting über alles. Riesen Webshop, haufenweise Artikel und 
Trainingspläne. Gelegentlich auch Kraft-Trainingspläne für Kontaktsportarten wie American 
Football oder MMA. Ein besonderer persönlicher Favorit der beiden Autoren ist der Artikel 
„Whatis Hardcore?" - für den Fall, dass wirklich mal alle Stricke reißen sollten... 

www.ditillo2.blogspot.de : Eine Seite, die regelmäßig klassische Artikel zu den Themen 
Gewichtheben, Powerlifiting und Bodybuilding veröffentlicht. 

www.rosstraining.com : Website von Ross Enamait, einem renommierten Boxtrainer. Gute 
Artikel zum Eigenbau von Geräten, Seilspringen und Training mit einfachen Mitteln. Zudem 
wird regelmäßig Motivationsmaterial verlinkt. 

www.dragondoor.com : Kettlebells, Körpergewichtstraining und gelegentlich auch Powerlifting. 
Gute Artikel, renommiertes Trainings-Forum (zugegebenermaßen ist es da in letzter Zeit 
etwas lahm geworden, seit der Veröffentlichung eines bestimmten Buches diskutieren da 
Leute andauernd, wie man normale Liegestütze machen soll, und dass die selbst für 
fortgeschrittene Athleten zu schwer wären). Verkaufen auch einige brauchbare Bücher, nur 
das Marketing ist, ähm, speziell. 

www.mikemahler.com : Website von Mike Mahler, einem der erfolgreichsten (besonders unter 
den von Dragondoor unabhängigen) Kettlebell-Coaches. Die Artikel-Sektion ist sehr gut (und 



255 



gratis), Mahler befasst sich darin mit vielfältiger Programmerstellung und der Problematik, wie 
man mit gleichbleibenden Gewichten (die Kettlebells ja naturgemäß sind) trotzdem ein 
progressives Training erzielen kann, bis man den Sprung zur nächsten verfügbaren Größe 
(bei Kettlebells klassisch 8kg-Sprünge) schafft. 

www.bodyrock.tv : Website, die unseres Wissens nach von einem youtube-Account namens 
CharlieJames1975 ausging. Befasst sich im Wesentlichen mit Zirkeltraining zu 
Definitionszwecken, wobei das Programm vorwiegend auf die Home-Fitness-Welle 
ausgerichtet ist (inklusive Werbung für verschiedene Trainingsgeräte) und dabei vor allem auf 
die weibliche Klientel (allerdings hat es sich inzwischen etabliert, dass auch Bodybuilding- 
Seiten Bilder von Bodyrock.tv klauen - aus den nachstehenden Gründen). Zu bemerken ist, 
dass die jeweiligen Models außergewöhnlich fit und durchgestylt sind, wobei es genügend 
Gerüchte über die "Echtheit" ihrer Physis gibt (eines der Models arbeitete früher unter einem 
Pseudonym als hmmm, Schauspielerin, und wir wurden anonym darauf hingewiesen, dass 
bestimmte Teile ihrer Anatomie bei ihrem Körperfettgehalt nicht echt sein könnten); für die 
einen mag das ein Ansporn sein, andere könnten sich dadurch eventuell demotiviert fühlen. 




Das haben wir damit gemeint. 



Edit Flais: ich finde ja, die Models in den Beispielvideos bewegen sich ungefähr so 
geschmeidig wie Roboter, was jetzt kein Kompliment sein soll - besonders bei 
Sprungübungen wie Burpees und Co würde ich mir noch alternative Quellen anschauen. 
Egal, wenn das eure Schiene ist, solltet ihr mal ein, zwei von den Trainings versuchen. 



256 



www.sandowplus.co.uk : sehr viele Trainingsbücher aus der ersten Hälfte des 20. Jh. lassen 
sich hier legal (Copyright ausgelaufen) und kostenfrei einsehen und downloaden. Old school! 
Cool. 



257